Ich brauche dich! Ich liebe dich?

Roman
 
 
Fischer, R. G. (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2015
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8301-1686-8 (ISBN)
 
Als Martha jung ist, glaubt sie noch an das Märchen vom hässlichen Entlein, das zum schönen Schwan wird. Als Erwachsene hat sie ihre Illusionen aufgegeben. Ihre Arbeit als erfolgreiche Radiomoderatorin und die heimliche Liaison mit dem allseits begehrten Fred stellen sie durchaus zufrieden. Bis ihre einstige Schulfreundin Nicole plötzlich wieder auftaucht, die Marthas Jugendschwarm Michael geheiratet hat und sich rücksichtslos in ihr Leben drängt - mit dramatischen Folgen für alle Beteiligten.
  • Deutsch
  • Frankfurt
  • |
  • Deutschland
  • 1,32 MB
978-3-8301-1686-8 (9783830116868)
3830116861 (3830116861)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Rena May bezeichnet sich selbst als Optimistin und hat dank ihres sozialen Berufes und Kontakten zu verschiedenen Menschen und Charakteren eines gelernt: der erste Eindruck ist nicht immer der richtige. Die Autorin ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in einer kleinen Stadt auf dem Land.

Martha


Die letzten Töne der Geigenmusik im Musiksaal der Schule verklangen. Applaus brandete auf. Nicole wusste, dass sie sehr spät kam, Martha war ihr schon mit ihrer Maulerei auf die Nerven gegangen. Aber ihr Zuspätkommen war berechnet. Sie wusste genau, was sie wollte und was Eindruck machte. Nur noch vereinzelt klatschten ein paar Zuhörer, das waren sicher die Eltern der Schüler, die zum klassischen Teil des Schulorchesters gehörten. Mit beiden Händen drückte sie die schwere Saaltür auf. Martha hätte ihr helfen sollen, aber die trottete, wie immer, hinter ihr her.

Nicole blieb einen Moment stehen, als suche sie jemanden. Die Leute in den letzten Reihen drehten sich zu ihr um und sie sonnte sich kurz in der aufblitzenden Bewunderung. Sie wusste, dass sie gut aussah! Auch Martha freute sich über die Sympathie, die ihrer Freundin zuflog, war diese doch eine der hübschesten Schülerinnen des Gymnasiums. Sie selbst hatte ihre schweren, weißblonden Haare zu einem strengen Zopf geflochten, der über dem weißen Kragen ihrer hochgeschlossenen Bluse hing, die sie achtlos in den Bund ihres halbweiten Rockes hineingestopft hatte. Für den heutigen Abend hatte sie sich von ihrer Mutter Pumps mit einem kleinen Absatz geliehen. Aber als sie beide durch die Reihen zu Michaels Tisch gingen, kam sie sich hinter Nicoles zarter Gestalt noch unbeholfener und klobiger vor als sonst.

Nervös nestelten ihre Hände an ihrer Tasche. Sie merkte, dass ihre Handflächen feucht und eiskalt waren und versuchte, sie unauffällig an ihrem Rock abzutrocknen. Im Gegensatz zu Nicole hasste sie es, wenn alle Augen auf sie gerichtet waren, obwohl sie die Gesichter nur verschwommen sah, weil sie aus Eitelkeit ihre Brille abgenommen hatte.

»Komm endlich«, Nicole hatte sich genug gesonnt, »dahinten ist Michael.« Marthas Herz klopfte schneller. Sie wusste, wenn er Nicole sah, würde er strahlend aufspringen, ihre Hand nehmen und sie voller Besitzerstolz neben sich auf die Bank ziehen. Für sie selbst würde ein unverbindliches, freundliches Hallo übrigbleiben. Aber das würde ihr reichen. Michael gehörte zu Nicole, und das akzeptierte sie als unumstößliche Tatsache, so wie die Erde um die Sonne kreiste.

Sie setzten sich, nickten ein paar Mitschülern zu und warteten gespannt auf die Fortsetzung des Abendprogramms. Michaels Klassenjahrgang hatte Abiturfeier und die Eltern waren zum offiziellen Teil eingeladen. Hinterher sollte eine Party ohne irgendwelche unerwünschten Erwachsenen steigen. Die Schüler hatten ihren späten Abend selbst gestaltet. Auch wenn sie alle feierten, dachte Martha, war es einzig und allein Michaels Abend. Er hielt die Abiturrede, er spielte den Moderator und er erhielt einen Preis für seine hervorragende Arbeit in Deutsch. Seine Mutter, die etwas verhuscht in der ersten Reihe saß, konnte stolz auf ihren Sohn sein.

Der Rektor begrüßte die Eltern der Abiturienten und wünschte allen abgehenden Schülern Erfolg für ihr weiteres Leben. Seine Worte rauschten an Marthas Ohren vorbei. Michael turtelte mit Nicole, und Martha konnte ihn - wie so oft - unbemerkt anstarren. Sie wusste, er hatte die schönsten blauen Augen, die sie je gesehen hatte. Tiefblau.

Jedes Mal, wenn er sie ansah, meist, wenn er etwas von ihr wollte, verdoppelte sich ihr Herzschlag. Dann hielt sie den Atem an und strich über ihren Rock oder fixierte mit ihrem Blick irgendeinen Punkt hinter ihm, verzweifelt bemüht, ihm nicht zu zeigen, was sie für ihn fühlte.

Ihre Schwärmerei war aussichtslos! Sie wusste es. Liebte er doch ihre Freundin. Und damit gehörte er auch ihr. Ein wenig, ein klitzekleines bisschen!

Seine dunkelblonden Haare waren leicht gelockt. Er trug sie halblang und eine Locke fiel ihm ständig ins Gesicht, dann strich er sie mit seinen schlanken, langen Fingern aus der Stirn oder warf den Kopf nach hinten. Im Moment streichelte er Nicoles Hand. Diese Finger mussten einfach sanft und zärtlich sein.

Marthas Mund wurde trocken. Seine Nase war klassisch gewachsen über dem sensiblen Mund. Wie es wohl war, wenn er küsste? Es musste wie eine Welle sein, die einen überrollte und mitriss. Sie konnte kaum einen sehnsüchtigen Seufzer unterdrücken. Zum Glück beachtete sie niemand.

Der Rektor wandte sich an den Tisch vorne links, wo sie saßen. Martha erwachte aus ihrer Träumerei.

»Du musst auf die Bühne«, Nicole drängte. Michael gab ihr einen schnellen Kuss. Sie kicherte und schob ihn dann von sich. Martha sah ihm nach, als er mit schnellen, selbstbewussten Schritten zur Bühne ging. Schick sah er aus. Er hatte seine dunkelblauen Jeans an, dazu ein weißes Hemd mit einer Clubjacke. Einen blauen Seidenschal hatte er locker umgebunden. »Sieht nicht so spießig aus wie eine Krawatte«, hatte er sich entschuldigt.

Er ist bei Weitem der bestaussehende Abiturient der Schule, dachte Martha und so etwas wie Neid auf Nicole drang in ihr Bewusstsein. Erschrocken unterdrückte sie ihre Gedanken.

Michael erklomm die Stufen zur Bühne. Er war hier der Star, und er wusste es! Das Programm lief ab. Gekonnt moderierte er. Es gab Lustiges, Ernstes, kleine Racheakte an den Lehrern. Dann Michaels Rede. Klug, stilvoll, wohlgesetzt. Seine Mutter wischte sich die Tränen aus den Augen. Dann übergab er einem Mitschüler das Mikrofon.

Der Schulleiter und ein Vertreter des Schulamtes überreichten ihm den Literaturpreis. Der Direktor sprach von Michaels großem Talent, seinem Germanistikstudium und der großen Karriere, die auf ihn wartete.

Die Leute klatschten wie wild. Seine Mutter sprang auf und strahlte ihren Sohn an. Seine Augen suchten die beiden Menschen, die ihm am meisten bedeuteten. Nicole und seine Mutter. Und zwar in dieser Reihenfolge.

Nach dem offiziellen Teil verabschiedeten sich die Erwachsenen wie versprochen. Die Jugendlichen hatten den Turnsaal für sich alleine, und jetzt ging die Post ab! Die Schulband schaltete auf Rock, Pop und Discomusik um. Nicole wippte mit den Füßen.

Michael fuhr seine Mutter nach Hause. Nicole zog einen Schmollmund.

»Immer muss Michael sich um seine Mutter kümmern. Sie hätte doch mit ihren Nachbarn nach Hause fahren können. Nein, ihr Sohn muss sie fahren«, sagte sie ärgerlich.

Ein Mitschüler kam an ihren Tisch. »Nicole, tanzt du mit mir?«

»Klar«, sie lächelte kokett und verschwand mit ihm im Gewühl.

Martha saß alleine da, nippte an ihrer Cola und beobachtete die Tänzer, die sich im Discotakt bewegten. Sie hatte zusammen mit Nicole eine Tanzschule besucht. Das war zwar nicht »in« gewesen, aber Nicoles Eltern hatten darauf bestanden.

Für Martha, die sich anfangs sehr schüchtern und linkisch vorkam, hatte sich kein Tanzpartner gefunden, und so wurde einfach ein Junge vom letzten Tanzkurs für sie bestimmt, der unlustig seine Pflicht tat.

Mittlerweile tanzte Martha gern. Sie hatte Rhythmus. Aber das nutzte ihr nichts. Irgendwann würde sie auch auf die Tanzfläche gehen, alleine! Aber jetzt würde sie auf Michael warten. Wenigstens sie würde am Tisch bleiben. Wie immer war sie der Fels in der Brandung.

Wie oft hatte sie schon Nicoles Probleme ausgebügelt. Seit der Kindergartenzeit hatte sie sich an Nicole gehängt. Nicole war so bewundernswert anders als sie selbst, schlank und schmalgliedrig, während sie immer kräftig wirkte; kräftig genug, um ihre Freundin zu beschützen. Sie merkte nicht, dass sie nur den Hintergrund oder den Rahmen bildete, um die Vorzüge ihrer Freundin besonders hervorzuheben.

Nicoles Augen leuchteten blau wie ein Sommerhimmel, ihre dagegen waren so blass, als hinge eine dünne Wolkenschicht darüber. Die blonden Locken der Freundin hatten die Farbe von reifem Weizen, ihre dagegen waren fade und farblos. Nicoles Haut schimmerte, ihre war blass und in der Pubertät mit Pickeln übersät gewesen. Durch ihren mittlerweile dicken Busen wirkte sie korpulent, obwohl es nicht stimmte, und ihre überraschend schönen Beine fielen in den flachen Schuhen, die sie immer trug, überhaupt nicht auf.

Kurz blitzte etwas Blaues auf der Tanzfläche vor ihr auf, Nicole, dann war es wieder verschwunden. Erleichtert sah sie, dass Michael an den Tisch zurückkam. Endlich konnte auch sie sich unter die Tanzenden mischen. Sie genoss es und einmal hatte sie sogar einen Partner. Hier und da nickte sie Nicole und Michael zu, die eng umschlungen turtelten. Sie war es gewöhnt, alleine zurechtzukommen.

Irgendwann im Laufe des Abends war Michael an der Reihe, sich um den Getränkenachschub zu kümmern. Nicole schmollte. »Du bist nicht unabkömmlich«, meinte sie. »Es sind auch andere da, die mithelfen können.«

»Ich komme ja gleich zurück«, beruhigte er sie. Aber dann dauerte es doch recht lang.

Martha kannte ihre Freundin gut genug, um zu merken, dass sie unruhig wurde. Und dann, gegen halb zwölf, fiel ihr auf, dass Nicole immer öfter zur Saaltür starrte. Ein Mann stand neben der Türe, an die Wand angelehnt....

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

11,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok