Die drei ??? Musik des Teufels (drei Fragezeichen)

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-14177-9 (ISBN)
 
Was ist nur mit Bob los? Warum reagiert der sonst so ausgeglichene Dritte Detektiv plötzlich agressiv und gereizt auf seine Freunde Justus und Peter? Es scheint, als stünde er unter dem Einfluß einer fremden Macht. Justus und Peter beschatten ihren Freund und folgen ihm unauffällig in den Konzertsaal eines Privathauses. Dort lauscht er gebannt der Musik eines virtuosen Geigenspielers. Und bevor sie wissen, wie ihnen geschieht, werden auch Justus und Peter von dem Klängen gleichsam verhext. Können sie sich dem Bann des Teufelsgeigers entziehen, ehe es zu spät ist?
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 1,20 MB
978-3-440-14177-9 (9783440141779)
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Zusammenstoß mit Folgen


Bob Andrews schoss mit seinem Fahrrad in die Einfahrt von Sax Sendlers Musikagentur. Erst im letzten Moment sah er das Mädchen im Rollstuhl, das nicht weniger schnell auf die Straße zusteuerte. Bob bremste und riss den Lenker herum. Das Fahrrad geriet ins Schleudern und prallte mit dem Hinterrad gegen den Rollstuhl. Bob konnte sich gerade noch mit den Beinen abfangen, um nicht zu stürzen. Ein Kasten polterte zu Boden.

»Kannst du nicht aufpassen!«, fuhr die Rollstuhlfahrerin ihn an.

»Entschuldigung!«, keuchte Bob erschrocken. »Ich habe dich nicht gesehen.«

»Dann mach die Augen auf!«

»Habe ich dich verletzt?«

»Nein.«

Bob kniete sich hin, um den Kasten aufzuheben, doch das Mädchen kam ihm zuvor. »Finger weg!«, rief sie, griff nach dem Geigenkasten und legte ihn auf ihren Schoß. Sie strich sanft über seine Oberfläche. »Wenn der Geige etwas passiert ist, wird es teuer für dich!«, drohte sie und öffnete vorsichtig die Metallverschlüsse, während Bob gespannt den Atem anhielt. Sorgsam begutachtete sie das Instrument. »Scheint okay zu sein. Glück gehabt. Fahr in Zukunft gefälligst etwas langsamer. Das ist ja lebensgefährlich.«

»Na, hör mal«, erwiderte Bob. »Du hattest auch ein ganz schönes Tempo drauf.«

Sie funkelte ihn wütend an. »Du kannst mich mal!«, zischte sie und setzte ihren Weg mit Schwung fort.

Irritiert sah Bob ihr nach. War er ihr wegen seiner Bemerkung über ihr Tempo zu nahe getreten? Dann entschied er, dass sie einfach etwas hysterisch war. »Die hat sie ja nicht mehr alle«, murmelte er und schwang sich wieder auf den Sattel. Doch ein schleifendes Geräusch veranlasste ihn nach wenigen Minuten anzuhalten. Er sah sich um. Das Hinterrad hatte eine Acht. Fluchend stieg er ab und betrachtete den Schaden genauer. Er konnte noch damit fahren, aber wenn er vermeiden wollte, dass das Rad sich weiter verzog, schob er besser. Seufzend stellte er es vor dem Eingang der Agentur ab und betrat das große Gebäude. In einem der Büros begegnete er Sax Sendler, dem Chef der Agentur.

»Hi, Bob. Kommst du, um die Plakate für das Konzert abzuholen?«

Bob nickte. Er arbeitete manchmal aushilfsweise für die Agentur, verteilte Konzertplakate oder half bei der Organisation von Veranstaltungen. »Ich kann sie nur nicht sofort aufhängen. Ich hatte gerade einen kleinen Unfall mit einer Rollstuhlfahrerin. Ihr ist nichts passiert, aber mein Hinterrad eiert.«

»Die war gerade hier«, bemerkte Sax Sendler. »Sie wollte etwas klären wegen des Kammerkonzerts im Kulturzentrum übernächste Woche. Dort spielt sie nämlich mit.«

