Hungrig auf den Schwarzwald

 
 
Merian / Holiday ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Mai 2022
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8342-3338-7 (ISBN)
 

Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer sind als "Martina & Moritz" Deutschlands dienstälteste Fernsehköche. Ihre Heimat ist der Schwarzwald, sie kennen die Region wie ihre Westentasche - egal ob Baiersbronner Haute Cuisine oder das perfekte Vesper zwischen Baden-Baden und Freiburg. Wo gibt es den besten Schwarzwälder Schinken, wer macht ihn, was ist das besondere daran? Alten Sorten, neu interpretierte Klassiker, die Geheimnisse der besten Brennerei weit und breit. Martina und Moritz teilen in ihrer kulinarischen Reiseerzählung ihr geballtes Wissen über den Schwarzwald und nehmen die Leserinnen und Leser mit auf eine verführerische Entdeckungsreise.

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Martina Meuth, geboren in Stuttgart, und Bernd "Moritz" Neuner-Duttenhofer, geboren im Nordschwarzwald: In der Sendung "Kochen mit Martina und Moritz" begeistern sie seit Jahrzehnten ihr Publikum mit Witz und beeindruckender Kompetenz. Als Autoren von Büchern rund um die Themen Kochen, Kulinarik und Genuss haben sie es auf annähernd 100 Bücher gebracht. Auf ihrem Apfelgut vermitteln sie ihr reiches Wissen in aufwändigen Kochkursen.

Unser Schwarzwald


Wir leben und arbeiten auf dem von Urgroßvater Duttenhofer gegründeten Apfelgut am östlichen Rand des Nordschwarzwalds. Wir verarbeiten diese Äpfel zu allen möglichen Getränken, besondere Säfte, Weine und Prickelndes wie Cidre und Brut. Hier ist der Schwarzwald besonders rau. Das ist gut für das Aroma unserer Äpfel, weil sie am Rand der Vegetationsgrenze besonders säurefrisch und würzig werden. Das tröstet uns darüber hinweg, dass hier Wein nicht gedeihen kann, wie auf der anderen, der dem Rhein zugewandten Seite.

Der Schwarzwald ist hier, im württembergischen Teil, kaum romantisch, überhaupt nicht lieblich. Er hat wenig zu tun mit dem badischen Teil, der das Bild bestimmt, das die meisten Menschen vom Schwarzwald haben: in der Höhe dichte, dunkle Wälder, unterbrochen von sanften Wiesen mit lockeren Baumgruppen, dazwischen malerisch verteilt große, von tief herabreichenden Dächern beschirmte Höfe; in den Tälern freundliche Dörfer mit Fachwerkhäusern wie aus Märchen gefallen, üppig von Blumen bekränzt unter barocken Kirchtürmen; es klappert die Mühle am rauschenden Bach und in den Bächlein helle, da badet die Forelle wie in Schuberts munterer Weise; auf Hängen und Hügeln Obstbäume und in den Ausläufern zur Rheinebene die alles ordnenden Weinberge. Unschuldig - oder neuerdings verführerisch - lächelnde Schwarzwaldmädel mit rotem Bollenhut neben kühn dreinblickenden Burschen in schwarz-weißer Tracht ergänzen die Fantasie.

Von der Terrasse neben unserem Haus, das etwas erhöht über dem Dorf und unseren Apfelgärten steht, blicken wir nach Westen ins Tal der von den Schwarzwaldhöhen herunterströmenden Glatt - einem Bach im Sommer, der schon bei mittelstarkem Regen zu einem Flüsschen und nach der Schneeschmelze bei Hochwasser zum reißenden Strom werden kann. Der Himmel über dem bergigen Horizont zeigt uns fast jeden Abend an, wie das Wetter am folgenden Tag sein wird - dem Smartphone entnehmen wir stets nur die Bestätigung. Wir überlegen dann, welche Arbeiten anstehen, welche am dringlichsten sind und welche überhaupt möglich sein werden. Der Schwarzwald bestimmt, womit wir den Tag beginnen und wie er verläuft.

Der Schwarzwald beeinflusst auch, auf welchem Weg wir verreisen, wenn wir unser Heim verlassen wollen oder müssen: Wir gelangen schnell auf der Bodensee-Autobahn nach Süden, Richtung Schweiz/Italien, oder nach Norden, wenn um Stuttgart herum nicht alles verstopft ist. Nach Osten bremst uns die Schwäbische Alb aus.

