Der Blutkünstler

Thriller
 
 
Ullstein Taschenbuchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Mai 2021
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-2484-5 (ISBN)
 

Das Böse hat einen neuen Namen: Der Blutkünstler

Tom Bachmann seziert Seelen - von Mördern, Psychopathen, Sadisten. Er ist ohne Zweifel der beste Profiler seiner Generation.

Doch nun bekommt er es mit einem Killer zu tun, der dem Wort Grausamkeit eine neue Dimension verleiht: Der Blutkünstler foltert seine Opfer lange und ausgiebig, ehe er ihre Körper dazu benutzt, um etwas Großes zu erschaffen. Ein Kunstwerk. Ein Vermächtnis. Ein Farbenspiel aus Fleisch und Blut.

Tom Bachmann, der "Seelenleser" des BKA, setzt alles daran, den Blutkünstler zur Strecke zu bringen. Dabei muss er sich einer verstörenden Wahrheit stellen, einer Wahrheit, die erklärt, warum er der Einzige ist, der den Killer aufhalten kann.

1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 3,58 MB
978-3-8437-2484-5 (9783843724845)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Chris Meyer hat sich von Berufswegen schon oft mit der Frage beschäftigt, warum ein Mensch zum Serienmörder wird. Bis heute gab es keine zufriedenstellende Antwort. Also nähert sich Chris dem Bösen weiterhin in literarischer Form und erfindet fiktive Killer, die dichter an der Realität sind, als man glaubt. Mit Familie und Hund lebt Chris in der schönsten Stadt der Welt - Köln.

2

Jule Mey war schon früh auf den Beinen. Seit Wochen hatten sie und ihre Chefin Senta van Darten auf diesen Tag hingearbeitet. Senta, die eigentlich Sabine Schmidt hieß, hatte ihren Geburtsnamen vor über zehn Jahren abgelegt, als sie sich als Galeristin in Düsseldorf selbstständig gemacht hatte. Galerie Sabine Schmidt klang eben nicht so gut wie Galerie van Darten, und auch wenn Jule diese Künstlernamen-Allüren eigentlich albern fand, musste sie ihr in diesem Fall recht geben. Abgesehen davon waren Allüren sowieso Sentas Fall. Jule schrieb das der Tatsache zu, dass Senta selbst gerne Künstlerin geworden wäre und sich mangels Talent auf den Verkauf von Kunst konzentriert hatte. Das allerdings mit großem Erfolg.

Die letzten Wochen waren sehr intensiv gewesen, und sie hatte ihre Chefin von einer neuen Seite kennengelernt. Fokussiert, energiegeladen und lösungsorientiert hatte sie auf die Vernissage hingearbeitet. Jule kannte Senta sonst als eher launisch und divenhaft, aber in dieser Zeit war sie so viel umgänglicher gewesen, dass Jule sie beinahe ins Herz geschlossen hätte. Aber ganz vergessen konnte sie die letzten drei Jahre dann doch nicht, in denen sie in der Galerie gearbeitet hatte. Es hatte zu viele Tage gegeben, an denen Jule zu nichts anderem als Kaffeekochen und Staubwischen eingesetzt worden war, begleitet von den ständigen spitzen und bösartigen Bemerkungen ihrer Chefin.

Aber der Frust der letzten Jahre, in denen die Galerie eher mäßig gelaufen war, war heute vergessen. Senta hatte es geschafft, namhafte, zum Teil berühmte Künstler für sich zu gewinnen. Die Presse hatte wohlwollend berichtet, die lokale Düsseldorfer Prominenz sich in Scharen angesagt, und so war die bevorstehende Vernissage schon seit Wochen ausgebucht.

Gestern war Jule erst um neun Uhr abends nach Hause gegangen, und obwohl alles perfekt vorbereitet war, wollte Senta noch bleiben.

