Drachentrommeln

Die Drachenreiter von Pern, Band 5 - Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Februar 2017
 
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978-3-641-21010-6 (ISBN)
 
Drachen-Revolution

Pern, der dritte Planet der Sonne Rubkat im Sagittarius-Sektor, ist schon seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt. In regelmäßigen Abständen nähert sich der rote Stern, ein eingefangener Trabant, der auf einer langgestreckten Ellipse um Rubkat kreist. Auf ihm hat sich auch Leben entwickelt, das zwar nicht intelligent, aber deshalb nicht minder gefährlich ist. Er stößt Sporen ab, die in die Atmosphäre eindringen und alles verbrennen, was sich ihnen in den Weg stellt. Nur die Drachenreiter können die Bevölkerung vor der Gefahr aus dem All schützen. Musik genießt auf der dünn besiedelten Welt einen hohen Stellenwert. Piemur träumt von einer Karriere als Sänger, doch der Stimmbruch macht seine Träume zunichte. Der Meisterharfner schickt ihn in einer geheimen Mission auf den Südkontinent, wo die alten Drachenkrieger auf Revolution sinnen. Zwei Dinge kommen Piemur bei seiner abenteuerlichen Reise zugute: seine Gewitztheit und seine meisterhafte Beherrschung der Trommelsprache .

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Heyne
  • 1,37 MB
978-3-641-21010-6 (9783641210106)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Anne McCaffrey wurde am 1. April 1926 in Cambridge, Massachusetts, geboren, und schloss 1947 ihr Slawistik-Studium am Radcliffe College ab. Danach studierte sie Gesang und Opernregie. In den Fünfzigerjahren veröffentlichte sie ihre ersten Science-Fiction-Kurzgeschichten, ab 1956 widmete sie sich hauptberuflich dem Schreiben. 1967 erschien die erste Story über die Drachenreiter von Pern, "Weyr Search", und gewann den Hugo Award im darauffolgenden Jahr. Für ihre zweite Drachenreiter-Story "Dragonrider" wurde sie 1969 mit dem Nebula Award ausgezeichnet. Anne McCaffrey war die erste Frau, die diese beiden Preise gewann, und kombinierte die beiden Geschichten später zu ihrem ersten Drachenreiter-Roman "Die Welt der Drachen". 1970 wanderte sie nach Irland aus, wo sie Rennpferde züchtete. Bis zu ihrem Tod am 21. November 2011 im Alter von 85 Jahren setzte sie ihre große Drachenreiter-Saga fort, zuletzt zusammen mit ihrem Sohn Todd.

II


 

Nur das Tablett, das er trug, hinderte Piemur daran, Freudensprünge zu vollführen. Für den Meisterharfner selbst zu arbeiten, und sei es noch so indirekt, und zugleich als Lehrling zu Meister Olodkey abgestellt zu werden, war alles andere als ein Prestigeverlust; er hatte nie zu hoffen gewagt, dass er so viel erreichen würde. Allerdings, so gestand sich Piemur ein, hatte er bisher auch kaum einen Gedanken an seine Zukunft verschwendet. Der Stimmwechsel war zu plötzlich gekommen.

Meister Olodkey kam nur selten in die Harfnerhalle; die meiste Zeit verbrachte er droben auf den Trommler-Höhen. Er war ein hagerer, leicht gebeugter Mann mit einem massigen Schädel und struppigem braunem Haar; boshafte Leute behaupteten, er sähe aus wie einer seiner ausgefransten Basstrommelschlegel. Andere meinten, er sei vom Lärm der großen Nachrichtentrommeln längst taub und verstünde die Botschaften nur, weil sein Körper die Luftvibrationen spürte.

Piemur dachte über sein neues Arbeitsverhältnis nach und fand es nicht schlecht: Es gab nur vier Lehrlinge außer ihm, und die hatten ihre Ausbildung fast abgeschlossen; dazu kamen fünf Gesellen, die Meister Olodkey unterstützten. Bei Shonagar hatte er zwar eine Sonderstellung genossen, aber der Meister trug im Grunde die Verantwortung für jeden einzelnen Sänger der Harfnerhalle, während Meister Olodkey selten mehr als zehn Harfner unterstellt waren. Piemur befand sich also wieder in einer Gruppe von Auserwählten. Und er hatte obendrein einen Geheimauftrag.

Er hüpfte die Treppen hinunter und balancierte dabei geschickt das Tablett. Wenn er dem Meisterharfner erst einmal bewiesen hatte, dass er schweigen konnte wie ein Grab ... Robinton täuschte sich gewaltig, wenn er annahm, jeder könnte ihm Dinge entlocken, die er nicht preisgeben wollte. Nichts machte Piemur mehr Spaß, als »Bescheid zu wissen«. Dabei fand er es gar nicht so wichtig, anderen Leuten zu zeigen, wie viel er wusste. Die Tatsache, dass er, Piemur, der Sohn eines kleinen Viehzüchters von Crom, zu den Eingeweihten zählte, reichte ihm voll und ganz.

Ein wenig ärgerte er sich, dass er so vorschnell den Süd-Kontinent erwähnt hatte, aber die Reaktion von Robinton und Menolly hatte bewiesen, dass er sich auf der richtigen Spur befand. Sie waren drunten im Süden gewesen: Sebell ganz sicher, und Menolly vermutlich ebenfalls. Robinton wusste, dass er sich auf die beiden voll verlassen konnte.

Piemur hatte nicht viel mit den Alten zu tun gehabt, ehe F'lar sie ins Exil auf den Süd-Kontinent schickte. Und er bedauerte es nicht, denn er hatte genug über ihre Arroganz und Habsucht gehört. Aber wenn man ihn, Piemur, ins Exil geschickt hätte, er wäre bestimmt nicht einfach dort geblieben. Er konnte nicht begreifen, weshalb die Alten es so ruhig hingenommen hatten, dass man sie in den Süden abschob. Piemur schätzte, dass knapp zweihundertfünfzig Drachenreiter und ihre Angehörigen mit den beiden aufsässigen Weyrführern, T'ron von Fort und T'kul vom Hochland, in den Süd-Kontinent gezogen waren. Siebzehn davon waren später nach Norden zurückgekehrt und hatten Bendens Herrschaft anerkannt - so hieß es zumindest. Da die meisten Drachen und ihre Reiter aus der Vergangenheit bereits sehr alt waren, hatte das Drachenheer von Pern durch ihren Abzug keine echte Schwächung erlitten. Bereits während des ersten Planetenumlaufs hatten Alter und Krankheiten knapp vierzig Drachen gefordert, und nahezu ebenso viele waren im Jahr darauf ins Dazwischen gegangen. Reichlich unachtsam, fand Piemur, sogar für die Drachen der Alten.

Er blieb unvermittelt stehen, als ihm von der Küche her ein verlockender Duft in die Nase stieg. Heiße Beerenpasteten? Ausgerechnet jetzt, wo er auf den Schrecken hin einen Trost dringend nötig hatte! Das Wasser begann ihm im Mund zusammenzulaufen. Wahrscheinlich waren die Bleche eben erst aus dem Ofen gekommen, sonst hätte er den Duft schon früher erschnuppert.

Er vernahm Silvinas Stimme über dem Küchenlärm und schnitt eine Grimasse. Abuna hätte er mit Leichtigkeit ein paar Stücke abbetteln können. Aber Silvina ließ sich von seinen kleinen Tricks nicht beeindrucken. Das hieß ...

Er ließ die Schultern hängen, senkte den Kopf und schlurfte mit müdem Schritt die paar Stufen bis zu den Küchengewölben hinunter.

»Piemur? Was suchst du um diese Zeit hier? Und weshalb bringst du das Frühstückstablett des Harfners zurück? Solltest du nicht in der Probe sein ...?« Silvina nahm ihm das Tablett ab und warf ihm einen anklagenden Blick zu.

»Dann haben Sie noch gar nicht gehört, dass ...?«, fragte Piemur leise und niedergeschlagen.

»Was soll ich gehört haben? Hier unten in der Küche versteht man sein eigenes Wort nicht. Ich ...« Sie stellte das Tablett auf der Arbeitsfläche ab, fasste ihn am Kinn und hob seinen Kopf.

Piemur gelang es, eine Träne aus dem Augenwinkel zu quetschen. Er blinzelte rasch, denn Silvina ließ sich nicht so leicht täuschen. Obwohl, sagte er sich hastig vor, es war ja wirklich traurig, dass er Domicks Komposition nicht singen konnte! Und dass ausgerechnet Tilgin seinen Part übernahm!

»Sag bloß, dass deine Stimme ...«

Piemur hörte das Bedauern und Entsetzen in Silvinas leiser Frage. Ihm kam der Gedanke, dass Frauen ihre Stimmlage nie veränderten und Silvina ihm vermutlich gar nicht nachfühlen konnte, was er empfand. Weitere Tränen folgten den ersten.

»Aber, aber, Kind! Davon geht doch die Welt nicht unter. In einem halben Planetenumlauf hat sich deine Stimme wieder gefestigt.«

»Meister Domicks Musik war eigens für mich geschrieben ...« Es fiel Piemur nicht schwer, loszuschluchzen. Der Gedanke an das neue Werk des Meisters bekümmerte ihn echt.

