Happenstance Teil 1

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Juni 2015
  • |
  • 128 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97091-4 (ISBN)
 

Erin Easter weiß genau, was sie will: schnell ihren Abschluss machen, und dann nichts wie weg aus dieser verdammten Kleinstadt. Irgendwo ganz von vorne anfangen. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass sich plötzlich Weston Gates für sie interessieren könnte, dessen verführerische grüne Augen ihr Herz schon seit Jahren höherschlagen lassen. Dann stellt ein tragischer Unfall Erins Leben völlig auf den Kopf und bringt sie und Weston näher zusammen. Aber allmählich muss Erin sich fragen, ob sie all das, wovon sie immer geträumt hat, wirklich will .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,19 MB
978-3-492-97091-4 (9783492970914)

Jamie McGuire ist in Tulsa, Oklahoma, aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in der Nähe ihrer Heimatstadt. Ihr erster Roman, »Beautiful Disaster«, war ein internationaler Erfolg, an den sich weitere New-York-Times-Bestseller anschlossen.

Kapitel 1


»Geh nach Hause. Mach das Licht aus. Und bring dich um.«

Erin Alderman funkelte mich wütend an. Purer Hass sprühte aus ihren wunderschönen honigfarbenen Augen. Sie führte auf der anderen Seite eines kleinen, rechteckigen Fensters eine Gruppe von neun Cheerleadern an. Aber das Glas war nicht das Einzige, was uns trennte.

Achtzehn Augenpaare tanzten über meine schwarze Schürze, die mit Schokoladenmilchshake und Karamellsoße bekleckert war. Dabei wurde gekichert. Offenbar genossen sie die Szene, aber keine von ihnen sah mich direkt an.

Erin Masterson, Erin Aldermans beste Freundin und Co-Captain der Cheerleadertruppe, hielt das Banana Split Blast, das ich gerade für sie gemacht hatte, mit rächendem Blick hoch. Sie war genauso attraktiv gebaut wie ihre beste Freundin, nur hatte sie statt der langen, wallenden goldenen Haare lange, wallende kastanienbraune. »Ich sagte mit Walnüssen obendrauf. Du erfüllst hier eine einfache Funktion: Du sollst Eis in ein Schälchen, einen Becher oder eine Waffel füllen und ein paar Extras dazugeben. Aber wenn du mit siebzehn Jahren nicht zu einem Minijob bei Dairy Queen in der Lage bist, wie willst du dann später deinen Alltag als Erwachsene meistern? Du solltest besser gleich aufgeben, Erin. Stirb mit Würde.«

Erin Masterson sagte diese Worte nicht zu ihrer besten Freundin. Sie redete mit mir, mit Erin Easter, der dritten Erin in unserer Abschlussklasse. Dabei waren wir nicht immer Feindinnen gewesen. In der Vorschule und der ersten Klasse versuchten wir sogar, jeden wachen Moment miteinander zu verbringen, sodass unsere Lehrer und Eltern sich Spitznamen ausdachten, um Verwirrung zu vermeiden. Erin Alderman wurde zu Alder. Erin Masterson hieß fortan Sonny. Nur ich blieb einfach Easter. Wir teilten uns nicht nur einen Vornamen, sondern auch denselben Geburtstag, den 1. Mai. Die beiden hatten Eltern, die Mitglieder im Country Club waren und später führende Funktionen bei den Freimaurern und der National Parent Teacher Association übernahmen. Ich dagegen hatte eine Mutter, die bei meiner Geburt erst knapp zwanzig war und niemanden hatte, der sie unterstützte, nicht einmal meinen Vater.

Aber unsere Freundschaft endete dramatisch in der fünften Klasse. Aus Gründen, die mir bis heute nicht ganz klar sind, wurde ich von da an zu ihrem Lieblingsopfer. Jetzt, im letzten Jahr an der Highschool, versuche ich meist, ihnen aus dem Weg zu gehen. Aber sie lieben es, mich bei Dairy Queen aufzusuchen, wo ich an den Wochenenden und auch an fast jedem Wochentag nach der Schule jobbe.

Ich schob das Fensterchen ganz hoch und streckte meine Hand hinaus. »Tut mir leid. Gib es mir zurück, dann mache ich es neu.«

Da stieß Frankie mich mit der Hüfte beiseite und riss Sonny den Eisbecher aus der Hand. Sie holte die große Portion Eis mit Erdnussstückchen heraus, warf sie in den Müll. Dann löffelte sie ein halbes Dutzend Walnüsse in den leeren Becher und reichte ihn wieder nach draußen. »Ich vergeude nicht einen ganzen Eisbecher, nur weil deine Mama dir nicht beigebracht hat, mit Enttäuschung fertigzuwerden. Und jetzt sieh zu, dass du weiterkommst«, giftete sie und machte eine entsprechende Kopfbewegung.

»Ich werde meine Mama wissen lassen, was Sie von ihrer Erziehung halten, Frances.« Sonny spuckte jedes Wort aus und nannte Frankie absichtlich bei ihrem richtigen Namen, den sie verabscheute. »Ich bin mir sicher, dass dein räudiges Rudel dich zur Expertin macht.«

Frankie grinste höflich. »Der Ausdruck passt nur zu Kötern, Masterson. Und niemand außer deiner Mutter nennt seine Kinder so.«

Die beiden Erins starrten sie böse an, bevor alle Mädchen geschlossen abmarschierten.

»Tut mir leid«, sagte ich und schaute den Cheerleadern nach, die fröhlich über die Straße liefen und sich von der Auseinandersetzung anscheinend gestärkt fühlten.

Frankie runzelte die Stirn und stemmte eine Hand in die Hüfte. »Warum entschuldigst du dich? Ich habe es dir schon hundertmal gesagt, aber ich wiederhole es auch noch ein weiteres Mal. Lass dir von diesen Harpyien nichts gefallen. Dann treiben sie es nur noch schlimmer. Ignorieren funktioniert bei solchen Tyrannen nicht. Glaub mir. Ich weiß das.«

»Es sind ja nur noch drei Monate«, sagte ich und wusch mir die klebrige Milch und den Zucker von den Händen.

Frankie seufzte und richtete die Augen zur Decke. »Ich erinnere mich an meinen Abschluss. Einer der besten Abende meines Lebens. Diese große Freiheit, die nur darauf wartete, erkundet zu werden. Alles lag vor mir: der Sommer, das College, einundzwanzig werden.« Der verträumte Ausdruck verschwand aus ihren Augen, und sie begann, die Theke zu putzen. »Eine Nacht mit Shane genügte, um das alles zunichtezumachen. Sieben Jahre danach habe ich immer noch denselben Job wie zu Highschoolzeiten.« Sie schüttelte den Kopf und lachte kurz auf, während sie an einem hartnäckigen Schokofleck herumkratzte. »Aber meine Babys würde ich natürlich gegen nichts in der Welt eintauschen.«

Ich hob einen Mundwinkel, während ich sehen konnte, wie sie über die Entscheidungen grübelte, die sie bei Dairy Queen festgehalten hatten. Sie schätzte sich glücklich, überhaupt einen Job zu haben. Die Ölfirma war weitergezogen und hatte alle gut bezahlten Jobs mitgenommen, deshalb war ein Gehaltsscheck von Dairy Queen nicht das Schlechteste, was einem in unserer gebeutelten Stadt passieren konnte.

Da klingelte das Telefon, und Frankie ging dran. »Nein, Keaton, du darfst keine Erdnussbutter direkt aus dem Glas essen. - Weil ich es sage. - Wenn du am Verhungern bist, iss eine Banane. - Dann bist du auch nicht am Verhungern! - Ich habe Nein gesagt, und dabei bleibt es. Hol Nana mal ans Telefon. - Hallo, Mama. - Okay. Wie immer. Und bei euch? - Gut. - Nein. - Kendra hat um sechs Tanzunterricht, Kyle um sieben Baseball.« Sie lächelte. »Alles klar. Ich hab dich auch lieb. Bye.«

Sie legte auf, drehte sich zu mir um und schien sich über meine fragende Miene zu wundern.

»Hast du eins vergessen?«, fragte ich.

Frankie kicherte. »Nein. Das Baby schläft Gott sei Dank.«

Sie begann wieder, die Theke zu putzen, und ich räumte weg, was ich bei der Zubereitung von Sonnys Banana Split Blast gebraucht hatte. Unsere Dairy-Queen-Filiale befand sich in einem der kleinsten und ältesten Gebäude in dem winzigen Fleck namens Blackwell auf der Landkarte von Oklahoma. Die Besitzer, Cecil und Patty, waren immer stolz und glücklich, wenn Leute von außerhalb anhielten, um das unverwechselbare Haus im Stil der Fünfzigerjahre zu fotografieren. Kunden konnten an einem der zwei Schiebefenster vorne oder beim Drive-Thru an der Südseite bestellen. Drinnen hatten Frankie und ich kaum Platz, uns zu bewegen, und oft stießen wir zusammen, wenn es nach Baseballspielen oder in der Woche während des Rummels hoch herging. Eine einsame Bank stand im Schatten neben dem Gebäude für Kunden, die ihr Softeis mit Schokoüberzug oder ihren Hotdog gleich hier essen wollten, aber meist war sie leer.

»Du meine Güte! Das Training ist vorbei«, sagte Frankie, als sie die verschiedenen Autos und Trucks des Baseballteams in hohem Tempo kommen sah. Einige fuhren auf den Parkplatz von DQ, ein Dutzend verschwitzter Jungs sprang heraus und kam über den Asphalt zu meinem Fenster. Frankie schob ihres auch auf, und sofort bildeten sich zwei Schlangen.

Weston Gates musste sich bücken, um mich anzusehen. Er schaute zwischen strubbeligen, feucht verschwitzten braunen Haarsträhnen in meine Augen. Auf seinem dunkelgrauen T-Shirt stand BLACKWELL MAROONS, wobei die weinroten Buchstaben von den vielen Wäschen nach seinem inzwischen vierten Jahr im Football-, Basketball- und Baseballteam der Highschool verblassten. Schon sein Vater war eine Sportskanone an der Blackwell Highschool gewesen, seine Mutter und die ältere Schwester Whitney hatten jeweils die Cheerleader angeführt. Inzwischen war Whitney im zweiten Jahr des Colleges an der Duke University, wo sie Jura studierte. Sie kam nur selten nach Hause. Ich kannte sie nicht gut, aber sie hatte genauso hübsche Augen und den gleichen freundlichen Blick wie Weston.

»Einfach irgendwas, Erin. Ist ja alles gut«, sagte er mit einem schüchternen Lächeln.

»Hast du grad gesagt, sie wäre gut, Wes?«, scherzte Brady Beck. »Woher willst du das denn wissen? Ich wusste gar nicht, dass du dich unters gemeine Volk mischst.«

Die anderen Jungs kicherten und machten dämliche Geräusche.

Westons Wangen waren vom Training sowieso schon rot. Das sah aus, als hätte jemand mit einem hellroten Pinsel darübergemalt oder ihn geohrfeigt - zweimal. Jetzt wurde das Rot noch zwei Nuancen dunkler. Durch den Kontrast strahlten seine smaragdgrünen Augen nur noch heller. Schon seit der Grundschule bemühte ich mich, nicht in diese Augen zu starren. Und seit Alder sie in der achten Klasse ins Visier genommen hatte, erst recht.

»Hör gar nicht auf sie, Erin. Lauter Idioten.« Er räusperte sich und drehte den Kopf weg, um in die Beuge seines Ellbogens zu husten.

Ich machte ihm ein einfaches Erdbeersofteis mit Schokodip - extra groß, weil ich wusste, dass er das am liebsten mochte. Dann nahm ich sein Geld und sah ihn das Wechselgeld in meinen Trinkgeldbecher werfen.

»Danke«, sagte er und biss schon ein großes Stück ab, während er zu seinem Truck zurückging.

Die anderen Jungs waren nicht so höflich, die meisten sahen mich nicht einmal an. Aber das war ich gewohnt. Nachdem ich bei einer Mutter aufgewachsen war, die eine...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

1,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen