Chicas, das Böse und das Meer

 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Januar 2018
  • |
  • 283 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7427-5601-5 (ISBN)
 
Thriller, Liebesgeschichte, Roadnovel: Die junge DJane Anaïs sucht ihre plötzlich verschwundene Schwester und im Schneechaos Münchens beginnt eine atemlose Verfolgungsjagd, die Anaïs bis Tarifa bringt, ins südlichste Spanien. Wo ist Maxine? Ist sie entführt worden? Wer steckt dahinter? Und was wollen die beiden Männer von Anaïs? Anaïs weiß nur, sie sind gefährlich und sie sind skrupellos. Anaïs kann niemandem mehr trauen und sie sucht nach Antworten. Obwohl sie Angst hat und obwohl ihre abenteuerliche Reise ins Ungewisse führt - mitten hinein ins Herz des Bösen.
  • Deutsch
  • 0,94 MB
978-3-7427-5601-5 (9783742756015)
374275601X (374275601X)
Fe Mars hat mit sieben Jahren ihre erste Geschichte in die Schreibmaschine getippt und inzwischen unter verschiedensten Pseudonymen gearbeitet und veröffentlicht. Als Malerin, Kulturjournalistin und Autorin lebte sie in Rom und Johannesburg. Ausgedehnte Reisen mit längeren Aufenthalten führten sie quer durch die Welt. Jetzt ist sie mit Familie, Hund und Katzen glücklich in Tirol.

6 dreht



Mit zitternden Händen zog Anaïs die Wohnungstür hinter sich ins Schloss. Behutsam, leise, nur kein Geräusch machen. Im gleichen Moment hörte sie, wie die Haustür im Untergeschoss aufschwang. Automatisch ging das Licht an. Drei Stockwerke ohne Lift, mehr trennte sie nicht von den Männern. Nach unten zu laufen war nicht mehr möglich. Also hinauf, zum Dachboden.

Kamen sie? Wenn ja, dann bewegten sie sich sehr leise. Anaïs' eigene Schritte dagegen erschienen ihr laut und schwer, ihre Gummisohlen quietschten unvermittelt. Anaïs erstarrte. Hatten die sie gehört? Mit angehaltenem Atem horchte sie. Stille, dann unterdrückte Stimmen, Schritte. Langsam ließ Anaïs die Luft entweichen, zugleich schlüpfte sie aus den Schuhen, nahm sie in die Hand und huschte auf Strümpfen weiter, nicht ohne innerlich zu verfluchen, dass die Wohnungen der untersten zwei Stockwerke mit Anwaltskanzleien und einer Arztpraxis belegt waren und der vierte Stock von einem Fotografen, der ständig auf Reisen war. Was erst wie ein Glücksfall gewirkt hatte - ein Haus, in dem sie, wenn sie wollten, die ganze Nacht laute Musik machen oder Partys feiern konnten, ohne jemanden zu stören -, offenbarte gerade seine Schattenseiten: keine Mitbewohner, die ihr jetzt hätten helfen können. Wie war der Polizeinotruf? Egal. Wenn die Männer sie telefonieren hörten, würden sie schneller bei ihr sein als jede Polizei. Sie brauchte erst mal dringend ein Versteck.

Die Dachbodentür. Weiß lackiertes Eisen. Bitte, all ihr himmlischen Mächte, lasst die offen sein!

Waren die Männer schon bei ihrer Wohnungstür? Flüstern drang herauf, ein verhaltenes Schaben von Metall auf Metall. Versuchten sie das Schloss zu knacken oder war das ein Schlüssel, der ins Schloss rutschte? Hatten sie Maxines Schlüssel? Jetzt wieder Stille, die Männer mussten in der Wohnung sein. Vorsichtig drückte Anaïs die Klinke der Dachbodentür hinunter, die mit einem unwilligen Knacken nachgab. Die Tür schwang auf und Anaïs tauchte ein in den Geruch von Staub, Holz und abgestandener Luft.

