Die drei ??? Doppelte Täuschung (drei Fragezeichen)

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
  • |
  • 126 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-14192-2 (ISBN)
 
Bob gerät mitten in einen Banküberfall und kann für Bruchteile von Sekunden das Gesicht des Täters sehen. Während die drei ??? das erstellte Phantombild genau studieren, stattet der Bankräuber ihnen einen Besuch in der Zentrale ab. Zunächst scheint geklärt, dass es sich bei ihrem neuen Auftraggeber um den Zwillingsbruder des Verdächtigen handelt. Doch schon bald wissen Justus, Peter und Bob nicht mehr zu unterscheiden, mit welchem der Brüder sie es zu tun haben. Ein gefährliches Verwirrspiel beginnt.
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 1,19 MB
978-3-440-14192-2 (9783440141922)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Besuch von Michael Jackson


Bob Andrews sah auf die Uhr. Viertel nach fünf. Verflucht! In einer halben Stunde begann das Spiel. Wenn er rechtzeitig auf dem Schrottplatz sein wollte, musste er sich beeilen. Er hängte die schweren Taschen mit den Einkäufen für seine Mutter an den Fahrradlenker, schwang sich auf den Sattel und trat in die Pedale. Mit vollem Tempo raste er durch die Innenstadt von Rocky Beach, dem malerischen Küstenstädtchen in der Nähe von Hollywood. Es war ein herrlicher Sommertag, warm und windig. Die salzige Brise vom nahen Pazifik zerzauste sein Haar, als er durch die hügeligen Straßen fuhr. Die Einkaufstaschen schlenkerten hin und her, als er sich in die letzte Kurve legte und vor dem Bankgebäude abbremste.

Jetzt aber schnell! Die Überweisung für seine Mutter abgeben, die Einkäufe zu Hause abladen und dann nichts wie los zu Justus!

Das Fahrrad wackelte bedenklich, als Bob den Ständer herunterklappte. Die schweren Taschen zerrten am Lenker. Sollte er sie abnehmen? Für dreißig Sekunden in der Bankfiliale? Nein. Das Rad würde schon nicht umkippen. Hoffentlich. Er sprach im Geist eine Beschwörungsformel, dann eilte er zur Tür.

Etwas war seltsam, als Bob die Bank betrat. Alle Köpfe wandten sich ihm zu. Doch die Angestellten lächelten nicht. Sie starrten ihn unbewegt an. Meine Hose steht offen!, schoss es Bob durch den Kopf. Doch weder Hohn noch Abscheu sprach aus den Gesichtern – sondern pures Entsetzen. Die beiden Frauen hinter dem Tresen, der Mann am Kassenschalter, sie alle waren leichenblass. Die einzige Ausnahme machte Michael Jackson. Das berühmte Popidol war hier – in einer Bankfiliale in Rocky Beach.

Jackson stand an der Kasse und grinste Bob an. Ein saublödes Grinsen. Dann hob er seine Waffe. »Los! Rüber da!«, drang seine Stimme dumpf durch die Plastikmaske.

Ehe Bob begriff, wie ihm geschah, war der Mann schon mit vier, fünf großen Schritten bei ihm und schubste ihn von der Tür weg in eine Ecke. »Du rührst dich nicht von der Stelle, verstanden, Bursche?«

Bob nickte.

Ein Banküberfall. Dies war ein Banküberfall und er war mitten hineingeplatzt.

»Los, alles rein in die Tüte!«, herrschte der Bankräuber den Angestellten an der Kasse an. »Wird’s bald!«

Stumm beobachtete Bob, wie der Mann mit zitternden Händen einen Plastikbeutel mit dicken Geldbündeln füllte. Währenddessen drehte sich der Maskierte immer wieder um und zielte abwechselnd auf Bob und die beiden Frauen. Niemand sagte ein Wort. Schließlich war alles Geld in der Tüte verstaut. Der Räuber riss sie an sich und ging rückwärts zum Ausgang.

