Biss zum letzten Schluck

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. November 2019
  • |
  • 552 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-6377-6 (ISBN)
 
Biss zum letzten Schluck

Die unglaubliche Geschichte der Zwillingsbrüder Azimuth und Lucian aus Tennant Market, dem Ort, in dem nie irgendetwas passiert


Lucian Carmichael ist mit seinem Leben als Dorfanwalt sehr zufrieden. Bis ihn eines Tages ein Brief erreicht. Und der kommt nicht mit der Post, sondern wird von einem Dvergur zugestellt. Von dem Moment an hat sich Lucian nicht nur um das undichte Dach auf seinem Haus zu kümmern, sondern auch um seinen lange totgeglaubten Bruder Azimuth. Mit der Dorfidylle ist es schlagartig vorbei, denn sein neuer Mitbewohner pflegt seltsame Ernährungsgewohnheiten und ist auch sonst gewöhnungsbedürftig:
Azimuth ist ein Vampir mit ausgeprägter Blutunverträglichkeit und großem Hunger.

Urban Fantasy mit britischem Humor, skurrilen Charakteren und rarem Insiderwissen über Vampire. Oder hätten Sie gewusst, dass Knoblauch gar nicht hilft?
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,52 MB
978-3-7504-6377-6 (9783750463776)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Edda Minck (*1958) ist ein echtes Ruhrgebietskind. Ihre Ruhrpott-Bestatterkrimis rund um die nörgelige Maggie Abendroth haben Kultstatus, ebenso ihre Lesungen in Bestattungsinstituten. Schreibt sie keine Krimis, dann kümmert sie sich in ihren Romanen und Geschichten um den ganz normalen Wahnsinn des Lebens und die ewige Entscheidung: "Sekt oder Selters?". Eine Frage, die gut zu ihrem Hobby passt: kochen und essen.

Bisher erschienen:

Krimi:
totgepflegt - Maggie Abendroth und der kurze Weg ins Grab
(auch als Hörbuch, gelesen von Esther München)
abgemurkst - Maggie Abendroth und das gefährliche Fischen im Trüben
umgenietet - Maggie Abendroth und der alten Narren tödliches Geschwätz
ausgeträllert - Maggie Abendroth und die letzte Fahrt der Nachtigall
totgequatscht - Maggie Abendroth und der Teppich des Todes

Suppenmord - Kommissar Hölderling kocht

Mord mit Nachschlag - Ein Fall für Zwey & Viehr

Kein Krimi:
Idioten auf zwei Pfoten - Die Mopstagebücher
Für kein Geld der Welt - Eine fantastische Geschichte, die ganz bestimmt wahr ist
Bissitage, Eure Oma Berti - Gesammelte Kolumnen aus 3 Jahren VorOrt
Et gibbt für allet eine Lösung - Gesammelte Kolumnen aus weiteren 3 Jahren VorOrt
Der Feind an meinem Tisch II - Männer zur Fütterungszeit

Etliche Kurzgeschichten, Food-Blogs, Essays und journalistische Beiträge

KAPITEL 1


Mein Name ist Lucian Carmichael. Ich bin siebenundfünfzig Jahre alt und ein wenig geforderter Anwalt aus einer kleinen Stadt namens Tennant Market. Der Ort ist gerade groß genug, um nicht jeden mit Namen zu kennen, aber trotzdem klein genug, um auf der Straße den Hut zu lüpfen, wenn man aneinander vorbeigeht. Mich allerdings kennen alle - und nicht nur, weil ich Schiedsrichter beim jährlichen Cricket-Turnier oder Anwalt bin. Die wahren Ursachen meiner Bekanntheit im Ort sind viel dramatischer und sehr persönlich.

Ich bewohne das, was man hier als Haus der romantisch gehobenen Klasse bezeichnet, will heißen: Es ist so alt, dass man keine modernen Fenster einbauen darf, ohne gegen alle Gesetze des Denkmalschutzes zu verstoßen; dafür ist der Garten phantastisch, so lange ich mich nicht darum kümmern muss. Im Winter zieht es in allen Räumen gewaltig, und wenn ich auch das Dach decken wollte, ich fürchte mich vor einem Bankrott, daher ist der Dachdecker und Gärtner Mr Simmons mein bester Freund - er liefert auch Einzelschindeln, mäht den Rasen und beschneidet Bäume im Akkord. Ich bestreite meinen Unterhalt mit Einsprüchen gegen Strafzettel für falsches Parken, Geschwindigkeitsüberschreitungen und ab und zu auch mal einer Erbstreitigkeit, zuweilen auch mit der Ausarbeitung eines Ehevertrages oder eines Testaments. Zu mehr reicht mein angeborenes Phlegma nicht aus. Bislang habe ich Old Bailey, unser berühmtes Strafgericht in London, nur ein einziges Mal von innen gesehen, als Zuschauer, nicht als Prozessanwalt. Offensichtlich hat sich die Unterversorgung mit fähigen Anwälten herumgesprochen, denn noch nie stand jemand vor meiner Tür, der mehr Dreck am Stecken hatte als Trunkenheit am Steuer.

