Resilienz: Modelle, Fakten & Neurobiologie

Das ganz normale Wunder entschlüsselt
 
 
Junfermann Verlag
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 27. Juli 2016
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  • 336 Seiten
 
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978-3-95571-528-1 (ISBN)
 
Nicht nur in Studien zeigt sich immer wieder: Es gibt erstaunlich viele Menschen, denen es gelingt, schwere Schicksalsschläge zu bewältigen oder trotz widriger Umstände glücklich und erfolgreich zu leben. Sie sind resilient.
Ann S. Masten, eine Pionierin auf dem Gebiet der Resilienzforschung, bezeichnet Resilienz als "ganz normales Wunder", das sich in alltäglichen Prozessen entwickelt. In ihrem Buch fasst sie das verfügbare Wissen über Resilienz zusammen, beschreibt die wichtigsten Modelle und erläutert, was in Forschung und Praxis getan werden kann, um Resilienz zu fördern.
"Niemand versteht so viel von Resilienz wie Ann Masten. Und niemand anders schreibt darüber so klug, tiefgründig und klar." - Alicia F. Lieberman
  • Deutsch
  • Paderborn
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  • Deutschland
  • 1,42 MB
978-3-95571-528-1 (9783955715281)
3955715280 (3955715280)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ann S. Masten, PhD, Professorin an der University of Minnesota. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit sind kindliche Entwicklung und Resilienz.
1 - Cover [Seite 1]
2 - Inhalt [Seite 8]
3 - Vorwort [Seite 14]
4 - Danksagung [Seite 18]
5 - Teil I: Einführung und Überblick [Seite 20]
5.1 - 1. Einleitung [Seite 22]
5.1.1 - 1.1 Vier Wellen der Resilienzforschung [Seite 24]
5.1.2 - 1.2 Was versteht die Entwicklungswissenschaft unter Resilienz? [Seite 27]
5.1.3 - 1.3 Zweierlei Kriterien zur Beurteilung von Resilienz [Seite 30]
5.1.3.1 - 1.3.1 Die Beurteilung der Gefahren für die Entwicklung und Adaptation von Kindern [Seite 31]
5.1.3.2 - 1.3.2 Die Beurteilung der Lebensqualität anhand von Entwicklungsaufgaben, Kompetenz und Kaskaden [Seite 33]
5.1.4 - 1.4 Was bewirkt den Unterschied? [Seite 37]
5.1.5 - 1.5 Zum Aufbau des Buches [Seite 37]
5.2 - 2. Resilienzmodelle [Seite 40]
5.2.1 - 2.1 Personenfokussierte Resilienzmodelle [Seite 41]
5.2.1.1 - 2.1.1 Der Einzelfall [Seite 41]
5.2.1.2 - 2.1.2 Die Nachteile von Einzelfallstudien [Seite 47]
5.2.1.3 - 2.1.3 Aggregierte Fälle [Seite 47]
5.2.1.4 - 2.1.4 Modernisierte Klassik: Resiliente Entwicklungsverläufe [Seite 51]
5.2.2 - 2.2 Variablenfokussierte Resilienzmodelle [Seite 54]
5.2.2.1 - 2.2.1 Risiko- und Asset-Gradienten [Seite 54]
5.2.2.2 - 2.2.2 Resilienzmodelle, die Risiko, Asset, Mediator, Moderator und Ergebnis verknüpfen [Seite 58]
5.2.3 - 2.3 Das Beste aus beiden Welten: Personen und Variablen [Seite 62]
6 - Teil II: Untersuchungen zur individuellen Resilienz [Seite 66]
6.1 - 3. Resilienz bei einer Stichprobe aus der Normalpopulation: Die "Project Competence Longitudinal Study" [Seite 68]
6.1.1 - 3.1 Der Begriffsapparat [Seite 70]
6.1.2 - 3.2 Das Design im Überblick [Seite 72]
6.1.2.1 - 3.2.1 Teilnehmer [Seite 72]
6.1.2.2 - 3.2.2 Methoden und methodologische Beiträge [Seite 73]
6.1.2.3 - 3.2.3 Kompetenz bei altersspezifisch vorrangigen Entwicklungsaufgaben [Seite 74]
6.1.2.4 - 3.2.4 Risiken und Widrigkeiten [Seite 79]
6.1.2.5 - 3.2.5 Promotive und protektive Faktoren [Seite 83]
