Systemische Evolutionstheorie

Eine systemtheoretische Verallgemeinerung der Darwinschen Evolutionstheorie
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Januar 2019
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  • 252 Seiten
 
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978-3-7481-0452-0 (ISBN)
 
Bei der Systemischen Evolutionstheorie handelt es sich um eine Verallgemeinerung der Darwinschen Evolutionstheorie, die auf der allgemeinen Systemtheorie, der Kommunikationstheorie, der Soziobiologie, der Ökonomie und der modernen Demografie basiert und mit der Ontologie des systemischen Materialismus vereinbar ist. Sie stellt den Versuch dar, alle eigendynamischen Evolutionen - inklusive der biologischen und soziokulturellen Evolution - mit den gleichen einheitlichen Evolutionsprinzipien zu beschreiben.
Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Klaus Rohde.
Stimmen:
Prof. Dr. Jochen Oehler (Neuro- und Verhaltensbiologe):
Peter Mersch legt nun als Systemtheoretiker mit seiner Systemischen Evolutionstheorie einen umfassenden, vor allem übergeordneten Ansatz vor, der höchste Beachtung verdient.
Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher (Mitglied des Club of Rome):
Dies ist ein großartiges Werk. Es ist eine umfassende Darstellung des Gedankens der Evolution unter Einschluss allgemeiner Superorganismen, damit auch von Unternehmen, Staaten und der ganzen Menschheit, was mir thematisch immer schon ein besonderes Anliegen war und ist.
Prof. Dr. Klaus Rohde (Clarke Medal Winner):
Mir scheint, dass die Systemische Evolutionstheorie vor allem neues Licht auf die Evolution menschlicher Kulturen im weitesten Sinne, inklusive der Technik und staatlicher Organisation werfen kann, und eingehende kritische Berücksichtigung verdient.
Prof. Dr. Jürgen Tautz (Communicatorpreisträger 2012):
Unter den Büchern, die sich mit dem Prozess und den Resultaten von Evolution befassen, ist dieses Buch für mich eines der originellsten seit Langem.
Prof. Dr. Dr. Gerhard Vollmer (Mitbegründer der Evolutionären Erkenntnistheorie):
Die Frage liegt nahe, ob es vielleicht eine übergreifende Evolutionstheorie gibt, die alle oder wenigstens viele evolutive Prozesse umfasst. Peter Mersch legt eine solche Theorie vor. Mit großer Umsicht, wenn auch in eigenwilliger Terminologie, in die man sich hineindenken muss, formuliert er die Prinzipien seiner Systemischen Evolutionstheorie und belegt ihre Anwendbarkeit auf verschiedenen Systemebenen. Es ist geradezu verblüffend, wie sich dabei nichtbiologische Systeme in seine Begrifflichkeit und Prinzipien einpassen.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 2,22 MB
978-3-7481-0452-0 (9783748104520)
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Peter Mersch, Jahrgang 1949, ist Systemanalytiker und Zukunftsforscher. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Gebieten Migräne, Evolutionstheorie, soziokulturelle Evolution, Demografie und Soziologie.
Von ihm stammen die Systemische Evolutionstheorie, das Familienmanager-Konzept und die energetische Migränetheorie.
Daneben beschäftigt er sich mit den Ursachen der Übergewichts- und Demenzepidemie. Auch dazu hat er eigene theoretische und praktische Konzepte vorgelegt.
Seit 2004 betreibt er das Migräneportal www.migraeneinformation.de.

Vorwort des Autors


Bei der Systemischen Evolutionstheorie (Systemic Theory of Evolution) handelt es sich - grob gesprochen - um eine systemtheoretische Verallgemeinerung der biologischen Evolutionstheorie, deren Ziel es ist, alle auf dem Leben beruhenden eigendynamischen Evolutionen - inklusive der biologischen und soziokulturellen Evolution - mittels einheitlicher Evolutionsprinzipien zu beschreiben. Im vorliegenden Buch soll ihr Ansatz und ihr Weltbild möglichst präzise, umfassend und detailliert dargelegt und begründet werden. Insoweit erhebt der Text einen wissenschaftlichen Anspruch.

Bestrebungen, die Darwinsche Evolutionstheorie für eine Anwendbarkeit außerhalb der Biologie zu verallgemeinern, gab es in der Vergangenheit bereits reichlich. Einige Popularität erzielte Richard Dawkins' Ansatz, ein technisches Feature der biologischen Evolution - den Replikator - zur Grundlage jeglicher Evolution zu deklarieren: für die biologische Evolution das Gen, für die kulturelle Evolution das Mem. Die Systemische Evolutionstheorie könnte man demgegenüber eher als informationsbeziehungsweise wissensbasiert bezeichnen. Damit trägt sie der Vorstellung Rechnung, mit dem Leben sei auf der Erde eine Form der natürlichen Informationsverarbeitung entstanden, die per Evolution gewissermaßen "Geist" aus Materie entstehen lasse. Entsprechend ist sie in einigen Aspekten allgemeiner und abstrakter gehalten als die meisten alternativen Evolutionsmodelle.

Sie unterscheidet sich aber auch in einem weiteren wesentlichen Punkt von vielen anderen universellen Evolutionsansätzen: Statt die Prinzipien der Darwinschen Selektionstheorie als von vornherein gegeben und unveränderlich anzunehmen und sich deshalb primär auf die jeweils unterschiedlichen "Einheiten der Evolution" zu konzentrieren, stellt sie die Fundamentalität des Selektionsprinzips insgesamt infrage.

In den Naturwissenschaften folgt man für gewöhnlich dem Paradigma des Reduktionismus, dem zufolge alle Phänomene der Welt auf die grundlegendste Wissenschaft (die Mikrophysik) zurückzuführen sind1. Ich möchte eine solche Vorgehensweise nicht kritisieren, denn auch die Systemische Evolutionstheorie argumentiert über weite Strecken reduktionistisch. Im Rahmen ihrer Begründung wird sogar ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die aktuellen Fundamente der Biologie (Gen-Egoismus, Evolutionstheorie) bislang nicht physikalisch, sondern ausschließlich biologisch plausibilisiert wurden. Allerdings sind mittlerweile selbst in der Physik Zweifel am Alleinerklärungsanspruch der reduktionistischen Methode aufgekommen. Beispielsweise gibt Philip W. Anderson in seinem Artikel More Is different. Broken symmetry and the nature of the hierarchical structure of science zu bedenken2:

(.) the reductionist hypothesis does not by any means imply a "constructionist" one: The ability to reduce everything to simple fundamental laws does not imply the ability to start from those laws and reconstruct the universe.

In Edward O. Wilsons Buch Sociobiology3 wurde eine Rekonstruktion der belebten Welt (inklusive des Menschen mit seinen Gesellschaften und Kulturen) - ausgehend von den fundamentalen Gesetzen und Annahmen der Biologie (unter anderem Gen-Egoismus und Evolutionstheorie) - konkret versucht, was dem Autor den baldigen Vorwurf des Biologismus einbrachte. Dabei war die gewählte Vorgehensweise durchaus naheliegend, denn schließlich eignet sich die Evolutionstheorie aufgrund ihres algorithmischen Charakters bestens zur (Re-)Konstruktion von natürlichen Phänomenen, was im Übrigen einen Großteil ihrer Wirkmächtigkeit und ihres Reizes ausmacht: Sie kann nämlich erklären, wie komplexere biologische Phänomene aus einfacheren entstehen, wie sich über einen längeren Zeithorizont etwas organisiert.

Allerdings fragt es sich, ob das Ansinnen unter den angenommenen biologischen Paradigmen auch Erfolg versprechend war. Genau das darf jedoch bezweifelt werden, und zwar unter anderem aus den folgenden Gründen4:

  • Der genetische Code kann nur im Rahmen der Fortpflanzung verändert werden (Weismann-Barriere). Auch kann er nicht gezielt in Teilen vererbt werden (zum Beispiel: besserer Geruchssinn vom Vater, bessere Sehkraft von der Mutter). Anders gesagt: Es existieren keine genetischen Kernkompetenzen. Auf exakt diesen Limitationen der unteren genetischen Ebene beruhen aber die fundamentalen evolutionsbiologischen Grundannahmen und -konzepte (Definition der Fitness über den relativen Fortpflanzungserfolg, Verwandtenselektion, Gen-Egoismus etc.).
  • Vergleichbare Einschränkungen bestehen auf den höheren (kulturellen, gehirnbasierten) Kompetenzebenen nicht mehr, dementsprechend können Evolutionsakteure dort "Kernkompetenzen" entfalten und reproduzieren. Auch können sie ihre Kompetenzen fortwährend verändern und anpassen. Die hierdurch bedingte größere Komplexität der Lebenswirklichkeiten kann dann aber kollektive Verhalten und Verhältnisse entstehen lassen, die mit den Mitteln der unteren - genetischen - Ebenen nicht vorhergesagt werden können (siehe dazu etwa den Abschnitt Demografisch-ökonomisches Paradoxon auf Seite ).

Etwas Ähnliches ist von der Kommunikationstheorie her bekannt. Analysiert man beispielsweise den Datenstrom zwischen zwei benachbarten Rechnern im Internet, wird man auf der untersten Ebene vermutlich eine Menge an Nullen und Einsen, bestimmte Start- und Endsequenzen zum Kennzeichnen der Nutzdaten und Prüfverfahren wie CRC (Cyclic Redundancy Check) oder SHA (Secure Hash Algorithm) vorfinden. Daraus lässt sich jedoch keineswegs das darüber liegende Netzwerkprotokoll, welches unter anderem zusätzlich für eine End-zu-End-Kontrolle von Gesamtnachrichten zwischen entfernten Informationssystemen, für deren Verschlüsselung, für Routing-Informationen und die Aufsplittung von Nachrichten in kleinere und unabhängig voneinander und gegebenenfalls sogar über unterschiedliche Wege zu transportierende kleinere Nachrichtenpakete sorgt, "rekonstruieren", von den darauf aufsetzenden Kommunikationen zwischen eventuell in verschiedenen Erdteilen lebenden Menschen einmal ganz zu schweigen. Man wird das Internet nur verstehen können, wenn man ein Modell aller Kommunikationsebenen besitzt. Und man wird selbst das, was auf der untersten Netzwerkebene abläuft (zum Beispiel die vorgefundenen CRC- und SHA-Prüfungen), nur dann korrekt einordnen können, wenn man weiß, dass auf der obersten Ebene Menschen wichtige vertrauliche Nachrichten austauschen.

Im Buch wird deshalb die These aufgestellt, dass eine allgemeine Evolutionstheorie nicht Bottom-up auf der Grundlage der biologischen Evolutionstheorie entwickelt werden kann, sondern es müssen dabei alle Evolutionsebenen betrachtet werden. Aus diesem Grund werden zentrale evolutionsbiologische Begriffe und Konzepte wie genetischer Code, Gen-Egoismus, Fortpflanzung, Kampf ums Dasein, sexuelle Selektion etc. im Buch zunächst so verallgemeinert und abstrahiert, dass sie sich auch auf höhere Kompetenz- und Evolutionsebenen anwenden lassen5. Die Vorgehensweise entspricht durchaus der Methodik, wie in der Mathematik Problemstellungen und Theoreme verallgemeinert werden.

Wissenschaft sollte die uns umgebende Welt jedoch nicht nur elegant und wortreich beschreiben, sondern darin auch konkrete Phänomene erklären und prognostizieren können. Und in diesem Punkt dürfte - trotz ihrer Allgemeinheit und Abstraktheit - das eigentliche Potenzial der Systemischen Evolutionstheorie liegen: Demografisch-ökonomisches Paradoxon, demografischer Wandel, Vorteilhaftigkeit der Getrenntgeschlechtlichkeit, Tragik der Allmende, Theorie der komparativen Kostenvorteile etc. - dies alles steht nicht nur im Einklang mit der Systemischen Evolutionstheorie beziehungsweise kann aus ihr abgeleitet oder vorhergesagt werden, sondern es lassen sich dafür zum Teil auch völlig neuartige Erklärungen finden.

Ich bin davon überzeugt, dass die Menschheit angesichts der sich global verknappenden Ressourcen und dem Erreichen der Grenzen des Wachstums6 dringend eine Evolutionstheorie benötigt, die auch ihr eigenes Tun mit einschließt und die Entwicklung menschlicher Phänomene, Gesellschaften und Kulturen wenigstens in Grundzügen modellieren kann. Wachstum, Beschleunigung und sich verknappende Ressourcen sind typische Begleiterscheinungen von Evolution, die Verteilung knapper Ressourcen in Populationen und die hierdurch bewirkten unterschiedlichen Reproduktionschancen Kernthemen von Evolutionstheorien, denn schließlich wird Evolution durch das kollektive Erlangen von Ressourcen mittels Kompetenzen und das sich daran anschließende Reproduzieren der Kompetenzen mithilfe der erlangten Ressourcen getriggert. Selbst wenn sich die Systemische Evolutionstheorie für all das einmal als nicht ausreichend tragfähig erweisen sollte, wird man mit Hochdruck an den Themen weiterarbeiten müssen, denn wie sonst wollte man die immer mehr Geschwindigkeit aufnehmenden Entwicklungsprozesse in menschlichen Gesellschaften noch rechtzeitig entschleunigen oder in andere Richtungen lenken können?

Ich danke...

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