Zwei Männer für Miss Darcy

Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. Juni 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09964-0 (ISBN)
 
Die junge Darcy erbt eine kleine Insel vor der irischen Küste und stellt fest, dass die Liebe an unerwarteten Orten wohnt.

Darcy McCall fällt aus allen Wolken: Ihre Tante Molly hat ihr nicht nur ein millionenschweres Vermögen hinterlassen, sondern auch ein gottverlassenes Stückchen Erde: die kleine Insel Tara vor der irischen Küste. Und genau hier liegt Darcys Problem, denn das Geld bekommt sie nur, wenn sie zwölf Monate dort verbringt. Widerstrebend lässt sie ihr hippes Londoner Großstadtleben hinter sich, nur um festzustellen, dass die Insel gar nicht so einsam ist. Denn gleich zwei Männer setzen dort alles daran, Darcy zum Bleiben zu bewegen ...

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Goldmann
  • 0,89 MB
978-3-641-09964-0 (9783641099640)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ali McNamara schreibt herrliche romantische Komödien und lebt mit ihrer Familie und zwei Hunden in Cambridgeshire. Sie liebt das Reisen, guten Kaffee und wunderschöne Orte am Meer.

1

Beerdigungen haben mir schon immer gefallen.

Sie haben eine so beruhigende Gewissheit an sich.

Ganz anders als Hochzeiten. Denn ganz egal, wie schön sie sind, wie viel Hoffnung und Euphorie sie für die Zukunft ausstrahlen, so nagt an mir doch immer der leichte Zweifel, ob das glückliche Paar wohl in ein paar Jahren immer noch zusammen sein wird. Oder ob es vielleicht schon die Scheidung einreicht und exorbitante Anwaltskosten zahlt, um sich um eines der hinreißenden, aber sehr teuren Hochzeitsgeschenke zu streiten, die noch geduldig darauf warten, ausgepackt zu werden.

Taufen gehören für mich mehr oder weniger in die gleiche Kategorie. Oft ertappe ich mich nämlich bei der Frage, ob dieses Kind wirklich an seinem Glauben festhält, wenn er oder sie achtzehn wird und von den fleischlichen Verlockungen in Versuchung geführt wird. Insbesondere dann, wenn man feststellen muss, dass der eine Pate noch am Taufbecken bei Twitter seinen Status auf den neusten Stand bringt, während die andere Patin ihr Spiegelbild im Weihwasser überprüft.

Aber das ist nur meine Sicht der Dinge; ich weiß eben gern, was als Nächstes passiert. Allzeit bereit - ich halte mich da ganz an den alten Pfadfinderspruch. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob der durchschnittliche Pfadi-Gruppenleiter mir zu sechs Kleiderwechseln während eines Wochenendausflugs raten würde, wenn drei - wenn überhaupt - vollkommen ausreichend wären.

Die Beerdigung, an der ich gerade teilnehme, ist die meiner Tante Emmeline oder Tante Molly, wie ich sie als Kind immer genannt habe. Und wenn ich bedenke, wie nahe wir uns in meiner Kindheit standen, muss ich mir jetzt zu meiner großen Schande eingestehen, dass ich mich nicht mehr genau daran erinnern kann, wann ich Tante Molly zum letzten Mal gesehen habe. Ich hatte immer vorgehabt, mal wieder zu ihr rüberzufliegen und ihr einen Besuch abzustatten, doch aus Wochen wurden Monate und aus Monaten Jahre; Sie wissen ja, wie schnell heutzutage die Zeit vergeht.

Seit wann ist das eigentlich so? Ist das vielleicht eine jener EU-Verordnungen wie die, dass alles nur noch in Kilogramm und Litern gemessen wird? Ist etwa kürzlich die Zeit beschleunigt worden, und ich habe nur die große offizielle Regierungserklärung verpasst?

