Wyatt Earp Classic 34 - Western

Die von der River-Ranch
 
 
Martin Kelter Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7409-6178-7 (ISBN)
 
'Vor seinem Colt hatte selbst der Teufel Respekt!' (Mark Twain) Der Lieblingssatz des berühmten US Marshals: 'Abenteuer? Ich habe sie nie gesucht. Weiß der Teufel wie es kam, dass sie immer dort waren, wohin ich ritt.' Diese Romane müssen Sie als Western-Fan einfach lesen! Es war Punkt ein Uhr, als es geschah. Wabernde Mittagshitze lastete auf der Mainstreet. Nicht der geringste Windhauch brachte Kühlung. Die Luft schien zu stehen. Der Rauch aus den Kaminen stieg lotrecht in den stahlblauen Himmel Oklahomas. Im Schatten der Vorbauten lehnten die Männer in knarrenden Schaukelstühlen und hatten die Hüte bis auf die Nasen gezogen, so daß man ihre müden Augen nicht sehen konnte. Die drei Pferde vor der Brandeisen-Bar ließen die Köpfe hängen. Die sengende Sonne setzte ihnen furchtbar zu. Drüben im Eingang des Moon-Saloons stand der Mann mit dem Stern; er schien im Stehen zu schlafen. Nur sechs Häuser weiter westlich lag die Oklahoma-Bank. Ein neues, zweigeschossiges Steingebäude, dem man es auch ohne das protzige Schild auf der Fassade ansah, daß es das meiste Geld von Ryan enthielt. Es war keine besonders schöne Stadt, dieses Ryan. Auch nicht besonders groß oder bedeutend. Eine breite Hauptstraße und ein paar Quergassen, siebzig Häuser, Scheunen, Lagerschuppen, drei Schenken, eine Poststation, ein paar Läden und eine winzige presbyterianische Kirche - das war Ryan. Was der Stadt vielleicht doch etwas gab, das sie aus ihrer völligen Bedeutungslosigkeit heraushob, war ihre Lage. Am großen Flußknie des Red River, der hier Oklahoma von Texas trennte, hatten sieben Männer vor dreizehn Jahren die Ansiedlung Ryan errichtet. Ein Umstand, der sehr viel wichtiger für die Stadt war, als die Tatsache, daß sie fast genau auf dem Schnittpunkt des 34. Breiten- und 98. Längengrades lag. Die Overland, die von Oklahoma City, Chickasha und Marlow herunterkam, fuhr hier bei Ryan über die Holzponte nach Texas, auf direktem Weg nach Wichita Falls.
  • Deutsch
  • 0,51 MB
978-3-7409-6178-7 (9783740961787)

Es war Punkt ein Uhr, als es geschah.

Wabernde Mittagshitze lastete auf der Mainstreet. Nicht der geringste Windhauch brachte Kühlung. Die Luft schien zu stehen. Der Rauch aus den Kaminen stieg lotrecht in den stahlblauen Himmel Oklahomas.

Im Schatten der Vorbauten lehnten die Männer in knarrenden Schaukelstühlen und hatten die Hüte bis auf die Nasen gezogen, so daß man ihre müden Augen nicht sehen konnte.

Die drei Pferde vor der Brandeisen-Bar ließen die Köpfe hängen. Die sengende Sonne setzte ihnen furchtbar zu.

Drüben im Eingang des Moon-Saloons stand der Mann mit dem Stern; er schien im Stehen zu schlafen.

Nur sechs Häuser weiter westlich lag die Oklahoma-Bank. Ein neues, zweigeschossiges Steingebäude, dem man es auch ohne das protzige Schild auf der Fassade ansah, daß es das meiste Geld von Ryan enthielt.

Es war keine besonders schöne Stadt, dieses Ryan. Auch nicht besonders groß oder bedeutend. Eine breite Hauptstraße und ein paar Quergassen, siebzig Häuser, Scheunen, Lagerschuppen, drei Schenken, eine Poststation, ein paar Läden und eine winzige presbyterianische Kirche - das war Ryan.

Was der Stadt vielleicht doch etwas gab, das sie aus ihrer völligen Bedeutungslosigkeit heraushob, war ihre Lage. Am großen Flußknie des Red River, der hier Oklahoma von Texas trennte, hatten sieben Männer vor dreizehn Jahren die Ansiedlung Ryan errichtet. Ein Umstand, der sehr viel wichtiger für die Stadt war, als die Tatsache, daß sie fast genau auf dem Schnittpunkt des 34. Breiten- und 98. Längengrades lag.