Und für alles Richtung Westen steht uns der Schwarzwald im Weg! Geht es weiter weg, etwa nach Südfrankreich oder Westdeutschland, lohnt sich die weiträumige Umfahrung, für nähere Ziele aber müssen wir mehr oder weniger quer hindurch beziehungsweise obendrüber: Nach Freiburg zum Beispiel, Luftlinie keine 60 Kilometer, führen viele verschiedene Wege, aber keiner unter eineinhalb Stunden - obwohl die bequemste, fast doppelt so weite Route zu mehr als der Hälfte Autobahn (also zunächst Richtung Süden am Ostrand des Mittleren Schwarzwalds entlang) oder vierspurig ausgebaut ist: Der Schwarzwald ist irgendwo immer sperrig, in diesem Fall ist es das berühmte Höllental!

Tatsächlich ist es dem autoverliebten, stark von der Autoindustrie geprägten und seinen Wohlstand daraus beziehenden Land Baden-Württemberg nicht gelungen, quer durch den rund 160 Kilometer langen Bergzug des Schwarzwalds eine durchgehende Schnellstraße zu bauen! Diese hätte freilich weder durch ein dicht besiedeltes Tal noch über die weitgehend unberührte Natur in der Höhe führen können, sondern zum größten Teil aus Tunneln bestehen müssen, wie man das aus Italien oder der Schweiz kennt. Aber die Politik hat das Gegenteil propagiert, nämlich »Verteilung auf der Fläche«. Was freilich nicht gelingen konnte, denn der Schwarzwald ist ja keine Fläche, sondern eine mehr oder weniger wild bewegte Landschaft, mannigfach durch Täler zerschnitten, die selten gerade verlaufen und daher Umwege fordern oder zu steilen und gewundenen Passfahrten zwingen. Deshalb wird der Verkehr nicht breit verteilt, sondern auf wenige Passagen gezwungen, die dadurch überlastet sind. Die niedrigsten Übergänge werden von Westen her vom Kinzigtal erschlossen, in dem die wichtigste Verkehrsader zwischen Straßburg und den wirtschaftlichen Zentren im Schwarzwald sowie im gesamten südlichen Raum des Landes verläuft - übrigens schon seit Römerzeiten! -, am Ende sich in verschiedene Richtungen gabelnd. Einer der kürzesten Wege führt durch das Tal unserer anfangs erwähnten, in den Neckar mündenden Glatt, auf dem die Schäfer heute noch ihre im Rheintal überwinternden Schafherden zu den Sommerweiden der Schwäbischen Alb treiben, letzte Überbleibsel der früher weitverbreiteten Transhumanz.

Das weite Kinzigtal mit seinen Nebenflüssen, sanfteren Hügeln und Bergen bildet den Mittleren Schwarzwald, der wiederum den Südlichen vom Nördlichen trennt und im Südosten das Quellgebiet der Donau umfasst. Die meisten Städte hier und manch andere Engpässe haben inzwischen Umfahrungen bekommen, häufig durch aufwendige Tunnel. Das hat einerseits das Fahren erleichtert - und auch die Attraktivität der Städte und Dörfer wesentlich erhöht -, andererseits aber auch den Verkehr angezogen und so die Fahrtzeiten nicht wirklich verkürzt. Hinzu kommt, dass auf je steileren umso kurvigeren Straßen kaum überholt werden kann, also schwere Lastwagen das Tempo bestimmen. Wer pünktlich einen bestimmten Ort erreichen will, muss vorsichtig planen und lieber zu früh abfahren!

