Die Köchin von Castamar

Auf Liebe und Tod. Roman
 
 
C. Bertelsmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-26148-1 (ISBN)
 
Eine skandalöse Liebe, böse Intrigen und gefährliche Duelle am Hof von Castamar

Clara, Chefköchin am Hof von Castamar, schwärmt schon lange für den Herzog. Doch obwohl sie mehrere eindeutige Zeichen erhalten hat, kann sie immer noch kaum glauben, dass der Herzog ihre Gefühle erwidert. Als Clara bei einem großen Festessen den Gästen des Herzogs vorgestellt wird, gerät die Situation außer Kontrolle: Mehrere Adlige machen anzügliche Bemerkungen, bis Clara - ihrer niedrigen Stellung zum Trotz - ihrer Wut freien Lauf lässt. Ein Skandal, der sofort die Runde macht. Doch der Herzog gibt nicht auf, um Clara zu werben. Auch wenn er damit ins Netz der Verschwörung gerät, die seine Feinde seit Langem sorgfältig inszeniert haben ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
C. Bertelsmann
  • 1,56 MB
978-3-641-26148-1 (9783641261481)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Fernando J. Múñez, geboren 1972 in Madrid, studierte Philosophie und Filmwissenschaften. Er verfasste Drehbücher und Jugendliteratur, bevor er die historische Saga »Die Köchin von Castamar« schrieb, die in Spanien sofort zum Bestseller wurde. Eine TV-Verfilmung ist bereits in Vorbereitung.

KAPITEL 1


16. Oktober 1721


Amelia Castro bereitete schon seit mehreren Tagen ihre Abreise vor, nachdem sie das Frühjahr und den Sommer über die Gastfreundschaft und das Vertrauen der Bewohner von Castamar weidlich ausgenutzt hatte. Nun, da es bereits Herbst war, genau an dem Tag, an dem das jährliche Fest des Herzogs Don Diego von Castamar stattfinden würde, hatte sie beschlossen, sich auf den Weg nach El Escorial zu machen, um ihre kranke Mutter zu besuchen. Denn die einzigen Nachrichten, die sie über sie erhalten hatte, waren Briefe von Dienstboten, die sich um sie kümmerten. Auch der Marquis von Soto und Campomedina Don Enrique hatte ihr geschrieben und sie darüber informiert, dass er erneut an dem traditionellen Essen im kleinen Kreis in Castamar teilnehmen würde, wo er auch sie anzutreffen hoffe. Nun war sie voller Panik. Offensichtlich gab es keine Möglichkeit, diesem Kerl klarzumachen, dass er das, was er nach dem geheimen Plan von ihr forderte, nicht bekommen würde: Denn es stand nicht mehr in ihrer Macht, Don Diego zu verführen.

Natürlich war Doña Mercedes - Don Diegos Mutter - ihr durchaus gewogen, und ihre Söhne waren es ebenfalls, aber mehr auch nicht. Und deshalb war Amelia zu dem Schluss gekommen, dass der Widerling Don Enrique, wenn er herausfinden würde, dass Don Diego sich keineswegs verpflichtet fühlte, sie jemals zu ehelichen, durchaus in der Lage sein würde, sie und ihre Mutter durch einen Unfall verschwinden zu lassen.

Daher hatte sie eine Strategie erdacht, um dieser bedrohlichen Lage zu entkommen. Sie hatte vor, ihre Mutter abzuholen und von Madrid nach Cádiz zu reisen, um dann per Schiff in ein anderes europäisches Land, möglicherweise Frankreich, oder nach Amerika zu fliehen. Sie hoffte, den Majordomus oder einen anderen Dienstboten des Hauses mithilfe einer beträchtlichen Summe Geldes dazu bewegen zu können, sie von hier fortzubringen. Und wenn ihr das gelang, würde sie Don Enrique für immer vergessen. Bis dahin musste sie ihn jedoch glauben machen, dass sie ihr Ziel erreichen könne. Außerdem durfte Don Gabriel, der Adoptivbruder des Herzogs, sosehr sie ihn auch in all den Monaten schätzen gelernt hatte, auf keinen Fall erfahren, dass sie an der Geschichte beteiligt war. Sie hatte sogar daran gedacht, Don Gabriel zu bitten, sie zu begleiten und ihr zur Seite zu stehen, falls die Dienerschaft in El Escorial sich als nicht kooperativ erweisen sollte. Später war sie jedoch zu dem Schluss gekommen, ihn lieber nicht damit zu behelligen, da sie nicht wollte, dass Don Gabriel zum Ziel der Machenschaften des Marquis werden würde. Deshalb hatte sie geschwiegen, obwohl sie das Bedürfnis verspürt hatte, sich ihm anzuvertrauen. Sie fürchtete um seine Sicherheit, denn als Mitwisser würde er automatisch zu Don Enriques Feind.

