Chillen in Flottillen

Raus aus dem Büro - rein ins Segelabenteuer
 
 
Delius Klasing (Verlag)
  • erschienen am 17. Januar 2019
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-667-11651-2 (ISBN)
 
Raus aus dem Businesskostüm, rein in den Bikini!

Einen Tag lang nicht das Smartphone oder den E-Mail-Account checken? Undenkbar! Zumindest für Clara, Forscherin an der Universität und ihres Zeichens eingefleischter Workaholic. Für ihre Dissertation arbeitet sie schon mal bis spät in die Nacht oder brütet am Wochenende mit Kollegen über der nächsten Präsentation. Ihr gesamtes Leben misst sie in Erfolgen, im Job ebenso wie beim akribischen Training jeder einzelnen Muskelpartie im Fitnessstudio.

Genauso akribisch plant Clara ihren Urlaub - und bucht eine Ü30-Singlereise nach Italien. Eine gewöhnliche Pauschalreise würde sie natürlich niemals wählen, schließlich ist sie ja Individualistin. Statt Hotel und Sandstrand heißt es für Clara deshalb Segelboot und Wellengang: Sieben Tage lang wird sie in einer Flottille mit drei Schiffen durch die Gewässer rund um Sardinien schippern. Denn Segler, das sind verwegene Abenteurer, die nichts brauchen außer sich und ihr Boot. Glück, Entspannung und eine salzige Brise um die Nase - genau das braucht Clara jetzt!

Eine Auszeit zwischen Selbstfindung und Abenteuerurlaub

Mit an Bord sind 21 Mitreisende aus ganz Deutschland, von denen keiner ein Boot steuern kann. Außerdem Ove, der Pfeife rauchende Skipper mit einem ganzen Repertoire voller Horrorstorys. Und Teilzeitabenteurerin Clara? Die wird von der Bürostuhlakrobatin zur "Anker-Maus" der AMETHYST.

Auf 124 Seemeilen unter Segeln erlebt sie Flauten und Beinahe-Kollisionen, erträgt die Spannungen zwischen den Mitseglern und stellt fest, dass ein Keks und ein Glas Wein trotz Schlafentzug überglücklich machen können - und dass manchmal nicht das Ankommen der größte Erfolg einer Reise ist.

Ein ebenso humorvoller wie ehrlicher Reisebericht, der zum Mit-Segeln inspiriert. Lassen Sie sich von Claras Abenteuerlust anstecken!
1. Auflage 2019
  • Deutsch
  • Bielefeld
  • |
  • Deutschland
  • 0,66 MB
978-3-667-11651-2 (9783667116512)
weitere Ausgaben werden ermittelt

 

Freitag, 26. August 2016


»Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich beantworte sie gern ab Montag, den 05. September 2016. Mit freundlichen Grüßen Clara Mare«. Die Einrichtung dieser automatischen Antwort auf meinem E-Mail-Account war die letzte Handlung im Büro, bevor ich meinen Computer herunterfuhr. Insgesamt zehn Tage würde ich ihn nicht wieder hochfahren. Was in zehn Tagen nicht alles passieren konnte! Vielleicht kam ja eine Kooperationsanfrage herein, die man unmöglich zehn Tage lang unbeantwortet lassen durfte. Oder einer unserer Auftraggeber meldete sich mit einem dringenden Anliegen. Vielleicht brauchten auch meine Kolleginnen meinen Rat oder suchten wichtige Unterlagen. Oder mein Chef.

Ich wusste schon jetzt: Es würde keine zehn Tage dauern, bis ich meinen E-Mail-Account wieder öffnen und die neu eingegangenen Nachrichten abfragen würde. Ich gab mir maximal 20 Minuten, bis ich zu Hause den Laptop aufklappen oder einen Blick auf mein iPhone werfen würde, wo mich die neuesten Nachrichten meiner verehrten Kolleginnen und Kollegen, Auftraggeberinnen und Auftraggeber, Kooperationspartnerinnen oder meines Chefs erwarteten.

Und ich würde mich dadurch auch überhaupt nicht gestört fühlen. Denn ich gehörte nicht zu jenen, die Arbeit als Last empfanden und eine Viertelstunde vor Dienstschluss den Stift fallen ließen, den Rechner herunterfuhren und mit angezogener Jacke und gepackter Tasche auf den Dienstschluss warteten. Nein, ich gehörte zu den engagierten Arbeitnehmern, zu jenen, die auch sonntags oder spät in der Nacht arbeiteten, ihre E-Mails lasen und beantworteten. Und das keinesfalls, weil der Chef es verlangte - wobei er es natürlich durchaus begrüßte -, sondern weil es mir Spaß machte.

