Novisapiens

 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Mai 2020
  • |
  • 406 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7487-4185-5 (ISBN)
 
Band II der Trilogie Nachdem die Zeitung ausführlich über die Ereignisse auf dem Schulhausdach berichtet hat, bricht für Leisa eine schwere Zeit in der Schule an. Obendrein kehrt Timon an sein Institut zurück und Leisa muss jederzeit damit rechnen, verschleppt zu werden. Weitere Bücher der Autorin Lichtertanz Band I - Die Magie der Glanzlichter Band II - Die Magie der Goldwinde Band III - Die Magie der Lichtkristalle (Finale) Flammentanz Band I - Funken Band II - Flammen Band III - Feuer Band IV - Brand Band V - Glut (Finale) WandelTräume Romantasy
  • Deutsch
  • 0,75 MB
978-3-7487-4185-5 (9783748741855)

Anonymer Brief


Mein Herz donnert. Mit zittrigen Fingern reiße ich das Kuvert Stück für Stück auf, halte in der Bewegung jedoch inne. Eine schlimme Ahnung macht sich in mir breit:

Könnte das eine Briefbombe sein? Oder wäre sie in diesem Fall jetzt schon explodiert?

Ich mustere das gewöhnlich weiße Papier argwöhnisch. Der Inhalt kann kaum mehr als aus einem einzelnen Blatt bestehen, so dünn wie sich das Kuvert anfühlt. Auch ertaste ich keinerlei Unebenheiten. Vorsichtig ziehe ich die Seiten an der bereits aufgerissenen Stelle auseinander und luge durch die Öffnung hinein, kann aber nichts entdecken.

Ein leerer Briefumschlag, auf dem nichts weiter als mein Name steht? Was soll denn das?

Etwas mutiger ziehe ich den Finger Stück für Stück unter der oberen Kante hinweg, bis er am Ende des Kuverts anlangt. Auch jetzt finde ich keinen Inhalt, egal wie ich den Umschlag drehe, wende und begutachte.

Ein blöder Scherz von Werners Freunden oder hat es etwas mit Dr. Birkenfeld zu tun? Komisch .gruselig .

Es schüttelt mich bei dem Gedanken, dass mir mit dieser Aktion offenbar jemand Angst einzujagen versucht - leider mit Erfolg. Ich betrachte das Papier noch eine Weile unschlüssig, dann stopfe ich es in die unterste Schublade der Kommode und versuche, mich selbst davon zu überzeugen, dass der anonyme »Brief« ganz sicher aufs Konto von Werners Freunden geht.

Diese Blödmänner können mich mal . Oder hat da jemand einfach vergessen, den Inhalt hineinzustecken?

Im Kopf hake ich damit das Thema zwar ab, das ungute Gefühl hängt mir jedoch weiter nach.

Wie so oft bin ich allein, weil meine Mutter Tina noch im Büro arbeitet. Halbherzig wende ich meine Konzentration wieder dem Alltag zu. Als nächstes steht Mittagessen auf dem Programm. Da denke ich mir etwas besonders Exotisches aus: Spaghetti mit Tomatensoße! Zugegeben, ich habe einfach keine Lust auf Kochen, so wird's heute halt ein Allerweltessen, das ich geistesabwesend zubereite und noch geistesabwesender verzehre. So wundert es wenig, dass das Nudeleinsaugen üble kleine rote Punkte auf meinem weißen Top hinterlässt.

»Wenn man mit den Gedanken ständig woanders ist, passieren eben viel zu viele Missgeschicke«, kommentiert wenig später mein Affe Bengi das Punktemuster. »Du solltest dich umziehen, bevor Timon-Schatzi dich so sieht.«

»Ach, wo sollte er mich denn sehen? Ganz bestimmt kommt er nicht hier her.«

»Was macht dich denn da so sicher?«

»Keine Ahnung, ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Das ist alles so schwierig und verworren«, murmele ich frustriert. »Ein richtiges Paar sind wir schließlich nicht, oder?«

»Was fragst du mich? Du musst das doch wissen. Außerdem bin ich nur eine Affenpuppe. Besorg mir doch ein nettes Affenmädchen. Dann könnte ich Beziehungserfahrungen sammeln und dir Tipps geben.«

»Soweit kommt's noch .«

Unwillkürlich schweifen meine Gedanken ab.

Timon! Ach, wenn wir uns doch zusammen irgendwo auf eine einsame Insel beamen könnten - weit weg von allen Problemen .

Irgendwie habe ich keine rechte Lust auf Bengi, außerdem sorge ich mich noch immer wegen des anonymen Briefes. Daher stopfe ich meine Bauchrednerpuppe in die Kiste und mache mich an die Hausaufgaben, aber auch das artet eher in Quälerei aus, weil ich mit üblen Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen habe.

Als Tina am Abend nachhause kommt, beendet sie mit der zufallenden Haustür gerade einen meiner intensiven Tag- oder eher Abendträume.

»Hallo, Leisa«, ruft sie gut gelaunt die Treppe hinunter.

»Hallo«, antworte ich und wandele mehr oder weniger geistesabwesend die Treppe hinauf.

»Wie war's in der Schule? Was macht dein Lieblingslehrer?«

Meine Mutter wieder!

Natürlich ist mir klar, dass sie lediglich die zweite Frage interessiert. Schule hat sie schließlich noch nie gemocht, dafür kann sie sich mit dem Thema Klatsch und Tratsch rund um menschliche Beziehungen stundenlang beschäftigen.

»Alles okay .«, murmele ich leicht kopfschüttelnd, während ich bei ihr oben im Erdgeschoss angelange (von der Hangseite aus gesehen, versteht sich).

