Tödliche Ewigkeit

Thriller
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juli 2011
  • |
  • 521 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1055-6 (ISBN)
 
Bei der Analyse einer rätselhaften chemischen Substanz macht Lucie Milton eine entsetzliche Entdeckung. Eine Stunde später ist sie tot.

Inspector Mulligan, ein abgebrühter Cop, soll den mysteriösen Todesfall klären, als Lucie ihm in einer Halluzination erscheint und Hinweise auf ihre Mörder gibt. Obwohl seine Kollegen ihn für verrückt erklären, geht er der Sache nach und ahnt bald, dass Lucie einer Formel auf der Spur war, die das Geheimnis ewiger Jugend verheißt.
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,46 MB
978-3-8387-1055-6 (9783838710556)
383871055X (383871055X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
n/a

AM NÄCHSTEN MORGEN


Dieser Kerl ist seiner Dienstmarke nicht würdig!«
Ann machte sich ganz klein. Keiner der Männer im Büro von Lieutenant Woodruff schien das Schweigen brechen zu wollen. Gerade hatte Captain Murray eine äußerst heftige Tirade gegen Sergeant Mulligan vom Stapel gelassen. Er warf ihm vor, seine Befugnisse überschritten und sich in einen Fall eingemischt zu haben, der eindeutig in die Zuständigkeit der Antiterroreinheit fiel. Mulligan, dessen Gesicht keine Regung zeigte, schien sich nicht angesprochen zu fühlen. Der Lieutenant saß an seinem Schreibtisch und kaute nachdenklich an einem Stift. Schließlich ergriff er das Wort.

»Sergeant, was haben Sie dazu zu sagen?«

»Der Kerl hatte einen Cop und ein Kind getötet. Ich habe ihn festgenommen.«

»Das war nicht Ihre Aufgabe! Sie haben die Vorschriften übertreten«, brüllte Murray.

»Sollte ich ihn im Namen der Vorschriften auf die Menge schießen lassen?«

»Sobald er in dem Haus war, hat er in die Luft geschossen. Das haben die ballistischen Untersuchungen ergeben.«

»Ich habe ihn unschädlich gemacht.«

»Ihre Methoden sind die eines gefährlichen Irren. Bei der Polizei brauchen wir keine Helden! Es ist mir egal, ob Sie Ihr Leben beim russischen Roulett riskieren, aber Sie dürfen die öffentliche Sicherheit nicht gefährden! Was wäre passiert, wenn der Kerl Sie als Geisel genommen hätte?«

»Er hat es nicht getan.«

»Wenn jeder x-beliebige Ermittler solche Maßnahmen ergreifen würde, könnte ich meine Einheit ja gleich auflösen, und es gäbe bei jeder Geiselnahme Tote.«

»Wenn ich schneller war als Sie, dann deshalb, weil Sie nicht rechtzeitig gekommen sind. Und dafür gibt es einen einfachen Grund.«

»Und zwar?«

»Ihre Abteilung ist nicht effizient.«

»Dich kriege ich, du Hurensohn!«

Lieutenant Woodruff griff ein.

»Sergeant, was können Sie zu Ihrer Rechtfertigung sagen?«

»Er hat geschossen.«

»In die Luft«, bellte Murray.

»Das behaupten Sie!«

»Die ballistischen Untersuchungen .«

Zu ihrer eigenen Überraschung fiel Ann ihm ins Wort:

»Lieutenant, ich kann bezeugen, dass zumindest ein Schuss auf die Straße abgefeuert wurde. Er hat den ersten Streifenwagen getroffen, der etwa zehn Meter von uns entfernt stand. Das dürfte leicht nachzuweisen sein. Der Handlungsbedarf war für alle Anwesenden eindeutig.«

Murray warf ihr einen wütenden Blick zu und wandte sich an Mulligan.

»Ich werde ein Untersuchungsverfahren gegen Sie einleiten. Das ist nicht Ihr erster Übergriff. Ich hetze Ihnen die Interne Dienstaufsicht auf den Hals, das wird Sie Ihre Dienstmarke kosten.«

»Bei allem Respekt, Captain«, unterbrach ihn Lieutenant Woodruff mit übertrieben sanfter Stimme, »aber dieser Mann untersteht mir. Demnach liegt es in meinem Ermessen, ein solches Verfahren einzuleiten oder nicht.«

Als der Captain seinen schweren Körper emporwuchtete, waren seine Fäuste so fest geballt, dass die Knöchel weiß hervortraten.

