Ein Held für alle Tage

 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. November 2019
  • |
  • 286 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8225-9 (ISBN)
 
Eine liebevolle Persiflage auf Liebesromane und dabei selbst ein Liebesroman - voller Witz, Spannung und Gefühl!

Die wahre Liebe? Romantik? Liebesromanautorin Sadie Fuller verdient zwar gutes Geld mit ihren Romanen, aber als geschiedene Mittvierzigerin glaubt sie nicht mehr an ein persönliches Happy End. Es gibt Wichtigeres im Leben, wie etwa ihre 11-jährige Tochter Allison. Allerdings hätte sie selbst in ihren kühnsten Träumen nicht mit dem gerechnet, was dann passiert: Der unverschämt attraktive Held ihres neuesten Romans steht plötzlich vor ihr - und bringt Sadies Leben ganz schön durcheinander ...

"Klug, bezaubernd und voll prickelndem Witz!" KIRKUS REVIEW

Dieser Liebesroman ist ungewöhnlich - ungewöhnlich gut: Eine Protagonistin wie aus einer romantischen Komödie von Kerstin Gier, ein Romanheld, der zum Leben erwacht und eine Liebesgeschichte á la Nicholas Sparks - das ist "Ein Held für alle Tage".

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Elizabeth Maxwell arbeitete in der IT-Branche, bevor sie den Job fürs Mutter-Dasein an den Nagel hängte. Doch da die alleinige Konzentration auf die Kinderbetreuung sie relativ schnell in den Wahnsinn zu treiben drohte, widmete sie sich wieder einer alten Leidenschaft, dem Schreiben. Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und einer sehr alten Katze in Kalifornien.


2. Kapitel


Geplant hatte ich das nicht. Niemand träumt davon, eine leicht übergewichtige, geschiedene Mutter mittleren Alters zu sein, die dringend ihre Augenbrauen mit Wachs und ihren Körper mit irgendwelchen Pilates-Übungen in Form bringen müsste. Niemand träumt davon, einen blauen Toyota-Minivan mit undefinierbaren Krümeln zwischen den Sitzen zu fahren oder ein Sofa mit Kaffeeringen auf den Armlehnen zu besitzen. Trotzdem passieren diese Dinge. Und dann muss man eben damit leben.

Ich heiße Sadie Fuller. Manchmal sehe ich mein fünfundzwanzigjähriges Selbst, wenn ich in den Spiegel sehe. Es ist jung und frisch und neugierig auf alles, was das Leben bietet. Dann wieder gehe ich an einem Schaufenster vorbei und sehe mich, wie ich jetzt bin, mit sechsundvierzig, und ich frage mich, wer um alles in der Welt mich da anstarrt. Diese Frau mit den Krähenfüßen und Lachfältchen und der sonnenverbrannten Haut kann doch nicht ich sein. Das ist bestimmt meine Mutter.

Neben Minivan und Kaffeeringen habe ich noch eine elfjährige Tochter namens Allison, einen Hund namens Perkins und einen Exmann, der wirklich ganz wunderbar ist, wenn man davon absieht, dass er schwul ist und ich eine Frau bin.

Ich habe braunes Haar, einst glatt und glänzend, jetzt chemisch behandelt, und braune Augen, die nicht mehr so scharf sehen wie einst. Heute bunkere ich Lesebrillen wie früher Zigaretten. Man weiß ja nie, wann ein Notfall eintritt. Ich spende regelmäßig an eine Organisation für Familienplanung und an die Demokraten, und aus irgendeinem Grund habe ich mich dieses Jahr freiwillig für die jährliche Spendengala zugunsten der Schule gemeldet. Ich zahle jedes Jahr fünfundvierzigtausend Dollar, damit Allison die fünfte Klasse der prestigeträchtigen Holt Hall besuchen darf, und hatte eigentlich gedacht, dass die Eltern darüber hinaus nichts mehr zu leisten haben. Da habe ich mich wohl geirrt.

Vermutungen bringen uns selten weiter. Sehen Sie zum Beispiel mich an. Man könnte mich für eine Hausfrau halten, die sich hat gehen lassen, und würde nie auf die Idee kommen, dass ich nachts, wenn die restliche Vorstadt schläft, unter dem Pseudonym K. T. Briggs erotische Romane schreibe.