Mit dem erwähnten »rüber« ist Irland gemeint. Dublin, um genau zu sein. Im Augenblick stehe ich vor den Toren der Stadt, in dem Dörfchen, in dem meine Tante die letzten Jahre ihres Lebens verbracht hat. An dieses kleine Cottage, in dem nun der Leichenschmaus stattfindet, kann ich mich gar nicht erinnern. Das Haus in meiner Erinnerung war ein riesengroßes Herrenhaus direkt am Meer im County Kerry. Als Kind habe ich immer meine Ferien bei ihr verbracht, weil meine Mutter arbeiten musste. Ich erinnere mich an fröhliche Tage, die ich hauptsächlich draußen und im strahlenden Sonnenschein verbracht habe. Sogar im Winter, wenn wir uns warm eingepackt hatten zum Schutz vor dem beißenden Wind, der vom Meer herüberblies und über das Land fegte, schien in meiner Erinnerung an Tante Molly immer die Sonne.

Warum scheint in Kindheitserinnerungen eigentlich immer die Sonne? Hat das auch etwas mit der EU zu tun?

Noch während ich darüber nachdenke, reißt mich eine Dame mit kleinen weißen Locken aus meinen Gedanken. »Noch eine Tasse Tee, Liebes?« Sie trägt eine Schürze mit Blümchenmuster, steht neben mir und hält mir eine Kanne Tee entgegen.

»Nein danke, ich hatte bereits zwei Tassen«, erwidere ich und lege meine flache Hand auf die Tasse.

»Dann vielleicht noch ein wenig Kuchen?« Sie deutet auf den Tisch, der unter der Last der Essensmengen zu ächzen scheint.

»Sehr freundlich, aber nein danke.«

»Sie sind nicht von hier, oder?« Durch ihre silberne Brille hindurch mustert sie mich eingehend.

»Nein. Ich bin aus London für die Trauerfeier hergekommen.«

»Natürlich. Und woher kennen Sie Emmeline?«, fragt sie neugierig und nimmt mich von Kopf bis Fuß in Augenschein.

»Ich bin ihre Nichte.«

Sofort ändert sich der Gesichtsausdruck der Frau; freudig überrascht sieht sie mich an. »Oh, dann müssen Sie Darcy sein! Wie schön! Warum haben Sie das nicht gleich gesagt, meine Liebe?«

»Ja, das stimmt.« Ich lächele sie an. »Woher wissen Sie, wie ich heiße?«

»Ich bin Maeve. Molly war meine direkte Nachbarin.« Bei der Erinnerung an ihre Freundin wird ihr Blick ganz traurig. Er hellt sich jedoch langsam wieder auf, als sie voller Zuneigung von ihr erzählt. »Molly hat immer von Ihnen gesprochen, ja, das hat sie. Davon, wie Sie sie als Kind immer besucht haben - als sie noch das große Haus in Kerry hatte. Wirklich schade, dass Sie in letzter Zeit nicht mehr kommen konnten, obwohl .« Sie sieht mich vorwurfsvoll an.

»Es ist nur . Ich hatte beruflich alle Hände voll zu tun und war auch sonst sehr beschäftigt.« Wie schon den ganzen Tag über meldet sich wieder mein schlechtes Gewissen.

»Was machen Sie gleich noch einmal? Ich glaube, Molly hat erzählt, dass Sie Zeitungsreporterin sind, nicht wahr?«

»So ähnlich . Ich arbeite als Kulturredakteurin bei einem Gesundheits-und-Beauty-Magazin für Frauen.«

»Gesundheit und Schönheit, sagen Sie?« Maeve denkt kurz nach. »Was soll man denn darüber schreiben? Einmal kräftig mit einer ordentlichen Phenolseife abschrubben und dann mit kaltem Wasser abbrausen, das hat mich mehr als achtzig Jahre lang fit gehalten.«

Überrascht schaue ich Maeve an. Sie sieht ganz gewiss nicht aus wie über achtzig. Auf den ersten Blick hätte ich sie höchstens auf Mitte/Ende sechzig geschätzt, und auch ihre Haut wirkt deutlich jünger.

