Im Bann des Prinzen

 
 
HarperCollins Germany (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. Juli 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-201-4 (ISBN)
 
"Unglaublich! Du hast dir wirklich einen der Prinzen geangelt!" Betroffen lässt Shannon das Handy sinken. Tony . Ihr wunderbarer Tony ist der verschollene Antonio Medina, der Prinz von San Rinaldo? Bis vor kurzem hat sie noch hoffnungsvoll in die Zukunft geblickt und von einem glücklichen Leben mit Tony geträumt. Und jetzt soll sie sich von Paparazzi jagen und von Palastetiketten einengen lassen? Niemals, schwört sich Shannon. Sie wünscht sich ein normales Leben . Allerdings ist es gar nicht so leicht, zu einem sexy und höchst hartnäckigem Royal immer wieder Nein zu sagen .
  • Deutsch
  • Hamburg
  • 0,47 MB
978-3-86349-201-4 (9783863492014)
3863492013 (3863492013)

1. KAPITEL

Galveston Bay, Texas

"Der König besiegt die Dame." Zufrieden verkündete Antonio Medina seinen Sieg und sammelte die Chips ein, nachdem er mit einer einfachen hohen Karte beim Poker gewonnen hatte.

Ohne den Anruf auf seinem iPhone zu beachten, stapelte er seinen Gewinn. Er hatte nicht allzu oft Zeit für eine Partie Poker, seit seine Reederei weltweit agierte. Aber seit Kurzen kam er häufiger ins Hinterzimmer des Restaurants, das sein Freund Vernon betrieb. Genau genommen, seit Shannon hier arbeitete. Instinktiv schweifte sein Blick zu den schmalen Fenstern rechts und links neben der Tür, die in das Restaurant führte.

Von Shannon war jedoch leider nichts zu sehen. Trotz seines Gewinns war Antonio enttäuscht.

Wieder klingelte ein Handy, und Sekunden später schon das nächste. Doch auch die anderen Mitspieler, zwei von Vernon Wolfes alten Freunden, drückten die Anrufe weg. Vernon und seine Pokerfreunde waren alle ungefähr vierzig Jahre älter als Antonio. Aber der alte Shrimpskutter-Kapitän, der jetzt dieses Restaurant betrieb, hatte Antonio, als dieser noch ein Teenager gewesen war, sozusagen gerettet. Daher war Antonio zur Stelle, wenn Vernon ihn zum Poker rief. Und die Tatsache, dass Shannon hier arbeitete, verlieh dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz.

Vernon lehnte sich in seinem Ledersessel zurück, ohne auf das Handy an seinem Gürtel zu achten, das mit einem alten Seemannslied einen Anruf anzeigte. "Ganz schön mutig, mit nur einem König so hoch zu pokern, Tony", meinte er. "Ich dachte, Glenn hat mit seiner Dame und dem Buben einen Royal Flush."

"Das Bluffen habe ich bei Profis gelernt." Antonio - oder Tony Castillo, wie er hier genannt wurde - lächelte.

Ein Lächeln war entwaffnender als ein Stirnrunzeln. Antonio lächelte immer, damit niemand erriet, was er dachte. Allerdings hatte ihm nicht einmal sein bestes Lächeln etwas genützt, um Shannon nach ihrem Streit am letzten Wochenende dazu zu bringen, ihm zu verzeihen.

"Dein Freund Glenn kann nicht so gut bluffen", meinte er und stapelte seine Chips.

Glenn - süchtig nach Koffein - kippte seinen Kaffee schneller hinunter, wenn er bluffte. Zum Glück hatte das außer Tony noch niemand mitbekommen. Er nahm Tonys Seitenhieb sportlich und zuckte nur mit den Schultern.

Vernon drehte den Herzkönig um und schob die ausgespielten Karten zusammen, bis sein Handy Ruhe gab. "Wenn du weiter so oft gewinnst, darf ich dich bald nicht mehr zum Mitspielen einladen."

