Die Facebook-Gefahr

Wie Mark Zuckerbergs Schöpfung die Demokratie bedroht
 
 
Plassen Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. November 2019
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86470-663-9 (ISBN)
 
Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Probleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden.
In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. "Die Facebook-Gefahr" ist ein nicht zu überhörender Weckruf - für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,66 MB
978-3-86470-663-9 (9783864706639)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Roger McNamee ist seit 35 Jahren einer der bekanntesten Kapitalgeber im Silicon Valley und war einer der ersten Investoren in Facebook.

Prolog ... 11
1 Das seltsamste Meeting aller Zeiten... 27
2 Das Silicon Valley vor Facebook ... 49
3 Move Fast and Break Things ... 75
4 Foggs Kinder ... 109
5 Mr. Harris und Mr. McNamee gehen nach Washington ... 147
6 Der Kongress macht ernst ... 159
7 Die Facebook-Methode ... 175
8 Facebook stellt sich stur ... 193
9 Der Meinungsforscher ... 209
10 Cambridge Analytica verändert alles ... 223
11 Tage der Abrechnung ... 249
12 Erfolg? ... 267
13 Die Zukunft der Gesellschaft ... 301
14 Die Zukunft des Einzelnen ... 333
Epilog ... 345
Danksagung ... 359


Anhang 1: Memo an Zuck und Sheryl: Entwurf Gastbeitrag für Recode ... 369
Anhang 2: "Zum jetzigen Zeitpunkt in der Geschichte", Rede von George Soros ... 375
Bibliografischer Essay ... 389

1


DAS SELTSAMSTE MEETING ALLER ZEITEN


Neue Technologie ist für sich genommen weder gut noch böse. Es geht einzig darum, wie sich die Menschen entscheiden, sie einzusetzen. - David Wong

Vielleicht sollte ich zunächst einmal erläutern, wie sich meine Wege mit denen von Facebook überhaupt kreuzten. 2006 erhielt ich eine E-Mail von Chris Kelly, Facebooks Chief Privacy Officer: Sein Boss leide an einer existenziellen Krise und brauche den Rat einer unvoreingenommenen Person. Ob ich wohl bereit wäre, mich mit Mark Zuckerberg zu treffen?

Facebook war damals zwei Jahre alt, Zuck 22 und ich 50. Die Plattform war beschränkt auf Collegestudenten, auf Absolventen mit einer Ehemaligenadresse und auf Highschool-Schüler. News Feed, das zentrale Element der Facebook-Nutzererfahrung, stand noch nicht zur Verfügung. Das Unternehmen hatte im Vorjahr gerade einmal 9 Millionen Dollar Umsatz erzielt, doch schon damals war abzusehen, dass Facebook gewaltiges Potenzial besaß, also nutzte ich sehr gerne die Gelegenheit, den Firmengründer kennenzulernen.

Zuck tauchte in meinem Büro bei Elevation Partners auf der Sand Hill Road im kalifornischen Menlo Park auf. Er war leger gekleidet und hatte eine Kuriertasche über die Schulter geschlungen. Bono, der Sänger von U2, und ich hatten Elevation 2004 gegründet, und zwar gemeinsam mit dem ehemaligen Apple-Finanzvorstand Fred Anderson, dem ehemaligen Electronic-Arts-President John Riccitiello und den beiden professionellen Investoren Bret Pearlman und Marc Bodnick. Einen unserer Konferenzräume hatten wir in ein Wohnzimmer inklusive großer Videospielanlage verwandelt und dort traf ich mich mit Zuck. Wir schlossen die Tür und ließen uns knapp einen Meter voneinander entfernt auf bequemen Stühlen nieder. Sonst war niemand im Raum.

