Die drei ??? und das Geisterschiff (drei Fragezeichen)

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
  • |
  • 126 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-14188-5 (ISBN)
 
Ein Geisterschiff kreuzt vor der Küste von Rocky Beach. Justus, Peter und Bob trauen ihren Augen nicht: Der Dreimaster mit den zerfetzten Segeln gleitet durch die neblige See. Spuk oder Wirklichkeit? Die drei Jungs brauchen starke Nerven, denn Nachforschungen führen sie zu Piraten aus längst vergangenen Zeiten. Hat ein Fluch sie in die Gegenwart zurückgebracht? Um das Rätsel zu lösen, gibt es nur eine Möglichkeit: Die drei Detektive aus Rocky Beach müssen selbst an Bord gehen.
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 1,24 MB
978-3-440-14188-5 (9783440141885)
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Bei Nacht und Nebel


»Und hier eine Warnung an alle Autofahrer, die zu dieser späten Stunde noch auf den Küstenstraßen unterwegs sind: Auf der Höhe von Malibu Beach herrscht dichter Nebel, die Sichtweite beträgt zum Teil unter fünfzig Meter. Also, Freunde der Nacht, wer den Durchblick behalten will, fährt besser durch die Berge nach Hause. Oder aber zur nächsten Party. Für diejenigen unter euch, für die die Nacht gerade erst beginnt, spiele ich jetzt einen besonders heißen Song. Hier kommt –«

»Danke, aber den Nebel hätte ich auch so bemerkt«, murmelte Peter und schaltete das Autoradio aus.

»He! Was soll denn das?«, rief Kelly empört.

»Ich hab keinen Bock mehr auf Musik. Der Abend hat mir gereicht. Außerdem muss ich mich aufs Fahren konzentrieren. Ist eine ganz schöne Suppe da draußen.«

»Na toll, du hast schlechte Laune. War ja klar.« Das Mädchen mit den knallroten Strähnen im blonden Haar verschränkte beleidigt die Arme. Doch bereits nach wenigen Sekunden begann sie angriffslustig aufs Neue: »Kannst du mir mal verraten, warum du mir jetzt die Stimmung vermiesen musst?«

Peter lachte kurz auf. »Ich vermiese dir die Stimmung? Wenn du wüsstest, wie sehr ich mich gerade anstrenge, nicht zu explodieren!«

»Du hast überhaupt keinen Grund dazu!«

»Ich bitte dich: Endlich haben wir mal einen Abend für uns, wollen in die neue Disco nach Malibu fahren und ein bisschen feiern und tanzen, und dann quatschst du stundenlang mit deinen Freundinnen und lässt mich links liegen.«

»Konnte ich denn ahnen, dass ich Sue und Betty treffen würde?«, verteidigte sich Kelly.

»Nein, aber eine Viertelstunde hätte gereicht. Geschlagene zwei Stunden habe ich blöd in der Ecke rumgestanden!« Peter hatte sich vorgenommen, nicht auszurasten, aber nun gab er sich keine Mühe mehr.

»Ach!«, rief Kelly patzig. »Kaum tanze ich mal nicht nach deiner Pfeife, bist du sauer! Hast du dich schon mal gefragt, wie oft ich in der letzten Zeit etwas mit dir unternehmen wollte und du nicht konntest, weil du ständig mit Bob und Justus herumhängst?«

»Wir hängen nicht herum!«

»Nein, ich weiß, ihr habt euer Detektivbüro und müsst ständig irgendwelche Fälle lösen. Das ist selbstverständlich viel wichtiger als alles andere. Aber wenn ich einmal ein paar Freundinnen treffe, ist gleich der Teufel los! Ich will dir mal was sagen, Peter Shaw: An mir liegt es nicht, dass wir uns in letzter Zeit so gut wie nie zu Gesicht bekommen.«

»Sonst warst du immer ganz begeistert, wenn ich dir von unseren Ermittlungen erzählt habe«, brummte Peter.

