Sexualpädagogik in der Kita

Kinder schützen, stärken, begleiten
 
 
Verlag Herder
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 5. Dezember 2013
  • |
  • 144 Seiten
 
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978-3-451-80037-5 (ISBN)
 
Wie verläuft die "normale" psycho-sexuelle Entwicklung des Kindes? Bei welchem Verhalten muss ich mir Sorgen machen? Was können Erzieherinnen tun, um Übergriffen unter Kindern und sexuellem Missbrauch vorzubeugen? Zahlreiche Praxisbeispiele zeigen auf, wie eine zeitgemäße Sexualpädagogik aussieht, wie Kinder geschützt werden und was die Kita tun kann, um Kindern bei den ersten Schritten zu einem sexuell selbstbestimmten Leben zu unterstützen.
  • Deutsch
  • Freiburg im Breisgau
  • |
  • Deutschland
  • 4,72 MB
978-3-451-80037-5 (9783451800375)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind; Professor an der Fachhochschule Potsdam; Sprecher der National Coalition Deutschland - Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention. Arbeitsschwerpunkte: Frühe Kindheit, Internationale Kinderrechte.
  • Intro
  • Inhalt
  • Einführung
  • 1. Kinder und Sexualität - wie passt das zusammen?
  • 1.1 Kinder sind keine kleinen Erwachsenen
  • 1.2 Merkmale kindlicher Sexualität
  • 1.3 Die psychosexuelle Entwicklung des Kindes
  • 1.4 Geschlechtsidentität und Geschlechtsrolle
  • 1.5 Besonderheiten in der Entwicklung: Intersexualität - Transsexualität - Homosexualität
  • 1.6 Übersicht: Psychosexuelle Entwicklungsphasen von der Geburt bis zum Abschluss der Pubertät
  • 2. Die rechtlichen Rahmenbedingungen
  • 2.1 Die UN-Kinderrechtskonvention: Schutz, Förderung und Beteiligung
  • 2.2 Das Grundgesetz: Gleichheitsgrundsatz, Elternrechte und Schutzauftrag
  • 2.3 Das Bürgerliche Gesetzbuch: Recht auf Erziehung ohne Gewalt
  • 2.4 Das Strafgesetzbuch: Sexueller Missbrauch als Straftatbestand
  • 2.5 Das Bundeskinderschutzgesetz: Aktiver Kinderschutz
  • 2.6 Das Kinder- und Jugendhilfegesetz: Förderung der Entwicklung und Schutz vor Gewalt
  • 3. Fachliche Orientierungen: Sexuelle Bildung, Gender Mainstreaming und Schutz vor sexualisierter Gewalt
  • 3.1 Sexuelle Bildung und Schutz vor sexualisierter Gewalt - zwei Seiten einer Medaille
  • 3.2 Fachstandards für Sexualaufklärung und sexuelle Bildung
  • 3.3 Gender Mainstreaming in Kitas
  • 3.4 Empfehlungen des Runden Tisches. Sexueller Kindesmissbrauch
  • 3.5 Der Bezug zu den Bildungsrahmenplänen
  • 4. Sexualpädagogik im Kita-Alltag
  • 4.1 Eine professionelle Haltung zu kindlicher Sexualität entwickeln
  • 4.2 Sexualfreundliche und geschlechterbewusste Pädagogik im Alltag
  • 4.3 Die Eltern einbeziehen und beteiligen
  • 4.4 Was durch mehr Männer in Kitas (nicht) erreicht wird
  • 4.5 Auf dem Weg zu einem sexualpädagogischen Konzept
  • 5. Doktorspiele oder sexuelle Übergriffe?
  • 5.1 Warum Kinder Doktor spielen
  • 5.2 Beispiele für sexuelle Übergriffe
  • 5.3 Ursachen und Folgen sexueller Übergriffe
  • 5.4 Sexuelle Übergriffe: Was die Kita tun kann
  • 6. Kinder stark machen: Sexualisierter Gewalt vorbeugen
  • 6.1 Was Prävention (nicht) leisten kann
  • 6.2 Kinder stärken und Persönlichkeitsbildung fördern
  • 6.3 Ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt entwickeln
  • 6.4 Den Kinderrechtsansatz in der Kita verankern
  • 7. Was tun bei Anzeichen für sexuellen Missbrauch?
  • 7.1 Sexueller Kindesmissbrauch - ein Überblick
  • 7.2 Signale erkennen und den Schutzauftrag wahrnehmen
  • 7.3 Gesprächsführung mit betroffenen Kindern
  • 7.4 Vernetzung mit anderen Diensten und Einrichtungen
  • 7.5 Grenzverletzungen und Missbrauch durch pädagogische Fachkräfte
  • Anhang
  • Internet-Adressen
  • Literatur
  • Materialien für Kinder
  • Blank Page