»Aber vergiss bloß nicht die Kondome. Ich fühle mich noch viel zu jung, dass jemand Oma zu mir sagt«, ermahnt sie mich, doch ihrem Grinsen nach zu urteilen, hätte sie nicht wirklich etwas gegen Nachwuchs.

Entrüstet schnappe ich nach Luft.

»Mama, wir schlafen nicht miteinander«, protestiere ich. »Wir haben uns noch nicht einmal geküsst.«

Eigentlich könnte ich in diesem Punkt ja zufrieden mit meiner Mutter sein. Andere würden sicher riesigen Terror veranstalten, wenn die Tochter ein Verhältnis mit ihrem Lehrer hätte. Tina dagegen scheint beinahe sogar stolz auf ihre sonst-immer-brave-Tochter zu sein, wahrscheinlich weil sie mir so etwas »Unerhörtes« überhaupt nicht zugetraut hätte.

»Tatsächlich?« Tina steht mir im Hausflur gegenüber und mustert mich ungläubig wie erstaunt gleichermaßen. Sie stellt ihre Tasche auf die Kommode und wir gehen gemeinsam ins Wohnzimmer. »Bisher dachte ich, alle Männer wären gleich, aber dein Lehrer scheint da wohl eine Ausnahme zu sein. Bekomme ich diesen anständigen Kerl denn auch mal zu sehen?« Während sie das fragt, lässt sich meine Mutter erschöpft in ihren roten Ledersessel fallen und reibt sich die Schuhe von den Füßen. Ein Duft von verschwitzten Nylons macht sich breit, aber das ignoriere ich und lasse mich auf der Couch nieder.

»Ähm, vielleicht . Ich weiß noch nicht so recht, ob wir ein Paar sind und was daraus noch wird. Es ist schwierig«, seufze ich frustriert.

»Weiß denn jemand in der Schule davon?«

»Na ja, es stand ja quasi in der Zeitung.«

»Ach so. Stimmt ja. Die sollen sich nicht so anstellen, ist doch nichts dabei! Immerhin bist du schon volljährig.«

Die spontan aufgeflammte Motivation, das Thema mit meiner Mutter zu diskutieren, ist genauso schnell wieder verflogen, wie sie gekommen ist. Warum, kann ich nicht sagen, vielleicht weil wir einfach zu verschieden sind in unserer Art. So stehe ich wieder auf mit dem Kommentar:

»Stimmt, aber egal, das wird schon irgendwie. Hast du Hunger? Wollen wir zusammen das Abendessen machen?«

»Zusammen? Okay, warum nicht.«

Wir gehen in die Küche, wo wir das eben Gesagte gemeinsam in die Tat umsetzen, während sich Tina unablässig über die Intrigen in ihrem Büro auslässt. Das geht auch während des Abendessens so weiter und selbst beim Abwasch werde ich nicht vom Büroklatsch verschont, den ich geistesabwesend mit »Ja«, »Ach so« und »Jaja« kommentiere. Meine Mutter merkt nicht einmal, dass ich nicht zuhöre und dann trennen sich unsere Wege, als ich in meinem Zimmer verschwinde und Tina vor ihrem neuen Flachbildfernseher abtaucht.

Vor dem Schlafengehen übe ich noch mit meinen Kraftfeldern, indem ich die Schrauben aus der Kiste mit einem Magnetfeld zu meiner Hand hochfliegen lasse, um sie dann mit einem metallabstoßenden Kraftfeld aufs Bett zu schleudern. Das wiederhole ich mehrfach. Es sieht dabei so aus, als wären die Schrauben durch ein unsichtbares Gummiband mit meinen Fingern verbunden, an dem sie vor und zurück geschleudert werden.

Wie das überhaupt funktionieren kann, weiß ich nicht, aber es ist mir mittlerweile auch gleich, warum es geht. Jedes Forschungslabor würde mich wahrscheinlich von den Haar- bis zu den Zehenspitzen durchleuchten und unendlichen Versuchsreihen aussetzen. Da kann ich froh sein, dass außer meiner Mutter nur Timon von meiner besonderen Fähigkeit weiß, Strom und Kraftfelder zu erzeugen. Die anderen drei Leute, die damit in Kontakt kamen, sind tot - bis auf die Freunde von Werner. Die beiden haben zwar auch etwas von meinem Strom mitbekommen, aber sie dachten, ich hätte einen Elektroschocker bei mir versteckt.

Erschöpft von Gedankenkreisen und Sorgen lege ich mich schließlich ins Bett und denke nur an Timon, so lange bis ich einschlafe und von ihm träume .

 

* * *

 

Seit der Gewitternacht sind meine Alpträume komplett verschwunden, so ist es eine ungewohnte Erfahrung, am nächsten Morgen ohne Schreie und schweißdurchtränktes Nachthemd aufzuwachen. Die andere Gewohnheit bleibt jedoch bestehen, denn als ich auf den Wecker schaue, ist es mal wieder Punkt sechs Uhr.

Und schon werde ich von unbehaglichen Gedanken überfallen:

Bestimmt sind Werners Freunde heute wieder in der Schule! War der anonyme Brief eine Warnung?

Am liebsten würde ich mich unterm Kissen verkriechen und den ganzen Tag zu Hause im Bett bleiben, doch dadurch ließe sich das Problem nur hinauszögern, nicht lösen. Außerdem habe ich mir ja vorgenommen, mich der Sache zu stellen. Schließlich stimmt es, was Laura gesagt hat: Ich habe nichts verbrochen.

Ich wünschte, das alles, die verstohlenen Blicke der Schüler, die veränderten Reaktionen der Lehrer und die...

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