»Das war, bevor mir klar wurde, dass du nichts anderes mehr im Kopf hast als eure Zentrale, eure Recherchen und Besprechungen. Ich bedeute dir doch gar nichts mehr.«

Peter war klar, dass alles, was er jetzt sagen konnte, Kelly erneut auf die Palme bringen würde. Nichts zu sagen war natürlich genauso falsch. Aber er hatte keine Lust mehr auf diese Diskussion. Es war nicht das erste Mal, dass sie sie führten. Zu einem Ergebnis waren sie dabei allerdings noch nie gekommen.

Es waren noch einige Meilen bis nach Rocky Beach. Sie würden sich anschweigen, bis er Kelly zu Hause absetzte. Endlose, nervenaufreibende Minuten. Peter beschloss, sich ganz auf die Straße zu konzentrieren.

Die Bewohner von Kaliforniens Küste – besonders die Autofahrer – hatten um diese Jahreszeit oft mit Nebel zu kämpfen, doch Peter konnte sich nicht erinnern, dass es jemals so schlimm gewesen war. Er fuhr so langsam wie noch nie zuvor auf dieser Strecke. Die Scheinwerfer seines roten MG brachten die weißen Wände aus Luft zum Leuchten. Er konnte kaum dreißig Meter weit sehen. Die Warnung des Radiomoderators war eine glatte Untertreibung gewesen. Zum Glück war es schon so spät, dass auf den Straßen nicht mehr viel los war. Es schien fast, als wären sie die einzigen Menschen, die noch unterwegs waren: ein kleiner Wagen auf einer dunklen, einsamen Straße, die sich kurvenreich dicht an der Steilküste entlang durch die Landschaft schlängelte. Manchmal riss der Nebel auf, und man konnte einen Blick aufs Meer erhaschen. Die gespenstischen Nebelbänke trieben über das Wasser und schoben sich langsam die Böschung hinauf. Doch gleich darauf wurde die Aussicht erneut von der grauen Suppe verschluckt.

Kelly schaltete das Radio wieder ein und drehte die Lautstärke hoch. Alanis Morissette kreischte mit schriller Stimme aus den Lautsprechern.

»Geht das auch leiser?«, brüllte Peter.

»Wenn du schon nicht mit mir redest, will ich wenigstens Musik hören!«

»Aber nicht so laut!« Er drehte das Radio runter.

»Typisch!«, zischte Kelly.

»Hör zu, Kelly«, begann Peter so ruhig wie möglich. »Es ist neblig. Wenn du nicht gleich in hohem Bogen zwanzig Meter abwärts fliegen willst, muss ich mich auf die Straße konzentrieren. Aber das kann ich nicht bei diesem Gedröhne.«

»Das ist kein Gedröhne, das ist Alanis.« Sie drehte die Musik wieder lauter.

»Es ist mir scheißegal, wer das ist! Würdest du bitte –«

Kellys schriller Schrei zerriss die Musik und ließ ihn zusammenzucken: »Pass auf!«

Wie aus dem Nichts war eine dunkle Gestalt auf der Straße erschienen. Peter trat auf die Bremse und zerrte das Lenkrad herum. Mit quietschenden Reifen geriet der Wagen ins Schleudern und rutschte auf den Abhang zu. Peter hatte keine Kontrolle mehr über das Auto und klammerte sich nur noch panisch am Lenkrad fest, während Kelly aus Leibeskräften schrie. Die Motorhaube des MG bohrte sich in das Gestrüpp, hinter dem es steil abwärts ging, und bremste die Schleuderfahrt, bis das Auto endlich stehen blieb.

Das alles hatte höchstens zwei Sekunden gedauert, doch Peter war es wie eine Ewigkeit vorgekommen. Er schloss für einen Moment die Augen. Alanis Morissette sang weiter, als wäre nichts geschehen. Dann blickte er hinüber zu Kelly. »Alles in Ordnung?«

Sie nickte benommen und blickte aus dem Seitenfenster. »Hast … hast du sie erwischt?«

»Glaub nicht.« Peter stieß die Tür auf und wollte aussteigen, vergaß jedoch den Gurt und erwürgte sich fast damit. Als er endlich draußen war, lag die Straße verlassen vor ihm. Sofort schossen ihm Albtraumbilder durch den Kopf: Die Person war zur Seite gesprungen und den Abhang hinuntergestürzt. Oder er hatte sie angefahren, und nun lag sie schwer verletzt irgendwo im Gestrüpp.