Die Overland, die von Oklahoma City, Chickasha und Marlow herunterkam, fuhr hier bei Ryan über die Holzponte nach Texas, auf direktem Weg nach Wichita Falls.

*

Sheriff Noel rührte sich nicht. Er lehnte immer in der Tür des Moon-Saloons, yeah, man konnte es ohne Übertreibung sagen. Sein Office lag gleich nebenan; aber es war etwas zurückgezogen von den Gehsteigen, so daß er von dort aus die Straße nicht so vorteilhaft übersehen konnte wie hier vom Saloon aus.

Überhaupt war der lange Jim Noel der Ansicht, daß der Saloon im Rücken eine gute Sache sei.

Wenn man durstig war, rief man den Keeper. Wenn es in der Kneipe Krawall gab, brauchte man sich nicht zu beeilen. Und wenn schräg gegenüber in der Brandeisen-Bar Klamauk gemacht wurde, hatte man den auch gut im Auge.

Ob Sheriff Noel wirklich all das, was er angeblich im Auge hatte, bewachte, hat niemals jemand erfahren. Jedenfalls stand er da. Und es sah nach Arbeit aus. Das war schließlich für den Hüter des Gesetzes die Hauptsache. Und wenn er noch so wachsam gewesen wäre, der Mann mit dem Stern, so hätte er doch nicht alles auf einmal erfassen können, was in eben dieser Minute geschah.

Drüben wurden die bastgeflochtenen Pendeltürn der Brandeisen-Bar aufgestoßen. Drei Männer kamen heraus. Große, kantige Weidereitergestalten. Noel kannte sie flüchtig. Es waren Leute von der River-Ranch.

Butch Long, Ed Conally und Charley Hees.

Long versetzte Conally einen Stoß, der den Cowboy an einen Vorbaupfeiler warf. Conally zerrte sofort den Colt aus dem Halfter, und schon zerriß ein fauchender Schuß die lastende Stille des Mittags.

Die Kugel schlug neben Butch Long in den Türrahmen ein.

Sheriff Noel hatte keine Augen mehr für den übrigen Teil der Straße. Er sah nicht die beiden Männer, die aus der North Avenue kamen und um die Ecke der Bank bogen.

Sie verschwanden beide im Bankgebäude.

Long starrte indessen auf den Revolver in der Faust seines Kameraden.

»Wirst du verdammter Büffel die Bleispritze wohl fallenlassen!«

Charly Hees lehnte an einem anderen Pfeiler und sah den beiden gelangweilt zu. Er kannte ihre Zankereien offensichtlich bis zum Überdruß.

Jim Noel war inzwischen auf staksigen Beinen herangekommen.

Conally hatte den Colt ins Halfter gestoßen und stürmte Long knurrend entgegen.

»Aufhören!« Noels Stimme schlug scharf an die Ohren der Cowboys.

Hees meinte näselnd und ohne jede Anteilnahme: »Der Sheriff ist da, Boys.«

Die beiden Cowboys waren neben der Schrankhaustür zusammengeprallt. Long riß sich los und drosch wild auf Conally ein.

Der keilte zurück. Der Fight war in vollem Gange.

Niemand hatte die beiden Männer beobachtet, die den Zwist der drei Weidereiter geschickt ausgenutzt hatten, um ungesehen das Bankgebäude betreten zu können.

Der erste war ein mittelgroßer Bursche mit breitem Gesicht, von dem jedoch nur die gelben Augen zu sehen waren; der übrige Teil des Gesichtes war von einem schwarzen Tuch bedeckt. Auch der zweite Mann trug eine schwarze Maske über der unteren Gesichtshälfte. Es war ein großer, hagerer, derbknochiger Mensch, der genau wie sein Gefährte zerschlissene Kleidung trug.

Ganz ruhig postierten die beiden Eindringlinge sich so neben der Tür, daß sie von außen nicht gesehen werden konnten.

Als der Mann drüben hinterm Schalter aufblickte, sah er in die Mündungen zweier Revolver.

Schreck würgte dem Kassierer Fred Harris in der Kehle. Seit die Bank stand, saß er jetzt hier am Schalter. Nie war etwas passiert. Immer wieder hatte er in den Zeitungen gelesen, daß die Banken in anderen Städten überfallen worden waren. In letzter Zeit häuften sich sogar die Überfälle in der Nachbarschaft Ryans. Hier war jedoch nie etwas passiert. Und nun war es also soweit.

Der Augenblick, vor dem der Dreiundfünfzigjährige sich so lange gefürchtet hatte, war da. Drüben neben der Tür standen zwei Männer mit gezogenen Revolvern. Harris vermochte den Blick nicht von den drohend auf ihn gerichteten Waffen zu wenden.

