Zauber der Savanne

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Januar 2013
  • |
  • 608 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-08505-6 (ISBN)
 
Heimat ist dort, wo Herz und Seele zu Hause sind

Afrika, 1924. Owitambe steht in voller Blüte. Jella und Fritz von Sonthofen haben ihre Träume verwirklicht und mit ihrer Farm ein kleines Paradies geschaffen. Die Kalahari ist ihre Heimat geworden, die sie nicht mehr verlassen möchten. Ihre Tochter Riccarda hingegen sträubt sich gegen die Sesshaftigkeit. Sie geht nach Berlin, um Sängerin und Tänzerin zu werden. Doch als es zu einer schicksalhaften Begegnung kommt, wird Rickys Leben auf den Kopf gestellt. Wird sie in Europa bleiben - oder wird sie erkennen, dass ihr Herz für Afrika schlägt?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 1,03 MB
978-3-641-08505-6 (9783641085056)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Prolog

Feine, dampfende Nebelschwaden schmiegten sich wie Kissen um den Fuß des mächtigen Tafelbergs. Während die flache Gipfelfläche des Waterbergs von den ersten Sonnenstrahlen bereits hellrot angeleuchtet wurde, verharrte die Landschaft darunter noch in dem dunklen Grau der Nacht. Das plötzlich einsetzende »Wuk-wuk-wuk« eines Nashornvogels klang wie ein Aufbruchsignal. Langsam kam Leben in das grüne Dickicht rund um das ausgedehnte Felsmassiv. Das beeindruckende Gebrüll mehrerer Löwen hallte durch die sich auflösende Stille des beginnenden Tages.

Ein junger Buschmann folgte in gebückter Haltung der Spur des angeschossenen Kudubocks. Das Pfeilgift hatte seine Wirkung noch nicht voll entfaltet. Jetzt musste der Jäger dafür sorgen, dass das Tier in Bewegung blieb, damit die lähmende Wirkung des Larvengifts das Herz erreichte. Die Schritte der großen Antilope wurden bereits schwerfälliger. Bald würde der Kudu zusammenbrechen. Debe freute sich auf den Genuss beim Verzehr des Auges. Die Kraft des Tieres, seine Weitsicht und Größe würden auf ihn übergehen und ihm weiteres Jagdglück bescheren. Von heute an würden alle sehen, was für ein geschickter Jäger in ihm steckte. Endlich war er ein Mann, und endlich würde man ihm erlauben, einen Liebesbogen zu schnitzen und damit auf Brautschau zu gehen. Zweige knackten vor ihm im Gebüsch, und er konnte das angestrengte Schnauben der großen Antilope hören. Es war so weit, das Tier würde sich jeden Augenblick zum Sterben niederlegen. Er wartete darauf, das Brechen von Zweigen zu hören, doch stattdessen nahm der Buschmann etwas anderes wahr, das ihn sofort innehalten ließ. Scharfer Uringeruch verriet die unmittelbare Nähe von Raubkatzen. Der junge Buschmann erschrak und biss sich gleichzeitig vor Enttäuschung auf die Unterlippe. Die Fährte des von ihm angeschossenen Tieres führte genau in die Richtung der Löwen. Beinahe im gleichen Augenblick brach im Busch vor ihm ein Tumult los. Das Fauchen von Wildkatzen, ein kraftvoller Sprung, das Schlagen von Tatzen. Debe war zu weit entfernt, um die Szene mit eigenen Augen verfolgen zu können, aber er hörte, wie die angeschlagene Antilope einen letzten Fluchtversuch unternahm, bevor die Löwen deren Leben durch einen gezielten Biss in die Kehle beendeten. Der junge Buschmann blieb unbeweglich stehen und versuchte seine Verbitterung niederzukämpfen. So lange war er seiner Beute gefolgt, und jetzt hatten die Raubkatzen sie ihm vor der Nase weggeschnappt. Debe schnaubte unmutig. Es tat ihm weh, sich so nah vor dem Ziel geschlagen geben zu müssen. Wenn er nur bessere Waffen gehabt hätte! Wieder einmal dachte er voller Neid an die mächtigen Donnerpfeile der weißen Männer. Für seine Leute waren sie tabu. Doch er selbst wünschte sich nichts mehr als solch eine mächtige Waffe. Damit hätten ihm die Löwen die Beute nicht streitig gemacht. Er hätte sie ohne Mühe vertrieben.

»Die Donnerpfeile haben deinen Großvater getötet«, hielt ihm seine Mutter Nakeshi stets vor. »Sie stehen mit Gwi und den bösen Geistern in Verbindung. Kein Buschmann darf diese Waffen nutzen, denn er würde Kauhas Zorn auf sich ziehen!« Aber Debe war sich nicht mehr sicher, ob das stimmte. Er dachte an Großmutter Chuka, die sie während der letzten Trockenzeit hatten zurücklassen müssen. Hätte seine Gruppe einen Donnerpfeil besessen, dann würde die Großmutter vielleicht noch leben und wäre nicht verhungert!

Das Rattern eines Automobils übertönte die vielfältigen Geräusche der Savanne und riss ihn aus seinen grüblerischen Gedanken. Irgendwo hinter der feuchten, sich lichtenden Nebelwand kam es zum Halten. Debes Augen begannen zu leuchten, und er vergaß augenblicklich seinen Unmut. Seine Neugier war geweckt. Wenn ihm schon seine Beute abhandengekommen war, wollte er wenigstens einen Blick auf das voller Zauber steckende Reittier der Weißen werfen. Unbemerkt schlich er sich an. Verborgen hinter einem Rosinenbusch beobachtete er das eckige Metallgefährt. Schon als Kind hatte er sich von dem Leben der Weißen angezogen gefühlt. Wieso besaßen diese Menschen solch mächtige Zauber? Hatten sie einen Pakt mit dem Mond geschlossen, dem Erschaffer der Welt? Voller Bewunderung musterte der Buschmann das kastenähnliche Fahrzeug, mit dem sich die Weißen schneller als jede Antilope fortbewegen konnten. Wie leicht ihr Leben doch war! Drei Männer sprangen von der Pritsche des Wagens. Sie hielten Donnerpfeile in ihren Händen. Einer von ihnen deutete aufgeregt auf eine Spur und winkte die anderen zu sich. Offensichtlich waren sie dem Löwenrudel auf der Spur. In gebückter Haltung verfolgten sie die Fährte. Debe erschrak. Wussten die Männer nicht, dass niemand die Herren der Savanne ohne Not töten durfte? Der Zorn Kauhas würde wie ein Blitzschlag auf sie herabschlagen, wenn sie den Frevel begingen, eines der mächtigen Tiere zu töten. Der Mond würde ein Blutopfer von ihnen verlangen. Der junge Buschmann wollte mit diesen schlechten Jägern nichts zu tun haben und beschloss zu gehen. Doch dann fiel sein Blick auf etwas Glänzendes auf der Pritsche des Wagens.

Ein Donnerpfeil!

Er lag dort unbewacht. Das war die Gelegenheit, um sich die Waffe von Nahem anzusehen. Wachsende Neugier rang mit seinem angeborenen Misstrauen. Schließlich schob er alle Vorsicht beiseite und wagte sich aus seiner Deckung. Mit leichten, schnellen Schritten näherte er sich der Ladefläche des Wagens. Zögernd griff er über den Pritschenrand und tastete nach der Waffe. Ob der Donnerpfeil auch ihm gehorchen würde? Er lauschte in die Savanne. Die weißen Männer waren noch in der Nähe, aber die nahen Löwen nahmen ihre volle Aufmerksamkeit in Anspruch. Ganz vorsichtig hob er das Gewehr an und zog es zu sich herüber. Es fühlte sich kalt und hart an und es ziemlich schwer. Brauchte man einen Zauberspruch, um es Feuer spucken zu lassen? Wie stellte es der weiße Mann an, dass der tötende Donner aus dem Rohr herauskroch? Debe stellte das Gewehr mit dem Lauf nach oben vor sich auf den Boden und schielte in den Schusskanal. Es sah aus wie ein schmaler, leerer Köcher. Ratlos kratzte er sich am Kopf.