»Ich mach' noch eine letzte Runde«, hatte sie zu ihr gesagt. Ihre berühmte »letzte Runde«, in der sie jedes Bild in den Ausstellungsräumen abschritt und noch einmal gerade rückte, konnte schon mal zwei Stunden dauern. Trotzdem wollte Senta an diesem Morgen wieder um sieben in der Galerie sein. Um elf Uhr würde die Vernissage beginnen, und Jule hatte keine Ahnung, was sie bis dahin machen sollten. Aber Senta hatte darauf bestanden, also war sie nun hier.

Umso mehr wunderte sie sich, dass sie vor verschlossenen Türen stand. Es war doch schon kurz nach acht, hatte Senta vielleicht verschlafen?, dachte Jule und musste schmunzeln. Wenn ihrer perfektionistischen Chefin das ausgerechnet heute passierte, würde die Gute ganz schön in Wallung geraten.

Jule kramte ihren Schlüssel aus der Tasche und schloss die weiß lackierte Tür zur Galerie auf. Sie schaltete das Licht an und legte ihre Tasche auf dem Eingangstresen ab, der in demselben Weiß glänzte wie alle anderen Möbel und auf dem schon die polierten Champagnergläser standen. Um zehn würden die Häppchen gebracht werden. Die Getränke müssten eigentlich alle kalt sein, überlegte Jule, die gestern Abend noch eigenhändig den Kühlschrank aufgefüllt hatte.

»Fuck«, entfuhr es ihr, als sie sicherheitshalber einen Blick hineinwarf. Der verdammte Kühlschrank hatte schon häufiger Probleme gemacht, aber dass er ausgerechnet heute seinen Geist aufgeben musste, war nun wirklich schlechtes Timing.

Jule nahm eine Flasche Rosé-Champagner heraus und stellte fest, dass sie lauwarm war. Auch wenn es Senta überhaupt nicht leiden konnte, wenn man ihr hinterhertelefonierte, blieb ihr jetzt nichts anderes übrig, als die Chefin anzurufen. Warmer Champagner war nun wirklich das Letzte, was sie ihren Gästen heute servieren wollten.

Sie zog ihr Handy aus der Tasche und tippte auf Sentas Kontakt. Überrascht blickte sie auf, als kurz darauf Adeles Hit Hello aus den hinteren Räumen der Galerie zu hören war. Jule hatte nie verstanden, warum ihre Chefin ausgerechnet diesen Song zu ihrem Klingelton gemacht hatte, und sich immer gefragt, wie man ihn in einer Menschenmenge oder bei Verkehrslärm überhaupt wahrnehmen konnte.

War Senta doch schon hier? Aber warum hatte sie dann die Tür abgeschlossen und das Licht nicht eingeschaltet?

»Senta?« Jules Stimme hallte in den kahlen Räumen.

Plötzlich hatte sie ein mulmiges Gefühl in der Magengrube. Sie ging um den Empfangstresen herum und hielt noch einmal kurz inne. »Senta? Bist du da?«

Zögernd ging Jule durch den schmalen Gang, der in die hinteren Ausstellungsräume führte. Auch hier war alles dunkel. Adeles Stimme hallte durch die Räume.

Ob Senta ihr Handy gestern Abend vergessen hatte? Nein, das war ausgeschlossen. Senta und ihr Handy waren eine Einheit; ohne ihr geliebtes iPhone 12 machte sie kaum einen Schritt. Jule schaltete das Licht an und betrat den größten Raum der Galerie, in dem nur die großflächigen Werke hingen. Ihr Blick fiel auf die gegenüberliegende Wand, und sie blieb wie angewurzelt stehen. Das Szenario, das sich ihr bot, war vollkommen grotesk. Sie wollte glauben, dass es sich um ein neues Kunstwerk handelte, irgendeine Überraschung, die Senta ihr verschwiegen hatte.

Jule drückte die Auflegen-Taste auf ihrem Handy, und Adele verstummte. Zitternd ging sie ein paar Schritte weiter, um dann erneut stehen zu bleiben.

Nein, das war keine Kunst.

Als die Erkenntnis einsetzte, schrie Jule. Sie schrie so laut, wie sie es noch nie in ihrem Leben getan hatte.