6.1.2.6 - 3.2.6 Kompetenz- und Resilienzmodelle [Seite 83]
6.1.3 - 3.3 Ergebnisse der PCLS [Seite 84]
6.1.3.1 - 3.3.1 Kompetenz [Seite 84]
6.1.3.2 - 3.3.2 Resilienz [Seite 86]
6.1.3.3 - 3.3.3 Frühreife und Spätzünder [Seite 88]
6.1.3.4 - 3.3.4 Entwicklungskaskaden [Seite 90]
6.1.3.5 - 3.3.5 Persönlichkeit [Seite 92]
6.1.4 - 3.4 Mentoring [Seite 95]
6.2 - 4. Die Überwindung von Nachteilen und Wirtschaftskrisen: Wohnungslose Kinder [Seite 98]
6.2.1 - 4.1 Wohnungslose Familien [Seite 101]
6.2.1.1 - 4.1.1 Wohnungslose Kinder auf einem Risikokontinuum: erste Erkenntnisse [Seite 103]
6.2.1.2 - 4.1.2 Längsschnittdaten zur großen Leistungsdifferenz: Beweise für Resilienz in der Schule [Seite 105]
6.2.2 - 4.2 Auf der Suche nach Zielen für Veränderungen: Schadensprävention und Resilienzförderung [Seite 110]
6.2.2.1 - 4.2.1 Zu den Exekutivfunktionen (EF) gehörende Fähigkeiten [Seite 112]
6.2.2.2 - 4.2.2 Eltern-Kind-Beziehungen und elterliche Fürsorge [Seite 114]
6.2.3 - 4.3 Stress [Seite 117]
6.2.4 - 4.4 Konsequenzen der Befunde zu Risiko und Resilienz bei wohnungslosen Kindern in den USA [Seite 118]
6.3 - 5. Massentrauma und extreme Widrigkeiten: Resilienz bei Kriegen, Terroranschlägen und Katastrophen [Seite 122]
6.3.1 - 5.1 Dosiseffekte: Kumulatives Risiko im Kontext von Massentraumata [Seite 126]
6.3.1.1 - 5.1.1 Medienexposition [Seite 129]
6.3.1.2 - 5.1.2 Determinanten für die Dosis [Seite 130]
6.3.1.3 - 5.1.3 Expositionsprozesse [Seite 131]
6.3.2 - 5.2 Individuell unterschiedliche Reaktionen [Seite 132]
6.3.2.1 - 5.2.1 Geschlechtsspezifische Unterschiede [Seite 132]
6.3.2.2 - 5.2.2 Das entwicklungspsychologische Timing [Seite 134]
6.3.2.3 - 5.2.3 Unterschiedliche Eigenschaften der Kinder [Seite 137]
6.3.2.4 - 5.2.4 Die Eigenschaften der Familie [Seite 139]
6.3.2.5 - 5.2.5 Das soziale und kulturelle Umfeld [Seite 140]
6.3.3 - 5.3 Intervention [Seite 141]
7 - Teil III: Adaptive Systeme in der Resilienz [Seite 146]
7.1 - 6. Die "Shortlist" der protektiven Systeme [Seite 148]
7.1.1 - 6.1 Was bedeutet die "Shortlist"? [Seite 150]
7.1.2 - 6.2 Bindung und enge Beziehungen [Seite 151]
7.1.3 - 6.3 Intelligenz, Einfallsreichtum und Problemlösungsfähigkeiten [Seite 154]
7.1.4 - 6.4 Selbstregulation und Selbstbeherrschung [Seite 156]
7.1.5 - 6.5 Bewältigungsmotivation, Selbstwirksamkeit und damit verbundene Belohnungssysteme [Seite 158]
7.1.6 - 6.6 Vertrauen, Hoffnung und der Glaube an den Sinn des Lebens [Seite 162]
7.1.7 - 6.7 Temperament und Persönlichkeit [Seite 163]
7.1.8 - 6.8 Resilienz ist kein Persönlichkeitsmerkmal [Seite 165]
7.1.9 - 6.9 Humor [Seite 165]
7.1.10 - 6.10 Innerpersönliche adaptive Subsysteme [Seite 167]
7.1.11 - 6.11 Das Individuum im Kontext: resilienzfördernde Mikro- und Makrosysteme [Seite 168]
7.1.12 - 6.12 Misslungene adaptive Systeme: eine Warnung [Seite 169]
7.2 - 7. Die Neurobiologie der Resilienz [Seite 172]
7.2.1 - 7.1 Frühe biologische Modelle protektiver Effekte [Seite 173]
7.2.2 - 7.2 Die neurobiologischen Prozesse adaptiver Systeme [Seite 175]
7.2.2.1 - 7.2.1 Die Neurobiologie der Bindung [Seite 175]
7.2.2.2 - 7.2.2 Die Neurobiologie des adaptiven Denkens und Problemlösens [Seite 179]
7.2.2.3 - 7.2.3 EF und Selbstregulation [Seite 180]
7.2.2.4 - 7.2.4 Stressregulation [Seite 181]
7.2.2.5 - 7.2.5 Aktives Coping und Stressregulation [Seite 184]
7.2.2.6 - 7.2.6 Belohnungssysteme [Seite 185]
