Alexander - Der Herrscher der Welt

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98411-9 (ISBN)
 

Der dritte Band der spannenden und weltweit begeistert aufgenommenen Roman-Biographie über Alexander den Großen von Valerio M. Manfredi!

Alexanders Siegeszug nach Asien setzt sich fort: Er bezwingt den Perserkönig Dareios und erobert eine persische Stadt nach der anderen - Babylon, Susa und schließlich das wohlhabende Persepolis. Er vermählt sich mit der märchenhaft anmutigen Prinzessin Roxane und dringt bis nach Indien vor. Doch auf dem Höhepunkt seiner Macht, als sein Reich am gewaltigsten ist, befällt ihn plötzlich eine rätselhafte und heimtückische Krankheit. Der Erfolgsautor Valerio Massimo Manfredi zeigt Alexander in all seinen Facetten - als Freund, Ehemann und Geliebten, als Staatsmann, Feldherrn und Visionär - und setzt ihm ein beeindruckendes Denkmal.

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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 4,64 MB
978-3-492-98411-9 (9783492984119)
Valerio M. Manfredi, geboren 1943 bei Modena, lehrt klassische Archäologie an der Universität von Mailand und hat zahlreiche Ausgrabungen im Mittelmeerraum geleitet. Inspiriert durch seine wissenschaftliche Arbeit, begann er vor fast 20 Jahren, Romane zu schreiben. Seitdem hat er zahlreiche Bestseller verfasst, die auf Deutsch alle im Piper Verlag erschienen sind. Zuletzt erschienen von ihm »Der Tyrann von Syrakus« und »Das Reich der Drachen«. 2007 kam die aufwendige Hollywood-Verfilmung seines Romans »Die letzte Legion« ins Kino.

1


Im Spätfrühling nahm der König die Wüstendurchquerung wieder auf. Der Weg führte von der Oase Siwa direkt ans Nilufer, nahe der Stadt Memphis. Stundenlang ritt Alexander auf seinem sarmatischen Fuchs alleine dem langen Heereszug voraus und ließ Bukephalos ohne Sattelzeug und Zügel neben sich hertraben; er wollte ihn schonen, denn mittlerweile war ihm klargeworden, daß sie noch einen unendlich weiten Weg vor sich hatten.

Obwohl erst nach drei Wochen härtestem Marsch unter der sengenden Sonne ein schmaler Streifen Grün zum erstenmal die fruchtbaren Nilufer verkündete, schien der König weder Müdigkeit noch Hunger oder Durst zu verspüren, während er in Gedanken und Erinnerungen versunken dahinritt.

Die Gefährten störten ihn nicht, sie hatten begriffen, daß er in den grenzenlosen Weiten der Wüste allein sein wollte mit den Regungen seiner Seele, dem Gefühl der Unendlichkeit, seinem Drang nach Unsterblichkeit. Nur abends war er ansprechbar, und manchmal kam einer seiner Freunde in sein Zelt und leistete ihm Gesellschaft, während Leptine ihn badete.

Eines Tages überraschte Ptolemaios ihn mit einer Frage, die im Grunde längst fällig gewesen war: »Was hat dir Zeus Ammon eigentlich durch das Orakel gesagt?«

»Er hat mich seinen >Sohn< genannt«, erwiderte Alexander.

Ptolemaios hob einen Schwamm, der Leptine aus den Händen geglitten war, vom Boden auf und reichte ihn der jungen Frau. »Und du? Was hast du ihn gefragt?«

»Ob noch einer der Mörder meines Vaters am Leben ist oder alle tot sind.«

Ptolemaios erwiderte nichts. Er wartete, daß der König aus der Wanne stieg, legte ihm ein Tuch aus frischem Linnen über die Schultern und begann ihn abzureiben. Erst als er sich nach ihm umdrehte, sah Ptolemaios ihm in die Augen und fragte: »Dann liebst du deinen Vater Philipp also immer noch - ich meine, wo du doch jetzt ein Gott bist .«

Alexander seufzte. »Solche Fragen stellen mir gewöhnlich nur Kallisthenes oder Kleitos. Gib mir dein Schwert.« Ptolemaios sah ihn verblüfft an, zog jedoch widerspruchslos das Schwert aus der Scheide und reichte es ihm. Alexander ritzte sich mit der Spitze in den Unterarm, so daß er ein wenig zu bluten begann, und streckte ihn dann Ptolemaios hin. »Was ist das deiner Meinung nach?« fragte er.