Bob verzog das Gesicht. »Ich hatte eigentlich immer gedacht, Geiger seien besonders sensibel und zurückhaltend. Aber sie ist eben ziemlich ausgerastet.«

Sax Sendler seufzte. »Musiker waren noch nie besonders ausgeglichene Menschen. Interessierst du dich eigentlich für klassische Musik, Bob?«

»Es geht so. Nicht richtig. Wieso?«

»Weil ich eine Einladung habe. Dr. Stevenson von der Musikhochschule war heute Morgen hier. Er wurde zu einem privaten Konzertabend eingeladen, hat aber keine Zeit. Ich steh nicht so auf Pauken und Trompeten. Möchtest du hingehen?«

Bob zuckte die Schultern. »Warum nicht? Ein bisschen Kultur kann nicht schaden.«

Sax reichte ihm die Karte. »Das Konzert ist heute Abend. Die Adresse steht drauf.«

»Danke«, sagte Bob, holte die Plakate und verließ die Agentur. Erst als er vor dem Rad stand, fiel ihm der Zusammenstoß mit der Rollstuhlfahrerin wieder ein. »Blöde Kuh«, murmelte er und schob das Rad auf die Straße.

»Matt«, sagte Justus Jonas zufrieden, als Bob auf den Schrottplatz fuhr. Der Erste Detektiv saß auf einem Klappstuhl vor der Zentrale und beugte sich über einen kleinen Tisch, auf dem ein Schachbrett aufgebaut war. Die Zentrale war ein ausrangierter Campinganhänger, der Justus, Bob und ihrem Freund Peter Shaw als Büro für ihr Detektivunternehmen diente. Der Anhänger stand auf dem Gelände des Gebrauchtwaren-Centers, das Justus’ Onkel Titus führte. Eigentlich war es nicht mehr als ein riesiger Trödelladen mit angrenzendem Schrottplatz, doch Gebrauchtwaren-Center klang besser.

»Schön, dass du auch noch kommst«, rief Justus und sah demonstrativ auf die Uhr.

»Tut mir Leid. Es ist was dazwischengekommen. Ich musste erst noch mein Fahrrad reparieren. Gegen wen spielst du da eigentlich?«

»Gegen mich selbst«, erklärte Justus und blinzelte zu Bob hoch. »Mir blieb ja nichts anderes übrig. Mein Gegner war ganz schön hartnäckig, aber ich habe gewonnen! Spielen wir jetzt eine Partie?«

Bob seufzte. »Du bestehst ja darauf. Bereitet es dir eigentlich Vergnügen, immer wieder gegen mich zu gewinnen? Eine echte Chance habe ich doch nie.«

Justus grinste. »Soll ich etwa gegen Peter spielen? Der beherrscht ja noch nicht einmal die Regeln.«

»Wie wäre es mit Onkel Titus?«

»Den habe ich schon geschlagen, als ich sieben war«, erklärte Justus gelassen und baute die Figuren neu auf. »Weiß oder Schwarz?«

Sie begannen ihre Partie, doch Bob hatte schon nach zehn Minuten die Mehrzahl seiner Figuren verloren. »Ist es möglich, dass du heute ein wenig unkonzentriert bist?«, erkundigte sich Justus.

»Ja. Ich muss die ganze Zeit über etwas nachdenken. Kennst du eigentlich jemanden, der im Rollstuhl sitzt?«

Justus runzelte die Stirn. »Nö.«

»Ich bin heute mit einem Mädchen zusammengestoßen, das im Rollstuhl saß.« Bob berichtete von dem Vorfall. »Sie hat mich ziemlich angepflaumt, weil ich zu schnell war. Sie war auch nicht gerade langsam, also habe ich zurückgepflaumt. Bin ich damit zu weit gegangen?«

»Warum? Weil du sie auf die Tatsache hingewiesen hast, dass sie fährt und nicht geht?«

Bob nickte.