7.2.3 - 7.3 Biologische Sensibilität für den Kontext und differenzielle Empfindlichkeit [Seite 186]
7.2.4 - 7.4 Genetische und epigenetische Forschung [Seite 188]
7.3 - 8. Resilienz im Kontext Familie [Seite 190]
7.3.1 - 8.1 Risiken innerhalb der Familie [Seite 191]
7.3.1.1 - 8.1.1 Genetische und epigenetische Vulnerabilität [Seite 191]
7.3.1.2 - 8.1.2 Wenn Widrigkeiten zur Erosion der Familienfunktion führen: übertragene Risiken [Seite 192]
7.3.1.3 - 8.1.3 Wenn die Familie Stress auslöst: zwischenelterliche Konflikte und Scheidung [Seite 192]
7.3.1.4 - 8.1.4 Wenn die Familie versagt: Misshandlung und Vernachlässigung [Seite 193]
7.3.1.5 - 8.1.5 Kinderschutz: Sind Pflegeunterbringung und Adoption eine Lösung oder eine zusätzliche Bedrohung? [Seite 195]
7.3.2 - 8.2 Kompetenz und Resilienz des Systems Familie [Seite 195]
7.3.2.1 - 8.2.1 Rollen und Aufgaben im Alltag der Familie [Seite 196]
7.3.2.2 - 8.2.2 Ko-Regulation und die Entwicklung von Resilienz [Seite 197]
7.3.2.3 - 8.2.3 Sensible und autoritative Erziehung [Seite 198]
7.3.2.4 - 8.2.4 Familienresilienz [Seite 199]
7.3.3 - 8.3 Resilienzförderung durch die Familie [Seite 201]
7.3.3.1 - 8.3.1 Verhütung und Entschärfung widriger Situationen [Seite 201]
7.3.3.2 - 8.3.2 Die Folgen von Widrigkeiten abpuffern [Seite 202]
7.3.3.3 - 8.3.3 Die Erziehung kompetenter und adaptiver Kinder [Seite 203]
7.3.3.4 - 8.3.4 Interventionen zur Unterstützung der Familienfunktion für die Resilienz von Eltern und Kindern [Seite 204]
7.3.4 - 8.4 Wie Gemeinde, Kultur und Gesellschaft Familien unterstützen und nähren [Seite 206]
7.4 - 9. Resilienz im Kontext Schule [Seite 210]
7.4.1 - 9.1 Risiken im Kontext Schule [Seite 213]
7.4.2 - 9.2 Effektive Schulen [Seite 214]
7.4.3 - 9.3 Schulische Entwicklungsaufgaben [Seite 215]
7.4.4 - 9.4 Resilienzfördernde Schulen [Seite 216]
7.4.4.1 - 9.4.1 Die Entwicklung des menschlichen Kapitals [Seite 216]
7.4.4.2 - 9.4.2 Ernährung und Gesundheit [Seite 217]
7.4.4.3 - 9.4.3 Beziehungen zu kompetenten und einfühlsamen Erwachsenen [Seite 218]
7.4.4.4 - 9.4.4 Motivation und Selbstwirksamkeit [Seite 219]
7.4.4.5 - 9.4.5 Freizeitaktivitäten [Seite 220]
7.4.5 - 9.5 Interventionen zur Resilienzförderung an Schulen [Seite 221]
7.4.5.1 - 9.5.1 Stärkenbasierte Beratung an Schulen [Seite 221]
7.4.5.2 - 9.5.2 Aktivitäten nach Schulschluss [Seite 222]
7.4.5.3 - 9.5.3 Präventionsprogramme [Seite 223]
7.4.5.4 - 9.5.4 Präventionsprogramme an der Vorschule [Seite 224]
7.4.5.5 - 9.5.5 Resilienzförderung bei Lehrern [Seite 225]
7.4.5.6 - 9.5.6 Katastrophen- und Notfallplanung [Seite 226]
7.5 - 10. Resilienz im Kontext Kultur [Seite 228]
7.5.1 - 10.1 Kulturübergreifende Resilienz [Seite 229]
7.5.2 - 10.2 Kultur, Religion und Spiritualität als Risiken [Seite 232]
7.5.3 - 10.3 Die Entwicklungsaufgaben im kulturellen Kontext [Seite 233]
7.5.4 - 10.4 Das Migrantenparadox [Seite 235]
7.5.5 - 10.5 Kultur und Entwicklung [Seite 236]
7.5.6 - 10.6 Resilienzförderung durch Kultur, Religion und Spiritualität [Seite 238]
7.5.6.1 - 10.6.1 Kulturelle Richtlinien für Eltern, Verhalten und moralische Werte [Seite 239]
7.5.6.2 - 10.6.2 Bindungsbeziehungen [Seite 240]
7.5.6.3 - 10.6.3 Positive Vorbilder und Bindungen zu prosozialen Mentoren und Gleichaltrigen [Seite 240]
7.5.6.4 - 10.6.4 Selbstregulationsunterricht und -übung [Seite 241]
7.5.6.5 - 10.6.5 Sinn vermittelnde Glaubenssysteme [Seite 241]
7.5.6.6 - 10.6.6 Gelegenheiten, um sich auszuprobieren [Seite 241]
7.5.6.7 - 10.6.7 Soziale Unterstützung für Einzelne und Familien [Seite 242]
7.5.6.8 - 10.6.8 Kulturelle Identität [Seite 242]
7.5.6.9 - 10.6.9 Kulturelle Praktiken, Rituale und Traditionen [Seite 243]
7.5.6.10 - 10.6.10 Vorsicht: Die Gefahren von Religion und ethnischer Identität [Seite 243]
7.5.7 - 10.7 Wie Schulen, Gemeinden und Länder Resilienz durch kulturelle Strategien fördern können [Seite 244]
8 - Teil IV: Es geht voran - zukünftige Maßnahmen und Forschungsprojekte [Seite 246]
8.1 - 11. Resilienz als Handlungsrahmen [Seite 248]
8.1.1 - 11.1 Mission: Positive Ziele formulieren [Seite 249]
8.1.2 - 11.2 Modelle: Positive Faktoren, Effekte und Vorgehensweisen [Seite 250]
8.1.3 - 11.3 Maßnahmen: Positives und Problematisches gleichzeitig im Blick [Seite 251]
8.1.4 - 11.4 Methoden: Prävention, Promotion und Protektion [Seite 252]
8.1.4.1 - 11.4.1 Strategie 1: Risiken und Widrigkeiten vorbeugen oder mindern [Seite 252]
8.1.4.2 - 11.4.2 Strategie 2: Ressourcen und Assets aufstocken [Seite 254]
8.1.4.3 - 11.4.3 Strategie 3: Adaptive Systeme wiederherstellen, mobilisieren und nutzen [Seite 255]
8.1.5 - 11.5 Multidisziplinäre Ansätze [Seite 258]
8.1.6 - 11.6 Strategische Zeitfenster: Wann ist die Gelegenheit günstig? [Seite 261]
8.1.7 - 11.7 Interventionen als Test der Resilienztheorie: Der Weg zur translationalen Synergie [Seite 262]
8.2 - 12. Schlussfolgerungen und Ausblick [Seite 266]
8.2.1 - 12.1 Erkenntnisse aus der Erforschung der Resilienz junger Menschen [Seite 266]
8.2.1.1 - 12.1.1 Resilienz ist weitverbreitet [Seite 266]
8.2.1.2 - 12.1.2 Resilienz beruht auf einer Vielzahl normaler adaptiver Systeme [Seite 267]
8.2.1.3 - 12.1.3 Adaptive Systeme sind angreifbar [Seite 268]
8.2.1.4 - 12.1.4 Viele Wege führen zur Resilienz [Seite 269]
8.2.1.5 - 12.1.5 Resilienzbasierte Handlungsrahmen mindern und verhindern Risiken [Seite 269]
8.2.1.6 - 12.1.6 Das Timing ist wichtig [Seite 270]
8.2.1.7 - 12.1.7 Resilienz kann man fördern [Seite 270]
8.2.1.8 - 12.1.8 Kein Kind ist unverwundbar [Seite 271]
8.2.2 - 12.2 Implikationen für Praxis und Politik [Seite 271]
8.2.2.1 - 12.2.1 Resilienzbasierte Handlungsrahmen [Seite 272]
8.2.2.2 - 12.2.2 Kompetenzkaskaden [Seite 272]
8.2.2.3 - 12.2.3 Strategische Zielsetzung und Zeitplanung [Seite 273]
8.2.2.4 - 12.2.4 Prioritäten: Adaptive Systeme unterstützen, schützen und wiederherstellen [Seite 274]
8.2.3 - 12.3 Vorsicht: Andauernde Kontroversen und Diskussionen in der Resilienzwissenschaft [Seite 275]
8.2.3.1 - 12.3.1 Definitionsprobleme: Was ist Resilienz? [Seite 275]
8.2.3.2 - 12.3.2 Messtechnische Probleme: Wer bestimmt die Kriterien? [Seite 277]
8.2.3.3 - 12.3.3 Das Problem mit der rosaroten Brille: Ist Resilienz mehr als ein positives Reframing von Risiko und Vulnerabilität? [Seite 277]
8.2.3.4 - 12.3.4 Das Problem mit dem Persönlichkeitsmerkmal: Sind resiliente Menschen aus dem richtigen Holz geschnitzt? [Seite 278]
8.2.3.5 - 12.3.5 Das Problem mit den Kosten: Fordert Resilienz einen Tribut? [Seite 279]
8.2.4 - 12.4 Neue Horizonte [Seite 280]
9 - Anhang [Seite 284]
9.1 - Glossar [Seite 284]
9.2 - Abkürzungen [Seite 286]
9.3 - Weiterführende deutschsprachige Literatur [Seite 287]
9.4 - Literatur [Seite 294]
9.5 - Index [Seite 331]
9.6 - Über die Autorin [Seite 336]

2. Resilienzmodelle


Um zu sehen, wie Resilienz unter natürlichen Gegebenheiten auftritt und wie man sie in Interventionsstudien mobilisieren kann, braucht man Forschungsmodelle, Methoden und Strategien. Jede Herangehensweise lässt sich in eine von zwei klar voneinander abgegrenzten Gruppen oder als Mischform klassifizieren und beinhaltet immer eine Vielzahl analytischer Modelle (Masten 2001). Bei personenfokussierten Studien werden Personen mit einer vermutlich resilienten Lebensgeschichte identifiziert und auf Indizien für Ressourcen oder Schutzprozesse untersucht, die eine Erklärung für ihre Resilienz liefern könnten. Dieser Ansatz umfasst Einzel- oder aggregierte Fallstudien von passiv beobachteter Resilienz, Untersuchungen von einzelnen Menschen und ihren Veränderungen über einen längeren Zeitraum sowie die Erforschung von Resilienz erzeugenden Interventionen für Menschen mit einem Risiko in Bezug auf schwere Anpassungsprobleme.

In variablenfokussierten Studien untersucht man die in variablen Gruppen auftretenden Muster empirisch, testet sie statistisch und verknüpft die gemessenen Attribute der Personen, ihrer Beziehungen und ihres Umfelds mit deren Erfahrungen. Auch hier ist das Ziel, herauszufinden, was ausschlaggebend für Resilienz ist und wie sie funktioniert. Die mit diesem Ansatz getesteten Modelle korrelieren die Gefahren mit spezifischen Ergebnissen und berücksichtigen dabei potenziell einflussreiche Attribute oder Prozesse im Menschen, in seinen Beziehungen, Ressourcen oder Interaktionen mit der Umwelt, die als Gründe für die unterschiedlichen Ergebnisse infrage kommen. Seit man neuerdings zur Untersuchung der Gemeinsamkeiten bei langfristig auftretenden Verhaltensmustern hoch entwickelte Statistikinstrumente verwendet, gibt es auch Mischformen, die Eigenschaften der personen- und variablenfokussierten Methoden miteinander kombinieren.

Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile (Luthar 2006, Masten 2001). Personenfokussierte Studien liefern aussagekräftige und fesselnde Fallbeispiele und erfassen die Resilienz in ihrer Ganzheitlichkeit. Sie folgen der vernünftigen Sichtweise, dass als resilient gilt, wer sich im Gesamten auf vielfältige Weise anpasst, aber nicht unbedingt in sämtlichen Bereichen auch erfolgreich ist. Demnach würde jemand, der ein Trauma überlebt hat und in der Schule oder im Beruf Erfolg hat, aber Familienangehörige misshandelt, nicht als resilient bezeichnet werden. Personenfokussierte Ansätze respektieren außerdem die empirische Evidenz, dass Hauptmerkmale der Resilienz oder damit assoziierte Schutzfaktoren häufig gemeinsam, aber, wie es scheint, nicht zufällig auftreten. Das lässt vermuten, dass hier vielschichtige Anpassungssysteme am Werk sind, wo das Ganze größer als die Summe seiner Einzelteile bzw. untrennbar mit seinen Komponenten oder Prozessen verbunden ist.

Will man spezifische Prozesse oder Schutzfaktoren auf bestimmte Aspekte des adaptiven Funktionierens hin testen, sind variablenfokussierte Strategien besser geeignet. Da diese mit schon lang etablierten und leistungsfähigen multivariaten Techniken arbeiten, hat man sie bis vor Kurzem für statistische Tests von Resilienzmodellen bevorzugt. Nun haben Fortschritte in der personenfokussierten Forschung und deren Instrumenten zu neuen, spannenden Methoden geführt, die die Komplexität menschlichen Verhaltens im Kontext erfassen. Sie beachten nicht nur die Ganzheitlichkeit des Menschen im Lauf der Zeit, sondern ermöglichen auch eine feinmaschigere Analyse, was wann und für wen einen Unterschied ausmacht. Dafür werden in diesen Methoden die auf individueller Unterschiedlichkeit basierenden und statistisch aussagekräftigen Informationen des variablenfokussierten Ansatzes mit berücksichtigt (Bergman & Magnusson 1997, Nagin 1999).

2.1 Personenfokussierte Resilienzmodelle


2.1.1 Der Einzelfall

In der Geschichte der Resilienzwissenschaft wird oft berichtet, dass die Motivation zur Erforschung dieses Phänomens durch die Lebensgeschichten junger Menschen ausgelöst wurde, denen es gelungen war, große Widrigkeiten zu bewältigen. Die ersten Wissenschaftler, die Kinder mit einem Risiko (in Bezug auf Fehlanpassung oder psychische Probleme aufgrund von Widrigkeiten oder Nachteilen) untersuchten und mehr erfahren wollten, waren meist Psychologen und Psychiater. Zu ihnen gehörte auch Norman Garmezy (1982), der in seinem Artikel "The Case for the Single Case" den heuristischen Wert von Einzelfallstudien erläuterte.

Einzelfallstudien zur Resilienz sind meist Biografien oder Autobiografien von Menschen, die tatsächlich eine außerordentliche Vielfalt an Widrigkeiten beschreiben, aber auch Erfolge - minuziöse Chronologien, die zeigen, wie reichhaltig und vielschichtig das Leben ist. Wie Sie an den folgenden Beispielen sehen, verlaufen resiliente Lebenswege selten geradlinig oder einfach. In der leuchtenden Prosa ihrer autobiografischen Serie, die mit Ich weiß, daß der gefangene Vogel singt beginnt, schildert Maya Angelou (1983) das komplexe Auf und Ab ihres Lebens. Sie berichtet, wie sie als Afroamerikanerin in den USA aufwuchs und was sie alles ertragen musste: die Trennung von den Eltern, Vergewaltigung und Armut. Eine von Entbehrungen und Widrigkeiten gezeichnete Kindheit hat auch Oprah Winfrey überstanden, eine der erfolgreichsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der amerikanischen Unterhaltungsbranche. JoAn Criddle (1998) berichtet in ihrem nach einem Slogan der Khmer Rouge benannten Buch To Destroy You Is No Loss von dem fünfjährigen Überlebenskampf eines jungen Mädchens namens Thida Butt Mam und deren Familie, die nach der Eroberung von Phnom Penh nach Thailand flüchteten. Antwone Fishers Autobiografie Finding Fish - Vorlage für einen mehrfach ausgezeichneten Film - erzählt die bewegende Vergangenheit eines Mannes, der seine Kindheit in Heimen und bei Pflegeeltern verbrachte, missbraucht wurde und wiederholt Verluste erlitt, bis er schließlich zur Marine ging. Dort traf er auf einen Psychiater, mit dessen Hilfe er seinem Leben eine neue Richtung geben konnte (Fisher & Rivas 2001). Der Film Homeless to Harvard zeigt die Geschichte von Liz Murray, Tochter drogenabhängiger Eltern, die mit 15 Waise wurde, völlig mittellos war, ein Harvard-Stipendium der New York Times gewann und nach ihrem Studienabschluss im Jahre 2010 die Autobiografie Breaking Night veröffentlichte (Murray 2011). Elizabeth Smart wurde entführt und neun Jahre in meist notdürftigen Unterkünften gefangen gehalten, immer wieder angekettet und vergewaltigt. Sie litt Hunger und lebte in ständiger Angst, bis sie endlich gerettet wurde. Zehn Jahre später berichtet sie über dieses Trauma und die anschließende Wiedervereinigung mit ihrer Familie, die Umgewöhnung an das Leben zu Hause und den Prozess ihrer Entführer (Smart & Stewart 2013). Heute ist sie verheiratet und Präsidentin einer Stiftung, die sich um Kinder kümmert, die Opfer eines Verbrechens wurden.