»Zeig mir deinen Donner!«, befahl er dem Gewehr.

Doch die Waffe schwieg. Schließlich hob er den Donnerpfeil hoch und setzte ihn so an die Schulter, wie er es einmal aus weiter Entfernung bei einem weißen Mann beobachtet hatte, die rechte Hand am hölzernen Schaft, die linke umklammerte den kalten Lauf. Er zielte auf einen Mankettibaum in seiner Nähe.

»Sende deinen Donner!«, befahl er mit leiser Stimme, doch nichts geschah. Das Gewehr war so schwer, dass es ihn Mühe kostete, es ruhig an seiner Schulter zu halten. Die Finger seiner rechten Hand umspannten kaum den hölzernen Schaft. Er musste nachfassen und legte seine Hand weiter vorne an den Schaftrand, dort, wo sich ein metallener Riegel befand. Er fand heraus, dass sich der Riegel nach hinten bewegen ließ und drückte durch. In diesem Moment löste sich ein Schuss.

Der Rückstoß des Gewehrs traf den Buschmann so unvorbereitet, dass er hart nach hinten katapultiert wurde und zu Boden fiel. Dabei glitt ihm die Waffe aus den Händen. Debe war so verwirrt, dass er wie ein auf den Rücken gefallener Käfer auf dem Boden liegen blieb. Eine Zeit lang wagte er sich nicht zu rühren. Er wusste nicht, was schlimmer war, die Schmerzen an seiner Schulter oder der Nachhall des Schusses in seinen Ohren. Obwohl er die Schritte der zurückkehrenden Männer hörte, blieb er liegen. Erst ein derber Tritt in die Seite löste ihn aus seiner Schockstarre. Mühsam rappelte er sich auf und sah in die Gesichter dreier wütender weißer Männer.

»Verdammter Niggerdieb«, brüllte der Älteste von ihnen. Sein wettergegerbtes Gesicht verhieß nichts Gutes. Debe hielt den Atem an. Bewegungslos stand er vor den großen Männern und fürchtete ihren Zorn.

»Was fällt dir ein? Ich hätte gute Lust, dir die Haut abzuziehen und in meinem Haus an die Wand zu nageln!«

»Er hat mit dem Schuss die Löwen verjagt«, beschwerte sich der Zweite. Die Haare unter seinem weiten Krempenhut klebten an seinem Kopf, als wären sie nass. »Das war meine letzte Chance, um noch an eine Löwentrophäe zu kommen. Jetzt werde ich wegen dieses Niggers ohne sie nach England zurückkehren müssen! Das werde ich Ihnen berechnen, meine Herren!«

»Nun beruhigen Sie sich doch, Mr Cannister«, beschwichtigte der Dritte, der noch am ruhigsten reagierte. »Die Löwen sind nicht weit! Ich bin sicher, dass Sie heute Abend noch Ihre Chance bekommen werden.«

»Du verdammte kleine Missgeburt«, erregte sich der Älteste erneut. Seine Augen glühten vor Zorn. Sein struppiges, schlohweißes Haar stand in seltsamem Kontrast zu den schwarzen, büscheligen Augenbrauen. Er stieß brutal gegen Debes Brust, sodass der aus dem Gleichgewicht geriet und nach hinten stolperte. »Wir werden ihn abknallen und dann mit seinem Leichnam die Löwen anlocken, die er durch seine Dummheit vertrieben hat!« Tatsächlich hob er sein Gewehr und drückte es Debe auf die zitternde Brust.

»Lass gut sein, Nachtmahr.«

Der Besonnene drückte entschieden den Lauf von Nachtmahrs Gewehr in Richtung Boden, während er den Buschmann interessiert musterte. »Sieh an, ein Buschmann!«, meinte er nachdenklich. »Sprichst du unsere Sprache?«, fragte er zu Debe gewandt.

Immer noch voller Angst nickte dieser.

»Was soll das, Baltkorn?«, murrte der Alte. »Er ist nichts als ein lausiger...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen