DIE BRÜCKE VON AVIGNON

Erster Roman der AVIGNON-Trilogie
 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. November 2019
  • |
  • 364 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7487-2104-8 (ISBN)
 
Wir schreiben das Jahr 1314: Der mächtige Orden der Templer ist zerschlagen. Der junge Bertrand de Comminges ahnt, dass ein furchtbares Komplott hinter der Zerstörung des sagenumworbenen Ritterordens steckt. Von der Inquisition erbarmungslos gejagt, muss er zum Papst gelangen, der in Avignon residiert. Nur ihm darf Bertrand das geheime Wissen anvertrauen, mit dem das spirituelle Erbe des Ordens bewahrt werden kann... Mit Die Brücke von Avignon von Bestseller Autor Thomas R. P. Mielke (u. a. Das Sakriversum, Gilgamesch, König von Uruk) startet der Apex-Verlag die große Avignon-Trilogie, die Maßstäbe setzt für das Genre Mittelalter-Romane.
  • Deutsch
  • 1,90 MB
978-3-7487-2104-8 (9783748721048)

  Kapitel 2: Auf der Brücke


 

 

Die reißenden Wasser der Rhône waren eiskalt. Bertrand schrie vor Schmerz und Zorn auf. Sofort fuhren neue Blitze und Donner aus den Gewitterwolken in den Regennebel um ihn herum. Er konnte kaum noch die riesige Insel Barthelasse sehen, die von hier aus die Rhône bis nach Avignon in zwei Flüsse teilte. Mit aller Kraft versuchte er, sich und sein Pferd über Wasser zu halten.

Zu lange schon und zu dicht waren die gnadenlosen Hunde des Herrn hinter ihm her. Vielleicht war es doch ein Fehler gewesen, dass er bei seinem Aufbruch im Kloster von St. Jacques gesagt hatte, er wolle Meister Eckhart nach Straßburg folgen, um sich bei ihm um die Beginenhäuser zu kümmern. Der große Lehrer war schon mehrfach nach Paris berufen worden. Dann aber musste er den Allerobersten bei seinen Dominikanern doch noch zu ketzerisch geworden sein. Sein Ordensgeneral Berengar von Landora hatte ihm vor einigen Monaten trotz aller Verdienste das Lehramt entzogen und ihn zur Aufsicht über Seelenheil, Keuschheit und Frömmigkeit für mehrere Dutzende Nonnenklöster und Beginenhäuser im Süden Deutschlands nach Straßburg geschickt.

Die Beginen - Bertrand wusste nicht, warum er gerade jetzt an die überall entstandenen Vereinigungen keuscher und in Armut lebender Frauen denken musste. Sie hatten kaum etwas mit seinen eigenen Plänen zu tun. Oder sammelten sich in ihnen nicht nur die unverheiratet gebliebenen Töchter adliger Familien, sondern auch diejenigen Weibsbilder, die mit den verfemten, verbrannten oder geflohenen Templern zu tun hatten? Die Beginen waren inzwischen zu einer lästigen Konkurrenz für die offiziell anerkannten Ordensgemeinschaften und Nonnenklöster geworden. Sie bekamen Spenden, wurden in Testamenten bedacht und ließen zu, dass ihre Schwestern heirateten, wenn sich bei dem überall herrschenden Mangel an ehrbaren Mannsbildern doch noch eine Möglichkeit ergab.

Bertrand wusste, dass die Häscher der Inquisition nur darauf gewartet hatten, ob er nach Straßburg oder nach Süden ins Rhônetal abbog. Die nächsten möglichen Fluchtpunkte waren Lyon und dann Vienne gewesen. In diesen Städten waren die wichtigsten Konzile der letzten Jahre abgehalten worden. Hier waren der Erzbischof von Bordeaux durch Frankreichs König zum Papst gekrönt und der einst mächtige Orden der Templer als eine gefährliche Organisation von Gotteslästerern angeklagt worden...

Die Templer!