Mein Mentor Norman Garmezy hielt solche Fälle für sehr wertvoll, weil sie der Veranschaulichung von Resilienz dienten und neue Forschungsideen anregten. In seinen Vorlesungen sprach er gerne über resiliente Menschen, von denen einige berühmt, die meisten jedoch unbekannt waren. Eine seiner Lieblingsgeschichten hatte er in einem Lokalblatt aus dem Jahre 1978 entdeckt. Ein elfjähriges Mädchen - ein Fan der fiktiven Detektivin Nancy Drew - war entführt und im Kofferraum eines Autos eingesperrt worden. Doch wie ihre Heldin bewahrte sie in dieser scheinbar ausweglosen Situation die Ruhe und schaffte es, sich zu befreien, indem sie ein Rücklicht auseinandernahm (Garmezy 1982). Gerne erwähnte Garmezy auch eine historische Berühmtheit, deren Vater ihre Mutter getötet und die von ihrer Halbschwester im Tower von London gefangen gehalten wurde. Diese Frau wurde später zur Königin gekrönt und hieß Elisabeth I.

In einer seiner Schriften nimmt Garmezy (1985) Bezug auf einen Beitrag, den Manfred Bleuler - Sohn des Mitbegründers der Psychiatrie, Eugen Bleuler - für einen Band über die ersten Risikostudien (Watt, Anthony, Wynne & Rolf 1984) verfasst hatte und der vom "paradoxen Fall" der Verena Maurer handelt. Diese hatte eine schwierige Kindheit und Jugend gehabt, weil ihr Vater alkoholabhängig und ihre Mutter schizophren war und sie ihre jüngeren Geschwister so gut wie allein versorgen musste. Bleuler blieb in Kontakt mit ihr und erlebte, wie aus ihr eine gesunde und glückliche Ehefrau und Mutter wurde. Seinem Eindruck nach verfügte sie über keine besonderen Begabungen und war zu Aufgaben berufen, die ihr gut gelangen, Spaß machten und am Herzen lagen.

2003 las ich im Alumni-Magazin der University of Minnesota einen Artikel über die Lebensgeschichte von Michael Maddaus (Broderick 2003). Er war in einer chaotischen, von Alkoholismus und Gewalt geprägten Familie aufgewachsen, als Jugendlicher auf die schiefe Bahn geraten und dann aber ein erfolgreicher Chirurg geworden. Dr. Maddaus repräsentiert den klassischen Fall des "Spätzünders", der am Übergang zum Erwachsenenalter - also in einer Phase, in der sich bei entgleisten jungen Menschen Resilienz abzeichnen könnte (Masten, Obradovic & Burt 2006) - doch noch die Kurve kriegt. An der Schwelle zum Erwachsenenalter, wenn das Gehirn und dessen Funktionen entsprechend ausgereift sind, sind viele Menschen motiviert, zukunftsorientiert und planungsfähig. Zeitgleich stützt die Gesellschaft oft das positive Wachstum durch Angebote wie höhere Bildung, Wehrdienst oder Lehrstellen sowie die gesetzliche Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit über das eigene Leben (Masten, Obradovic et al. 2006; Masten et al. 2004).

Mit der...

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