Bob überlegte fieberhaft, wie er den Mann aufhalten konnte. Die Polizei war bestimmt schon durch einen versteckten Alarm verständigt worden und auf dem Weg hierher. Doch sie würde zu spät kommen. Wahrscheinlich stand draußen ein Fluchtwagen. In ein paar Sekunden würde der Dieb über alle Berge sein. Gerade als Bob darüber nachdachte, dem Mann den Weg zu versperren, wandte dieser sich ihm zu und starrte ihn aus den kleinen schwarzen Löchern in seinem unbewegt grinsenden Plastikgesicht an. Augenblicklich verließ Bob der Mut und er blieb, wo er war.

Der Mann tastete nach der Tür, öffnete sie und trat hinaus auf die Straße. Bob konnte ihn von seiner Position aus durch die Glastür beobachten. Der Bankräuber ließ seine Waffe im Gürtel verschwinden, drehte sich um – und stieß gegen Bobs Rad. Der Lenker verhakte sich in der Tüte mit dem Geld und riss sie ihm aus der Hand. Erschrocken machte der Maskierte einen Schritt zur Seite, trat auf das Hinterrad, geriet ins Straucheln und stürzte.

In dem Moment rutschte die Plastikmaske herunter und Bob sah sein Gesicht.

»Jetzt! Jetzt! Jetzt hast du’s! Bleib so! Bleib so!!! Ahhh, nein, jetzt ist es wieder weg! Justus, du machst mich noch wahnsinnig!« Peter Shaw trat wütend gegen eine Coladose. Sie flog in hohem Bogen über den Schrottplatz und landete hinter einem Berg alter Möbel. Dann wandte er sich wieder dem Schneegestöber auf dem Bildschirm zu. Das war also das Ergebnis von Justus’ brillantem Plan, sich das Footballspiel der Dragons gegen die Flames auf einer Leinwand anzusehen. Justus hatte sie eigens zu diesem Zweck in ihrer Freiluftwerkstatt auf dem Schrottplatz aufgehängt. Seine neueste Entdeckung war nämlich ein Videobeamer, mit dem man ein normales Fernsehbild um ein Vielfaches vergrößert auf die Leinwand projizieren konnte. Justus hatte seinem Onkel, der den Gebrauchtwarenhandel auf dem Schrottplatz betrieb, ein altes, kaputtes Gerät abgeluchst und in mühevoller Kleinarbeit repariert. Das hatte er jedenfalls geglaubt. Bis der Beamer bei seiner Premiere mit einem Blitz und einem lauten Fump seinen letzten Atemzug tat. Und nun fummelte Justus an der Antenne eines uralten Fernsehers herum, verzweifelt auf der Suche nach dem richtigen Sender und einem vernünftigen Bild. Peter blickte immer wieder auf die Uhr. Großartig. Die erste Spielzeit war gleich vorbei.

»Wo Bob nur bleibt?«, murmelte Justus.

»Vielleicht war er schlau genug, sich das Spiel zu Hause anzusehen.«

»Er hatte versprochen zu kommen.«

»Jetzt lenk nicht vom Thema ab, Just! Sorg dafür, dass wir ein Bild kriegen, und zwar schnell!«

»Durch hetzerische Befehle wirst du keine Optimierung der Empfangsqualität erreichen.«

Peter verdrehte die Augen. Immer wenn es kompliziert wurde, passte Justus seine Sprache der Situation an und redete so gestelzt, dass Peter meistens nur die Hälfte verstand.