In diesem Kapitel erfahren Sie

  • dass Kinder Träger von Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechten sind
  • welche Rechte Kinder haben
  • dass sexueller Missbrauch ein Straftatbestand ist
  • welches Verfahren bei Kindeswohlgefährdung vorgeschrieben ist

2.1 Die UN-Kinderrechtskonvention: Schutz, Förderung und Beteiligung


Die UN-Kinderrechtskonvention versteht Kinder als (Rechts-)Subjekte und Träger eigener, unveräußerlicher Grundrechte. Die Konvention wurde 1989 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen einstimmig verabschiedet und ist seitdem von 193 Staaten ratifiziert worden. Sie ist damit das weltweit von den meisten Staaten anerkannte Menschenrechtsabkommen. In Deutschland trat die Konvention 1992 in Kraft, zunächst allerdings mit Vorbehalten. Erst 2010 hat die Bundesregierung die Vorbehaltserklärung zurückgenommen. Seitdem gelten sämtliche Rechte nach der Konvention uneingeschränkt für alle in Deutschland lebenden Kinder.

Die in den 54 Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention enthaltenen Rechte beziehen sich auf alle Menschen von der Geburt bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres (Kinder und Jugendliche). In dem »Gebäude der Kinderrechte« können Schutzrechte, Förderrechte und Beteiligungsrechte unterschieden werden. Die wichtigsten, vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes als Allgemeine Prinzipien (General Principles) bezeichneten Rechte finden sich in den Artikeln 2, 3, 6 und 12.

Artikel 2 enthält ein umfassendes Diskriminierungsverbot. Zu den dort aufgeführten unzulässigen Diskriminierungsmerkmalen gehört auch das Geschlecht des Kindes. Demnach darf kein Kind aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden. In Artikel 3 Absatz 1 ist der Vorrang des Kindeswohls festgeschrieben, demzufolge das Wohl des Kindes bei allen Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstigen Maßnahmen öffentlicher oder privater Einrichtungen vorrangig zu berücksichtigen ist. Artikel 6 sichert das grundlegende Recht jedes Kindes auf Leben, Überleben und bestmögliche Entwicklung. Gemäß Artikel 12 hat jedes Kind das Recht, in allen Angelegenheiten, die es betreffen, unmittelbar oder durch einen Vertreter gehört zu werden. Die Meinung des Kindes muss angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife berücksichtigt werden.

Querschnittsartikel (Allgemeine Prinzipien) der UN-Kinderrechtskonvention

Artikel 2

Recht auf Nicht-Diskriminierung

Artikel 3 Absatz 1

Recht auf vorrangige Berücksichtigung des Kindeswohls

Artikel 6

Recht auf Leben und bestmögliche Entwicklung

Artikel 12

Recht auf Berücksichtigung der Meinung des Kindes in allen es betreffenden Angelegenheiten

Ein Bezug zu Sexualpädagogik und sexueller Bildung findet sich in Artikel 24 (Gesundheitsvorsorge) der Konvention. Gemäß Artikel 24 Absatz 2f verpflichten sich die Vertragsstaaten, »die Aufklärung und die Dienste auf dem Gebiet der Familienplanung auszubauen«. Der nachfolgende Absatz 3 enthält die Verpflichtung der Staaten, »alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen (zu treffen), um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen«. Zu den die Gesundheit schädigenden und die Rechte von Kindern verletzenden Bräuchen gehört unter anderem die in einigen Regionen der Welt verbreitete Genitalverstümmelung von Mädchen.

In Artikel 19 Absatz 1 ist ein uneingeschränktes Gewaltverbot in der Erziehung niedergelegt. Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird dort ausdrücklich als eine Form unzulässiger Gewalt gegen Kinder benannt. Entsprechend heißt es: »Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut.«

Gemäß Artikel 34 UN-Kinderrechtskonvention genießen Kinder außerdem einen umfangreichen Schutz vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch: »Die Vertragsstaaten verpflichten sich, das Kind vor allen Formen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu schützen. Zu diesem Zweck treffen die Vertragsstaaten insbesondere alle geeigneten innerstaatlichen, zweiseitigen und mehrseitigen Maßnahmen, um zu verhindern, dass Kinder

a) zur Beteiligung an rechtswidrigen sexuellen Handlungen verleitet oder gezwungen werden;

b) für die Prostitution oder andere rechtswidrige sexuelle Praktiken ausgebeutet werden;

c) für pornographische Darbietungen und Darstellungen ausgebeutet werden.«

Die in der UN-Kinderrechtskonvention enthaltenen Rechte sind durch drei Zusatzprotokolle präzisiert und erweitert worden, darunter das im Jahr 2000 von der Vollversammlung verabschiedete und 2002 in Kraft getretene Fakultativprotokoll betreffend den Kinderhandel, die Kinderprostitution und die Kinderpornographie (Optional Protocol on the Sale of Children, Child Prostitution, and Child Pornography). Das auch von Deutschland ratifizierte Protokoll verbietet ausdrücklich solche schweren Kinderrechtsverletzungen und fordert von den Staaten, diese Formen der Ausbeutung als Verbrechen zu verfolgen und unter Strafe zu stellen.

Zur weltweiten Umsetzung der Kinderrechte auf Schutz vor sexueller Ausbeutung fand 1996 in Stockholm auf Initiative der Kinderrechtsorganisation ECPAT (End Child Prostitution, Pornography and Trafficking for Sexual Purposes) der »Erste Weltkongress gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern« statt. Die Vertreter von über hundert Ländern und zahlreichen Nichtregierungsorganisationen verabschiedeten einen Aktionsplan, der u.a. die Kriminalisierung der sexuellen Ausbeutung von Kindern, die Verabschiedung entsprechender Gesetze sowie vorbeugende Maßnahmen der Informations- und Bildungsarbeit fordert. Mit Bezug zu diesem Internationalen Aktionsplan hat die deutsche Bundesregierung 2003 und 2011 nationale Aktionspläne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung verabschiedet.

UN-Kinderrechtskonvention: Sexualaufklärung und Schutz vor sexueller Gewalt

Artikel 24

Absatz 2f

Aufklärung sowie Ausbau der Dienste auf dem Gebiet der Familienplanung

Artikel 19

Schutz vor sexuellem Missbrauch durch Eltern oder andere Personen

Artikel 34

Schutz vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch (u.a. Verbot von Kinderprostitution und Kinderpornographie)

Zusatzprotokoll

Verpflichtung zur Strafverfolgung von Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie

Auch wenn die Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention relativ allgemein gehalten sind, haben sie für Erzieherinnen und Erzieher eine große Bedeutung. Sie machen deutlich, dass heutzutage ein nahezu universeller Menschenrechtsschutz für Kinder besteht, der alle Kinder unabhängig von nationaler Herkunft sowie kultureller und religiöser Verwurzelung einschließt.

2.2 Das Grundgesetz: Gleichheitsgrundsatz, Elternrechte und Schutzauftrag


Von großer Bedeutung für eine geschlechtergerechte Bildung und Erziehung ist Artikel 3 des Grundgesetzes (GG), der ein allgemeines Gleichheitsgebot sowie ein Verbot der Diskriminierung u.a. aufgrund des Geschlechts enthält. Im Einzelnen heißt es dort:

»(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.«

Eigene Kinderrechte kennt das Grundgesetz bisher nicht. Auch der Kindeswohlvorrang wird dort nicht erwähnt. Kinder tauchen lediglich als Regelungsgegenstände (Rechtsobjekte) auf. Entsprechend spricht Artikel 6 Absatz 2 GG vom Recht der Eltern und der zuvörderst ihnen obliegenden Pflicht, ihre Kinder zu pflegen und zu erziehen. Allerdings gehört es inzwischen zur gefestigten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, dass das Kind selbst Grundrechtsträger ist. Daraus folgt, dass Rechte und Pflichten der Eltern an die Persönlichkeitsrechte des...

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