Tony lachte mit den anderen, wusste aber genau, dass er sich nicht von hier vertreiben lassen würde. Dies hier war jetzt seine Welt. Er hatte sich ein Leben aufgebaut und wollte nichts mehr mit dem Namen Medina zu tun haben. Inzwischen war er Tony Castillo geworden. Sein Vater hatte das respektiert. Bis vor Kurzem.

Seit sechs Monaten hatte der entmachtete König, sein Dad, ihn immer wieder aufgefordert, auf die abgeschiedene Insel vor der Küste Floridas zu kommen. Tony hatte noch am Tag, als er endlich achtzehn geworden war, den goldenen Käfig verlassen und nie zurückgeschaut. Wenn sein Vater Enrique so krank war, wie er vorgab, dann würden sie ihre Probleme im Himmel lösen müssen . oder - eher wahrscheinlich - irgendwo, wo es noch heißer war als in Texas.

Er mochte den ausgedehnten Sommer in Galveston Bay. Die Klimaanlage surrte noch immer auf Hochtouren in dem Restaurant, das im historischen Viertel direkt am Hafen lag.

Die gedämpfte Musik eines Flamenco-Gitarristen drang zu ihnen herein, zusammen mit der typischen Geräuschkulisse eines gut besuchten Restaurants. Die Geschäfte liefen gut für Vernon. Dafür sorgte Tony. Vernon hatte Antonio einen Job gegeben, als niemand sonst dem Achtzehnjährigen mit dem lückenhaften Lebenslauf hatte trauen wollen. Vierzehn Jahre und viele Millionen Dollar später fand Tony es nur fair, dass ein Teil des Gewinns aus seiner Reederei in eine Altersversorgung für den Shrimpskutter-Kapitän flossen.

Vernon reichte Glenn den Kartenstapel, damit der abheben konnte, und verteilte die Karten neu.

Tony griff nach seinen Karten . und hielt inne, als er etwas von draußen hörte. Ein leises Lachen, das trotz des Klapperns des Geschirrs zu hören war. Ihr Lachen. Endlich. Ihm versetzte es einen Stich, nachdem er eine Woche lang ohne sie hatte auskommen müssen.

Wieder ging sein Blick zu den Fenstern neben der Tür. Shannon tauchte auf, als sie eine Bestellung in den Computer eingab. Dabei kniff sie die Augen hinter ihrer Brille zusammen. Die Brillenfassung im Retrostil ließ sie wie eine strenge, aber sehr aufregende Schulleiterin aussehen, was seine Libido immer wieder aufs Neue in Aufregung versetzte.

In dem gedämpften Licht schimmerte ihr hellblondes, locker hochgestecktes Haar. Die Frisur gehörte sozusagen zu ihrer Arbeitskleidung genau wie der knielange Rock und die eng sitzende Smokingweste. Wie immer sah sie unglaublich sexy aus - und erschöpft.

Verdammt, er würde ihr, ohne zu zögern, helfen. Genau das hatte er am letzten Wochenende vorgeschlagen, nachdem sie sich auf seinem Anwesen am Bay Shore geliebt hatten. Shannons Reaktion auf sein Angebot war so heftig gewesen, dass sie seitdem weder mit ihm gesprochen noch auf seine Anrufe reagiert hatte.

Diese Frau war nicht nur sexy, sondern auch stur. Es war doch nicht so, dass er sie wie eine Geliebte aushalten wollte, verflixt noch mal. Er hatte einfach nur versucht, ihr und ihrem dreijährigen Sohn zu helfen. Schließlich sagte sie immer, sie würde alles für Kolby tun.

