Das katholische Abenteuer

Eine Provokation. Ein SPIEGEL-Buch
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. Mai 2011
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05536-3 (ISBN)
 
Das neue Buch von Erfolgsautor Matthias Matussek

Nichts wühlt die Welt derzeit so auf wie die neuen Kämpfe um Religion und Glauben. Da ist der fundamentalistische Terror. Da ist die Reizfigur des Papstes. Da sind die Angriffe der Wissenschaften auf Glaubensbastionen. Der streitbare Katholik und Bestsellerautor Matthias Matussek hat aus seinen Grundüberzeugungen nie einen Hehl gemacht. In seinem neuen Buch hält er der hedonistischen Moderne eine politisch inkorrekte Gardinenpredigt über die »Sieben Todsünden«. Er erläutert, warum Lügen in der Politik nicht lohnen. Er fühlt Gregor Gysi beim Katholikentag auf den Zahn. Er beschreibt die Nacht, in der der alte Papst starb und beobachtet den neuen beim Besuch in seinem Heimatdorf. Er schildert Baptisten und orthodoxe Juden in den USA wie Favela-Priester in Rio de Janeiro. Da der Glaube eine persönliche Angelegenheit ist, ist auch dieses Buch eine: Matussek erzählt, wie er wurde, was er ist. Er legt, auf seine Art, Zeugnis ab.

Provokantes Bekenntnis zur Macht des Glaubens.



Matthias Matussek, geb. 1954, kam nach Stationen beim Berliner Abend und beim Stern zum Spiegel, für den er als Korrespondent und Reporter in New York, Berlin, Rio de Janeiro und London war. Im Herbst 2005 kehrte er als Chef des Kulturressorts in die Zentrale nach Hamburg zurück. Bis November 2015 schrieb er als Autor und Kolumnist für Die Welt.
  • Deutsch
  • 0,92 MB
978-3-641-05536-3 (9783641055363)
3641055369 (3641055369)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Gottes eigenes Land (S. 211-212)

Warum die Amerikaner den Höchsten auf ihrer Seite wissen »Erst als ich in ihren Kirchen saß und ihre Predigten hörte, habe ich ihre wahre Größe begriffen.« »Amerika ist groß, weil es gut ist.« Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika So unkompliziert und innig wie in Amerika wird nirgendwo sonst in der Welt über den christlichen Gott gesprochen. Wer hier als Journalist arbeitet und darüber nur den Kopf schütteln kann, reist blind durch den Alltag.

Gott ist überall, in den Radiostationen, auf T-Shirts, in Armenküchen, in Kampagnenslogans, in Songs, auf Billboards. Basketballspieler danken Gott für Slam-Dunks, Gangster-Rapper bedanken sich bei Gott für Trophäen, Filmstars für einen gelungenen Drogenentzug, Politiker beschwören Gott in ihren Reden. Über die Hälfte der Amerikaner sind politisch lautstarke Protestanten und Do-it-yourself-Gläubige, ein Viertel sind leisere, hierarchiebewusstere Katholiken, die sich vor allem im Schul- und Universitätsbereich hervortun und ansonsten in Latino-Gegenden verankert sind. Religiosität elektrisiert linke und rechte Kombattanten und fiebert stets auch im globalen Auftrag:

Im religiösen Selbstgespräch der Nation hat nicht militärische Stärke, sondern moralische Größe Faschismus und Kommunismus besiegt – Gott war mit Amerika. Dass Amerika eine höhere Sendung habe, fand zumindest in den 90er Jahren auch die kritische europäische Intelligenz, die zwar die Frömmelei der Supermacht bespöttelte, aber im gleichen Atemzug moralische Interventionen verlangte, ob in Bosnien, Somalia oder Haiti.

Trotz allen Verfalls, aller Trivialisierungen ist Religion im amerikanischen Alltag vital. In schwarzen Gemeinden sind Kirchen rettende Anker, sie stehen in jedem noch so kleinen Flecken. Anders als in Deutschlands großen, müden Amtskirchen ist das religiöse Gefühl in Amerika Verzückung, Gospel, heiliges Gelächter, die Trance. Es ist im Kern rebellisch, antistaatlich. Der amerikanische Gläubige – ob Pfingstler, Baptist, Evangelist, wiedergeborener Christ – sucht die direkte Gefolgschaft zu Jesus, ohne alle Vermittlungen durch Kirche und Bürokratie. Seinem Wesen nach ist der amerikanische Individualismus nichts als das – die grenzenlose Einsamkeit mit Gott. Die Baptistentaufe ist dramatische Wiedergeburt, ist Bruch mit aller bisherigen Biografie, so wie Amerika Bruch mit aller bisherigen Geschichte war.

Über 90 Prozent der Amerikaner glauben an die Rettung durch Gott. Nur so lässt sich erklären, dass der wegen Kokainhandels verurteilte ehemalige Bürgermeister Washingtons Marion Barry einen glänzenden Comeback-Sieg erringen konnte. Sein Wahlkampf hatte ein einziges Thema: Sündenfall und göttliche Rettung. Wer aus den religiös ausgenüchterten europäischen Notstandsgebieten, besonders den deutschen, nach Amerika kommt, betritt ein strahlendes, oft lärmendes, überbelichtetes Jesus- und Gottestheater und vergisst keinen Moment lang, dass diese Nation von verfolgten Frommen gegründet wurde, die Strapazen, Krankheit und Tod auf sich genommen hatten für das Recht, zu beten, wie und wo und wann sie es wollten. Die Mehrheit der Amerikaner betet täglich.

Das muss man im Blick haben, wenn man auf die amerikanische Politik schaut. Die braucht »kein Mehr an Christentum«, wie es Angela Merkel auf einem CDU-Parteitag forderte, sie hat es, im Übermaß. In bisweilen erschreckendem Übermaß. Gott wird besonders gern benutzt, um den politischen Gegner niederzustrecken. Unter den republikanischen Rechten und den Anhängern der staatsverdrossenen Tea Party wird Gott – meist von protestantischen Sekten und Kirchen – als Bündnispartner im Kampf gegen den demokratischen Präsidenten fest eingebucht. Das war in der Ära Bill Clinton so, das ist jetzt der Fall mit Barack Obama.

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