Als sie und Maxine in die Wohnung eingezogen waren, hatten sie nur einmal kurz hier heraufgeschaut. Das Kellerabteil reichte ihnen zum Aufbewahren ihrer paar Habseligkeiten. Der Dachboden war früher einmal der Trockenboden gewesen, wo die Leute ihre Wäsche aufgehängt hatten, jetzt standen hier überflüssige Möbel, über die Zeiten vererbt: entweder zu sperrig für die Wohnungen oder ungeliebt, dabei einerseits zu wertvoll, um sie wegzuwerfen, andererseits nicht edel genug, um sie beim Antiquitätenhändler zu verhökern. Wie die Silhouetten unförmiger kleiner Riesen hockten sie zusammengekauert in dem vagen Schein der Straßenbeleuchtung, der über die runde Dachluke an der Stirnseite des Gebäudes hereinfiel.

Anaïs' Hirn arbeitete auf Hochtouren. Die beiden unten würden sehr schnell feststellen, dass Anaïs nicht in der Wohnung war. Und dann? Würden sie einfach abziehen? Zum zweiten Mal mit leeren Händen? Schwer vorstellbar. Und wenn die Kerle sie suchten, dann würden sie das voraussichtlich gründlich tun. Die hatten Maxine mitgenommen, aus was für Gründen auch immer. Das war Menschenraub, nicht irgendein kleiner Einbruch. Sie musste sich ein verdammt gutes Versteck suchen! Hektisch blickte sie sich um. In einen der Schränke kriechen? Hinter die Kommode? Der Zwischenraum wäre groß genug. Aber dorthin würden sie bestimmt als Erstes blicken. Wohin sonst?

Wie staubig es hier war. Hinterließ sie eigentlich Fußspuren? Bitte, bitte nicht, das würde die Männer genau zu ihrem Versteck führen. Sie wollte das Deckenlicht keinesfalls einschalten, aber ihr Handy hatte eine Taschenlampenfunktion. Anaïs aktivierte sie mit fliegenden Fingern.

Hier lehnte ein alter Besen, nur noch eine filzige, dünne Schicht Borsten auf dem Holzgerippe. Damit ließ sich jede Spur gut verwischen, sie musste ihn nur hinter sich herziehen, dabei ein bisschen über den Boden wedeln. Die Tür des Schrankungetüms klemmte, jedoch nur kurz. Ein alter Anzug hing darin, ein Abendkleid, ansonsten war er leer. Sollte sie da hinein? Anaïs zögerte. Wenn jemand die Tür aufmachte, würde er sie da sitzen sehen, auf dem Präsentierteller, ohne eine Chance zu entkommen. Nein! Das Gleiche galt für die anderen Schränke. Gab es denn nirgends eine Nische, ein besseres Versteck? Die Männer wussten inzwischen, dass die Wohnung leer war. Und dann? Sie würden im Keller nachsehen und auf dem Dachboden. Genauso wie sie, Anaïs, Maxine gesucht hatte. Bei dem Gedanken, dass ihre Verfolger jeden Moment in der Tür stehen konnten, gaben für einen Moment ihre Beine nach. Irgendwas musste es hier doch geben!

Da, hinter dem Regal. Eine kleine Nische zur Kaminmauer hin. Unsinn, da würde man sie auch gleich entdecken, sobald man einen einzigen Blick in diese Richtung warf. Es war hoffnungslos. Kurz lehnte sie sich an die Mauer und stützte die Stirn gegen den Kaminmantel. Die Mauer hatte noch die Heizwärme des Tages gespeichert. Das Eisengitter im gemauerten Kaminmantel war nicht nur Putzklappe, es hatte früher auch Wärme in den Trockenboden geleitet. Die Klappe . Anaïs stutzte. Sie würde hindurchpassen! Nicht ganz leicht, aber es sollte gehen. Schon hatte sie den Eisenhebel aufgestemmt. Er durfte nur nicht zufallen, während sie da drin war. Die Vorstellung, hinter dem Gitter gefangen zu sein, während die Heizung wieder ansprang, ließ sie einen Moment zaudern. Vermutlich würde es schneller zum Tod führen, wenn sie, während sie verdurstete, gleichzeitig bei lebendigem Leib geröstet wurde. Bis man sie suchen und sich jemand hier herauf verirren würde, würden nur noch ihre mumifizierten Finger durch das Gitter ragen. Unwillkürlich musste sie hysterisch kichern.