In Tennant Market hat der letzte Mord, soweit die Stadtarchive das hergeben, im 17. Jahrhundert stattgefunden. Wenn ich mich recht erinnere, wurde ein Täter nie gefasst. Danach blieb der Ort im Laufe der Zeit wie durch ein Wunder von allen Kapitalverbrechen und sogar Kriegshandlungen weitestgehend verschont, und auch die Pest, so scheint es, hat seinerzeit Tennant Market weiträumig umfahren und ihre Opfer in einem fünfzehn Kilometer entfernt liegenden Ort namens Nasty Hill gefunden.

Nomen est Omen.

Verheiratet bin ich nicht, aber mein alter Vater Tristan Carmichael lebte bis zu seinem Tode bei mir und hinterließ mir nicht nur das Haus und die Anwaltspraxis, sondern auch seinen Kater Freddy, der in Tennant Market Sonderstatus genießt. Egal, was er will und von wem er es will, er bekommt es. Und so ähnelt er in seinen Ausdehnungen mehr einem kleinen Hausschwein, als einem Exemplar der Rasse British Kurzhaar.

Womit ich jetzt bei den Umständen angelangt wäre, die dramatisch zu nennen sind und unser Dorf in schreckliche Aufregung versetzten. Mein Zwillingsbruder Azimuth verschwand im Alter von neunzehn Jahren. Es war an einem schönen Spätsommertag. Der ganze Ort war auf dem Crikketfeld versammelt. Ich erinnere mich, dass unsere Mannschaft haushoch gegen Nasty Hill verlor, was nicht ungewöhnlich war, und wir jungen Spieler später im Pub unseren Schmerz begossen. Azimuth verabschiedete sich früh, denn am nächsten Tag, so hatte er beschlossen, wollte er dringend nach Oxford fahren. Warum, hat er nie gesagt. Das Trimester würde erst in einer Woche beginnen. "Lass ihn doch", hatte unser Vater gesagt, "vermutlich steckt eine hübsche Studentin dahinter."

Am nächsten Morgen schlief ich meinen Rausch aus. Als ich aufwachte, war Azimuth längst aufgebrochen. Seitdem habe ich nie wieder etwas von ihm gehört oder gesehen.

Die Polizei war zunächst sehr zurückhaltend. Neunzehnjährige junge Männer verschwanden schon mal für ein paar Tage, wurde uns versichert. Aber ich wusste es besser. Ich spürte, dass ihm etwas zugestoßen sein musste. Zwillinge, vor allem eineiige, wie Azimuth und ich es waren, haben einen Draht zueinander, den andere nicht verstehen können. Glauben Sie mir, ich habe ihn überall gesucht, und auch einige Mitbürger aus Tennant Market halfen tatkräftig. Aber alle Bemühungen endeten in einer Sackgasse. Am Bahnhof von Oxford verlor sich seine Spur. Der letzte, der ihn gesehen hatte, war ein Busfahrer. Er erinnerte sich an Azimuth, weil er wegen ihm eine Vollbremsung hatte machen müssen. Der Mann berichtete, dass mein Bruder wie in Trance die Straße überquerte, und nicht einmal das Kreischen der Bremsen und das Hupen gehört hat, sondern einfach weiterlief in Richtung Pembroke College, wo wir beide studierten. Dort ist er nie angekommen. Weder fand man sein Gepäck, noch fand man ihn, tot oder lebendig.

Ich hatte noch lange nach seinem Verschwinden entsetzliche Alpträume. Nach drei Monaten der Suche mit allen Mitteln, die zur Verfügung standen, gab die Polizei schließlich auf. In Tennant Market war man zwar empathisch, aber auch froh, dass keine Leiche im Ort oder innerhalb der erweiterten Grenzen gefunden wurde. Der Name von Tennant Market, als der Ort, in dem nie etwas passierte, blieb unbefleckt, was die Statistik der Kapitalverbrechen anging. Das klingt herzlos, und ich finde, das ist es auch.