»Aber das weiß sie doch. Ich würde der Angelegenheit nicht so große Bedeutung beimessen. Sie hat sich wahrscheinlich nur Sorgen um ihre Geige gemacht. So wie du dir Sorgen um diesen Zug mit deinem Turm machen solltest. Einen hast du schon verloren. Was hast du eigentlich heute Abend vor? Peter sucht noch jemanden, der mit ihm joggen geht. Ich habe ihn an dich verwiesen.«

»Hätte mich auch gewundert. Aber ich habe heute schon was vor. Ich gehe in ein Konzert.«

»Was denn für ein Konzert?«

»Keine Ahnung.« Bob zog die Einladung aus der Hosentasche und reichte sie Justus. »Ich habe noch gar nicht draufgesehen.«

»Schach«, sagte Justus und betrachtete die Karte. »Ein Violinabend mit Mr Vanderhell. Aha. Nie gehört. Seit wann interessieren dich denn Violinabende?«

»Eigentlich gar nicht. Ich dachte nur, so was muss man mal erlebt haben. Wenn es mir nicht gefällt, kann ich ja gehen.« Bob zog seinen König auf ein sicheres Feld, doch Justus ließ sich davon nicht beeindrucken.

»Schach«, wiederholte er. »Und matt in vier Zügen. Wenn du gut bist.«

Bob blickte empört vom Spielbrett auf. »Woher weißt du das?«

Der Erste Detektiv lächelte überlegen. »Das sieht man doch auf einen Blick!«

Bob sah gar nichts. »Das glaube ich nicht. Wetten, dass ich länger durchhalte als vier Züge?«

»Wetten, nicht?«

»Okay, wenn du verlierst, gehst du heute Abend mit Peter joggen«, schlug Bob vor.

»Einverstanden. Und wenn du in vier Zügen verlierst, ziehst du zu diesem Konzert einen schwarzen Anzug an. Mit Krawatte!«

Sie gaben sich die Hand. Drei Züge später war Bob schachmatt.

Was sah alberner aus: in Schlips und Kragen vom Fahrrad oder aus einem klapprigen alten VW Käfer zu steigen? Bob stand vor dem Spiegel und zog seine Krawatte zurecht. Es hatte ewig gedauert, sie zu binden, und auch jetzt war Bob mit dem Ergebnis nicht hundertprozentig zufrieden. Er sah ohnehin komplett lächerlich aus, da machte ein schiefer Krawattenknoten auch nichts mehr. Er fuhr sich noch einmal durchs Haar, bevor er sein Zimmer verließ und leise die Treppe hinunterschlich. Seine Eltern saßen in der Küche und unterhielten sich. Sie sollten ihn auf keinen Fall in diesem Aufzug sehen. »Ich fahre jetzt zu Justus!«, rief Bob, riss die Haustür auf und verschwand nach draußen.

»Komm nicht so spät nach Hause!«, hörte er seine Mutter noch rufen, bevor er die Tür schloss und zum Wagen eilte. Im Auto konnte ihn wenigstens niemand sehen. Rocky Beach war eine kleine Stadt. Wenn einer seiner Mitschüler ihn so auf der Straße sah, würde ihn am nächsten Tag sicher die halbe Schule damit aufziehen.

Bob fuhr an der Küste entlang Richtung Santa Monica. Sein Ziel war eine schmale Bergstraße kurz hinter Rocky Beach, die von der Hauptstraße abbog und ins Hinterland führte. An der Straße lag nur eine Hand voll Häuser, alle sehr groß und edel und hinter hohen Hecken versteckt, die die riesigen Vorgärten säumten. Doch keines der Häuser sah nach einem öffentlichen Gebäude aus. Bob warf einen Blick auf die Einladungskarte: 16 Hillview Drive, bei Charkov. Das musste das Haus dort vorne sein. Es war ein Privatgrundstück. Dann entdeckte er den Namen Charkov auf einem großen Messingschild neben dem schmiedeeisernen Tor. Das Konzert war also eine Privatveranstaltung – oder aber der Hausbesitzer stellte seine Räumlichkeiten für Konzerte zur Verfügung.

Bob überlegte, ob er wieder umkehren sollte. Er hatte wenig Lust in einen privaten Kreis zu platzen. Andererseits: Wie oft bekam man schon die Gelegenheit an einem so exklusiven Ereignis teilzunehmen? Entschlossen lenkte...

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