Hatte auf der Kommode nicht ein Stück Draht gelegen? Entschlossen bog sie den Hebel so weit hinunter, dass er nicht mehr in die Haltevorrichtung einrasten konnte, und schob sich mit den Füßen voraus in den engen Hohlraum. Im letzten Moment dachte sie daran, sich die Kapuze ihres Sweatshirts über den Kopf zu ziehen und ihre Haare hineinzustopfen, dann hatte der dunkle Schlund sie aufgenommen. Sie fädelte den Draht durch eine der untersten Gitteröffnungen und schloss die Klappe hinter sich, zog sich vorsichtshalber noch ihr Halstuch über die Nase. Um Gottes willen nicht niesen, das würde durch das Abzugsrohr wahrscheinlich durchs ganze Haus schallen.

Jetzt konnte sie nichts mehr tun als warten.

Die Zeit dehnte sich zäh und endlos. Der Geruch nach kaltem Rauch legte sich klebrig auf Anaïs' Haut, als wollte er nicht nur in ihre Lunge, sondern durch jede Pore in ihren gesamten Körper eindringen. Nach einer Weile begannen die Muskeln in ihren Beinen und Schultern zu schmerzen. Wie lange sollte sie versteckt bleiben, falls die beiden doch nicht kamen? Am besten, bis es hell wurde. Vielleicht waren sie ja schon weg. Hatten die Wohnung durchsucht, Anaïs nicht gefunden und daraus geschlossen, dass sie gar nicht hergekommen war.

O Gott, in was für eine Geschichte war sie da geraten? Gerade noch hatte es ausgesehen, als würden die Zeiten absolut rosig werden - eigene Wohnung, der Job im Blitz, das Abendgym -, da brachen von einer Minute auf die andere all ihre Sicherheiten in sich zusammen.

Wer waren diese Männer, die hinter ihr her waren? Und die ganz offensichtlich auch ihre Schwester entführt hatten? Immer wieder hörte sie Maxines Stimme in ihrem Kopf, das geflüsterte: Sie bringen mich nach Ta.

Tarifa? Südlichste Spitze Festlandeuropas? Die Männer waren, wie es aussah, Spanier. Wie Maxines neuer Freund Raul. Raul Rosas, falls das sein Name war. Nein, er steckte bestimmt nicht hinter der Sache, hinter Maxines Entführung. Wenn er gewollt hätte, dass Maxine mit ihm nach Tarifa fuhr, hätte er sie doch nur fragen müssen. Wer würde sich schon gegen einen Urlaub im Süden sträuben?

Womöglich waren diese Männer aber auch hinter ihm her. Und hatten jetzt seine Freundin entführt, um ihn irgendwie unter Druck zu setzen? Aber was wollten sie dann von ihr, Anaïs? Das ergab alles überhaupt keinen Sinn. Hätte sie diesen Raul nur besser gekannt. Ihn wenigstens einmal gesehen, dann hätte sie sich schon eher ein Bild machen können. Aber so? Sie wusste rein gar nichts von ihm. Maxine hatte kaum mal etwas erzählt, nur dass er es nicht mochte, wenn sie über ihn sprach. Dass er bis jetzt auch keine Lust gehabt hatte, ihre Familie kennenzulernen, war offensichtlich. Und ihre Freunde? Anscheinend hatten ihn die auch nicht interessiert. Ganz schön besitzergreifend. Wie war ihre Schwester bloß an so einen Macho geraten?

Wie spät war es inzwischen? Anaïs tastete nach ihrem Handy. Hatte sie es überhaupt auf lautlos gestellt? Nicht dass es plötzlich losbimmelte. Zwanzig vor fünf erst. Eine halbe Ewigkeit noch, bis es hell wurde!

Die Stille war so undurchdringlich, dass sie das Rauschen des Blutes in ihren Ohren vernehmen konnte, dazu einen hohen atmosphärischen Ton, der nicht einzuordnen war, der wahrscheinlich nur in ihrem Kopf existierte, ihr aber wie chinesische Folter vorkam. Durch einen einzigen Ton in den Wahnsinn getrieben. So war das also. Ob man auch durch vollständige Stille verrückt werden konnte?

In diesem Moment hörte sie ein Geräusch: ein ganz leises Quietschen von der Tür her, ein kaum vernehmbares Scharren. Waren das Schritte? Dann flammte die Deckenbirne...

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