»Hallo!«, rief Peter ängstlich. »Wo sind Sie?«

Ein Schatten löste sich aus dem Nebel. »Himmel, ist Ihnen was passiert?« Eine Frau kam auf ihn zu. Kein Humpeln, kein Stöhnen, sie schien unverletzt zu sein.

»Nein, alles okay.« Peter atmete auf. Doch als der Schock nachließ, wurde er wütend. »Sind Sie wahnsinnig geworden, einfach auf die Straße zu springen?«

»Tut mir leid. Ich hatte eure Scheinwerfer schon von Weitem gesehen und nicht daran gedacht, dass ich wegen des Nebels so gut wie unsichtbar bin. Schnell, ich brauche Zeugen!«

»Zeugen?«, wiederholte Kelly. »Wofür?«

»Später«, antwortete die Frau knapp. »Habt ihr zufällig eine Kamera im Wagen?«

»Nein«, erwiderte Peter irritiert. »Wofür –«

»Verflucht!« Sie drehte sich abrupt um und lief auf die Böschung zu. »Kommt mit! Schnell!«

»Aber … aber wohin denn?«, rief Peter hinter ihr her.

»Runter zum Strand!«

»Und der Wagen?«

»Unwichtig! Schnell! Sonst ist es gleich weg!«

Kelly und Peter sahen einander ratlos an, doch was immer die Fremde ihnen zeigen wollte, es schien ungeheuer wichtig zu sein. Peter warf einen Blick auf seinen MG. Er war so weit von der Straße abgekommen, dass er den Verkehr nicht mehr gefährden konnte. »Also schön«, murmelte er, lief zurück und kramte aus dem Handschuhfach eine Taschenlampe. Dann warf er beide Türen zu und folgte der Frau mit Kelly im Schlepptau.

Die Fremde hastete an der Böschung entlang, bis sie eine Stelle fand, an der die Sträucher eine kleine Lücke freigaben. Dahinter führten schroffe Felsen steil bergab, doch es gab einen Weg, den sie offenbar genau kannte, denn ohne zu zögern kletterte sie hinunter.

Wesentlich vorsichtiger und im Licht der Taschenlampe versuchten Kelly und Peter mit ihr Schritt zu halten.

»Sonst ist was gleich weg?«, keuchte Kelly.

Die Frau antwortete nicht.

Der Abstieg war beschwerlich. Mehrere Male gerieten Peter und Kelly ins Straucheln und stürzten fast, während ihre Führerin mit schlafwandlerischer Sicherheit von Felsen zu Felsen sprang, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Sie war bereits unten angelangt, als Peter und Kelly sich noch auf halber Höhe zwischen Straße und Strand befanden.

»Beeilt euch!«, rief sie ungeduldig. »Ihr müsst es sehen!«

Sie kletterten, so schnell sie konnten, und erreichten schließlich den breiten Sandstrand.

»Würden Sie uns bitte erklären, was das alles soll?«, forderte Peter ungehalten. »Gab es ein Verbrechen?«

»Gleich«, erwiderte die Frau einsilbig und setzte sich sofort wieder in Bewegung. »Kommt mit!«

Sie folgten ihr die hundert Meter bis ans Wasser. Dort blieb sie stehen und starrte angestrengt aufs Meer hinaus. »Verfluchter Nebel! Man kann überhaupt nichts sehen!«

»Was denn?«, versuchte Kelly es erneut.

Sie antwortete nicht, sondern suchte weiter die Lücken zwischen den Nebelbänken ab. Erst jetzt kam Peter dazu, die Fremde genauer in Augenschein zu nehmen....

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