Borgia - Die Verschwörung

Die Borgia-Trilogie 1 - Historischer Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2019
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-24565-8 (ISBN)
 
Rom 1497. Rodrigo Borgia, besser bekannt als Papst Alexander VI., wird von einer schrecklichen Nachricht überrascht: Sein Lieblingssohn Juan, Herzog von Gandìa, wurde ermordet. Seine mit Stichwunden übersäte Leiche wurde wie Unrat in einen Abwasserkanal geworfen. Außer sich vor Schmerz setzt Rodrigo alles daran, den Schuldigen zu finden. Doch die Liste der möglichen Täter ist lang. Denn Juan war so attraktiv wie gewissenlos, so galant wie egoistisch. Und durch seine Skrupellosigkeit hatte er sich schließlich jeden zum Feind gemacht .

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Goldmann
  • 1,25 MB
978-3-641-24565-8 (9783641245658)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Elena und Michela Martignoni sind gebürtige Mailänderinnen. Die beiden Schwestern teilen ihre Liebe zur Geschichte. Gemeinsam schreiben sie sehr erfolgreiche historische Romane. Ihre große Borgia-Trilogie wurde in Italien zum Bestseller.

I.
Rodrigos Ängste

Privatgemächer von Rodrigo Borgia, Papst Alexander VI.

Donnerstag, den 15. Juni 1497, eine Stunde vor Sonnenaufgang

Schreiend umklammerte Rodrigo Borgia den Stumpf des Großmastes.

Das Schiff versank mit zerfetzten Segeln in den Wellen und tauchte anschließend wieder auf, dabei hatte es sich beinahe vollständig um die eigene Achse gedreht. Eine noch heftigere Welle brach sich auf der Brücke.

Ehe Rodrigo auf die nassen Planken des Decks stürzte, sah er, wie der Steuermann und seine Kameraden in den Fluten versanken. Er versuchte, irgendwo Halt zu finden, doch er rutschte durch die Reling ins Meer. Während er in den Wogen um sein Leben rang, sah er, wie das Schiff, das jetzt weit entfernt in den Himmel ragte, ins Meer zurückfiel und in einem Strudel verschwand. Die Kräfte verließen ihn, er schloss die Augen und überließ sich der fernen Stimme, die ihn in den Abgrund hinabzog.

Er schreckte aus dem Schlaf hoch und setzte sich auf. Rasch ging er zum Fenster und schob mit einer entschiedenen Handbewegung die schweren Vorhänge beiseite.

Nichts, nur der Mond.

Beruhige dich, sagte er sich, es war nur ein Albtraum.

Mit Nachdruck läutete er mit der silbernen Handglocke und befahl dem herbeigeeilten Kleriker, seinen Kammerherrn zu holen.

Wenige Minuten später war Giovanni Marradès bei ihm, fürsorglich und beflissen wie immer.

»Fühlt Ihr Euch nicht wohl, Heiligkeit?«

Der Pontifex sah ihn aus müden Augen an und sagte leise: »Ich möchte beichten, setzt Euch neben mich.«

Der Kammerherr legte sich die Stola um, bekreuzigte sich und senkte, zum Zuhören bereit, den Kopf.

»Mich quält immer noch derselbe Albtraum. Vor zwanzig Jahren hat mich Gott vor dem Ertrinken gerettet - und wie habe ich es ihm vergolten? Meine Sünden drücken mich schwer, das Fegefeuer scheint mir greifbare Wirklichkeit.«

Marradès schaute kurz auf.

Von diesen männlichen und sinnlichen Zügen ging eine große Faszination aus. Der Ausdruck der lebhaften schwarzen Augen wechselte ständig von Zerknirschung zu Schmeichelei, von streng zu leidenschaftlich, von flehend zu gebieterisch. Um zu bekommen, was er wollte, war Rodrigo Borgia jedes Mittel recht, und er gab nicht so schnell klein bei. So kannte alle Welt Alexander den VI., aber nun hatte Marradès einen verängstigten alten Mann vor sich.

»Heiligkeit, es ist die Pflicht der Gläubigen, gegen die Sünde anzukämpfen«, sagte er milde.

