Wilder Eukalyptus

 
 
Aufbau (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Mai 2020
  • |
  • 351 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96797-038-8 (ISBN)
 
Eine Frau kämpft um Gerechtigkeit - und ihr Glück ... Adam Sinclair stirbt bei einem Flugzeugabsturz und hinterlässt seiner jungen Frau Gemma eine große Schaffarm - und ein schweres Erbe. Denn gerade als Gemma wieder Zuversicht schöpft, fällt ein schrecklicher Verdacht auf sie: War Adam in Schiebereien verstrickt? Und wie viel weiß sie selbst darüber? Sie beteuert ihre Unschuld, doch nur ihre Freundin Jess glaubt ihr - und Ben, ein neuer Tierhändler, der umwerfend aussieht und ganz offensichtlich sein Herz an Gemma verloren hat. Gemeinsam stoßen sie auf Adams dunkles Geheimnis, und Gemma versteht, dass nichts in ihrem Leben so war, wie sie dachte ... Rote Erde, große Gefühle und ein schreckliches Verbrechen - eine mitreißende Australien-Saga!
1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 2,22 MB
978-3-96797-038-8 (9783967970388)

Fleur McDonald wuchs in Orroroo, etwas 300 km nödlich von Adelaide in Südaustralien auf und studierte Agrawissenschaften. 1996 kaufte sie sich dann zusammen mit ihrem Mann eine eigene Farm. Heute bewirtschaften sie über 8.000 Morgen Land. Fleur McDonald hat zwei Kinder und schreibt in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne Australienromane.

Kapitel 2


Für Gemma gab es nichts Schöneres, als das eigene Land abzufahren, die saftigen Weiden und die großen Herden mit ihren Jungtieren, die herumtollten, Bocksprünge machten und einander jagten. Über viele Jahre hinweg war hier im Norden kein einziger grüner Grashalm gewachsen. Die Dürre hatte die Weidegründe in trockenen, staubigen Boden verwandelt. Darum war der herrliche Anblick der endlos grünen Wiesen eine Labsal für die Seele.

Gegen halb eins kehrte sie mit ihrem Geländewagen um und fuhr zurück zum Hof, nachdem ihr nichts Ungewöhnliches aufgefallen war. Zu Hause angekommen, stellte sie zunächst den Wasserkocher in der Küche an und ging anschließend direkt ins Büro. Der Anrufbeantworter blinkte.

»Hi Gem, hier ist Jess. Was treibst du? Hast schon eine Ewigkeit nichts von dir hören lassen. Hoffe, es geht dir gut. Ruf mich zurück, wenn du Zeit hast. Bis dann!« Gemma lächelte, während sie Jess' fröhlicher Stimme lauschte, in der jedoch ein besorgter Unterton mitschwang - sie musste Jess unbedingt anrufen.

»Äh, guten Tag. Hier spricht Mike Martin vom Australian Transport Safety Bureau. Ich möchte Ihnen kurz mitteilen, dass der Unfallbericht zum Absturz der Foxtrott Juliet Papa abgeschlossen ist. Die Unglücksursache war ein Ausfall des Triebwerks, der eine Notlandung erforderlich machte. Daraufhin kollidierte das Fahrwerk mit einem hohen Baum, was schließlich zu einer Bruchlandung mit Todesfolge führte. Sollten Sie dazu weitere Fragen haben, rufen Sie mich an. Ich bin heute den ganzen Tag im Büro zu erreichen.«

»Bruchlandung mit Todesfolge?«, murmelte Gemma, während sie sich die Telefonnummer notierte, die anschließend folgte. Sie lehnte sich gegen den Schreibtisch, und plötzlich hatte sie wieder das Flugzeug vor Augen. Wie es in der Luft geschwankt hatte, wie die Räder unter dem Rumpf weggeknickt waren und wie das Blech sich einer Ziehharmonika gleich zusammenfaltete, als die Maschine auf dem Boden aufschlug.

»Gem, ich bin's noch mal.« Gemma blickte geistesabwesend auf den Anrufbeantworter. »Ich habe spontan beschlossen, am kommenden Wochenende zu dir rauszukommen. Schätze, ich bin Freitagabend so gegen halb acht da. Ich melde mich kurz, bevor ich losfahre. Freu mich auf dich!«

»Das ist ja super!«, sagte Gemma laut. Die Stimme ihrer Freundin hatte die schlimmen Bilder in ihrem Kopf vertrieben.