Trotzdem lieben wir natürlich den Schwarzwald - oder auch: genau deswegen! Nicht immer haben wir es eilig im »Black Forest«, eine der schönsten und auch im Ausland bekanntesten Ferienregionen Deutschlands, direkt vor unserer Haustüre. Er zwingt zur Entschleunigung. Er fordert Zeit, gibt sie aber durch seine Erlebnisvielfalt zurück. Seine prächtigen, in sich ruhenden Wälder, seine grandiosen Aussichtspunkte, erhabenen Berge und die romantischen Täler fordern immer wieder einen Halt ein. Die Besucher mögen sich erfreuen an der behäbig-alemannischen, beredten Gelassenheit der Menschen im südwestlichen Teil oder amüsieren über die zurückhaltende, typisch schwäbische, deswegen aber nicht weniger herzliche Brummigkeit derer im Nordosten. Man mag ermüdet sein von den vielen schönen Eindrücken und Ausblicken oder erschöpft vom vergnüglichen Wandern - kaum irgendwo sonst dürfte in solcher Dichte eine so bemerkenswert gute Gastronomie und Hotellerie zur Einkehr laden.

Der Schwarzwald kann die Geduld strapazieren, aber auch Ruhe spenden. Er bezaubert mit seinem ungemein vielfältigen und dabei überraschend schnell wechselnden, stets eigenwilligen Charakter die Gäste, die hier ein anregendes Wochenende oder einen erholsamen Urlaub verbringen. Gäste aus aller Welt, vor allem den Benelux-Ländern, Frankreich und der Schweiz, die sich ihm ganz individuell auf unterschiedlichste Weise anvertrauen. Er macht sie hungrig im wahrsten Sinne des Wortes - sei es durch Wandern, den Besuch eines der vielen Bäder, Radtouren, Spazierfahrten, Flanieren in den mondänen Badeorten, barocken oder mittelalterlichen, beschaulichen oder betriebsamen Städtchen, dem Besuch von Museen oder Klöstern mit ihren Kunstschätzen, dem Besichtigen der Naturdenkmäler, Naturparks, Seen und Bergkuppen mit Aussichtstürmen. Und er tut gleichzeitig alles mit seinen vielen Gasthäusern, Hotels, Cafés, Weinstuben und Brauereien sowie dem weit verbreiteten Hofverkauf von Speck und Würsten, Honig und Konfitüren, Bränden und Likören, um diesen leiblichen Hunger aufs Angenehmste zu befriedigen. Hunger im übertragenen Sinn: Er entlässt kaum jemanden aus seinem Bann, fordert mit allen seinen Reizen zur Wiederkehr auf.

Deshalb haben wir sofort zugesagt, als man uns fragte, ob wir dieses Buch machen wollen. Wir haben uns aufgemacht, um für Sie zu überprüfen, wie sich unsere weitere Heimat im Augenblick präsentiert. Und wir ergänzen das aktuelle Bild mit den Erfahrungen und Erlebnissen früherer Ausflüge und Reportagen. Es wird ein ziemlich buntes Bild ergeben, mit dem wir sowohl Ihren physischen als auch den immateriellen Appetit auf den Schwarzwald anregen und zugleich Wege zu seiner besten und schönsten Befriedigung aufzeigen wollen.

Dazu unternehmen wir Touren, um eine gewisse Gliederung zu erreichen. Das sollen keine Vorschläge sein, die abgefahren werden müssen, sondern sie sollen einerseits der Orientierung auf der Landkarte dienen und andererseits ein Lesevergnügen schaffen. Sie können sich daraus die Ziele aussuchen und so zusammenstellen, dass Ihre Wünsche und Bedürfnisse befriedigt werden. Dabei wünschen wir Ihnen viel Spaß!

WICHTIGE NACHBEMERKUNG

Die Recherchen für dieses Buch fanden in den von Corona dominierten Jahren 2021/Anfang 2022 statt. Die Öffnungszeiten waren in dieser Zeit eingeschränkt und meist stark verändert, viele Betriebe waren sogar zeitweise geschlossen. Wann es wie weitergehen würde, ob man zu den alten Zeiten öffnen würde oder neue Regelungen finden müsse, wusste niemand zu sagen. Der neue Mindestlohn und die angespannte Lage im Personalbereich lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass öfters auf den Mittagstisch verzichtet werden muss und einer oder sogar mehrere Ruhetage dazukommen werden. Wir sehen uns daher außerstande, hierzu verbindliche Angaben zu machen - nichts würde Ihnen mehr Enttäuschung und Verdruss sowie Ärger über unser Buch bringen, als vor verschlossenen Türen zu stehen! Wir bitten Sie daher, sich vor einem Hotel- oder Restaurantbesuch auf der jeweiligen Homepage zu informieren oder telefonisch zu erkundigen und zu...

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