Düsteres Schweigen lastete im Raum.

Weshalb geschah denn nichts?

Da vernahm Harris ein nervenzersägendes Geräusch. Er selbst verursachte es. Es war sein prustendes röchelndes Atmen.

Der große Colt! schoß es dem Kassierer durch den Kopf. Er hängt oben über dem Schalterfenster!

Harris hatte ihn dort mit Absicht angebracht und geglaubt, etwas ganz Kluges damit getan zu haben. Es war gewissermaßen eine doppelte Vorsichtsmaßnahme gewesen. Wenn nämlich ein Bandit in die Bank kam und ihn aufforderte, die Hände hochzunehmen, konnte er ungesehen den geladenen und sogar schon gespannten Colt an sich nehmen.

Aber es war ganz anders gekommen.

Er hockte hinter seinem Schalterbrett - es waren zwei Banditen da - und niemand forderte ihn auf, die Hände hochzuheben und aufzustehen.

Da löste sich der kleinere der beiden Verbrecher aus der Türnische und trat so, daß er immer noch nicht von der Straße aus gesehen werden konnte, an die Schalterbank heran.

»Schieb deine Hände ganz weit

weg, Alter«, sagte er mit leiser, rauher Stimme unter dem schwarzen Tuch hervor.

Fred Harris schob die Hände weit vor; er sah, daß sie zuckten und zitterten.

Der Bandit stand nur anderthalb Yards rechts neben ihm vor der Schalterbank, die über dem Holzrahmen von Brusthöhe an schwere Gitterstäbe bis zur Decke hatte.

Drüben, links neben der Tür, stand der andere, der lange, knöchernde Bursche mit strähnigem Haar und hellen Augen. Harris sah plötzlich, daß der Mann den Revolver in der linken Faust hielt. Idiotisch, daß ihm das auffiel. Wie unwichtig war es doch, in welcher Hand der Bandit seinen Revolver hatte.

Der Bandit rechts ging rasch auf den Schalter zu. Den Colt hatte er weggesteckt. Dafür schob er die vorgestreckten Arme von Harris zur Seite, und für einen Moment waren seine flammenden gelben Augen dicht vor dem Gesicht des Kassierers.

»Keine Bewegung, Alter. Mein Freund hält dich scharf im Auge!«

Mit einem schnellen Ruck zog sich der Mann über den Tresen und stand dann hinter Harris.

»Gib genau acht, Alter. Wenn jemand in die Bank kommt, wirst du ihn so bedienen wie immer. Wenn du auch nur die geringste Miene machst, uns zu verraten, bist zu verloren.«

»Bin - ich nicht - bin ich nicht ohnehin verloren?« stieß Harris bebend hervor.

Eine hämische Lache kam von dem Banditen hinter ihm, der bereits damit beschäftigt war, die kleinen Geldsäcke aus dem halboffen stehenden Schrank in einen großen Beutel zu werfen, den er anscheinend mitgebracht hatte.

»Weshalb denn, Alter? Ist es dein Geld? Sicher nicht, sonst säßest du wohl nich hier. Wir packen nur ein. Und wenn du dich ruhig verhältst und nicht dumm benimmst, passiert dir nicht viel.«

Nicht viel! - Fred Harris dachte nur über diese beiden Worte nach.

Immer noch hörte er das leise Klicken der Geldsäckchen hinter sich.

»So«, machte der Mann hinter ihm und kam näher.

Harris hörte nur ein leises, surrendes Geräusch. Dann spürte er noch einen fürchterlichen Schlag auf den Schädel und sank lautlos in sich zusammen.

Der zweite Bandit sprang heran, jumpte über das Schalterbrett, raffte den Sack mit dem Geld an sich und blickte zu seinem Gefährten hinüber, der eben damit beschäftigt war, die Hoftür vorsichtig zu öffnen.

Eine halbe Minute später hatten die Räuber das Bankhaus verlassen.

Der ganze Spuk hatte nur kurze Zeit gedauert.

*

Auf der Maintreet hatte Jim Noel die Weidereiter inzwischen auseinandergebracht.

Conally blickte Long gallig an. »Verdammter Tex, ich breche dir eines Tages noch das Genick!«

Long lachte und zeigte seine großen gelben Zähne. »Du bist zu empfindlich, Ed! Stimmt's, Charly?«

Hees rieb sich die schwitzigen Hände auf dem Hemd über der Brust ab. Es war eine widerliche Geste; sie war typisch für den Cowboy Charly Hees.

»Yeah«, meinte er näselnd, dann nahm er seinen Tabaksbeutel aus der Tasche und...

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