»Ja, das überrascht Sie jetzt, nicht wahr?« Stolz streicht sie die Rüschen ihrer Schürze glatt. »All diese teuren Cremes und Hautprodukte können Sie getrost vergessen! Die braucht man gar nicht.« Sie beugt sich zu mir. »Ich will Ihnen einen Rat geben, mein Kind. Sie sollten besser damit aufhören, sich all diese Schminke ins Gesicht zu schmieren. Auf lange Sicht wird Ihnen das die Haut ruinieren. Saubere, frische Luft und einen gesunden Lebensstil - mehr braucht man nicht, um jung zu bleiben.«

Unbewusst taste ich mit der Hand nach meiner unglaublich kleinen Mulberry-Tasche. Die ist zum Bersten gefüllt mit Lippenstiften, Puderdöschen, Augenbrauenbürsten und Kompaktpuder - für gewöhnlich ist allein meine Make-up-Tasche größer als dieses winzige Ding. Heute allerdings habe ich mich für dieses Handtäschchen entschieden, weil es farblich genau zu meinen zinngrauen Louboutins passt. Für Tante Mollys Beerdigung wollte ich so gut wie möglich aussehen, selbst wenn sie nicht mehr da war, um mich so zu sehen.

»So«, fährt Maeve fröhlich fort und scheint von einem Moment auf den anderen ihre ernste Warnung vergessen zu haben. »Es ist so schön, dass jemand von der britischen Seite von Mollys Familie es geschafft hat herzukommen, um ihr die letzte Ehre zu erweisen.«

»Stimmt, von uns gibt es nicht mehr allzu viele«, fange ich an, doch da ist Maeve schon längst von einem schwergewichtigen Mann abgelenkt worden, der gerade über einer Platte mit Obstkuchen sinniert.

»Mein Lieber, darf ich Ihnen ein Stück von dem Kuchen abschneiden?«, fragt sie ihn und ist froh, wenigstens irgendjemandem in Sachen Essen behilflich sein zu können.

Während Maeve dem Mann ein großes Kuchenstück abschneidet, betrachte ich die bunt zusammengewürfelte Menschenmenge, die sich nun in der Küche des winzigen Steincottage drängt, das meiner Tante gehört hat. Aufgrund des Altersdurchschnitts nehme ich an, dass all diese Leute Mollys Freunde und Bekannte sind. Diese Vermutung habe ich bereits seit der Kirche - es war schon seltsam, dass alle Anwesenden so viel älter waren als ich. Bei Beerdigungen kommen normalerweise Trauernde verschiedenen Alters zusammen, doch bei Mollys Trauerfeier waren alle Anwesenden etwa in Mollys Alter. Familienmitglieder waren nicht darunter, da ich sehr genau weiß, dass Molly außer meiner Mutter keine Schwestern oder Brüder hatte. Und da meine Mutter gestorben ist, als ich zwanzig war, also vor mittlerweile gut sieben Jahren, bin ich die Einzige, die von dieser Seite der Familie übrig geblieben ist. Verzweifelt versuche ich, mich an einige der Geschichten zu erinnern, die Molly mir als Kind über ihre eigene Kindheit in Irland erzählt hat, doch wie sehr ich mir das Hirn auch zermartere - mir will einfach nichts einfallen. Es ist ein ziemlich frustrierender Gedanke, dass Erinnerungen, die ich wachrufen will, vergraben bleiben, während ich mich an anderes erinnern könnte, was ich aber lieber vergessen würde.

Mit einem ungeduldigen Seufzer trinke ich den letzten Schluck meines Tees mit Milch. Wie konnte ich es nur so weit kommen lassen? Als Kind hat Tante Molly mir so viel bedeutet; wie habe ich zulassen können, sie dermaßen aus meinem Leben driften zu lassen? Ich hätte mich mehr bemühen müssen, mit ihr in Kontakt zu bleiben . Und ich hätte mir wirklich die Mühe machen sollen, sie hier zu besuchen. Schließlich waren wir nicht im Streit auseinandergegangen; wir hatten uns nur auseinandergelebt. Nein, das zu behaupten wäre unfair: Ich hatte zugelassen, dass wir uns auseinandergelebt hatten.

»Entschuldigen Sie bitte?«

Ich drehe mich um, und neben mir steht ein schlanker, elegant gekleideter junger Mann mit Anzug und Krawatte. »Habe ich es mit Miss McCall zu tun?«

»Ja, das haben Sie.«

»Miss Darcy McCall?«

»Ja.«

Erleichtert schaut er mich an. »Oh, sehr gut. Dann...

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