Es gab sie nicht mehr. Jedenfalls nicht in Frankreich. Sie hatten den Sturz der letzten Festung Akkon im Heiligen Land vor gut zwanzig Jahren nicht überstanden, waren für das klägliche Ende der Kreuzzüge verantwortlich gemacht, der geheimen Alchemie, Sodomie, Ketzerei und Teufelsanbetung angeklagt worden. Aber das alles waren nur vorgeschobene Gründe für Verhaftung, Folter und Hinrichtung. Und nichts davon gehörte zum wahren Geheimnis ihres Untergangs.

Wer von den Tempelrittern im letzten Augenblick noch entkommen konnte, war nach Schottland, Portugal oder bis zur Marienburg des deutschen Ritterordens an der Ostsee geflohen. Die letzten Anführer saßen seit Jahren in Paris im Kerker. Und wenn Papst Clemens V. nicht half, würden auch sie schon bald öffentlich verbrannt werden!

»Die Strafe Gottes!«, schlug ihn der Sturm wie mit einer Peitsche der Büßermönche. Gleichzeitig wehrte er sich dagegen, erneut als der Fehltritt des Erzbischofs von Bordeaux dazustehen... als der »Bastard Smaragdus«, wie er vor vielen Jahren bei seinem Eintritt ins Kloster am Nordrand der Pyrenäen verspottet worden war.

Den >Bastard< hatte er inzwischen überwunden. Unter den Studenten von Paris waren nicht wenige gewesen, die statt einer ehrenvollen Herkunft über genügend Beutel mit Floren und anderen Münzen verfügten, um jedes Lästermaul zu stopfen.

Auch er hatte nie Not gelitten in seinem bisherigen Leben, niemals gehungert und nicht unter Schmutz, Schwären und schrecklichen Krankheiten gelitten. Er war weder verstoßen noch geächtet, verfolgt oder gefoltert worden. Im Gegenteil: Seit er denken konnte, hatte ihn seine Herkunft mütterlicher- und väterlicherseits ebenso geschützt wie die Gnade des gütigen Gottes und die Schwingen seiner persönlichen Schutzengel. Nur selten hatte sich das Rad der Fortuna zu seinen Ungunsten bewegt. Er war nie ganz oben gewesen, aber auch niemals ganz unten, sondern ganz in der Mitte zwischen vielen anderen.

Oh, nein! Er war keine besondere Frucht unter Gottes Schöpfungen, keine erlesene Blüte des Geistes, kein Ritter der Tafelrunde, auch nicht der Letzte der Templer. Er gehörte durch keinen Schwur und keine gotteslästerliche Weihe zu den unseligen Ordensbrüdern wie viele Männer aus seiner eigenen Verwandtschaft, von denen jetzt die meisten tot, zu erbärmlichen Krüppeln gefoltert oder dem Wahnsinn anheimgefallen waren.

Dennoch wussten oder vermuteten zumindest seine Verfolger, dass er wahrscheinlich der einzige Eingeweihte war, der vom Geheimnis der drei Zeichen im Stein wusste und bisher kein einziges Mal von der Inquisition peinlich befragt worden war.

Drei Jahre lang hatte er völlig frei in Paris studiert - im Kloster von St. Jacques, unmittelbar an der Straße nach Orléans, und in den Häusern der Magister und großen Professoren der Sorbonne. Er hatte sich bei ihren Vorlesungen ebenso ungehindert bewegt wie in den Kirchen und in den schlimmen Gassen mit den Tavernen und ihrem Hurenvolk. Und all die Jahre hatte er nicht einmal geahnt, was er wirklich wusste...

Aber wie lange noch? Sie hetzten ihn wie ein scheues und . seltenes Wild, trieben ihn vor sich her, ohne zuzuschnappen, und erfuhren dadurch immer mehr von seinen Plänen. In jeder anderen Situation hätte er das beißend kalte Wasser zwischen sich und den Häschern des Königs hinter sich noch viel länger und heftiger verflucht. Jetzt aber waren die Wogen des Flusses wie die Schwingen des Erzengels Michael, die ihn beschützten und seine Verfolger zurückbleiben ließen.