»Optimierung der Empfangsqualität? Dazu müsste es erst mal einen Empfang geben! Halt! Stopp! Da ist es wieder! Ah, nein, schon wieder weg!«

»Ich glaube, die Grundproblematik liegt weniger im Empfang der Fernsehwellen als vielmehr im technischen Zustand des Gerätes selbst begründet«, überlegte Justus laut. »Mir scheint, als habe der Fernseher noch nicht seine optimale Betriebstemperatur erreicht.«

»Was willst du damit sagen?«

»Dass er erst warmlaufen muss, bevor er ein vernünftiges Bild wiedergibt.«

»Das ist nicht dein Ernst.«

»Ich fürchte doch.«

»Und wie lange dauert das?«

»Tja, es könnte sich durchaus noch um mehrere Minuten handeln.«

Mangels weiterer Coladosen trat Peter diesmal gegen die alte Druckerpresse, die in einer Ecke vor sich hinstaubte. »Wäre ich bloß wie Bob zu Hause geblieben und hätte mir das Spiel dort angesehen! Hast du wenigstens irgendwo ein Radio? Eines, das funktioniert, meine ich. Vielleicht wird das Spiel ja übertragen.«

»Das Radio befindet sich zur Zeit in Reparatur«, antwortete Justus kleinlaut.

»Gibt es hier auch irgendwas, das funktioniert?«

»Diese Möglichkeit verringert sich, je häufiger du unsere technische Ausrüstung mit Tritten und Schlägen malträtierst.«

»Ich malträtiere, so lange ich Lust habe«, sagte Peter und schlug mit der flachen Hand auf den Fernseher. Das Schneegestöber flackerte kurz – und wich dem gestochen scharfen Bild eines umherspazierenden Schokoriegels. »Ha! Ha! Wir haben ein Bild! Wir haben ein Bild! Stell den Sender ein, Just! Nun mach schon!«

»Keine Panik. Die erste Spielzeit ist eh vorbei, jetzt ist Werbepause.«

Peter drängte sich an Justus vorbei und zappte durch die Kanäle.

»…liebe dich, Brenda. Du musst mir…« Eine Seifenoper.

»…der erste russische Kosmonaut…« Eine Quizshow.

»…wurde in Rocky Beach eine Bank über…« Nachrichten.

»He!«, rief Justus. »Schalt mal zurück! Da war was über Rocky Beach!«

»Sharon Lockwood über den Banküberfall von Rocky Beach.« Das Bild wechselte. Eine Reporterin vor einem kleinen Gebäude. Im Hintergrund stand ein Polizeiwagen, mehrere Beamte liefen geschäftig umher. »Vor genau vierzig Minuten wurde diese kleine Filiale der Elfbank in der Innenstadt von Rocky Beach an der kalifornischen Küste überfallen. Der Täter, ein männlicher Weißer, trug eine Plastikmaske mit dem Gesicht des Popstars Michael Jackson. Er stürmte die Bank, als sich gerade kein Kunde im Gebäude befand, bedrohte die Angestellten mit einer Pistole und erbeutete knapp zweihunderttausend Dollar. Doch dann geschah etwas Unglaubliches. Dieser junge Mann betrat den Ort des Geschehens und konnte einen Blick auf das Gesicht des Täters werfen.« Die Kamera fuhr ein Stück zurück und erfasste nun auch die Person, die neben Sharon Lockwood stand.

Peter und Justus trauten ihren Augen nicht.

»Aber das ist ja…«

»Bob!«

Bob blickte unsicher in die Kamera, versuchte ein Lächeln, dann entschied er sich dafür, Sharon anzusehen.

»Bob Andrews, du bist sozusagen mitten in diesen Überfall hineingeplatzt. Was genau ist passiert?«

»Na ja, eigentlich nicht viel. Ich bin rein und da stand der Mann auch schon an der Kasse und ließ sich das Geld geben. Als er mich bemerkte, zielte er auf mich.«

»Wie kam es dazu, dass du sein Gesicht gesehen hast?«

»Der Täter ist vor der Tür über mein Fahrrad gestolpert. Dabei rutschte ihm die Maske vom Gesicht.«

»Und wie hat er ausgesehen?«

»Na ja… ganz gewöhnlich eigentlich. Er war vielleicht Mitte vierzig hatte dichte schwarze Locken und einen schwarzen Bart. Aber ich habe ihn nur einen kurzen Moment gesehen, er zog sich sofort wieder die Maske über, stand auf und lief schnell weg.«

»Stimmt es, dass du ein Detektiv bist, Bob?«

Bob stutzte. »Äh… ja, das...

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