»Sicher, aber irgendwann musste der Wechsel ja kommen. Und ich kann mir nicht denken, dass du dir diesen Zeitpunkt ausgesucht hast, um Meister Domick zu ärgern ...«

»Meister Domick zu ärgern ...?« Piemur schaute sie entrüstet an. »So etwas fiele mir nicht im Traum ein, Silvina!«

»Aber nur, weil du keinen Einfluss auf den Stimmbruch hast, du kleiner Schurke! Ich weiß, wie sehr du es hasst, >Weiberrollen< zu singen.« Ihre Stimme klang barsch, aber sie nahm einen sauberen Zipfel ihrer Schürze und tupfte ihm sanft die Tränen ab. »Nun, ich scheine etwas geahnt zu haben. Es gibt zumindest einen kleinen Trost für deine große Tragödie.« Sie schob ihn vor sich her und deutete auf die großen Platten, wo gerade die Beerenpasteten abkühlten. Piemur überlegte blitzschnell, ob er weiterheucheln sollte. »Du kannst zwei davon haben, für jede Hand eine, und dann ab mit dir! Hast du schon mit Meister Shonagar gesprochen? Vorsicht, der Kuchen kommt eben erst aus dem Rohr und ist ganz heiß!«

»Hmmm«, entgegnete er und biss trotz ihrer Ermahnung in das erste Stück. »So schmecken sie am besten«, murmelte er mit vollem Mund und halbverbrannter Zunge. »Aber ich bin eigentlich gekommen, um Wherleder-Kleider auszufassen.«

»Du? Wherleder? Wozu brauchst du das dann?« Ihr Blick wurde mit einemmal misstrauisch.

»Ich weiß nicht. Ich werde zu Meister Olodkey versetzt. Aber Menolly hat mich gefragt, ob ich auf einem Renner reiten kann, und dann meinte Meister Robinton, ich sollte Sie um Wherleder-Sachen bitten.«

»Die drei? Hmm. Du bist also ab sofort Lehrling bei den Trommlern?« Silvina dachte nach und streifte ihn mit einem wissenden Blick. Piemur überlegte, ob er Menolly sagen sollte, dass die Wirtschafterin sich von Meister Robintons Strategie nicht hatte täuschen lassen. »Nun, auf diese Weise kannst du wohl am wenigsten anstellen. Obwohl ich die Entscheidung nicht für richtig halte! Komm mit! Ich glaube, ich habe eine Wherlederjacke, die dir passen könnte.« Sie schien in Gedanken Maß zu nehmen, als sie durch die Küche zu den Vorratsräumen gingen. »Hoffentlich wächst du nicht zu rasch, denn so, wie du deine Sachen behandelst, kann ich die Jacke wegwerfen, wenn du sie wieder zurückbringst.«

Piemur liebte die Vorratsräume, in denen es nach gegerbten Häuten und frisch eingefärbtem Leinen roch. Die bunten Stoffballen, die Stiefel in Reih und Glied, die geheimnisvollen Truhen und Schränke hatten es ihm angetan. Silvina musste ihm mehrmals mit dem Schlüsselbund auf die Finger klopfen, weil er aus reiner Neugier irgendwelche Deckel öffnete.

Die Jacke passte in den Schultern und war nur etwas zu lang. Silvina nickte zufrieden; die Längenzugabe würde er brauchen, wenn er wuchs. Als sie ihm neue Stiefel anmaß, merkte sie, wie schäbig seine Hosen waren, und so suchte sie zwei neue heraus, eine in Harfnerblau und eine in dunkelgrauem Leder. Dazu kamen noch zwei Hemden mit etwas zu langen Ärmeln, die ihm aber bis zum Winter passen würden, ein breitkrempiger Hut, der die Ohren warmhielt und die Augen schützte, und dicke Reithandschuhe mit gefütterten Fingern.

Mit diesem Berg von Schätzen verließ er das Gewölbe, verfolgt von Silvinas finsterer Drohung, dass er etwas erleben könne, wenn er die teuren Sachen bereits während der ersten Siebenspanne zerriss oder schmutzig machte.

Vergnügt verbrachte er den Rest des Vormittags im Schlafsaal der Lehrlinge damit, die neuen Kleider anzuprobieren und sich von allen Seiten im Spiegel zu bewundern.

Er hörte das Geschrei, als der Chor von der Probe entlassen wurde, und spähte vorsichtig über das Fenstersims. Die meisten Sänger strebten gleich über den Hof dem Speisesaal entgegen. Meister Domick dagegen, seine Partitur in einer Hand zusammengerollt, eilte mit langen Schritten auf Meister Shonagars Räume zu. Als letzter verließ Tilgin den Saal, mit hängenden Schultern und total erschöpft. Piemur grinste. Er hatte Tilgin immer gesagt, dass er die Rolle einüben...

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