Es war unser erstes Treffen, deshalb wollte ich etwas sagen, bevor mir Zuck von seiner Existenzkrise erzählte:

"Mark, falls es noch nicht geschehen ist - entweder wird Microsoft eine Milliarde Dollar für Facebook bieten oder Yahoo. Deine Eltern, dein Board of Directors, dein Managementteam und deine Mitarbeiter werden dir dazu raten, das Angebot anzunehmen. Sie werden dir sagen, dass du mit deinem Anteil der Erlöse - 650 Millionen Dollar - die Welt wirst verändern können. Dein Leadinvestor wird dir versprechen, dich bei deinem nächsten Unternehmen zu unterstützen, damit du es noch einmal machen kannst."

"Es ist dein Unternehmen, aber ich finde, du solltest nicht verkaufen. Ein großes Unternehmen wird Facebook kaputtmachen. Meiner Meinung nach baust du das wichtigste Unternehmen seit Google auf und es wird nicht lange dauern und du bist größer, als Google es heute ist. Du hast zwei gewaltige Vorteile gegenüber früheren sozialen Medien: Du bestehst auf Klarnamen und du gibst den Verbrauchern die Kontrolle über die Einstellungen zu ihrer Privatsphäre."

"Letztlich wird Facebook aus meiner Sicht viel wertvoller für Eltern und Großeltern sein als für College-Studenten und Leute, die gerade ihren Abschluss gemacht haben. Menschen, die nicht viel Zeit haben, werden Facebook lieben, vor allem dann, wenn Familien die Möglichkeit bekommen, Fotos von Kindern und Enkelkindern zu teilen."

"Dein Board of Directors, das Managementteam und die Belegschaft haben sich alle deiner Vision verschrieben. Sofern du immer noch an deine Vision glaubst, musst du dafür sorgen, dass Facebook unabhängig bleibt. Alle werden irgendwann froh sein, dass du es getan hast."

Diese kleine Ansprache dauerte ungefähr zwei Minuten. Was folgte, war die längste Pause, die ich bei einem Treffen zwischen zwei Personen jemals erlebt habe. Es waren vielleicht vier oder fünf Minuten, aber es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Zuck war völlig gedankenverloren und stellte Rodins Denker in verschiedenen Posen nach. Etwas Ähnliches habe ich zuvor oder danach nie wieder gesehen. Es war schmerzhaft. Ich merkte, wie sich meine Finger gegen meinen Willen in die Lehne meines Stuhls gruben, die Knöchel weiß anliefen und die Spannung auf einen Siedepunkt zusteuerte. Nach drei Minuten war ich kurz davor zu schreien. Zuck war das völlig egal. Ich stellte mir Sprechblasen über seinem Kopf vor, durch die im Eiltempo Text scrollte. Wie lange sollte das so weitergehen? Offensichtlich wog er ab, ob er mich für vertrauenswürdig hielt. Wie lange würde das dauern? Wie lange würde ich noch sitzenbleiben können?

Schließlich entspannte sich Zuck und schaute mich an. Er sagte: "Das wirst du nicht glauben."

"Lass hören", erwiderte ich.

"Eines von den zwei Unternehmen, die du erwähnt hast, will Facebook für 1 Milliarde Dollar kaufen. So ziemlich alle haben genauso reagiert, wie du es vorausgesagt hast. Sie finden, ich sollte das Angebot annehmen. Woher wusstest du das?"

"Das wusste ich nicht, aber nach 24 Jahren weiß ich, wie das Silicon Valley tickt. Ich kenne deinen Leadinvestor. Ich kenne Yahoo und Microsoft. So laufen die Dinge hier."

"Willst du denn verkaufen?", fragte ich ihn und er erwiderte: "Ich möchte nicht alle enttäuschen."

"Das kann ich verstehen, aber das ist hier nicht das Thema. Alle haben unterschrieben, weil sie an deine Vision für Facebook glauben. Wenn du an deine Vision glaubst, muss Facebook unabhängig bleiben. Yahoo und Microsoft werden das Ding an die Wand fahren. Nicht mit Absicht, aber genau das wird geschehen. Was willst du?"