Nach einem zermürbenden Jahr zwischen Hoffen und Bangen, brach es Mutter das Herz und sie siechte noch ein paar Wochen dahin, dann starb sie, ohne, dass jemals ein Arzt eine plausible Diagnose gestellt hatte. Unser alter Hausarzt, Doktor Walden, war der Meinung, dass sie einfach nicht mehr leben wollte. Er hatte diese Art von Sterben schon bei entwurzelten und traumatisierten Flüchtlingen gesehen. "Wenn die Seele aufgibt", sagte er, "hat der Körper nichts mehr zu melden." Vor ein paar Wochen las ich in einem Magazin vom Broken Heart Syndrom, ein Psychologe erklärte, dass man durchaus an einem gebrochenen Herzen sterben konnte. Vielleicht hatte Walden ja Recht gehabt.

Mein Vater hielt durch. So phlegmatisch ich bin, so stoisch und verlässlich war Tristan Carmichael, der den Alltag aufrecht erhielt. Wir sprachen wenig über Azimuth und darüber, was ihm wohl geschehen sein könnte, und irgendwann hörten wir ganz damit auf. Er blieb in unseren Herzen und manchmal, wenn mein Vater sich unbeobachtet fühlte, stahl sich eine Träne aus seinen Augen. Ich glaube, wir hofften beide, dass eines Tages die Tür aufgehen würde und Azimuth wieder da sei, vielleicht mit einer wilden Geschichte von einer Seereise, die er unbedingt hatte machen müssen. Aber die Tür öffnete sich niemals und Azimuth wurde nach sieben Jahren schließlich für tot erklärt.

Ich machte meinen Abschluss und trat in die Kanzlei meines Vaters ein. Wir hatten dahingehend nie Pläne gemacht, aber als ich ihm den Vorschlag machte, war er über die Maßen erfreut, dass ich nicht das Weite suchte. Das war mir nie in den Sinn gekommen, denn die Vorstellung, in einer der großen Kanzleien in London mein Leben zu fristen, erschreckte mich. Zudem verstand ich mich sehr gut mit meinem Vater, und damals hatte ich noch keine Ahnung von Heizkostenabrechnungen, Denkmalschutzbestimmungen oder den Preisen von Mr Simmons. Ich fühlte mich wohl zwischen all den alten Möbeln, finsteren Gemälden und vor allem am Küchentisch, wenn im Winter die Holzscheite im alten Aga-Herd knisterten. Ich bin hoffnungslos altmodisch, trage Tweed und Pullunder im klassischen Muster, und niemals würde ich eine Pizza per Boten bestellen. Jedenfalls nicht, so lange meine Haushälterin, Miss Graves, in der Lage ist, den Kochlöffel zu schwingen. Die Segnungen des modernen Technologiezeitalters besitze ich allesamt und benutze sie auch, aber eher widerwillig. Das Haus, Tennant Market und ich finden es wohl angemessen, immer etwas außerhalb der Zeit zu sein.

Als mein Vater eines Tages beschloss, sich zur Ruhe zu setzen und mir seine Geschäfte übertrug, war auch ein Aktenbündel dabei, das von einer dicken Staubschicht bedeckt war und das er aus der hintersten Ecke des Dachbodens zog. Ich hatte es zuvor noch nie gesehen. Mein Vater sperrte es in den Safe und wies mich an, diese Akten nicht zu öffnen, so lange sich niemand meldete, der sie zu sehen wünschte. Die Jahre vergingen. Mein Vater wurde allmählich senil, aber nie vergaß er, mich einmal an jedem ersten Montag im Monat auf die Schriftstücke hinzuweisen. Vor drei Monaten ist er dann gestorben, und seitdem sitze ich mit dem dicken Freddy in einem viel zu grossen Haus in einer kleinen Stadt. Miss Graves kommt regelmäßig, um bei mir nach dem Rechten zu sehen. Sie ist von unbestimmten Alter, ich meine, sie schon seit meiner Geburt zu kennen. Aber das kann natürlich gar nicht sein. Freddy flüchtet vor ihr und ihren Gerätschaften, wie Wassereimern oder Staubsaugern, ins Arbeitszimmer meines Vaters, das immer noch genauso ist, wie am Tage seines letzten Atemzuges. Ich habe einfach nur das Namensschild auf dem Schreibtisch ausgetauscht, und jetzt ist es mein Büro.

Miss Graves macht mir manchmal Vorhaltungen, dass ich nicht in der Lage bin, Freddy zu bändigen. Als mein Vater noch lebte, hatte er diese Symptome nie gezeigt. Und während sie sich nach zwei Stunden des Schrubbens und Staubsaugens eine Pause und eine Tasse Tee gönnt, sagt sie jedes Mal: "Ich hoffe doch, er gewöhnt sich das wieder ab. Aber ohne Ihre Hilfe wird...

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