Vielleicht haben Sie schon von mir gehört, wenn Sex in Aufzügen, auf Konferenztischen oder in Flugzeugtoiletten Ihr Ding ist. Anwälte denken an Papiere, Ärzte denken an Untersuchungsergebnisse, ich denke an schöne Leute, die es an den unpassendsten Orten miteinander treiben.

Wenn man mich fragt, was für Bücher ich denn schreibe, sage ich Liebesromane. Es ist zwar nicht so, als wäre ich eine Prostituierte oder so, aber ich befürchte, dass meine wohlhabenden konservativen Nachbarn da keinen großen Unterschied sehen. Schmutz bleibt Schmutz. Niemand will bei unserem monatlichen Elternbeiratstreffen in der Kaffeepause darüber diskutieren, wie man Oralverkehr beschreibt. Herrgott noch mal, wir sind Moms. Wir sind da, um über den Nährwert von Pausenbroten zu reden und darüber, ob es angemessen ist, mit Drittklässlern in eine Broadway-Aufführung von Wicked - Die Hexen von Oz zu gehen. Wer hat schon Zeit, über Sex in einem sonnendurchfluteten Rosengarten mit George Clooney oder, wenn man auf Jüngere steht, Channing Tatum nachzudenken?

Allerdings würde ich die Hypothek, das Schuldgeld, die Autoversicherung oder den Unterhalt nicht bezahlen können, wenn es da draußen nicht eine ganze Menge Moms gäbe, die sich in ihrer Freizeit gern Sex an allen möglichen Orten außerhalb ihres eigenen Betts ausmalen. Und ich bin jeder einzelnen von Herzen dankbar dafür.

Ich stolpere durch den Flur in Richtung Allisons Stimme. Sie sitzt im Bett, hat sich eine Decke um die Schultern gelegt und blinzelt, als ich das Licht anschalte. Ihr Gesicht, das Ebenbild ihres Vaters, ist gerötet.

»Was ist denn los?«, frage ich und setze mich zu ihr. Instinktiv streiche ich ihr eine dunkelblonde Locke aus dem Gesicht und fasse sie an die Stirn. Sie fühlt sich kühl an. Nase und Wangen sind mit ein paar Sommersprossen gesprenkelt.

»Schlecht geträumt«, sagt sie und lehnt sich an mich. Meine Elfjährige steht kurz davor, sich in einen richtigen Teenager zu verwandeln, und muss mich dann hassen, bis sie zwanzig wird. Also genieße ich erst einmal die Augenblicke, in denen sie sich von mir noch in die Arme nehmen lässt. Wenn ich mir davon genügend im Herzen bewahre, komme ich damit vielleicht durch die dürren Jahre, die vor mir liegen.

»Wovon hast du denn geträumt?«, frage ich.

»Von Fusselmonstern mit Reißzähnen.« Allison kuschelt sich dichter an mich. Sie riecht wie Bergluft im Sommer, frisch und sauber, und wie so oft bin ich überwältigt von ihren Möglichkeiten. Die Welt liegt ihr zu Füßen. Unglaublich, in dieser Lage zu sein, selbst wenn man noch zu jung ist, um es wirklich zu kapieren.

»Und?« Ich verkneife mir, ihr vorzuschlagen, doch mal etwas ohne Vampire zu lesen, denn dann würde sie sich zurückziehen, und im Augenblick fühlt sie sich so gut an in meinen Armen.

»Sie haben mich und Perkins verfolgt«, fährt sie fort.

Beim Klang ihres Namens hebt Perkins, eine kunterbunte Promenadenmischung, den Kopf vom Bett. Sie würde bestimmt ihr Leben geben, um uns zu verteidigen, doch da sie nicht größer ist als ein Laib Brot, könnte sie wohl nicht allzu viel ausrichten. Perkins reckt sich ausgiebig, gähnt zahnreich und schläft wieder ein. Sie wird die ganze Nacht dort bleiben und Allisons Füße treu bewachen, egal wie viele Fußtritte sie sich für ihre Mühen einfängt.

»Wohin haben sie dich denn verfolgt?«, frage ich.

»Ich weiß nicht. Irgendwohin.« Allisons Lider flattern. Ich klopfe auf ihr Kissen, und sie legt pflichtbewusst den Kopf darauf. Dann lächelt sie mich an. Was jetzt kommt, weiß ich.

»Bleibst du bei mir?« Ihre Stimme klingt süß, als hätte sie einen Krug Feenstaub geschluckt, aber ich falle immer wieder darauf herein. Hauptsächlich, weil ich es möchte.

»Ja«, sage ich. »Aber nur ein paar Minuten. Ich muss arbeiten.«

»An der neuen Geschichte?«

Ja. Mein Verlag sagt, dass darin irgendwo auch eine Geschichte stecken muss. Es kann nicht nur um Sex gehen, das wäre dann nämlich schlicht Pornografie. Erotik ist aber gehaltvoll. Es gibt einen Plot. Es gibt . was auch immer. Ich weiß. Niemand schaut einen Porno wegen der Schauspielkunst, niemand liest erotische Romane wegen des Plots.

Aber das muss meine Elfjährige noch nicht hören. Ich lege mich neben sie, lege die Arme fester um ihren mageren Körper und knipse das Licht mit dem Zeh aus. Das bringt Allison zum Kichern.

»Schlaf jetzt«, flüstere ich. »Es ist spät, und morgen ist Schule.«

Ich sehe zu, wie sie die Augen schließt. Ihre roten Lippen öffnen sich, im Schlaf atmet sie rhythmisch durch den Mund. Wenn ich könnte, würde ich die Zeit in diesem Augenblick zum Stillstand bringen. Ich würde mein schönes Kind für immer festhalten, nie dieses Zimmer verlassen, nie etwas verändern.

Aber ich habe nicht viel Zeit, vor dem Zubettgehen muss ich noch einige Seiten schaffen. Ich löse mich von Allison und schleiche mich auf Zehenspitzen in mein Arbeitszimmer. Ich nehme ein paar Schluck Rotwein. Nun, wo war ich? Sex im Aufzug. Also dann.

Er schob sich so dicht an sie heran, dass Lily ihm in die Augen sehen musste, riss ihr den Slip herunter und strich ihr mit glatten Fingern über die heißen, pochenden Lippen. Oh, köstlicher Schmerz und gleichzeitig diese Lust! Am liebsten hätte Lily sich die restlichen Kleider vom Leib gerissen, ihre nackten Glieder um ihn geschlungen und ihn angefleht, sie gleich hier im Aufzug zu nehmen.

Ein Handyklingeln stört mich bei meinem Aufzugsex. Soll ich denn schon wieder um meinen Höhepunkt gebracht werden? Vielleicht ist heute einfach nicht mein Abend. Ich habe Pech wie ein Vierzehnjähriger in der Klosterschule.

Natürlich ist mein Exmann Roger am Telefon. Wir reden jeden Tag miteinander. Genauer gesagt, Roger redet, ich höre zu. Ich habe ganze Kapitel verfasst, während er am anderen Ende munter erzählt hat. Er wäre am Boden zerstört, wenn er wüsste, wie erfolgreich ich ihn ausblenden kann. Ich lege die Füße auf den Schreibtisch und nehme den Hörer ab.

»Roger.«

»Sadie.«

»Es ist spät, Roger.«

»Aber ich habe ein Problem, und das kann einfach nicht warten.« Rogers Probleme sind immer dringend.

»Was ist denn?«, frage ich.

»Ich glaube, ich kann Fred nicht heiraten.«

»Hattest du denn vor, Fred zu heiraten?«

»Wir haben gestern darüber geredet, aber dann habe ich darüber meditiert, und nun glaube ich, die Antwort muss Nein lauten.«

»Hat Fred dich gefragt, ob du ihn heiraten willst? Ausdrücklich?«

»Nun ja, nicht direkt.«

»Ist Fred jetzt bei dir?«

»Ja, im Bett.«

Mit dem Bild, wie Roger sich bei geschlossener Badezimmertür auf der Toilette zusammenkauert und in sein Handy flüstert, wende ich mich wieder meinem Laptop zu und überfliege die Seite. Wo war ich stehen geblieben?

»Sadie, hörst du überhaupt zu?«

»Aber ja, Roger.«

»Hast du mir meinen Scheck geschickt?«

»Natürlich, Roger.«

»Gut«, sagt er. »Diesen Monat bin ich ein wenig knapp dran. Im Frühling ist das Studio nicht so gefragt. Die Leute sind lieber draußen. Ich versteh das nicht.«

Laut Roger wollen die Leute im Winter nicht zum Yoga, weil es zu kalt ist, im Sommer, weil es zu heiß ist, und im Herbst, weil sie rausgehen und sich die hübschen bunten Blätter im Central Park ansehen können. Roger ist jeden Monat ein wenig knapp dran. Ich hatte gehofft, dass Fred bei ihm bleibt. Fred...

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