»Was für eine Sauerei«, entfuhr es Bernhard Müller, als er mit seinen Kollegen vom BKA den Tatort betrat. Die Spurensicherung war schon bei der Arbeit: Zwei Männer in hellen Schutzanzügen sammelten fleißig Spuren, während ein dritter Fotos von dem Grauen schoss, das sich ihnen bot. Am Ende des weiß getünchten Raumes, an dessen Wänden abstrakte Kunstwerke hingen, befand sich eine große Leinwand. Darauf hatte jemand mit langen Zimmermannsnägeln eine Frau genagelt. Sie trug ein gelbes Kleid, das blonde Haar war mädchenhaft zu Zöpfen geflochten. Der Schädel darunter war gespalten und die Hirnmasse mit Nägeln neben dem Kopf befestigt. Blut, das aus zahllosen Wunden tropfte, hatte sich auf dem ganzen Bild verteilt und am Boden eine große Pfütze gebildet, die sich inzwischen in eine geronnene Masse verwandelt hatte.

»Die Scheiße kommt mir bekannt vor«, murmelte Müller, und seine Mitarbeiterin Ira Sokolov nickte.

»Erinnert schwer an die Sache in Bremen. Und in Hamburg.«

»Und München. Jetzt hat es unseren Mann also nach Düsseldorf getrieben.«

»Wenn es denn ein Mann war«, gab Ira zu bedenken.

Müller seufzte. »Sorry, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas eine Frau macht.«

»Weil Frauen nicht so brutal sind?«, versetzte Ira spöttisch.

»Ja. Nein! Ach Mensch, du weißt doch, was ich meine.« Iras Gleichberechtigungssinn machte auch vor Mördern nicht halt. »Wer ist das Opfer?«

»Senta van Darten, die Besitzerin der Galerie. Heißt eigentlich Sabine Schmidt, das andere ist so eine Art Künstlername. Ihre Assistentin Jule Mey hat sie gefunden«, antwortete Ira. »Sie sitzt da vorne.«

Sie wies auf eine blasse junge Frau, die mitgenommen auf einem Stuhl in der Ecke saß und gerade von einem Kollegen der Kripo befragt wurde. Geschockt starrte sie ihn an und knetete dabei eine Strähne ihrer langen schwarzen Haare, als wäre sie außerstande, die Hände ruhig in den Schoß zu legen.

»Ich nehme an, sie hat nichts gesehen?« Müller wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er fing oft an zu schwitzen, wenn er an einem Tatort war. Es war das einzige Anzeichen dafür, dass ihn seine Arbeit noch erschüttern konnte, obwohl er in seinen über dreißig Dienstjahren schon einiges gesehen hatte. Die zwanzig Kilo Übergewicht, die sich in der Zeit fast ausschließlich an seinem Bauch angesammelt hatten, unterstützten den Schweißfluss noch zusätzlich.

»Ja«, antwortete Ira. »Genau wie bei den anderen Fällen. Sie hat die Leiche gefunden, aber sonst nichts gesehen.«

»Gut. Ich unterhalte mich jetzt mit ihr, und du schaffst mir in der Zeit diesen Seelenleser heran.«

»Bitte wen?«, fragte Ira und rümpfte demonstrativ die Nase.

»Wie viele Typen kennst du, die man so nennt?«, fragte Müller und verdrehte die Augen. »Er ist seit einer Weile wieder in Deutschland. Wir haben schon ein paarmal versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen, aber bisher war er wegen irgendeiner privaten Geschichte nicht zu erreichen.«

»Und du meinst, das hat sich jetzt geändert?« Ira verschränkte die Arme. Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie nicht die geringste Lust hatte, den Befehl ihres Chefs auszuführen.

»Ist mir verdammt egal, ob sich das geändert hat oder nicht«, schnaufte Müller. »Es gibt offensichtlich irgendeinen Irren, der sich einen Spaß daraus macht, Frauen auf die brutalstmögliche Art in Szene zu setzen, um es mal so zu formulieren. Ich will, dass wir alle Kräfte bündeln und uns voll und ganz auf den Fall konzentrieren. Und dieser Bachmann soll nun mal der Beste...

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