Ed ist tot

 
 
Golkonda Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. August 2018
  • |
  • 280 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-946503-62-0 (ISBN)
 
Jen Carter, Prosecco liebende Buchhändlerin, die gerade ihren Traum von der Schriftstellerei an den Nagel gehangen hat, ist mit einem totalen Chaoten namens Ed zusammen, bis sie in ersticht - unabsichtlich. Doch was tun mit seiner Leiche, seinen Drogen und dem ominösen Geldberg, den Ed hinterlassen hat? Und noch viel wichtiger: Wie kann man den düsteren Gestalten entkommen, denen er noch etwas zu schulden scheint?
Plötzlich steht Jen kurz davor, sich den Titel "Gefährlichste Frau Schottlands" zu verdienen. Der Noir-Krimi vom schottischen Autor Russel D McLean vereint alles, was man braucht: rabenschwarzen Humor, eine sympathische Antiheldin und jede Menge Prosecco.
1. Auflage
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,01 MB
978-3-946503-62-0 (9783946503620)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Russel D. McLean, Schotte durch und durch, feilte an seinen Schreibkünsten, während er mehr als zehn Jahre lang als Buchhändler in Dundee und Glasgow arbeitete. Inzwischen überzeugt er mit seinen Romanen, die in mehrere Sprachen übertragen wurden, insbesondere mit seinen schrägen Krimis.

1

Genau heute vor zwei Jahren ist meine Freundin verschwunden.

Nicht, dass jemand nachgeholfen hätte. Sie ist aus freien Stücken gegangen. Und wer könnte ihr das verübeln, nach allem, was passiert ist?

Die Zeitungen, die Blogger und die Fernsehsender behaupteten, sie hätte sich unter falschem Namen und mit einem Haufen Geld aus dem Staub gemacht. Das Geld stammte angeblich von ihrem Freund, einem Undercover-Bullen, der irgendwie illegal da drangekommen war.

Den einen Teil davon verstehe ich.

Den anderen nicht.

Aber was weiß ich schon?

Kat und ich, wir kannten uns, aber unterm Strich dann wohl doch nicht so gut. Wir trafen uns ab und zu mit ein paar gemeinsamen Freunden im Pub und ich war an dem Abend dabei, als sie ihren Freund kennenlernte - den, von dem sich dann herausstellte, dass er Undercover-Bulle war und es darauf abgesehen hatte, sich bei ihrer Familie einzuschleichen -, aber, ehrlich gesagt, weiß ich kaum was über sie, nur dass sie alle möglichen Sorten Weißwein mochte, außer Chardonnay. Das verband uns. Es gibt wackeligere Grundlagen für eine Freundschaft.

Oh, und sie hatte einen ziemlich guten Geschmack, was Männer anging. Jetzt mal abgesehen von dem Undercover-Typen, der total durchgedreht ist, ihre ganze Familie umgebracht hat und sich dann vom Acker machen wollte. Aber sonst hat er sie ziemlich gut behandelt. Außerdem waren sie nicht mehr zusammen, als er das getan hat. Er hatte sie schon abserviert, um näher an ihren Onkel heranzukommen, das eigentliche Ziel seines Einsatzes.

Manche Leute haben ein aufregendes Leben.

Ich wurschtle eher so vor mich hin.

Der Kerl da ist Reporter. Das sehe ich auf den ersten Blick. Der typische Gang und dann das Funkeln in seinen Augen, als er mich alleine am Tisch entdeckt. Verdammt - wusste er etwa, dass ich hier sein würde, oder hat er einfach nur Glück gehabt?

Wahrscheinlich wollte er bloß schnell einen Espresso trinken. Ich habe schon genug Probleme, ohne dass ich mir jedes Mal, wenn ich in ein Café gehe, einbilde, die Presse wäre mir auf den Fersen.

Ich versuche, ihn zu ignorieren. Starre stur geradeaus. Tue so, als würde ich auf jemanden warten. Aber er hat Blut gerochen. Und vielleicht sieht er die zweite Tasse nicht, oder er denkt, die hat jemand da stehen lassen. Er ist wie ein Wolf, der ein von der Herde verstoßenes Schaf entdeckt hat.

Ich sollte ihm sagen, dass er sich verpissen soll, bevor er auch nur den Mund aufmachen kann. Aber so bin ich nicht. Nie gewesen.

Gute, alte Jen. Das brave Mädchen. Immer höflich. Keine verborgene wilde Seite. Wozu sollte sie die auch brauchen?

Der Reporter sagt: »Sie kannten Kat Scobie.« Es könnte eine Frage sein, aber so, wie er es sagt, ist es eine Feststellung. Er braucht nicht zu fragen. Einer von der Sorte, die gerne nach Skandalen schnüffeln. Mittlerweile kenne ich so einige Typen von Reportern, ihre Einstellungen und Erwartungen.

Ein Fernseh-Interview. Ich dachte, das würde niemandem schaden. Ich dachte, ich könnte ein paar Missverständnisse aufklären.

Jetzt haben sie mich auf dem Kieker. Die Geschichte sollte längst Schnee von gestern sein, aber sie lassen einfach nicht locker. Vielleicht weil Kat jung und schön war und vermutlich die einzige Unschuldige in einer Familie von Kriminellen. Nach dem, was passiert ist, kann man sich das »mutmaßlich« wohl sparen.

Sie können sie nicht finden, und von denen, die direkt damit zu tun hatten, gibt keiner was preis. Also versuchen sie es bei Trotteln wie mir, die denken, sie tun was Gutes, wenn sie vor laufender Kamera sagen, was für ein nettes Mädchen Kat war.

Wenn ich gewusst hätte, was für einen Stress ich mir damit einhandele, hätte ich es nie getan.

Ich sehe aus dem Fenster. Leute gehen vorbei, die Schultern gegen den Regen hochgezogen. Ich halte nach Ed Ausschau. Hoffe, dass der Reporter kapiert, dass ich nicht alleine hier bin, und vor allem, dass ich nicht mit ihm reden will.

»Sie kannten sie, oder? Kat Scobie. Kommen Sie, ist doch kein Geheimnis. War ja schließlich im Fernsehen.« Ein leichter Hauch von Aggressivität. Nicht offensichtlich. Verborgen unter einem vorgeblich sachlichen Tonfall, als würde er lediglich Fakten aufzählen.

»Ja, ich kannte sie. Oberflächlich.« O Jen, was tust du? Warum redest du mit ihm? Steh auf und geh. Oder schick ihn in die Wüste. Lass dich nicht auf ein Gespräch ein. Das ist das Dämlichste, was du machen kannst.

»Aber Sie kannten sie?«

»Ich möchte in Ruhe meinen Kaffee trinken.« Bestimmtheit. Endlich. Wahrscheinlich ein bisschen zu spät.

Natürlich ignoriert er die Anspielung. Setzt sich mir gegenüber. Auf den Stuhl, auf dem keine fünf Minuten zuvor Ed gesessen hat. Der Kerl ist mager, mit schwarzen Haaren, die er mit Gel nach hinten gekämmt hat. Wahrscheinlich glaubt er, dass er damit cool wirkt, aber für mich sieht er eher aus wie ein Frauenschänder.

Ich versuche, mir meinen Abscheu nicht zu sehr anmerken zu lassen.

Er registriert die zweite Tasse vor ihm nicht.

Oder es ist ihm egal.

»Es ist jetzt fast zwei Jahre her, seit sie verschwunden ist. Haben Sie etwas von ihr gehört?«

»So nah waren wir uns nicht.«

»Keine Mail, keine SMS?«

»Wie ich schon sagte .« Mein Blick wandert zu etwas hinter seiner linken Schulter. Ich frage mich, ob es ihm auffällt.

»Das habe ich gehört, aber .« Er verstummt und blickt sich um.

Er bemerkt Ed und steht auf. Ed mustert erst ihn, dann mich, dann wieder den Reporter. »Wir zwei gehen jetzt mal vor die Tür«, sagt er.

Ed hält sich für taff. Eigentlich ist er ein Hungerhaken, aber mit den langen Haaren und den Klamotten weiß man nicht so genau. Er erinnert mich an die Bad Boys in den Hollywoodfilmen. In seiner Vorstellung ist er Johnny Depp. Manchmal rede ich mir ein, dass es stimmt.

Der Reporter sieht aus, als wüsste er nicht so recht, was er tun soll.

Ed ist klatschnass vom Regen. Seine schwarzen Locken kleben ihm am Kopf. Der Kerl würde sich in einen Taifun stellen, nur um eine rauchen zu können. Aber jetzt sieht er aus, als käme er direkt von den Dreharbeiten zu einem Horrorfilm, und dafür bin ich dankbar. Ein leicht eingeschüchtertes Gegenüber und er läuft zur Hochform auf.

»Wie heißen Sie?«

»Dan McCarthy, von der Evening News

»Okay, Dan«, sagt Ed. »Jetzt passen Sie mal auf .«

Ich schmunzele und trinke meinen Kaffee, während Ed Dan nach draußen führt. Ich schaue durchs Fenster zu. Nichts passiert. Niemand kassiert Prügel. Auf der Sauchiehall Street gehen die Leute vorbei, doch niemand beachtet die Auseinandersetzung, weil sie so leise abläuft. Die beiden stehen im Regen, Ed redet als Einziger, dann nickt er, als wäre alles geklärt, kommt wieder rein und setzt sich zu mir an den Tisch.

Ich schaue weiter aus dem Fenster.

Dan sieht mich an, doch als Ed sich zu ihm umdreht, schlägt er den Kragen hoch und verschwindet im Regen.

»Was hast du zu ihm gesagt?«

Ed grinst.

Eine von den Baristas geht an uns vorbei. Ein Mädchen um die zwanzig, das in allem gut aussehen würde, selbst in den Uniformen, die sie in solchen Cafés tragen müssen: formlose schwarze Hose, schlecht sitzendes Polohemd und diese albernen Caps, die aber wahrscheinlich immer noch besser sind als Haarnetze. Ed bemerkt sie. Hört auf, mich anzusehen.

Als wäre ich nicht mehr da.

Mittlerweile sollte ich mich eigentlich daran gewöhnt haben.

Innerhalb eines Fingerschnippens vom Ritter in schimmernder Rüstung zum Mistkerl.

Typisch Ed.

Ed tut so, als würden wir nach Hause fahren. Zu mir. Aber als wir im Taxi sitzen, nennt er dem Fahrer eine Adresse im East End - Bridgeton - und macht es sich neben mir bequem.

Ich sage nichts.

Natürlich nicht. Völlig zwecklos, mit Ed zu diskutieren, wenn er sich irgendwas in den Kopf gesetzt hat. Nicht dass er mich schlagen würde, wenn ich mich querstelle, er redet einen dann nur in Grund und Boden. Das ist seine Geheimwaffe. Als Verkäufer wäre er unschlagbar. Er hat das Talent, nahezu jedem nahezu alles aufzuquatschen.

Ich sage nahezu und das meine ich auch so. Der Dreier mit diesem Mädchen, das er letztes Jahr in einer Bar kennengelernt hat - Heidi hieß sie -, wird niemals stattfinden, ganz egal, was er mir erzählt und wie sehr er bettelt.

Der Fahrer zögert, als er die Adresse hört. »Sind Sie sicher?«

»Ja, bin ich. Hören Sie, ich gebe Ihnen was extra, wenn Sie da warten, okay? Ich muss bloß kurz .«

»Nee, lieber nicht.«

»Kommen Sie schon.«

»Ich hab keine Lust .«

»Nichts Illegales«, sagt Ed. »Ehrlich. Ich will nur einem Freund einen Gefallen tun und ihm was vorbeibringen.«

»So?«

»Ja, und anschließend fahren wir nach Partick, okay?«

»Partick?«

»Oben an der Hyndland Road«, sagt Ed, und jetzt knipst er seinen Charme ein. In seiner Stimme liegt etwas Samtiges, auf das man leicht reinfällt. Funktioniert nicht nur bei Frauen. Auch Männer glauben ihm meistens alles, was er sagt.

»Ich weiß nicht.«

»Leicht verdientes Geld für Sie«, sagt Ed.

»Und wenn irgendwas passiert?«, fragt der Fahrer.

»Ich kann auch ein anderes Taxi nehmen«, sagt Ed. »Ich bin nicht knauserig, was...

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