Ich las auch gern mal nach Feierabend in meiner Fachliteratur, recherchierte oder schrieb an einem Artikel für ein Fachmagazin. Ich musste mich nicht an Präsenzzeiten halten, sondern konnte mir meine Arbeitszeit an der Universität weitgehend frei einteilen. Das hieß, dass ich manchmal eben auch an einem Samstagabend mit meinen Kollegen über die Gliederung eines Textes oder die Präsentation für die nächste Woche konferierte. Und ich fand es durchaus angenehm, wenn die Kollegen meine drängenden Fragen schon am Sonntagabend beantworteten, sodass ich am Montagmorgen gleich mit der Arbeit loslegen konnte.

Ich ging also davon aus - es gehörte ja auch irgendwie zum guten Ton -, dass ich die Absender der in den nächsten Tagen eingehenden Nachrichten nicht wirklich zehn Tage lang auf eine Antwort würde warten lassen. Sie würden sich vielmehr über mein Engagement freuen, ihr Anliegen auch in meinen Urlaub mitzunehmen. Warum auch nicht? Ich konnte die Fragen, die mich tagtäglich umtrieben, ja ohnehin nicht ganz beiseiteschieben.

Ich hatte Architektur und Stadtplanung studiert und arbeitete nun schon seit geraumer Zeit an meiner Dissertation. Als Forscherin hatte ich den Anspruch, die Welt zu verstehen, als Stadtplanerin wollte ich sie zugleich verbessern. Ich wollte Zusammenhänge aufdecken, die bislang unentdeckt geblieben waren. Wahrheitsfindung war doch immerhin der Kern von Wissenschaft. Was ich tat, sollte aber auch etwas nützen, also unmittelbar anwendungsorientiert sein. Von der Bedeutung meiner Arbeit hatte ich nicht nur meine Geldgeber überzeugen müssen, sondern immer wieder auch meinen Chef und Doktorvater sowie mich selbst. Letzteres war besonders schwer.

Ganz praktisch sah das folgendermaßen aus: In einem Vortrag erläuterte ich gesellschaftliche Entwicklungen wie den Klimawandel, demografische Veränderungen, die Pluralisierung der Lebensstile oder die Auswirkungen der Globalisierung auf die Stadtgesellschaft. Daraus ergaben sich drängende Frage für die Stadtentwicklung, zum Beispiel nach Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen, nach neuen, flexibleren Wohnformen oder Trägermodellen für Infrastruktureinrichtungen und so weiter. All dies zu realisieren, oblag in unserer modernen Gesellschaft nicht allein den öffentlichen Akteuren, vielmehr trugen Politik, Verwaltungen, Wirtschaft und Bürgerschaft allesamt zur Entwicklung der Städte bei. Doch dies war ein so komplexes Thema, dass ich mich in meinem Forschungsprojekt exemplarisch auf bestimmte Aspekte fokussieren musste. Im Rahmen eines Vortrags konnte ich wiederum nur schlaglichtartig Auszüge aus meiner Arbeit darstellen. In jedem Fall griffen meine Erläuterungen zu kurz, als dass sie meinem Forschungsgegenstand und meiner Arbeit gerecht wurden. Man müsse sich dieser und jener Frage eigentlich genauer widmen, erläuterte ich dann. Wenn ich doch nur mehr Zeit und Geld hätte!

Kurzum: Ich machte einen auf dicke Hose und entschuldigte mich danach für all meine Unzulänglichkeiten. Dementsprechend reagierten meine Zuhörer und erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Sie fragten gelangweilt, was an meinem Forschungsansatz denn nun neu sei, verwiesen auf eigene Veröffentlichungen zu einem verwandten Thema und zitierten sich selbst. Ich solle doch lieber noch einmal gründlich recherchieren, meine Forschungsfrage umformulieren, meine Methoden überdenken - oder anders gesagt: von vorn beginnen. Zugleich musste ich pragmatisch denken. Es gab einen Zeitplan einzuhalten, Netzwerke zu knüpfen, Veranstaltungen zu managen, die Publikationsrate zu erhöhen, neue Gelder zu akquirieren und so fort.