Seit Don Gabriel sie aus dem Schlamm und dem Unwetter gerettet und vor dem sicheren Tod bewahrt hatte, hatten sich ihre Ansichten über die dunkelhäutige Rasse sehr verändert. So intensiv, wie er sich um ihr Wohl gesorgt hatte, die medizinische Behandlung ihres Gesichts, die er ihr auf Anweisung des Arztes hin hatte angedeihen lassen, die gemeinsamen Spaziergänge durch die Gärten von Castamar und die Ausflüge nach Villacor, die kurzen Nachrichten, die er ihr geschrieben hatte, die Lektüren, mit denen er sie erfreut hatte, und sein Cembalospiel für sie, all das hatte dafür gesorgt, dass sie auf einmal nicht mehr auf seine Hautfarbe gesehen hatte, sondern in sein Herz. Und es gab keinen anderen Menschen, der so gutmütig und hilfsbereit war wie er. Don Gabriel wies all die Eigenschaften auf, die eine Frau sich von einem Mann wünschen konnte: Er war gut aussehend, selbstsicher, vertrauenswürdig und hingebungsvoll. Daher wartete sie nun mit ihrem fertigen Gepäck traurig auf ihn, um sich zu verabschieden. Die nie erklärte Beziehung, die sich zwischen ihnen entwickelt hatte, würde über sie beide nur Unglück bringen, wenn sie sie nicht beendeten. Sie war eine unverheiratete Frau, der man die Jungfräulichkeit genommen und das Gesicht gezeichnet hatte. Und er ein Mann, der nur innerhalb der engen Grenzen von Castamar respektiert wurde.

Jemand klopfte an die Tür, und sie gewährte Einlass. Wie sie es erwartet hatte, erschien Don Gabriel untadelig gekleidet in einem Gehrock aus Taft und einer himmelblauen Weste mit silbernen Knöpfen. Sie wandte sich ihm zu und machte einen kleinen Knicks. Daraufhin nahm er den Dreispitz ab, grüßte höflich und erklärte seinen Wunsch zu erfahren, ob sie die Absicht habe, Castamar zu verlassen.

»Ich möchte Euch nicht noch mehr Unannehmlichkeiten bereiten, als es bereits der Fall ist, und . wie Ihr seht, sind meine Sachen, die Ihr freundlicherweise aus Madrid habt herbringen lassen, bereits gepackt. Ich möchte meine Mutter besuchen.«

Er nickte verständnisvoll und presste die Lippen zusammen wie bereits mehrere Male zuvor, wenn er sich gezwungen hatte, das Thema des Überfalls nicht anzusprechen. Sie schwiegen eine Weile, als könne sich keiner von beiden dazu entschließen, sich zu verabschieden. Bis er sie mit seinen glänzenden dunklen Augen ansah und gestand:

»Ich wiederhole, wie sehr ich mir wünsche, dass Ihr zum Abendessen bleibt.«

Sie erschauderte, wenn sie nur an Don Enrique dachte, und senkte sofort den Blick.

»Diese Einladung entspricht natürlich auch dem Wunsch meines Bruders und meiner Mutter, die Euch, wie Ihr wisst, aufrichtig schätzen«, fügte Don Gabriel hinzu. »Wie ich Euch letztens beim Spaziergang sagte, würde es mich sehr glücklich machen, wenn Ihr meine Begleiterin wäret.«

Sie lächelte, als ihr dieser Moment wieder ins Gedächtnis kam.

»Ich danke sehr für Euer Angebot, aber heute Abend Eure Begleiterin zu sein, würde mich in eine unerquickliche Lage bringen und Euch .«

»Ich verstehe. Manchmal bedenke ich nicht, was ich von anderen erbitte«, unterbrach er sie sanft. »Keine Angst, meine Einladung bezieht sich nur auf das Essen unter Freunden, das mein Bruder vor dem Fest zu geben pflegt. Denn obwohl mein Bruder immer wieder darauf besteht, nehme ich niemals am anschließenden Ball teil. Meine Hautfarbe ist nicht angemessen für den Königshof, und ich verstehe, dass sie das auch für Euch nicht ist. Ich fürchte, dass es zu ständigem Gerede führen würde, und ich weiß, dass das . unangenehme Fol.«

Amelia trat auf Gabriel zu und hob die Hand, um ihn zu unterbrechen.

