Die unnahbare Miss Ellison

 
 
SCM Hänssler (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Januar 2019
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7751-7437-4 (ISBN)
 
Aufregung in den Kreisen der besseren Gesellschaft von St. Hampton Heath. Alle schwärmen für den zurückgekehrten Earl of Hawkesbury - alle außer Lavinia Ellison. Die Pfarrerstochter ist überzeugt, dass Nicholas Stamford genauso arrogant und rücksichtlos ist wie sein Bruder. Nicholas Stamfords Leben wird dagegen von starken Schuldgefühlen überschattet. Als er auf die starrköpfige, leidenschaftliche Lavinia trifft, muss er sich dem Schmerz seiner Vergangenheit stellen. Wird Lavinia ihre Vorurteile überwinden und werden die beiden trotz der Standesunterschiede zusammen finden?
  • Deutsch
  • Asslar
  • |
  • Deutschland
  • 2,82 MB
978-3-7751-7437-4 (9783775174374)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Carolyn Miller lebt in New South Wales in Australien. Sie ist verheiratet, hat 4 Kinder und liebt es zu lesen und Bücher zu schreiben. Ihre Romane handeln von Vergebung, Liebe und anderen Herausforderungen. Carolyns Lieblingsautorin ist natürlich Jane Austen.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Kapitel 2


Lavinia klammerte sich an die ledernen Halteschlaufen, während die Kutsche über die holprige Straße rumpelte. Sie warf ihrer Tante, die ihr gegenübersaß und ebenfalls ruckartig hin- und hergeworfen wurde, einen vielsagenden Blick zu.

»Ich finde, für einen Mann mit seinen finanziellen Mitteln belässt Sir Anthony diese Straße in wirklich schockierendem Zustand.«

»Wir sind beinahe da, Tante Patience.«

»Cornelia Milton hat uns doch ganz bestimmt nur deshalb für heute Abend eingeladen, weil sie uns ihr herausgeputztes Haus und ihre geradezu lächerlich herausgeputzten Töchter vorführen möchte.«

»Und um den Grafen zu Hause willkommen zu heißen«, warf Papa milde ein.

»Der Graf.« Ihre Tante schnaubte. »Der ist zweifellos genauso hochmütig wie die anderen.«

»Diesen Eindruck hatte ich aber gar nicht, als er mich gestern besuchte.« Papa runzelte die Stirn. »Er wirkte im Gegenteil überraschend bescheiden.«

Von wegen bescheiden! Er hatte rücksichtslos und überheblich gewirkt. Lavinia wechselte einen Blick mit Tante Patience, sagte jedoch nichts. Das vernichtende Urteil ihrer Tante war nichts Neues für sie, ihre Ablehnung des Adels und der Tatsache, dass die Gesellschaft für ihre verschiedenen Schichten unterschiedliche Verhaltenskodizes aufstellte, hatten schon zu so mancher leidenschaftlichen Auseinandersetzung im Pfarrhaus geführt. Den früheren Grafen hatte der deutliche Mangel an Ehrerbietung, die ihre Tante ihm entgegenbrachte, anscheinend nie gestört, doch Tante Patience hatte selbst zugegeben, dass er die Ausnahme der arroganten adligen Regel gewesen war. Nach ihrer gestrigen Begegnung verstand Lavinia, warum.

»Ich wünschte wirklich, ich hätte mehr Zeit, um meine Predigt noch einmal durchzugehen.«

Lavinia tätschelte seinen Arm. »Das kannst du doch morgen noch machen, Papa.«

»Da hast du wohl recht.« Die Kutsche rüttelte sie erneut heftig durch und er verzog das Gesicht. »Es war sehr freundlich von den Miltons, uns ihre Kutsche zu schicken, aber ich muss zugeben, dass ich doch erleichtert sein werde, wenn wir angekommen sind.«

»Ich auch!« Ein weiterer Stoß schleuderte Lavinia fast vom Sitz. Energisch stemmte sie ihre Knöpfstiefel gegen den Kutschenboden. Einerseits würde sie froh sein, wenn sie endlich das Haus des Gutsherrn erreichten, das erst kürzlich mit einem neuen Anbau versehen worden war. Doch was den heutigen Ehrengast betraf, hegte sie durchaus gemischte Gefühle. Auch wenn seine überheblichen Manieren gestern zu wünschen übrig ließen, war ein neues Gesicht - attraktiv oder nicht - auf jeden Fall interessant. Laut den Zeitungsberichten über den spanischen Unabhängigkeitskrieg, die man im Pfarrhaus begierig verfolgt hatte, war Major Stamford einer von Wellingtons mutigsten Männern gewesen und hatte zahllose Auszeichnungen erhalten. Er musste eine Menge interessanter Geschichten zu erzählen haben.

