Die drei ??? Die Villa der Toten (drei Fragezeichen)

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. November 2013
  • |
  • 128 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-14197-7 (ISBN)
 
Der Auftrag der Anruferin scheint reichlich merkwürdig, aber leicht zu erfüllen zu sein: Die drei ??? sollen beweisen, dass es in der Villa einer berühmten, verstorbenen Opernsängerin nicht spukt. Doch es kommt, wie es kommen muss. Bei dem halbherzigen Versuch, den nicht vorhandenen Geist während einer Séance zu rufen, antwortet dieser tatsächlich! Und die tote Sängerin erklärt, dass ihr Tod kein Unfall war, sondern dass sie ermordet wurde. Plötzlich ermitteln Justus, Peter und Bob im Auftrag eines spukenden Geistes und werden in ein gefährliches Intrigenspiel verwickelt. Hätten die drei Detektive diesen Fall doch besser an die Polizei abgeben sollen?
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 1,23 MB
978-3-440-14197-7 (9783440141977)
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In glühender Hitze


Der Totenkopf starrte Justus Jonas aus leeren Augenhöhlen an. Sein bleiches Grinsen schien ihn zu verhöhnen. Justus streckte die Hand nach dem Kopf aus. Als er ihn hochhob, klappte der Unterkiefer nach unten und verwandelte das Grinsen in ein dämonisches Lachen. Justus pustete den Staub vom Schädelknochen und blickte stirnrunzelnd in das tote Gesicht.

»Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.«

»Oh Mann, Justus, so werden wir nie fertig!«, beschwerte sich Peter hinter ihm. Der Zweite im Bunde ihres Detektivtrios war gerade damit beschäftigt, eine alte Schreibmaschine auf ihre Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Die drei Detektive hatten beschlossen, ihre Zentrale mal ordentlich auszumisten, die vor lauter Gerümpel bald aus allen Nähten platzte. Die Zentrale, das war ihr Detektiv-Hauptquartier in einem alten Campinganhänger, der auf dem Gelände des Gebrauchtwarenhandels Titus Jonas stand. Mit all dem Krempel, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hatte, wollten sie ein paar Dollar bei Justus’ Onkel Titus verdienen. Nun hockten sie in dem dunklen, staubigen Chaos zwischen Kisten und Kartons und inspizierten ihre Schätze. Doch je mehr sie wühlten, desto langsamer kamen sie voran. Denn bei jedem Objekt, das sie zutage förderten, wurde ausgiebig darüber diskutiert, ob es nun Trödel war oder ein wertvolles Erinnerungsstück. Und Justus ließ es sich nicht nehmen, alles mit seiner ihm eigenen, hochgestochenen Ausdrucksweise zu kommentieren. Was Peter mächtig auf die Nerven ging. »Wenn du bei allem, was du findest, erst eine halbe Stunde lang Goethe rezitierst, sind wir nächstes Jahr noch nicht fertig mit dem Ausmisten.«

Justus wandte seinen Blick nicht von dem Totenschädel und fuhr mit theatralischer Stimme fort: »Ob’s edler im Gemüt, die Pfeil’ und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden, oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden. Und übrigens, Peter, ist das nicht Goethe, sondern Shakespeare. Hamlet, um genau zu sein.«

Bob Andrews, der das Geplänkel seiner Freunde bisher ignoriert hatte, weil er gerade mit dem Reinigen alter Bilderrahmen beschäftigt war, drehte sich nun um. »Sokrates!«

»Was denn nun?«, fragte Peter. »Goethe, Shakespeare, Hamlet oder Sokrates?«

»Doch nicht das Zitat, Peter. Ich meine den Schädel! Das ist Sokrates, der sprechende Totenkopf, den wir vom Zauberer Gulliver geschenkt bekommen haben! Meine Güte, den hatte ich ganz vergessen. Just, den kannst du unmöglich verkaufen, der muss in der Zentrale bleiben!«

»Dem stimme ich uneingeschränkt zu, Bob. Sokrates kommt später mal in ein drei ???-Museum.« Er fing an zu kichern. »Wisst ihr noch, wie Tante Mathilda damals fast einen Herzinfarkt bekommen hätte, als Sokrates ›Buh‹ zu ihr sagte?«

Bob lachte auch. »Das war echt zum Brüllen!«

»Apropos Tante Mathilda«, sagte Peter, während er besorgt aus dem Fenster sah. »Sie kommt gerade im Stechschritt auf die Zentrale zu. Kollegen, ich habe kein gutes Gefühl.«

Wenige Augenblicke später klopfte es energisch an der Tür. »Herein!«, sagte Justus.