»Ich hoffe, Sie treffen die richtige Entscheidung, Lieutenant.«

»Ich werde mein Bestes tun, um Sie zufrieden zu stellen.«

Grußlos verließ Murray das Büro.

»Und jetzt zu uns, Mulligan.«

Ann fragte sich, ob sie sich zurückziehen sollte, doch da Woodruff sie nicht dazu aufforderte, blieb sie einfach sitzen. Der Sergeant strahlte eine teilnahmslose Gelassenheit aus, die nicht einmal gespielt wirkte. Der Lieutenant schaltete einen Fernseher ein. Auf dem Bildschirm erschienen leicht blaustichige Schwarz-Weiß-Bilder, offenbar von einer Überwachungskamera aufgenommen. Ann erkannte im Treppenhaus sofort Jeffs stämmigen, sehnigen Oberkörper. War er womöglich ganz nackt? Das ließ sich aus dieser Perspektive nicht feststellen. Er näherte sich dem Irren. Der hielt die Waffe auf ihn gerichtet und schien wie erstarrt. Mulligan schob sie zur Seite und entriss sie ihm mit einer heftigen, präzisen Bewegung. Der Lieutenant hielt das Video an.

»So weit, Mulligan, ist alles in Ordnung. Sie setzen Ihr Leben und Ihre Karriere aufs Spiel, das ist Ihr Problem. Sie gewinnen, sehr gut. Dieser Idiot Murray kann Ihnen nichts anhaben, solange ich Sie schütze, und das weiß er auch. Aber bitte erklären Sie mir das .«

Er schaltete das Band wieder ein. Der Sergeant ging auf den Schützen zu. Mit erschreckender Schnelligkeit und Brutalität schlug er ihn systematisch zusammen. Dann durchsuchte er den reglos daliegenden Mann, zog eine Zigarette aus der Tasche seines Opfers und zündete sie sich in aller Seelenruhe an. Woodruff schaltete das Gerät ab.

»Sie haben auf ihn eingedroschen, nachdem Sie ihn entwaffnet hatten, und das vor einer laufenden Überwachungskamera!«

»Den zweiten Punkt bedauere ich.«

»Das ist alles andere als komisch! Ich habe für heute Nachmittag 15.00 Uhr eine Pressekonferenz bei der Polizeidirektion einberufen. Sie werden mich natürlich begleiten. Stellen Sie sich bitte vor, die Aufzeichnung gerät in die Hände eines Journalisten .«

»Ein Cop müsste sie ihm zuspielen.«

»Haben Sie etwa den Eindruck, Sie hätten viele Freunde in dieser Abteilung? Von den Ermittlern, die mit der Untersuchung des Falls beauftragt sind, haben zwei die kleine Szene gesehen. Das heißt, das ganze Revier ist auf dem Laufenden. Ihre Heldentaten zu decken wird mich noch meine Karriere kosten!«

Mit einem kleinen ironischen Lächeln hielt Jeff Mulligan dem Blick seines Vorgesetzten stand. Ann begriff sofort die Bedeutung: »Immerhin waren meine >Heldentaten<, wie Sie es nennen, nicht ganz unbeteiligt an Ihrer Karriere .« Das entging auch Woodruff nicht.

»Sparen Sie sich Ihre Arroganz! Sie tragen maßgeblich zu unseren hervorragenden Ergebnissen bei, aber da Sie pausenlos die gelbe Markierungslinie überschreiten, könnten Sie uns auch mit in den Abgrund reißen. Also raus mit der Sprache, Mulligan: Welche Notwendigkeit gab es, diesen Typen brutal zusammenzuschlagen?«

»Keine, Chef. Nur Spaß an der Freude.«

»Wenn sich diese Sache herumspricht, kann ich Sie nicht mehr schützen. Seit heute gibt es einen weiteren Cop in New York, der Ihren Kopf fordert, und das ist nicht irgendwer. Bald könnten meine Beziehungen zum Präsidium nicht mehr genug Gewicht haben. Sie sind ein Polizist auf Zeit, Mulligan.«

Der Lieutenant griff nach einer Akte und tat so, als wäre er allein in seinem Büro. Der Sergeant erhob sich und verließ den Raum. Ann folgte ihm.

Draußen drehte er sich um und legte ihr die Hand auf die Schulter.

»Danke, dass Sie mich unterstützt haben. Das war sehr mutig.«

Für den Bruchteil einer Sekunde lag in seinem Blick eine unendliche Sanftheit, die so gar nicht zu seiner sonstigen Art zu passen schien. Und lange noch fragte sich Ann, ob sie nicht geträumt hatte. Ein Schauder überlief sie, und sie suchte nach einer Antwort, brachte aber nur ein schwaches Lächeln zustande. Doch Jeff hatte sich ohnehin schon abgewandt.

Über einen schlechten Kaffee gebeugt, saß Ann in der Cafeteria des Reviers und zögerte möglichst lange den Augenblick hinaus, sich in ihr home sweet home, wie sie es nannte, zu begeben. Im Übrigen hatte sie vor, so bald wie möglich ihre Mutter einzuladen, nur um des Vergnügens willen, ihren entsetzten Aufschrei beim Anblick der Wohnung zu vernehmen . Seufzend lehnte sie den Kopf an die Wand. Mach dir doch nichts vor, sagte sie sich. Letztlich hatte sie bloß keine Lust, allein zu Hause vor dem Fernseher zu hocken und sich eine Sendung anzusehen, die sie vergessen haben würde, sobald sie im Bett lag. Wie lange hatte sie schon kein Buch mehr aufgeschlagen? Ihr neuer Beruf strapazierte ihre Nerven und raubte ihr jegliche Energie für ihr Privatleben. Sie traf sich mit niemandem mehr. Dabei hätte sie sich so gerne jemandem anvertraut. Nur wem? Sicher nicht ihren guten alten Freundinnen vom schicken Hunter College, die ihre Berufswahl nicht verstanden hatten und auf ihre Mailbox-Nachrichten nur zu antworten wussten, sie seien im Moment unglaublich beschäftigt, »aber in einigen Wochen .« Auch ihren Kollegen konnte sie nicht ihr Herz ausschütten, ihnen gegenüber durfte sie kein Zeichen von Schwäche zeigen. Doch sie würde sich auch keinen Psychiater nehmen . Seit sie bei der Polizei war, fühlte sie sich dünnhäutig. Es war aber auch so wahnsinnig viel passiert.

Innerhalb weniger Tage hatte sie eine illegale Verhaftung erlebt, eine Falschaussage vor Gericht gemacht und als Letztes (wie sie hoffte) der Verhaftung eines Verrückten beigewohnt, der zwei Menschen umgebracht hatte. Ann kannte die Statistiken, es war durchaus möglich, dass sie in ihrer ganzen Laufbahn nie mehr mit solchen Ereignissen konfrontiert werden würde. Der Cop, der ständig seine Waffe zieht? Ein Klischee aus schlechten Fernsehserien. Jährlich waren nur wenige von den vierzigtausend Polizisten, die dem NYPD angehörten, in eine Schießerei verwickelt. Doch ihr Gefühl der Unsicherheit wurde verstärkt durch die Tatsache, dass sie einem Brutalo zugeteilt worden war. Jeff Mulligan schien nichts so sehr zu lieben wie das Katz-und-Maus-Spiel. Dieser impulsive, völlig unberechenbare und eigensinnige Mann liebte ganz offensichtlich die Panik, die er auslöste . Ann wusste, dass sie selbst manchmal übergroße Angst durch einen fast exzessiven Kult der Selbstbeherrschung kompensiert hatte. Und Jeff verkörperte für sie diese Haltung, die ihr im Grunde zuwider war. Aber wenigstens bluffte er nicht nur: Bei der Festnahme des Schützen hatte er ohne Zögern sein Leben aufs Spiel gesetzt. Er hatte die Gefahr ignoriert, völlig entspannt und...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

4,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok