Magische Sehnsucht

 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. November 2019
  • |
  • 616 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-0251-9 (ISBN)
 
Carolina lebt seit Jahren mit der Bürde, durch den Fluch der Geisterschwestern, die seit Jahrhunderten in Mystic ihr Unwesen treiben, fast alles verloren zu haben, was ihr wichtig war. Alles, was ihr geblieben ist, ist die Liebe zur Malerei und die tiefe Verbindung zu ihren Schwestern, mit denen sie seit ihrer Geburt ein besonderes Geheimnis teilt.
Als Finn, der Mann, den Carolina einst liebte und der sie nach einem schweren Schicksalsschlag verlassen hatte, als erfolgreicher Musiker in die Stadt zurückkehrt, versucht sie, ihr Herz so gut wie möglich zu verschließen. Doch Finn hat andere Pläne, denn er möchte endlich mit der Vergangenheit abschließen, damit er Carolina helfen kann, ihre schwierige Aufgabe erfolgreich zu erfüllen.
Nach und nach schafft er es mit viel Geduld und der Hilfe seiner Freunde, sich wieder einen Platz an Carolinas Seite zu erkämpfen und sich nicht zuletzt zurück in ihr Herz zu schleichen. Doch als der Fluch erneut zuzuschlagen droht und die Geisterschwester Clara alles daran setzt, das erneute Glück der beiden zu zerstören, stellt sich für Finn die Frage, was er wirklich bereit ist, für die Liebe zu opfern und aufzugeben. Und plötzlich weiß Carolina, dass sie erneut alles verlieren könnte, wenn sie keinen Weg findet, all das für immer zu beenden.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,87 MB
978-3-7407-0251-9 (9783740702519)
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A.B. Mars wurde 1988 in einem kleinen Ort in Niederbayern geboren, wo sie noch immer lebt. Schon früh in ihrem Leben zeigte sie großes Interesse an Geschichten und Büchern und begann auch schon in sehr jungem Alter eigene Geschichten zu schreiben. 2009 begann sie schließlich an ihrem ersten eigenen Roman zu arbeiten, der vor vier Jahren auch endlich unter dem Namen "So wie roter Sand" veröffentlicht wurde. Wenn sie nicht gerade schreibt und ihrer Fantasie freien Lauf lässt, vertreibt sie sich die Zeit mit dem Lesen von Büchern, guten Filmen und Serien oder dem Besuchen von Konzerten.

Prolog


Mystic, Connecticut, 01. Mai 1776.

Clara wanderte durch die Zimmer des Hauses, in dem sie bis vor ein paar Monaten noch mit ihrem Mann und ihrem Sohn gewohnt hatte, während sie nichts als Schmerz fühlte.

Sie war sechsundzwanzig Jahre alt, eine Frau, die am Anfang ihres Lebens stand. Eine Frau, die eine strahlende Zukunft vor sich haben sollte. Eine Frau, die an nichts anderes als an die glücklichen Tage, die noch vor ihr liegen, denken sollte. Doch all das traf auf sie nicht zu. Sie stand nicht am Anfang ihres Lebens, denn ihr Leben war vorbei. Sie hatte keine strahlende Zukunft vor sich, sondern nur noch die Erinnerung an die Vergangenheit, die ihre Gegenwart dunkel und hoffnungslos erscheinen ließ. Und sie dachte auch nicht an die glücklichen Tage, die noch vor ihr lagen. Sie dachte an den Tod. An die Endlichkeit ihres Lebens, die ihr Erlösung bringen sollte. Erlösung vom Schmerz, Erlösung von der Pein, Erlösung von der Qual, ohne ihre Lieben weiterleben zu müssen.

Obwohl sie noch so jung war, hatte sie bereits viele Menschen verlieren müssen, die ihr wichtig gewesen waren. Sie trug so viele Verluste auf ihren jungen Schultern, dass diese nun unter der Last nachgegeben und ihren Willen, weiterzuleben, tief unter sich begraben hatten.

Clara war sieben Jahre alt gewesen, als ihre geliebte Mutter gestorben war. Als Mädchen von sieben Jahren hatte sie mitansehen müssen, wie ihre Mutter von einem Fieber dahingerafft worden war, dass keiner hatte heilen können. Und sie hatte sehen müssen, wie ihre Mutter ihren ungeborenen Bruder gleich mit in den Tod genommen hatte. Ihren ungeborenen Bruder, dessen Verlust sie ebenfalls bis ins Mark erschüttert hatte, obwohl sie ihn kein einziges Mal gesehen oder auf dem Arm gehalten hatte. Dennoch hatte er zu ihr gehört. War ein Teil von ihr gewesen. Wie auch ihre beiden jüngeren Schwestern. Mit ihnen war sie komplett gewesen. Durch sie war sie vollständig geworden. Aber auch diese Vollständigkeit war zerbrochen, als sich ihre Schwester Lucille vor fast einem Jahr mit einem Dolch das Leben genommen hatte. Clara hatte lange nicht verstanden, warum Lucille das getan hatte. Wie sie so etwas machen konnte, zu so einer Tat fähig sein konnte.

Ja, natürlich, der Mann, den sie geliebt hatte, hatte sie verlassen, um in einen Krieg zu ziehen, der bereits zahllose Opfer gefordert hatte. Er war gegangen, obwohl sie ihn gebeten hatte, zu bleiben und er war gefallen, hatte sein Leben leichtsinnig in Gefahr gebracht, obwohl er ihr versprochen hatte, zurückzukommen. Lucille hatte seinen Tod gesehen, der Fluss hatte ihr James´ Tod gezeigt, einen Tod, der zugleich so viele Rätsel zurückgelassen hatte, dass ihre Schwester danach nur noch ein Schatten ihrer selbst gewesen war. Trotzdem hätte sie niemals gedacht, niemals vermutet, dass ihre Schwester so weit gehen würde. Dass ihr Schmerz so groß, so übermächtig sein könnte, dass sie sich das Leben nehmen würde, um diesem Schmerz ein Ende zu setzen. Aber jetzt verstand sie es. Jetzt wusste sie, wie ihre Schwester sich gefühlt haben musste.

Als sie ihre Schwester auf so tragische Weise verloren hatte, waren ihr einziger Trost ihr Mann und ihr neugeborener Sohn gewesen. Ein Kind, das sie exakt in der Nacht geboren hatte, in der ihre Schwester einen Dolch durch ihr Herz gestoßen hatte. Es war ihre Stütze gewesen, ihre Hoffnung, ihr Glaube, dass es trotz allem Leid immer noch Gutes in der Welt gab. Dass das Leben immer noch stärker war als der Tod. Doch diese Stütze, diesen Glauben, diese Hoffnung hatte man ihr ebenfalls genommen.

Es war noch keine drei Monate her, da man ihr das Wichtigste genommen hatte, das es nach ihrer Mutter, ihrem Vater, ihren Schwestern und ihrem Mann für sie gegeben hatte. Elf Wochen war es her, dass ihr kleiner Sohn ebenfalls sein Leben verloren hatte, doch sie sah sein Gesicht, das Bild, wie er ausgesehen hatte in dieser schicksalshaften Nacht, noch heute so deutlich vor sich, dass sich ihr Herz verkrampfte, wenn sie daran dachte. Er hatte so friedlich gewirkt, wie er da in seinem Bettchen gelegen hatte. So engelsgleich, als hätte ihn der plötzliche Tod noch schöner und strahlender gemacht. Und sie hatte es kaum glauben können, als ihr bewusst geworden war, dass er nicht atmete. Dass er sich nicht mehr bewegte. Dass alles an ihm leblos und starr wirkte. Sie hatte ihn auf ihre Arme genommen, ihn aus dem Bettchen gehoben und sie hatte geschrien. Sie hatte geschrien, bis ihr Mann gekommen war und sie gefragt hatte, was passiert sei. Und sie hatte wieder geschrien, als der Arzt, den ihr Mann sofort gerufen hatte, ihr gesagt hatte, dass ihr kleiner Sohn, ihr unschuldiger Engel, ihr allerliebstes Kind, am plötzlichen Kindstod gestorben sei. Dass er tatsächlich tot sei und nie wieder zurückkommen würde. Dass er unrettbar verloren war. Clara betrat blind vor Tränen das Kinderzimmer, das seit beinahe drei Monaten leer und verlassen war, und ging zu dem Bettchen, das immer noch hier stand und sie jeden Tag daran erinnerte, was sie verloren hatte.

Ihr Mann hatte es wegräumen wollen. Ihr Mann Flynn hatte schon drei Wochen nach dem Tod ihres Sohnes damit begonnen, das Kinderzimmer leer zu räumen und sie hatte ihn dafür gehasst. Als sie es gemerkt hatte, es mitbekommen hatte, was er tat, hatte sie ihn hochkant aus dem Zimmer geworfen, ihn beschimpft und auf ihn eingeschlagen, und sich hinterher in das Kinderzimmer eingeschlossen, um zu verhindern, dass er noch mehr von ihrem gemeinsamen Sohn wegbrachte. Sie war Wochen in dem Zimmer geblieben, hatte tagelang einfach nur vor dem Bettchen gesessen und es angestarrt, als könne sie ihren Sohn so irgendwie wieder zurückholen. Aber er war nicht zurückgekommen. Er war auf immer gegangen. Und schließlich war auch ihr Mann gegangen und hatte ihren letzten Lebenswillen mitgenommen. Flynn hatte nicht einmal den Mut gehabt, es ihr selbst zu sagen. Er hatte nicht den Mut gehabt, mit ihr über seine Absicht, sie zu verlassen, zu reden und war stattdessen mitten in der Nacht gegangen, ohne ein Wort des Abschieds, ohne den Versuch, sie nur ein wenig zu verstehen und ihre Trauer zu akzeptieren. Er hatte immer nur davon gesprochen, dass alles wieder gut werden würde. Dass sie weitere Kinder haben könnten. Dass ihr Sohn tragischer Weise gestorben war, sie beide aber immer noch ein Leben hätten und dieses auch leben müssten. Aber er hatte nicht verstanden, dass ihr all diese Worte in diesen schwarzen Tagen kein Trost sein konnten. Er hatte nicht verstanden, dass sie die Erinnerungen an ihren Sohn, die Bilder, die sie von ihm in sich trug, die Sachen, die von seinem kurzen Leben übrig waren, brauchte, um überhaupt weiter existieren zu können. Um den Gedanken ertragen zu können, dass sie nun keine Mutter mehr war und dadurch nie wieder dieselbe sein würde.

Nein, Flynn hatte sie nicht verstehen können und langsam wurde ihr bewusst, dass auch niemand anderer sie je verstehen würde. Niemand außer vielleicht ihre Schwester Lucille. Und diese würde sie nun bald wiedersehen.

Das dicke Seil, das sie in ihrer Hand trug, stammte von dem selbstgemachten Holzschlitten, den Flynn ihr und ihrem gemeinsamen Sohn zu Weihnachten geschenkt hatte. Schon einen Tag später hatte er dieses Seil daran befestigt und sie und ihren Sohn damit durch den Schnee gezogen, während sie alle einen Heidenspaß dabei gehabt hatten. Ihr sechs Monate alter Sohn hatte mit den Ärmchen gewedelt und gelacht, während Clara, die mit ihm auf den Schlitten gesessen hatte, ihn festgehalten hatte. Und ihr Mann, ihr geliebter Flynn, war so stolz auf sein Werk und die Freude, die er damit geschenkt hatte, gewesen, dass es ihr Herz erwärmt und ihre Liebe auf diese beiden Jungs noch mehr hatte erblühen lassen. Und in ihrer Naivität hatte sie tatsächlich gedacht, dieses Gefühl würde für immer andauern. Sie hatte gedacht, niemand könnte ihr dieses Gefühl je wieder nehmen.

Nun, sie hatte sich getäuscht und sie würde ihre Konsequenzen daraus ziehen.

Clara zog sich einen Stuhl heran und stellte ihn neben das Kinderbettchen, dessen Anblick ihr wieder die Tränen in die Augen trieb. Mit verschwommenem Blick befestigte sie das Seil an dem Balken, der quer über die Zimmerdecke verlief, verknotete es dreifach, damit es auch gut halten würde und band dessen anderes Ende zu einer Schlinge, die sie sich, ohne zu zögern, um den Hals legte. Ihre Finger berührten das glatte Holz des Bettchens, liebkosten es, als wäre es ein lebendiges Wesen, streichelten es, als wäre es ihr Sohn selbst und ein letztes Mal rief sie sich das Bild vor Augen, das sie nicht nur im Schlaf, sondern selbst in wachem Zustand verfolgte und ewig peinigen würde. Das Bild ihres toten Sohnes. Sie sah auch die traurigen Augen ihres Mannes, nur Stunden, bevor er sie verlassen hatte und sie hörte seine Worte, die er ihr nie persönlich gesagt, sondern nur in einem Brief hinterlassen hatte. Er hatte geschrieben, er hätte alles getan, um ihr ihren Schmerz zu nehmen, um ihr Trost zu spenden, doch sie hatte ihn einfach nicht gelassen, hatte seine Hilfe nicht gewollt und darum könnte er so nicht mehr weiterleben. Nein, so konnte man nicht weiterleben, da hatte er wohl Recht gehabt. Niemand konnte für immer so leben. Und sie wollte es auch gar nicht...

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