Und als er das erwähnt hatte, hatten ihre Blicke ihm verraten, dass sie ihm sein Angebot am liebsten sonst wohin geschoben hätte. Die meisten Frauen, die er kannte, hätten begeistert zugegriffen, hätten sie Geld oder teure Geschenke offeriert bekommen. Shannon nicht. Ihr schien sein Reichtum eher unangenehm zu sein. Zwei Monate hatte es gedauert, bis sie endlich seine Einladung angenommen und mit ihm einen Kaffee trinken gegangen war. Weitere zwei Monate waren vergangen, bevor er sie in sein Bett hatte locken können. Und auch nach fast vier Wochen unglaublich gutem Sex war er weit davon entfernt, sie zu verstehen.

Okay, er hatte sich hier an der Galveston Bay ein Vermögen erarbeitet. Dabei war es reines Glück gewesen, das ihn anfangs hierher verschlagen hatte. Er war einfach nur auf der Suche nach einem Küstenstädtchen gewesen, das ihn an seine Heimat erinnerte.

Und zwar seine wahre Heimat in der Nähe der spanischen Küste. Nicht die Inselfestung, die sein Vater unweit der Küste von Florida errichtet hatte. Die, die Tony an seinem achtzehnten Geburtstag verlassen hatte, um fortan seine Zukunft nicht länger als Antonio Medina, sondern als Tony Castillo selbst in die Hand zu nehmen. Den neuen Nachnamen hatte er sich von einem der vielen Zweige seines königlichen Stammbaumes entliehen. Damals hatte er sich geschworen, niemals zurückzukehren, und daran hatte er sich gehalten.

Er mochte sich nicht einmal vorstellen, wie geschockt Shannon wäre, wenn sie vom gut gehüteten Geheimnis seiner königlichen Herkunft wüsste. Nicht dass er die Absicht hatte, dieses Geheimnis preiszugeben.

Vernon klopfte auf die hölzerne abgenutzte Tischplatte. "Hey, Tony, dein Telefon klingelt schon wieder. Nimm ab, wir warten solange."

Tony drückte erneut einen Anruf weg, ohne auch nur auf das Display geschaut zu haben. "Es geht bestimmt um den Salinas-Deal. Die können ruhig noch eine Stunde schmoren. Dann einigen wir uns auf den niedrigsten Preis."

Er steckte das iPhone in die Tasche zurück und fing an, sich nach der Ruhe zu sehnen, die Shannon ihm am Ende eines hektischen Tages vermittelte. Vernons Telefon klingelte schon wieder - du meine Güte, was war denn heute los? -, diesmal erklang jedoch eine andere Melodie.

Der ergraute Kapitän warf seine Karten auf den Tisch. "Das ist meine Frau. Da muss ich rangehen." Er sprang auf und marschierte in die hinterste Ecke des Raums, um ungestört reden zu können. "Ja, Liebling?"

Da Vernon erst vor sieben Monaten seiner Liebsten das Jawort gegeben hatte, verhielt er sich wie ein zwanzigjähriger, frisch verheirateter Mann. Tony verscheuchte aufkommende Gedanken an die Ehe seiner Eltern, was ihm nicht allzu schwerfiel, da es wenig gab, woran er sich erinnerte. Seine Mutter war gestorben, als er fünf gewesen war.

Vernon schnappte nach Luft, und Tony schaute auf. Sein alter Mentor war auf einmal kreidebleich geworden. Was, zum Teufel, war da los?

"Tony, ich glaube, du solltest lieber mal deine verpassten Anrufe checken."

"Ist irgendwas nicht in Ordnung?", fragte er und griff nach seinem iPhone.

"Das wirst du uns sagen müssen", antwortete Vernon. "Genau genommen kannst du die Nachrichten auch überspringen und gleich direkt ins Internet gehen."

"Wohin?" Er tippte sich durch das Menü.

"Egal." Vernon setzte sich schwerfällig auf seinen Stuhl. "Die Schlagzeile ist überall. Du kannst sie gar nicht übersehen."

Tonys iPhone stellte eine Verbindung mit dem Internet her, und die Schlagzeilen leuchteten auf .

Verschollene königliche Familie entdeckt!

Das Medina-Königshaus entlarvt!

Völlig...

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