»Ihr habt mich falsch verstanden, Don Gabriel«, flüsterte sie. »Auch wenn ich nicht abstreiten kann, dass ich zu Anfang gewisse Vorbehalte Eurer Hautfarbe gegenüber hatte, sind diese doch schon lange nicht mehr bei mir vorhanden. Auf keinen Fall würde ich Euch derartig entehren und schon gar nicht, nachdem Ihr mir das Leben gerettet habt. Ihr seid der beste Begleiter, den ich mir für das Fest wünschen könnte, und meine Absage hat nichts mit Eurer Hautfarbe zu tun«, fuhr sie fort. »Dass ich nicht daran teilnehmen möchte, ist . wegen mir . meiner dummen weiblichen Eitelkeit .«, erklärte sie und strich sich über die längst geschlossene Narbe auf ihrer Wange.

Gabriels Gesichtsausdruck veränderte sich sofort.

»Entschuldigt meine Dummheit«, sagte er. »Daran gewöhnt, dass meine Hautfarbe bei tumben Herzen auf Abneigung stößt, habe ich nur an mich gedacht, anstatt an Euer Wohl.«

»Deshalb braucht Ihr Euch nicht schuldig zu fühlen. Nicht mir gegenüber, die ich in Euer Herz geblickt habe und weiß, wie Ihr seid«, sagte Amelia, um der Angelegenheit an Bedeutung zu nehmen.

Für ein paar Sekunden sahen sie sich in die Augen. Dann trat er noch näher an sie heran.

»Erlaubt mir, Euch zu beschützen«, sagte er. »Ich schwöre, dass ich nicht zulassen werde, dass Euch noch einmal irgendjemand ein Leid antut.«

Diese Worte bewegten sie so sehr, dass sie sich ihm endlich anvertrauen wollte. Mit den Fingerspitzen strich er über ihre Narbe, und sie hielt seine Hand zögernd für einen Moment zurück, um dann zuzulassen, dass er ihr Gesicht berührte. Sie senkte den Kopf, bis ihre Stirn an seiner Brust lehnte. In dem Moment klopfte jemand an die Tür, und beide traten sofort auseinander. Don Diego kam herein, in dem Glauben, nur sie dort anzutreffen. Als er seinen Bruder sah, hielt er inne, doch Gabriel bat ihn einzutreten. Für einen Moment kehrte das befremdliche Gefühl zurück, das Amelia jedes Mal verspürte, wenn sie die beiden Brüder zusammen sah. »Ich bin gekommen, um Euch, Señorita Amelia, zu bitten, heute Abend noch am Essen teilzunehmen .«, sagte Diego befangen.

Don Gabriel beeilte sich zu sagen, dass sie anderweitige Verpflichtungen habe, doch bevor er den Satz beenden konnte, erklärte Amelia, durch einen Impuls geleitet, dass diese Verpflichtungen warten konnten und dass es ihr eine Freude sei, den Abend mit ihnen gemeinsam zu verbringen. Don Diego zog sich zurück, um der Dienerschaft mitzuteilen, dass sie einen Gast mehr erwarteten, und nachdem er den Raum verlassen hatte, dankte Gabriel Amelia dafür, dass sie bleiben wollte.

»Das ist das Mindeste, was ich tun kann«, entgegnete sie.

»Nicht dass Ihr Euch genötigt fühlt. Ich weiß, dass Ihr aufgrund Eurer guten Erziehung .«

»Ich freue mich darauf, Eure Begleitung zu sein«, unterbrach sie ihn.

Daraufhin entschuldigte er sich lächelnd und folgte dem Herzog aus dem Zimmer. Und sie blieb mit ihrer Angst allein zurück. Sie setzte sich und betrachtete ihre Hände, die sie nicht stillhalten konnte. »Sei stark, Amelia!«, sagte sie sich. »Was während des Essens auch geschieht, Don Gabriel wird an deiner Seite sein, und wenn du die Freiheit willst,...

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