»Bist du da, Gemma?« Der Lautsprecher erwachte knackend und rauschend zum Leben, als Bulla, einer ihrer Viehtreiber, sie anfunkte. Gemma drehte sich zu der Funkstation in dem Regal mit den Ordnern um, in denen die letzten drei Generationen ihrer Viehzucht dokumentiert waren, und nahm das Sprechmikrofon in die Hand.

»Ja?«, antwortete sie.

»Gem, ich habe schon wieder 'ne Schafherde mit Zuwachs entdeckt. Schätze, es sind ungefähr vierhundert Stück mehr, als wir dachten. Wir brauchen mehr Material, um die Lämmer zu kennzeichnen.«

»Oh«, stieß Gemma überrascht aus. Adam hatte die Bestandsbücher immer sehr genau geführt, und doch war das nun schon das dritte Mal seit seinem Tod, dass sie eine Herde fanden, deren Zahl sich deutlich vergrößert hatte. »Seltsam. Gut, was soll's, ich kümmere mich darum. Sonst ist alles okay?«

»Ja. In ungefähr 'ner halben Stunde sind wir da.«

Gemma verabschiedete sich von Bulla und ging anschließend in die Küche, um sich eine Kleinigkeit zuzubereiten. Während sie aß, machte sie nebenbei eine Liste der Besorgungen, die sie in der Stadt zu erledigen hatte. Sie wusste, dass sie Mike Martin zurückrufen musste, aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt. Die Lämmer hatten Vorrang - und Jess, auf die sie sich schon sehr freute.

Gemma war ganz aufgeregt. Jess hatte angerufen - sie war bereits unterwegs -, und Gemma konnte es kaum erwarten, endlich mal wieder weibliche Gesellschaft zu haben. Obwohl sie Adam über alles geliebt hatte, war nicht zu leugnen, dass ihre Freundschaften unter der Ehe gelitten hatten, da sie ihre ganze Zeit der Farm und ihrem Mann widmete. Nicht dass sie sich beklagte - so hatte sie es schließlich gewollt -, aber hin und wieder vermisste sie schon die Partynächte bis zum frühen Morgen mit ihrer lebenslustigen und vor Energie sprühenden Freundin. Jess und Gemma hatten schon viel zusammen erlebt. Beide waren auf Farmen aufgewachsen. Sie waren im selben Bus zur Schule gefahren, bis Jess' Eltern ihre Farm aufgegeben hatten und nach Port Pirie gezogen waren. Als die beiden Mädchen erfuhren, dass sie auf dasselbe Internat kommen würden, zusammen mit ihren Freundinnen aus der Grundschule, war die Freude unbeschreiblich groß. Seitdem waren Gemma und Jess unzertrennlich.

Natürlich ging Jess nicht mehr ganz so oft feiern, seit sie berufstätig war - in einer Bank, ausgerechnet! Gemma schüttelte jedes Mal den Kopf, wenn sie daran dachte, welchen Beruf Jess gewählt hatte. Sie hatte erwartet, ihre wilde, unternehmungslustige Freundin würde sich etwas Revolutionäres aussuchen, womit sie die Welt auf den Kopf stellen konnte - doch stattdessen war aus Jess eine langweilige Finanzberaterin geworden. Das war fast so schlimm wie Verwaltungsfachangestellte!

Schmunzelnd legte Gemma Musik auf, mixte sich einen Rum mit Cola und sang laut mit, während sie die Soße für das Lamm zubereitete, das sie eigenhändig gezogen, geschlachtet und gekocht hatte und das jetzt im Backofen schmorte. Die Zucht und das Schlachten lagen ihr, das Kochen allerdings weniger, dachte sie.

Kurze Zeit später sah Gemma einen aufgemotzten roten Pick-up auf den Hof fahren und eilte nach draußen. Jess besaß einen richtigen Angeberwagen, wie ihn gewöhnlich junge Kerle fuhren, voll ausgestattet mit großen Suchscheinwerfern, Funkantenne und Autogrammen von berühmten Country-Sängern auf der Heckklappe, und über dem Armaturenbrett lag eine Thekenmatte, die Jess aus dem Oodnadatta Pub hatte mitgehen lassen, als sie das Pferderennen besuchten. Der Wagen war immer blitzblank geputzt und sah nur selten schmutziges Gelände. Gemma lief ihrer Freundin mit ausgebreiteten Armen entgegen und fiel ihr um den Hals.