So befand ich mich in einer permanenten Zerreißprobe zwischen Selbstbeweihräucherung und Selbstzweifeln. Eine gewisse Schizophrenie war inzwischen symptomatisch für meine Arbeitswelt. Feste Arbeitszeiten gab es keine. Ich konnte ja auch unter der Dusche oder beim Dinner mit Freunden über mein Dissertationsthema nachdenken.

Durfte ich mir also wirklich eine einwöchige Urlaubspause leisten? Würde es womöglich bahnbrechende Entwicklungen geben, die ich verpasste? Nein, denn ich würde ja meine Mails regelmäßig abrufen und alles Wichtige mitbekommen. Aber vielleicht übersah ich ja eine wichtige Botschaft! Würde dann möglicherweise in den nächsten zehn Tagen die Welt untergehen?

Ich dachte über die letzten zehn Tage nach. Was hatte ich da vorzuweisen? Zwei oder drei Seiten meiner Dissertation hatte ich geschrieben und zehn in den Papierkorb verschoben. Der Papierkorb - der digitale wie der unter dem Schreibtisch - war der beste Freund eines jeden Forschers. Die letzten zehn Tage waren versandet, und ich konnte schon jetzt nicht mehr genau sagen, was ich eigentlich den ganzen Vormittag gemacht hatte. Aber es war ganz sicher alles extrem wichtig gewesen!

Nach der für den Kopf und die Schultermuskulatur gleichermaßen anstrengenden Arbeit als Bürostuhlakrobatin führte mich mein Weg am Abend häufig ins Fitnessstudio. Hier konnte ich meinen verspannten Körper richtig auspowern. Mein Trainingsplan sah den systematischen Aufbau aller Muskeln vor. Auf einer Chipkarte waren alle Geräteeinstellungen und meine Fortschritte akribisch gespeichert, sodass ich die Erfolge meiner abendlichen Übungen kontrollieren konnte. Ich brauchte genau 17 Minuten für die erste Runde, dann folgten 1,5 Minuten Pause und noch einmal 17 Minuten für die zweite Runde. Um das Herz-Kreislauf-System richtig auf Touren zu bringen, folgte danach vielleicht noch eine Runde Zumba oder Jumping auf dem Trampolin. Natürlich ließ ich mich auf dem Trampolin nicht einfach nur vergnüglich in die Luft befördern. Nein, hier ging es um Fitness. Da hieß es: leicht in die Knie gehen, Gewicht auf die Fersen verlagern, Bauchmuskeln anspannen und alles geben. »Eine Pause gibt es nicht, wenn man eine will, sondern allenfalls, wenn man eine braucht!«, brüllte der Trainer gern.

Von Zeit zu Zeit verordnete ich mir als Ausgleich die totale Entspannung in der Sauna oder einen Ausflug mit Freunden. Das musste doch helfen, die Akkus für die nächste Arbeitswoche wieder aufzuladen. Leider reichte es nicht immer. Gerade erst hatte ich eine hartnäckige Erkältung hinter mir, die mich einige Tage aus der Bahn geworfen hatte. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gab es zwei Umgangsformen mit Krankheiten, die beide den Körper schwächten: Die einen schluckten Aspirin Complex und spülten es zur Not mit einem Glas Chardonnay herunter, die anderen schluckten alle paar Stunden eine Handvoll homöopathischer Globuli. Ins Bett legte sich niemand. Je nach Schwere der Erkältung und nach Dringlichkeit meiner Genesung wählte ich die eine oder die andere Variante - oder beide gleichzeitig. Nur in absoluten Ausnahmesituationen ging ich zum Arzt und ließ mich krankschreiben. So weit war es in der Woche vor meinem Urlaub gekommen, in der mich ein Virus erwischt hatte. Glücklicherweise triefte meine Nase inzwischen nicht mehr, und das Fieber war weg. Geblieben war mir ein Husten, der noch tief in den Bronchien festsaß und meine Stimme hatte verstummen lassen. Erst am Tag zuvor hatte ich versucht, mit meiner Mutter zu telefonieren, die mir immer wieder sagte, sie verstehe mich nicht, woraufhin ich ins Telefon flüsterte, dass ich nicht lauter reden könne, woraufhin sie erwiderte, sie verstehe mich nicht und so fort. Nach ein paar Minuten legte ich wortlos auf und schrieb ihr via WhatsApp, dass ich heiser sei.

Nun stand mir eine Woche Urlaub bevor, in der ich mich sowohl von der Erkältung als auch vom...

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