Chased

Auf der Flucht
 
 
Elaria (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Juli 2019
  • |
  • 523 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96465-008-5 (ISBN)
 
Zwischen Flucht und Freiheit gewinnt die Liebe Lilianes behütetes Teenagerleben wird völlig aus der Bahn geworfen, als sie eines Abends entführt und nach Kanada verschleppt wird. Eingesperrt in einen abgelegenen Bunker fürchtet sie, das Sonnenlicht nie wiederzusehen. Doch sie wird gerettet: Jaio - ein vertrauenserweckender Hinterwäldler - befreit sie aus der Dunkelheit. Er wohnt mit dem mürrischen Aiden und sechs Hunden im Wald, wo sie ein Leben fernab der Zivilisation führen. Die Entführer sehen sich gezwungen, Lily umzubringen, weshalb sie wohl oder übel einige Zeit bei den Jungs überbrücken muss. Dies ist der Beginn einer Gefühlsachterbahn sondergleichen, denn nach anfänglichen Schwierigkeiten zeigt sich sogar Aiden willig, sie in seiner Welt zu tolerieren. Als Lily die Gefahr durch die Entführer einholt, weiß sie zumindest, dass nun zwei Jungs an ihrer Seite stehen, die versuchen, ihr Leben zu retten. Leserstimmen: 'Das Buch hat mich direkt gefesselt, vom Anfang bis zum Ende kein bisschen Langeweile.' 'Ich habe mit gelitten, geweint und gelacht.' 'Eine wunderschöne und spannende Geschichte, die ich kaum aus der Hand legen konnte.'
  • Deutsch
  • 0,88 MB
978-3-96465-008-5 (9783964650085)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 1


Ein greller Blitz schoss durch meinen Kopf und hellte für einen Moment die unendliche Dunkelheit auf, die eine Sekunde danach wieder die Kontrolle über mein Bewusstsein ergriff. Wach war ich trotzdem. Meine Finger regten sich, versuchten nach irgendwas zu greifen. Dann drang ein lautes Brummen an meine Ohren. Es ließ mich erstarren. Die Bedrohlichkeit kam mit dem schwindelerregenden Schaukeln, das von der Erde herrührte. Ich traute mich nicht, meine Augen zu öffnen. Wo war ich? Was war mit mir passiert?

Ich spürte, dass meine Hände verdreht auf meinem Körper lagen. Ganz vorsichtig wollte ich sie auseinanderziehen, doch es ging nicht. Ein Klirren, als würde Metall an Metall stoßen, ließ mich innehalten. Ungewollt öffneten sich meine Augen. Meine Sicht verschwamm. Erst nach mehrmaligem Blinzeln konnte ich erkennen, was direkt über mir war: Eine Art Rohr, das im oberen Bereich von Plastik umhüllt wurde, schlängelte sich an einer Wand hinauf. Es war erwärmt, sodass mein Gehirn mir sofort die richtige Information zusandte: Meine Hände waren an einem Heizungsrohr befestigt.

Erschrocken sah ich mich um, nur um festzustellen, dass der Raum, in dem ich mich befand, kaum größer als eine Kabine auf den Schultoiletten war. Genaugenommen war es exakt das: Ein Toilettenraum. Allerdings gab es hier keine Fliesen, sondern einen gummiartigen Boden, der ausreichend elastischen Schutz für das wirre Erschüttern meiner Umgebung bot. Das winzige Klo befand sich unmittelbar neben dem Waschbecken, über dem ein eckiger Spiegel angebracht war. Was sich darin reflektierte, riss mir den Boden unter den Füßen weg. Hätte ich nicht schon auf der Gummimatte gekauert, wäre ich sicherlich umgefallen, als mir die Spiegelung des Fensters verriet, was sich außerhalb des winzigen Raums befand: dunkle wandernde Wolken. Ich war in einem Flugzeug gefangen.

Diese Erkenntnis setzte panische Angst in mir frei, die meine Gliedmaßen antrieb, sich zu bewegen. Ich wollte prüfen, ob noch alles dran war, doch kaum hatte ich mich ein bisschen bewegt, wurde ich schon aufgehalten. Etwas zerrte an meinen Händen, sodass ich nicht dazu in der Lage war, sie auseinanderzuziehen. Geschockt blickte ich hinab auf die Handschellen. Sie blitzten mir in dem Licht der Bordtoilette silbern entgegen.