»Jess, da bist du ja endlich!«

»Gem, Süße, wie schön, dich zu sehen.« Jess erwiderte die stürmische Umarmung. »O Mann, ich hatte ganz vergessen, wie weit es ist bis Billbinya. Ich habe nicht daran gedacht, mir für die Fahrt was zu trinken mitzunehmen. Ich bin es eben gewohnt, am Steuer nichts zu trinken. Aber nicht einmal die Polizei verirrt sich nach hier draußen!«

»Du Ärmste, das war bestimmt hart für dich, hundertfünfzig Kilometer ohne einen Tropfen Alkohol.«

»Na ja, da kann man schon Durst bekommen.«

»Offensichtlich«, sagte Gemma trocken.

»Und, wie geht es dir?«, fragte Jess, als sie zum Haus gingen, die Arme locker umeinandergeschlungen.

»Manchmal ist es nicht leicht. Aber ich schlage mich tapfer.«

»Ich habe nichts anderes von dir erwartet. Irgendwas Neues von deinen Schwiegerleuten?«

»Hey, heute Abend wollen wir uns amüsieren, okay?«, sagte Gemma. »Lass uns morgen über diesen Kram reden.«

Während Gemma den Arm von Jess warm auf ihrer Schulter spürte, empfand sie einen inneren Frieden, den sie seit Adams Tod nicht mehr gekannt hatte. Es war schön, sich fast wieder wie ein Ganzes zu fühlen und zu wissen, dass sie nichts zu befürchten hatte, was auch immer geschehen mochte.

An der Küchentür schlug ihnen ein beißender Geruch entgegen. »Mist! Das ist meine Bratensoße«, rief Gemma und stürzte an den Herd. Jess - eine fantastische Köchin - musste so sehr lachen, dass ihr fast die Tränen kamen.

»Deine Kochkünste sind also nicht besser geworden! Was gibt es denn nun zum Abendessen? Ich habe Kohldampf«, sagte Jess, machte den Kühlschrank auf und nahm sich eine Cola heraus. Knackend öffnete sie die Dose und lehnte sich gegen die Küchenanrichte. »Toast mit Rührei? Oder überbackene Sandwiches?«

»Hör auf! So eine schlechte Köchin bin ich nun auch wieder nicht. Ich koche eben selten, jetzt, wo ich alleine bin. Wir haben ja immer noch den Lammbraten - dann essen wir ihn eben ohne Soße.«

»Lammbraten? Mmm, Lammfleisch hatte ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr!« Jess schob Gemma sacht zur Seite. »Lass mal den Profi ran.« Sie versuchte, von der Soße zu retten, was zu retten war. »Ich glaube, wir müssen mehr davon ansetzen. Wo finde ich Mehl?«

»In der Speisekammer.« Gemma betrachtete Jess. Ihre roten Haare hingen offen über ihre Schultern, und ihre Sommersprossen und grünen Augen stachen von ihrer blassen Haut ab. »Du hast in letzter Zeit wohl nicht viel Sonne gesehen«, bemerkte sie.

»Allerdings«, stieß Jess seufzend aus. »Nun ja, ich arbeite im Büro, da bekommt man nicht viel Sonne ab. Aber .«, sie hob den Zeigefinger, ». dafür wurde ja Make-up erfunden.«

»Du bist so auffallend fröhlich«, sagte Gemma. »Wo drückt der Schuh?«

»Wie du vorhin schon gesagt hast, lass uns morgen über diesen Kram reden«, entgegnete Jess, den Kopf in der Speisekammer. »Ich kann hier nirgendwo Mehl entdecken. Nicht zu fassen, dass du keins im Haus hast - oh, da ist es ja. Gemma Sinclair, das Mehl ist bereits seit einem Jahr abgelaufen! Eines Tages wirst du dir noch eine Lebensmittelvergiftung holen. Na ja, in der Not frisst der Teufel Fliegen.«

»Ich brauche eben kaum Mehl«, rechtfertigte sich Gemma.

»Na komm, kümmern wir uns um das Essen, und ich erzähle dir...

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