Lavinia unterdrückte ein Seufzen. Sie würde versuchen, ihm eine zweite Chance zu geben. Immerhin lag es in seiner Macht, den Armen von St. Hampton Heath zu helfen.

Sie sah aus dem Kutschenfenster. Hecken glitten an ihr vorüber. Gestern hatte sie den Grafen kaum sehen können, da die Sonne sie geblendet hatte. Doch was sie gesehen hatte, stimmte mit Sophias Beschreibung überein. Der Graf war groß, sein Haar dunkel, seine Schultern breit - aber der Schatten hatte sein Gesicht verdeckt, weshalb sie nicht gesehen hatte, ob es attraktiv war. Am meisten überrascht hatte sie, wie er nach dem Gespräch mit Papa davongesprengt war, als fürchtete er, dass böse Geister oder ein ähnlicher romantischer Unsinn hinter ihm her sei. Ein mehr als seltsames Verhalten für einen Mann, der für seinen Mut ausgezeichnet worden war.

Papa hatte später nur erzählt, der Graf habe sein Bedauern über das Geschehen zum Ausdruck gebracht und um seine und Lavinias Verzeihung gebeten. »Die ich ihm natürlich gewährt habe.«

»Natürlich?«, hatte Tante Patience geschnaubt. »Weil er ein Adliger ist?«

»Weil er ein Mensch ist.«

»Also stiehlt der Adel sich wieder einmal aus der Verantwortung, schneller als ein Pfannkuchen aus einer gebutterten Pfanne rutscht! Findest du wirklich, dass Graces Mörder so leicht freigesprochen werden kann?«

»Unversöhnlichkeit macht uns zu Sklaven, meine liebe Patience.«

Ja, schon, aber wie konnte Papa einfach so ihre, Lavinias, Vergebung gewähren? Er war nicht da gewesen, hatte nicht gesehen .

Lavinia biss sich auf die Lippen und würgte den Zorn hinunter, der angesichts der alten Kränkungen in ihr aufstieg, obwohl sie es gar nicht wollte. Der Augenblick eisigen Schreckens in dem Moment, bevor das Pferd ausschlug. Der Schrei ihrer Mutter, der Lavinia noch jahrelang im Schlaf verfolgte. Der Dorfklatsch, dass der jüngere Stamford nach einem Arzt geschickt habe - aber nur für seinen Bruder! Lord Roberts zurückhaltend formulierter Kummer darüber, dass seine beiden Neffen sich weigerten, ihre Schuld einzugestehen. Wieder loderte der Zorn über diese maßlose Ungerechtigkeit in ihr auf. Wie konnte Papa Lavinias Vergebung gewähren? Sie warf ihrem Vater einen Seitenblick zu, zwang sich zu einem angespannten Lächeln und versuchte, ihre verkrampften Hände zu lockern. Genug davon!

Heute Abend brauchte sie nicht wie der Rest der Dorfbewohner dem Ehrengast ihren Respekt zu bezeugen. Sie würde sich auf jemanden konzentrieren, der sehr viel weniger aufgeblasen und wichtigtuerisch war.

»Mylord! Willkommen in unserem bescheidenen Heim.«

Nicholas verneigte sich vor dem Gastgeber des heutigen Abends. »Danke, Sir Anthony.« Dann schaute er sich im Salon um. Er erkannte die Honoratioren der Gegend und nickte Lord und Lady Winthrop zu, deren Landsitz südlich an sein eigenes Anwesen grenzte, Mr Jones, dem Anwalt, und Mr Ellison. Schließlich ließ er den Blick über das Meer von Gesichtern schweifen, das ihm mit unverhohlenem Interesse zugewandt war. Noch ein paar Verbeugungen in Richtung einiger anderer Gäste, dann wandte Nicholas sich entschlossen um und betrachtete die Bilder an den Wänden. Wie viele solche Abende musste er noch durchstehen? Wie viele Einladungen konnte er ablehnen, ohne unhöflich zu wirken? Sein Blick wanderte von einem hässlichen Bild mit Sonnenblumen zu einer Gruppe junger Damen, die neben dem Bogenfenster saßen.

Es war eine Gruppe junger Mädchen wie so viele andere: Brünette, Blonde, gekleidet in den blassen Farben des aktuellen Modediktats, ihr albernes Betragen lediglich eine ländliche Version dessen, wie sich Londoner Koketten benahmen.

Doch dann weckte eine dieser jungen Damen seine Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu den anderen sah sie nicht zu ihm herüber. Sie war nicht die Jüngste und in ihrem schlichten grauen Kleid auch nicht die Eleganteste. Ihr rotblondes Haar war nicht nach der diesjährigen Mode frisiert und sie trug auch keinen Schmuck - bis auf ein Lächeln, das gelegentlich aufleuchtete, während sie einer unscheinbaren älteren Frau zuhörte. Ihre Haltung, ihre ruhige, gelassene Selbstsicherheit, als wüsste sie genau, wer sie war und was sie wollte, hätte durchaus in einen Londoner Ballsaal gepasst. Nicholas runzelte die Stirn. Sie erinnerte ihn an jemanden .

»Die jungen Damen können es kaum erwarten, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mylord.«

Der Graf wandte seine Aufmerksamkeit wieder seinem Gastgeber zu und verbarg seine Bestürzung hinter einem höflichen Lächeln. Seit Monaten litt er nun schon unter den Aufmerksamkeitsbekundungen diverser junger Damen und mehr noch ihrer Mütter. Er unterdrückte ein Schaudern bei der Erinnerung an die letzte Londoner Saison, die er auf Geheiß seiner Mutter hatte mitmachen müssen. Gespräche mit langweiligen, albernen jungen Mädchen und hohlköpfigen jungen Männern - Menschen, die kein anderes Ziel im Leben zu verfolgen schienen, als zu sehen und gesehen zu werden -, waren für einen Mann der Tat einfach nur uninteressant. Er hatte es als Segen empfunden, die Stadt und ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen endlich hinter sich lassen zu können. Doch nun war er in dieser trostlosen Ecke von Gloucestershire, und sein Status und sein angeblicher Reichtum zogen erneut die Aufmerksamkeit auf sich. Er lächelte angespannt. Wenn sie wüssten .

Der Gutsherr deutete auf eine aufgedonnerte Frau mit dunklem Haar und Doppelkinn. »Darf ich Ihnen meine Frau, Lady Milton, vorstellen?«

Nicholas murmelte die üblichen höflichen Nichtigkeiten. Als er ihren geradezu ehrfürchtigen Blick sah, trat ein gequälter Ausdruck auf sein Gesicht. Seine eifrige Gastgeberin winkte ein junges Mädchen herbei, während ihr Mann weitersprach. »Und meine Tochter, Sophia Milton.«

Die kleine Blondine lächelte einfältig, die Augen niedergeschlagen, und errötete vorteilhaft. »Mylord.«

Sir Anthony fuhr fort: »Und darf ich Ihnen auch Miss West vorstellen?«

»Guten Abend, Ma'am.«

Eine dunkelhaarige Frau warf ihm einen kühlen Blick zu, gönnte ihm ein kurzes, scharfes Nicken, das einer Herzogin würdig gewesen wäre, und ließ ihn stehen.

Nicholas runzelte die Stirn.

»Und dies ist die Tochter unseres lieben Pfarrers, Miss Ellison.«

Das selbstbewusste Mädchen, das ihm vorhin aufgefallen war, trat zögernd heran. »Lord Hawkesbury und ich sind uns schon begegnet.«

Er starrte sie an. Diese Stimme, diese Augen .

Nein. Ausgeschlossen.

Nicholas schluckte. »Miss Ellison.«

»Wie Sie sehen.« Sie deutete einen ironischen kleinen Knicks an.

»Ich muss mich entschuldigen. Ich wusste nicht . ich hatte nicht damit gerechnet, dass...

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