Ein Zweig schlug ihm über das Gesicht, dann wurde er zusammen mit seinem Pferd vom Fluss wieder fortgerissen. Er tauchte ein in die schlammigen Fluten, kam wieder hoch, rang verzweifelt nach Luft und schoss durch Wirbel und weiße Gischtberge. Regen vom schwarzgrauen Himmel und seltsam leuchtender Nebel über dem wild gewordenen Fluss vermischten sich wie betörende Weihrauchschwaden in einer Kathedrale zu einem jenseitigen Raum, in dem es keinen Boden unter den Füßen und keine irdischen Fesseln für seinen sündigen Leib mehr gab.

Die beiden Kirchenfürsten in ihren roten Soutanen standen wie die Erzengel Gabriel und Michael auf dem Balkon im oberen Stockwerk des Bischofspalais von Avignon. Furchtsame Lakaien hatten die Türflügel hinter ihnen mit geschwungenen, schon rostigen eisernen Lochbändern gegen ein Zuschlagen an der Mauer gesichert. Die oberen Hälften der Türen bestanden aus geölter Leinwand, und nur die unteren waren mit buntem, halb durchsichtigem Glas ausgefüllt.

Obwohl vom Balkon am alten Bischofspalais von Avignon über die Stadtmauer hinweg die gesamte Rhône, die Brücke und sogar das Treiben auf der großen Flussinsel wie hinter den cancelli, dem Speisegitter bei der Ausgabe der Hostien, überblickt werden konnte, hatten die früheren Oberhirten der Diözese vieles verkommen lassen. Das Comtat Venaissin zwischen Rhône, Durance und Alpen gehörte schon fast vierzig Jahre zum Kirchenstaat. Solange sich kein Papst um die Exklave gekümmert hatte, war die Grafschaft von verschworenen Nachkommen der Ketzer und von ebenso vertriebenen Juden als schützende Insel zwischen dem Königreich der Franken und dem deutschen Imperium genutzt worden.

»Philipp der Schöne hat erkannt, wie wichtig ein guter Blick auf die Brücke ist«, rief der Bischof von Poitiers und deutete auf den schemenhaft sichtbaren mächtigen Wachturm, den der König von Frankreich jenseits der Insel im Fluss am anderen Ufer errichtet hatte.

»Wir wissen es auch, sonst stünden wir beide nicht hier«, gab Niccolò da Prato zurück. »Was glaubst du, warum der Heilige Vater den alten Bischof von Avignon zum Kardinal gemacht und dann fortgeschickt hat?«

Sie wussten beide, dass der alte Palast der strategisch günstigste Aussichtspunkt außer den Wachen oben auf dem Rocher des Domes und an den Tortürmen zur Brücke war. Für derartige Dinge hatte sich Jacques Duèse, der frühere Bischof von Avignon, weit weniger interessiert als für seinen Weinkeller in den uralten Felsenkatakomben und eine bequeme Treppe mit extra flachen Stufen zur Kathedrale hinauf. Er hatte sein Palais räumen müssen, als Clemens V. ihn vor zwei Jahren zum Kardinal von Porto ernannte und die Diözese Avignon für sich beanspruchte.

Nach seiner Wahl zum Papst und den Stationen in Poitiers, Toulouse und Carpentras hätten die Kurienkardinäle auch Montpellier mit der berühmten medizinischen Universität oder Arles mit seinen prächtigen Palästen, den römischen Bauten hoch über der Rhône und der viel größeren Kathedrale zur Stadt des neuen Pontifex wählen können. Nur wenige Eingeweihte wussten, warum sie ausgerechnet Avignon vorgezogen hatten. Und nicht einmal seine schlimmsten Gegner ahnten, wie geduldig der Papst alle Schmähungen und Verleumdungen ertrug, wenn er nur fernab von den Intrigen Roms bleiben konnte.

Die meisten ahnten nicht, wie krank der Heilige Vater wirklich war. Trotz seiner Schmerzen, aller Rückschläge und der schrecklichen Opfer unter den Templern träumte Clemens noch immer von einer Erneuerung der Kirche. Er wollte umkehren auf der schrecklichen Straße der Kämpfe um geistliche und weltliche Macht. Und er betete nachts, wenn er sich allein glaubte, laut um Vergebung für die...

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