Rodrigo umklammerte die Hand des Beichtvaters.

»Ich fürchte Gottes Urteil.«

»Gott wird gerecht über uns urteilen, wir müssen an ihn glauben und auf seine Vergebung hoffen.«

»Glauben . Mein Glaube ist nicht fest genug.« Die Stimme wurde zum Flüstern. »Glaubst du, ein Mann wie ich hat es verdient, Papst zu sein?«

Marradès schwieg und entzog seine Hand langsam der des Papstes.

»Meinst du, mit Glauben allein könne man die Kirche leiten?«, polterte Borgia. »Die Kirche braucht Macht! Was wäre der Papst ohne Ländereien, ohne Geld, ohne Einfluss? Er wäre bloß ein Werkzeug in den Händen der Mächtigen. In den vergangenen fünf Jahren habe ich mit allen Mitteln versucht, dieser Gefahr zu entgehen. Erinnert Ihr Euch noch an Coelestin V.? Er war ohne Zweifel ein Mann von großem Glauben, doch war er ausgesprochen schwach. Erst nach jahrelangen Prüfungen und Abhandlungen, Schismen und Konzilen war der Papst als absolute Autorität etabliert. Er allein repräsentiert die Kirche Gottes. Dies müssen die römischen Patrizier ein für alle Mal anerkennen.«

»Heiligkeit, Ihr habt doch gerade erst einen Friedensvertrag mit den Orsini abgeschlossen«, wandte Marradès ein.

»Frieden?« Rodrigo erhob sich. »Nein, es ist noch nicht vorbei! Seit vielen Jahren spielen sie sich als Herren im Kirchenstaat auf, sie denken, sie kämen auch weiter in den Genuss der Vorrechte, die sie meinen Vorgängern abgerungen haben, doch da irren sie sich. Sie haben mich hintergangen, das vergesse ich nicht. Als Frankreichs Karl VIII. mit seinen Söldnern die italienische Halbinsel verwüstete, haben sie es mir überlassen, Rom mit meinen spanischen Männern zu verteidigen, während sie sich ihm zu Füßen warfen - um schließlich auch ihn zu verraten! Die Italiener sind treulose Gesellen.«

Marradès nickte. Der Pontifex nahm unterdessen einen goldenen Kelch vom Schreibtisch.

»Dies ist ein Geschenk von meinem Sohn Juan«, sagte Rodrigo stolz, »er ist sehr wertvoll.«

Marradès nickte anerkennend, doch insgeheim dachte er an Savonarolas Ausspruch aus einer seiner Flammreden: »In den Anfängen der Kirche waren die Kelche aus Holz und die Prälaten Gold wert; heute hat die Kirche hölzerne Prälaten und goldene Kelche!« Und er musste zugeben, dass der Mönch zumindest in dieser Hinsicht nicht ganz unrecht gehabt hatte.

»Man hat mich der Simonie beschuldigt«, fuhr der Papst fort und setzte den Kelch behutsam ab. »Aber die Almosen reichen nun mal nicht. Es ist unumgänglich, Ämter zu verkaufen. Geld gegen Macht - so war es schon lange vor meiner Wahl. Du schaust so vorwurfsvoll, Marradès! Verdamme mich ruhig, doch hör mich erst zu Ende an.«

Fügsam senkte der Kammerherr den Blick.

»Ich gebe zu, dass ich in den ersten Tagen des Konklaves tat, was in meiner Macht stand, um auf den Thron zu kommen. Ich kaufte jede verfügbare Stimme, ich versprach mehr, als ich halten konnte, denn nur so konnte ich Papst werden. Hand aufs Herz, war ich wirklich der Einzige, der so handelte?«

Marradès hielt dem fragenden Blick des Papstes stand.

»Es ist der Heilige Geist, der die Kardinäle bei der Wahl des Pontifex leitet.«

An Rodrigos Miene konnte Marradès erkennen, dass ihm seine Antwort gefiel.

»Welche Sünde hält man mir noch vor? Ah, die Wollust natürlich! Sagt man mir irgendwelche neuen Abenteuer nach?«

Der Kammerherr antwortete nicht.

»Sollen sie doch reden! Willst du die Wahrheit hören? Ja, hier und da hatte ich was mit einer Kurtisane - nicht rot werden, du bist schließlich auch ein Mann. Eine Fleischeslust wie das Verlangen nach einem guten Wein. Nach Giulia habe ich meinem Herzen verboten, sich nochmals zu verlieben. Es war heftige Leidenschaft. Sie war jung und schön, und ich konnte sie haben.«

Marradès erinnerte sich noch an Rodrigos letzte schmerzliche Leidenschaft, diesen Alterswahn, um genau zu sein. Für Giulia Farnese hatte der Papst alle Vernunft fahren lassen.

»Ich hatte in meinem Leben viele Frauen. Aber nur eine war mir wichtig: Vannozza. Ich war Kardinal, als ich sie kennenlernte, ich kann mich noch daran erinnern, wie ihr blondes Haar in der Sonne leuchtete. Ich begehrte nicht nur ihren Körper, ich wollte, dass sie mich liebt. Und ich habe sie geliebt, so sehr! Dieses Gefühl hat mein Handeln bestimmt.«

Marradès seufzte. Er nahm einem Papst die Beichte ab, der über sich sprach wie über einen weltlichen Herrscher, einen Betrüger, wie von einem Sklaven seiner Sinne, und doch konnte er in ihm nicht den Sünder sehen und so scharf über ihn urteilen, wie er es verdient hätte. Er erlag der durchtriebenen Faszination von Borgia.

»Es stimmt, ich habe das kanonische Gesetz übertreten, aber ich habe mich von meinem Herzen dazu verleiten lassen. Habe ich die Kirche deshalb vielleicht weniger geliebt? Verurteilt mich für die Sünden des Fleisches, aber nicht für das, was mich mit Vannozza verband. Sie hat mir ein unschätzbares Geschenk gemacht - meine vier Kinder Cesare, Juan, Lucrezia und Jofrè. Schon ihren Namen auszusprechen macht mich glücklich. Juan ist ein echter Spanier, schön und hitzig, Cesare ist von imposanter Statur und überlegenem Geist. Lucrezia? Ein Engel! Und Jofrè gleicht nun, da er zum Mann herangewachsen ist, seinen Geschwistern ebenso sehr wie mir, findest du nicht?«

Das Lächeln des Beichtvaters war den Umständen angemessen. Es kursierten zweifelhafte Gerüchte darüber, wer der Vater von Jofrè war. Madonna Vannozza war während ihrer Beziehung mit dem Papst dreimal verheiratet, alle Ehemänner waren vom Pontifex selbst ausgesucht worden, sie waren vertrauenswürdig und von gleichem Schlag, doch man konnte sich nie wirklich sicher sein .

»Für sie werde ich alles tun, was in meiner Macht steht«, fuhr Rodrigo fort. »Wenn sie in meiner Nähe sind, fühle ich mich unbesiegbar. Die heiligen Männer der Kurie beschuldigen mich des Nepotismus, aber das ist für einen Papst politische Notwendigkeit - zu lange haben die römischen Familien die Kirche wie ihr Eigentum behandelt. Und wem kann ich als Fremder schon trauen, außer meinem eigen Fleisch und Blut?«

Einige Augenblicke lang schwieg er gedankenverloren, dann sagte er: »Ich bin diese Verleumdungen leid, ich habe es satt, dass Savonarola von seiner Kanzel herabdröhnt, alle Übel dieser Welt gingen von Rom und von mir aus.«

»Er ist es, der den Gehorsam verweigert«, erwiderte Marradès mit Nachdruck. »Jede Eurer Forderungen war absolut berechtigt. Ihr habt Euch ihm gegenüber immer äußerst korrekt verhalten.«

»Diese Predigten eines Besessenen kümmern mich nicht. Es ist die Rechtmäßigkeit meiner Wahl, die er nicht antasten darf, es ist diese meine Kirche, die ich vor der Häresie bewahren muss.«

»Anscheinend hat ihn nicht einmal die Exkommunikation zum Einlenken veranlasst.«

»Im Augenblick werde ich nichts unternehmen. Er wird sich selbst zugrunde richten, das fühle...

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