Mathilda Jonas betrat das Hauptquartier der drei Detektive und blickte zornig von Bob zu Peter zu Justus – zu Sokrates.

»Buh!«, machte Justus und ließ den Unterkiefer des Totenschädels aufklappen.

Seine Tante stieß einen kurzen Schrei aus und zuckte zurück. »Justus Jonas! Was fällt dir ein, deine arme Tante so zu erschrecken! Noch dazu, wo ihr doch wirklich Dringenderes zu tun habt! Was ist los mit euch, warum seid ihr noch nicht bei der Arbeit?«

»Was denn für eine Arbeit?«, fragte Justus verblüfft und stellte Sokrates auf den Schreibtisch.

»Was für eine Arbeit! Ihr solltet doch das Bürohäuschen neu streichen!«

»Heute?«

»Ja, natürlich heute. Was glaubst du, wovon ich die ganze Woche geredet habe?«

»Du sprachst von Sonntag. Ich dachte, du meintest nächsten Sonntag.«

»Mitnichten, Justus Jonas, ich meinte diesen Sonntag. Kommt schon, Jungs, ich brauche eure Hilfe wirklich dringend. Wenn wir das dieses Wochenende nicht hinkriegen, dann dauert es wieder Monate.«

»Muss das sein?«, stöhnte Peter.

»Ja«, sagte Mathilda Jonas bestimmt. »Es muss.«

Das Dach des Bürohäuschens war völlig verdreckt. Vertrocknetes Laub und der Staub vieler Jahre hatten sich mit Regenwasser vermischt und waren durch die brennende Sonne zu einer graubraunen Kruste erstarrt, die sich kaum von der Stahlbürste beeindrucken ließ. Peter krabbelte auf allen vieren über die Dreckschicht und schrubbte mal hier, mal dort, doch immer mit dem gleichen Ergebnis: Der Dreck ging einfach nicht ab. Und ohne eine saubere Oberfläche gab es auch keine neue Farbe.

Frustriert kniete er sich hin, schirmte die Augen gegen die Sonne ab und blickte zur Zentrale hinüber. Sie war genauso dreckig wie das Haus, auf dem Peter gerade herumkroch. Trotzdem wären er oder seine Freunde nie im Leben auf den Gedanken gekommen, ihr einen neuen Anstrich zu verpassen. Warum lag Tante Mathilda nur so viel daran, dass das Büro in einem neuen Glanz erstrahlte?

»Wird’s bald da oben!«, rief Justus von unten herauf. »Ich höre dich gar nicht mehr schrubben!«

»Wir können gerne tauschen, Just! Der Dreck denkt gar nicht daran, zu verschwinden. Ich wette, der ist irgendwie festgeklebt. Auf diesem Dach klebt der gesamte Smog von Los Angeles der letzten zwei Jahre!«

»Glaubst du, hier unten sieht es besser aus?«, warf Bob ein.

»Jungs, wenn ihr weiter über euer schweres Los jammert anstatt zu arbeiten, werdet ihr nie fertig!«

Peter drehte sich um. Mathilda Jonas war hinter ihnen aufgetaucht. Ein amüsiertes Lächeln lag auf ihrem Gesicht. In ihren Händen trug sie ein Tablett mit drei riesigen Gläsern Orangensaft und einer gefüllten Karaffe. Sie stellte es auf einen abgewetzten Stuhl in der Nähe. »Ich will ja nicht, dass meine fleißigen Handwerker verdursten.«

»Und was ist mit dem Kirschkuchen?«, fragte Justus hoffnungsvoll, obwohl er erst vor zwei Stunden gefrühstückt hatte.

»Den gibt es, wenn ihr fertig seid – zur Belohnung.«

»Kollegen, wir sollten ein paar Gänge höher schalten!« Justus tauchte seinen Stahlschwamm in das Wasser und legte wieder los.

Auch Bob und Peter machten weiter. Es half ja nichts – je eher sie fertig wurden, desto schneller konnten sie sich wieder anderen Dingen widmen. Sie schrubbten, was das Zeug hielt. Die Sonne stieg höher und höher am strahlend blauen, wolkenlosen Himmel und Peter stand der Schweiß auf der Stirn. Der Orangensaft war längst ausgetrunken und der Zweite Detektiv träumte nur noch davon, nach getaner Arbeit an den Strand zu fahren und in die eiskalten Fluten des Pazifiks zu springen. Bob hingegen wünschte sich nichts sehnlicher, als bei einem riesigen Eisbecher unter einem Sonnenschirm an der Strandpromenade zu sitzen und den Leuten beim Flanieren zuzusehen. Und Justus gab sich voll und ganz dem Gedanken hin, sich nach dem letzten Pinselstrich in den Schatten fallen zu lassen und die komplette Kirschtorte allein zu verputzen.

Der Tag war endlos, die Hitze unerträglich. Doch schließlich, am späten Nachmittag, erstrahlte das Holzhaus in blendendem Weiß. Peter betrachtete das vollendete Werk aus angemessener Entfernung, danach sah er an sich hinunter. Sein ehemals weißes T-Shirt war nur noch ein grau-brauner, schweißnasser Lumpen. Er blickte zu Bob und Justus hinüber. Bob sah nicht besser aus, aber Justus hatte die Arbeit ganz besonders mitgenommen. Sein Gesicht war hochrot und nass, das T-Shirt tropfte förmlich und er konnte kaum noch aufrecht stehen.

Mathilda Jonas kam auf die drei Jungen zu und klatschte begeistert in die Hände. »Bravo! Das Haus sieht herrlich aus! Ich garantiere euch, das wird den Umsatz im nächsten Monat in die Höhe treiben. Ihr habt euch eure Belohnung wirklich verdient! Kommt auf die Veranda, es ist schon alles vorbereitet!«

Justus drehte sich um und blickte seine Tante aus dunkel geränderten Augen an. »Tante Mathilda?«

»Ja?«

»Das war das letzte Mal, dass du bei einer solchen Aktion mit einem Kirschkuchen davonkommst. Ich bin völlig am Ende.«

Sie blickte ihn schuldbewusst an. »Du meinst, mit einem Kirschkuchen kann ich das nicht wieder gut machen?«

Der Erste Detektiv schüttelte stumm den Kopf. »Auch nicht mit zweien.«

»Okay, du hast was gut bei mir. Wenn du in Zukunft meine Hilfe brauchst, dann kannst du dich auf mich verlassen. Versprochen.«

»Ich werde es mir merken.«

Wenig später saßen die drei Detektive im Schatten der Veranda und verschlangen gierig den vorzüglichen Kuchen, während der Schweiß auf ihren Körpern trocknete.

»Ich sag euch, das mache ich so schnell nicht wieder«, stöhnte Bob, während er die letzten Krümel von seinem Teller auflas.

»Keine Sorge, ein neuer Anstrich ist erst wieder in zwei Jahren fällig«, sagte Justus. »Immerhin haben wir jetzt einen Gefallen bei Tante Mathilda gut. Wer weiß, wozu es gut ist.«

Etwas klingelte weit entfernt. Peter spitzte die Ohren. »Ist das nicht das Telefon in der Zentrale?«

»Ja«, sagte Justus. »Geh mal ran.«

»Nichts da. Du bist der Erste Detektiv.«

Justus rang einen Moment mit sich, doch wie so oft war seine Neugier am Ende ein bisschen größer als seine Faulheit, und so stemmte er sich aus dem Gartenstuhl, sprang von der Veranda und lief über den staubigen Schrottplatz...

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