"Ich will unabhängig bleiben."

Ich bat Zuck, mir die Regeln zu erläutern, nach denen die Facebook-Aktionäre abstimmten. Wie sich herausstellte, besaß er eine "goldene Aktie", was bedeutete, das Unternehmen würde immer das tun, was er beschloss. Es dauerte nur einige Minuten, das herauszubekommen. Das gesamte Treffen dauerte höchstens eine halbe Stunde. Zuck verließ mein Büro und teilte Yahoo kurz darauf mit, dass Facebook nicht zum Verkauf stehe. Es sollte noch weitere Angebote für Facebook geben - unter anderem ein weiteres von Yahoo -, aber auch die lehnte er ab.

Das war der Auftakt eines Mentorats, das drei Jahre währen sollte. Bei einer Erfolgsgeschichte mit mindestens tausend Vätern spielte ich eine winzige Rolle, hatte aber bei zwei Gelegenheiten, die für den frühen Erfolg von Facebook wichtig waren, etwas beizusteuern - beim Yahoo-Deal und bei der Entscheidung für Sheryl. Zuck hatte auch andere Mentoren, aber wenn er das Gefühl hatte, ich könne etwas beisteuern, rief er mich an. Das geschah so häufig, dass ich einige Jahre lang regelmäßig den Facebook-Firmensitz besuchte. Unsere Beziehung war rein geschäftlicher Natur. Zuck war schon in frühen Jahren unglaublich talentiert und er nutzte mich sehr effektiv. Es begann, als Facebook ein kleines Start-up-Unternehmen mit großen Plänen und unbegrenzter Energie war. Zuck hatte eine idealistische Vision davon, die Menschen in Kontakt miteinander zu bringen und sie zu verbinden. Die Vision inspirierte mich, aber das Magische daran war Zuck selbst. Der offenkundig geniale Zuck verfügte über eine Reihe Charaktereigenschaften, die ihn vom typischen Silicon-Valley-Unternehmer unterschieden - den Willen zu lernen, die Bereitschaft zuzuhören und vor allem eine stille Zuversicht. Viele Technologie-Gründer stiefeln sehr breitbeinig durchs Leben, aber die besten - und dazu zählen die Gründer von Google und Amazon - sind reserviert, nachdenklich, ernst. Auf mich wirkte Facebook wie das "Next Big Thing", das die Welt durch Technologie zu einem besseren Ort machen würde. Ich sah einen Weg voraus, der ungehindert zu 100 Millionen Nutzern führen würde, was einem gewaltigen Erfolg gleichkäme. Dass dieser Erfolg nicht nur Glück mit sich bringen könnte, kam mir niemals in den Sinn.

Zum damaligen Zeitpunkt war ich ausschließlich emotional involviert. Ich war seit über 20 Jahren ein Insider im Silicon Valley, meine Fingerabdrücke fanden sich auf Dutzenden großer Unternehmen und ich hoffte, Facebook werde eines Tages dazugehören. Für mich war das ein absoluter Selbstgänger. Mir war damals nicht klar, dass die Technologie des Silicon Valleys in unerschlossene Regionen vorgedrungen war und dass ich nicht länger als gegeben hinnehmen konnte, dass diese Technologie die Welt stets in einen besseren Ort verwandeln würde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Zuck ähnlich unterwegs war. Damals jedenfalls hegte ich keinerlei Zweifel an Zucks Idealismus.

Das Silicon Valley hatte seinen Anteil übler Zeitgenossen erlebt, aber die Grenzen der Technologie hatten im Großen und Ganzen verhindert, dass es zu weitreichenden Schäden kam. Facebook entstand zu einer Zeit, als es das erste Mal möglich war, Technologiekonzerne zu erschaffen, die so mächtig waren, dass sich kein Land ihrem Einfluss entziehen konnte. Keinem, den ich kannte, kam je in den Sinn, dass der Erfolg auch eine Schattenseite...

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