Ich schnappte nach Luft. Wieso war ich mit Handschellen an ein Heizungsrohr gekettet? Und warum befand ich mich auf der schäbigen Toilette eines Flugzeuges, das sich zweifellos durch die dunkle Nacht bewegte? Wohin brachte man mich? Warum brachte man mich überhaupt weg?

Mein Kopf drückte sich zurück auf den harten Kunststoffboden und ich kniff eisern die Augen zusammen. Ganz ruhig, Lily. Nicht die Nerven verlieren, versuchte ich mich selbst zu beruhigen. Es brachte nichts. Mein Atem ging immer schneller, je mehr ich mir meiner Situation bewusst wurde. Wie in Zeitlupe öffnete ich meine Augen, als könnte dadurch alles verschwinden und ich mich in meinem Zimmer befinden. So als wäre alles nur ein Traum gewesen. Aber der Toilettenraum befand sich immer noch um mich herum und der unangenehme Druck an meinen Handgelenken hatte nicht nachgelassen.

Langsam setzte ich mich auf, bedacht darauf, nicht zu viele Geräusche zu machen. Ich war allein in diesem Raum und verspürte die starke Hoffnung, dass ich es noch eine Weile bleiben würde. Ruhig bleiben, ermahnte ich mich, während ich versuchte, das rosarote Wirrwarr aus meinem Kopf zu verbannen. Die Ohnmacht hatte ihre Spuren hinterlassen, sodass es mir schwerfiel, mich daran zu erinnern, wie ich überhaupt hierhergekommen war. Denk nach! Was hast du zuletzt gemacht?

Ich kämpfte gegen Angst und Panik, lichtete das Rosarot und sog scharf die Luft ein, als mir meine letzten Erinnerungen wie hinterlistige Bekannte zuwinkten:

 

»Super Mädels! Damit wird das Spiel morgen ein Klacks. Das schaffen wir schon«, rief unsere Trainerin und hielt ihre Hand mit der Handfläche nach unten in unsere Mitte.

Wir alle wussten, was das bedeutete. Ich legte meine Hand auf die meiner besten Freundin. »Yeey«, riefen wir feierlich im Chor und hoben die Hände wie kleine Kinder. Genau das war es, was ich an unserer Volleyballgruppe so sehr mochte: Wir waren ein eingeschweißtes Team voll aufgestauter Kindes-Energie.

Morgen war das große Frauen-Volleyballspiel unserer Schule gegen eine andere Gruppe. Wir hatten gerade die letzte Trainingsstunde hinter uns, die mich voller Zuversicht auf unseren Gewinn zurückgelassen hatte. Ich ging mit einem guten Gefühl aus der Turnhalle.

Alyssa stützte sich auf meine Schultern und sprang glücklich auf und ab, als wir zusammen zur Umkleidekabine liefen. »Meinst du, Josh wird hysterisch von der Zuschauertribüne stürmen, wenn er unsere Gegnerinnen sieht?«, fragte sie lachend.

Ich setzte in den hellen Klang ihrer Stimme ein. Josh war unser schwuler bester Freund, mit dem typischen schwulen Verhalten, das man sich vorstellte, wenn man von einem High-School-Jungen hörte, der das eigene Geschlecht anziehend fand. Unsere morgigen Gegnerinnen stammten von der Saint August Highschool aus der Nachbarstadt Scappoose. Sie spielten seit Kindheitstagen miteinander Volleyball, was sie erstens zu einem schwer überwindbaren Team machte und zweitens ihrer athletischen Stärke zugutekam. Obwohl Scappoose eine ziemlich kleine, ländlich gelegene Stadt war, von der keiner viel wusste, war die Frauen-Volleyballmannschaft aus Scappoose jedem ein Begriff. Sie galt als äußerst brutal und rücksichtslos. Josh würde daher wahrscheinlich nicht nur schreiend aus der Halle rennen, sondern sich dabei auch noch in die Hosen machen.

»Hoffentlich nicht, sonst ist er die Witzfigur der Schule«, beschwichtigte ich Alyssa trotz meiner Befürchtung und musste nochmal lachen, als ich mir Joshs Flucht vorstellte.

Aly schob mich grinsend in die Kabine, wo wir unser Duschzeug holten, um uns den Schweiß von der Haut zu waschen. Die Generalprobe - das letzte Spiel vor dem großen Spiel - war anstrengend gewesen. Ich war froh, als ich das warme Wasser spürte, das meine Muskeln entspannte.

Es war Herbst, draußen war es nicht warm. Da ich mit nassen Haaren am Kopf frieren würde, föhnte ich sie mir, während mein Blick an den Mädchen vorbei schweifte, die sich vor der langen Spiegelreihe schminkten. Einige waren schon fertig mit dem Föhnen, andere nicht. Sollte ich mich auch schminken? Wer wusste schon, wer mir auf der Straße alles begegnen würde? Es war zwar bereits halb sieben und nicht mehr hell, aber ich hasste es, ungeschminkt aus dem Haus zu gehen. Nicht, weil ich Schminke brauchte, um Makel zu verdecken, sondern vielmehr, um markante Akzente zu setzen. Also griff ich wieder in meine Tasche, holte das kleine Tütchen raus und schminkte mir die Augen dunkel.

»Das ist nicht dein Ernst, oder?«, meinte Alyssa neben mir.

»Das könnte ich dich genauso fragen«, erwiderte ich und betrachtete, wie sie sich lachend wieder ihren Augen zuwandte, die sie mit Wimperntusche bearbeitete. Meiner Meinung nach brauchte sie sie nicht, um ihre Augen zu betonen, denn Aly hatte Riesen-Augen. Sie besaß sehr lange Wimpern, die in ihrem schönen Gesicht auffielen. Pickel und Mitesser waren schon seit Jahren kein Thema mehr und seitdem war sie makellos schön. Ihre dunkelbraunen Haare fielen ihr bis knapp über die Schulter. Sie waren ganz glatt. Der Pony bedeckte ihre halbe Stirn und damit auch die kleine Narbe, die sich dort befand. Mit fünf Jahren war sie vom Baum gefallen und hatte sich dabei böse den Kopf angeschlagen. Seitdem zierte die Narbe ihr Gesicht.

Ich schminkte nur schnell meine Augen, dann packte ich alles ein und wartete, bis Aly fertig war, ehe wir zusammen rausgingen. Dort war es schon dunkler, als ich gedacht hatte. »Bis morgen, Süße«, sagte ich zu ihr und umarmte sie.

Sie erwiderte meine Worte und beeilte sich, hinter Chloe und Madison herzukommen, die beide in ihrer Straße wohnten. Ich musste in eine andere Richtung; in die Richtung, in die sonst niemand ging. Mein Haus stand in einem Viertel, das von Leuten bewohnt wurde, die sich Häuser wie das leisten konnten, in dem ich wohnte. Alle Kinder in meinem Alter, die dort lebten, besuchten eine andere Schule als ich. Damals, als ich auf die Highschool gekommen war, hatte ich darauf bestanden, nicht auf die Elite-Schule gehen zu müssen, auf der sie waren, denn ich wollte normal sein. Ein bescheidenes Leben führen; sofern das mit meinen Eltern möglich war. Als Tochter des Bürgermeisters von Portland gingen die Leute oft mit der Erwartung auf mich zu, ein ungezogenes verwöhntes Mädchen vor sich zu haben. Genau diese Grundhaltung der Menschen wollte ich nicht auf mir sitzenlassen, was mich zu einem weiteren Punkt meiner Persönlichkeit brachte: Ich konnte meinen Mund nicht halten. Noch nie war es mir gelungen, im richtigen Moment still zu bleiben; meine Meinung nicht kundzutun. Als kleines Kind nicht und jetzt - als siebzehnjähriger Teenager - erst recht nicht.

Während ich über den verlassenen Bürgersteig lief - mit der Tasche unter den Arm geklemmt und den Blick auf den Boden gerichtet - wurden meine Gedanken von einem Vibrieren in meiner Hosentasche unterbrochen. Ich zog mein Handy heraus und warf einen kurzen Blick auf das Display, ehe ich den Anruf annahm und das Smartphone an mein Ohr...

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