»Blut, natürlich.«

»Eben - Blut, kein >Ichor<, wie er in den Adern der seligen Götter fließen soll«, fuhr der König, Homer zitierend, fort. »Versuch also, mich zu verstehen, mein Freund. Ich habe Kummer genug .«

Ptolemaios schlug die Augen nieder und entschuldigte sich mehrmals für seine ungelegene Frage, während Leptine die Wunde an Alexanders Arm mit Wein auswusch und verband.

Wie Alexander den Freund so zerknirscht sah, lud er ihn zum Abendessen ein, wenngleich er nicht viel anzubieten hatte: trockenes Brot, Datteln und säuerlich schmeckenden Palmwein, sonst nichts.

»Wie geht es jetzt weiter? Was machen wir als nächstes?« wollte Ptolemaios wissen.

»Wir kehren nach Tyros zurück.«

»Und dann?«

»Keine Ahnung . Vermutlich erhalten wir in Tyros Nachricht von Antipatros über die Lage in Griechenland. Außerdem werden unsere Informanten bis dahin berichten können, was Dareios vorhat, und davon hängt alles weitere ab.«

»Eumenes hat dich über den Tod deines Schwagers Alexander von Epeiros unterrichtet, nicht?«

»Ja. Meine Schwester Kleopatra wird am Boden zerstört sein - und meine Mutter auch; sie haben ihn sehr geliebt.«

»Genau wie du .«

Der König nickte traurig.

»Was hat euch beide eigentlich so eng miteinander verbunden - außer der Tatsache, daß er dein Onkel und Schwager war?«

»Ein großer Traum«, erwiderte Alexander. »Jetzt liegt es allein an mir, ihn zu verwirklichen. Aber eines Tages ist es soweit, Ptolemaios. Dann setzen wir nach Italien über und vernichten die Barbaren, die Alexander von Epeiros getötet haben.«

Er schenkte dem Gefährten ein wenig Palmwein ein.

»Hättest du Lust, ein paar Gedichte anzuhören?« fragte er ihn dann. »Ich habe Thessalos eingeladen .«

»Mit großem Vergnügen. Was trägt er uns vor?«

»Gedichte übers Meer von verschiedenen Dichtern. Ich habe sie ausgesucht, weil mich die grenzenlose Wüste täglich daran erinnert . und weil die Hitze es mich herbeisehnen läßt.«

Nachdem Leptine die beiden kleinen Eßtische entfernt hatte, betrat der Schauspieler das Zelt. Er war verkleidet und geschminkt; die Augen hatte er sich mit schwarzem Bister umrandet und die Lippen mit zinnoberrotem Minium nachgezogen, um den bitteren Zug der tragischen Masken zu imitieren. Zunächst schlug er ein paar leise Akkorde auf seiner Kithara an, dann begann er zu rezitieren:

 

»Winde, Winde des Meeres,

Die seefahrende, schnelle Barken

Hin über die Meereswoge tragen,

Wohin führet ihr mich, die Arme?«

 

In der tiefen Stille der Nacht lauschte Alexander verzückt der Stimme, die alle menschlichen Gefühle und Leidenschaften zum Klingen bringen, das Rauschen des Windes und das Dröhnen des Donners nachahmen konnte, das Wimmern einer weinenden Frau und den Schlachtruf der Helden. Bis in die frühen Morgenstunden hörten der König und sein Freund dem grandiosen Schauspieler wortlos zu, und als er schließlich fertig war, stand Alexander auf und umarmte ihn: »Danke«, sagte er mit glänzenden Augen. »Du hast die Träume heraufbeschworen, die mich heute nacht begleiten werden. Doch jetzt geh schlafen; morgen steht uns ein langer Marsch bevor.«

Ptolemaios blieb noch auf einen letzten Becher Wein. »Denkst du je an Pella?« fragte er ihn plötzlich. »An deine Mutter, deinen Vater, an unsere Kindheit, als wir durch die makedonischen Wälder gestreift sind? An unsere herrlichen Flüsse und Seen?«

Alexander überlegte einen Augenblick. »Ja, oft«, sagte er dann. »Aber all das scheint mir ewig zurückzuliegen. Unser Leben ist so abwechslungsreich und intensiv, daß mir jede Stunde wie ein Jahr vorkommt.«

»Das heißt, daß wir vor der Zeit altern .«

»Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die Lampe im Saal, die am hellsten scheint, erlischt als erste; aber alle Gäste werden ihr schönes, freundliches Licht in Erinnerung behalten.«

Alexander schlug die Zeltplane zurück und begleitete Ptolemaios hinaus. Der Himmel über der Wüste war sternenübersät, und die beiden jungen Männer betrachteten ihn staunend.

»Und vielleicht ist das auch den Sternen beschieden, die dort oben am hellsten strahlen. Ich wünsche dir eine angenehme Nacht, mein Freund.«

»Ich dir auch, Alexander«, erwiderte Ptolemaios und schlenderte in sein Zelt am Rand des Lagers zurück.

 

Fünf Tage später erreichten sie das Nilufer bei Memphis, wo Parmenion und Nearchos sie bereits erwarteten, und noch in derselben Nacht sah Alexander auch Barsine wieder. Sie war in einem prächtigen Pharaonenpalast untergebracht; ihre Gemächer befanden sich in den oberen Stockwerken, den Etesien ausgesetzt, die abends eine angenehme Kühle brachten und die zarten Gardinen aus hellblauem Byssus wie Schmetterlingsflügel bewegten.

Sie erwartete ihn mit einem leichten, ionischen Morgenmantel angetan und auf einem Stuhl sitzend, dessen Armlehnen mit Emailmalereien und Ornamenten in Gold verziert waren. Das schwarze Haar mit dem veilchenfarbenen Schimmer fiel ihr offen auf Schultern und Brust, ihr Gesicht war nach ägyptischer Art geschminkt, wenn auch sehr dezent.

Zum Fenster drang warmes Mondlicht herein, das sich mit dem honigfarbenen Schimmer von Alabasterlampen zu einer ganz zauberhaften Atmosphäre verwob. Betörender Lavendel- und Aloenduft schwängerten die Luft, in großen Wasserbecken aus Onyx schwammen Rosenblätter und Lotusblüten, und durch eine Stellwand, die mit kunstvollen Mustern in Form von Efeuranken und fliegenden Vögeln durchbrochen war, flutete leise Flöten- und Harfenmusik. Die Wände waren mit alten ägyptischen Fresken geschmückt - Tanzszenen, auf denen nackte Mädchen zum Klang von Lauten und Tamburen vor dem auf seinem Thron sitzenden Königspaar umherwirbelten. In einer Ecke schließlich stand ein großes Bett, dessen himmelblauer Baldachin von goldenen Säulen mit Kapitellen in Form von Lotusblüten getragen wurde.

Alexander trat ein und warf Barsine einen langen, glühenden Blick zu. Er hatte noch das blendende Licht der Wüste in den Augen, die geheimnisvollen Laute des Ammon-Orakels in den Ohren, und sein ganzer Körper strahlte eine magische Aura aus. Das golden schimmernde Lockenhaar fiel ihm weich auf die Schultern, die muskulöse Brust war mit Narben übersät, seine Augen hatten die übliche schillernde Farbe, und aus den Rücken seiner schmalen, sehnigen Hände traten dicke, blaue Venen hervor. Er trug nichts als eine leichte Chlamys, die auf der linken Schulter mit einer antiken Silberfibel - einem uralten Erbstück des makedonischen Königshauses - gerafft war. Ein goldenes Band schmückte seine Stirn.

Barsine stand auf und fühlte sich sofort verloren im Licht seiner Augen. »Aléxandre«, murmelte sie, während er sie in die Arme schloß, ihre Lippen küßte, die weich und feucht waren wie reife Datteln, und sie aufs Bett legte, um ihre duftenden, warmen Brüste zu liebkosen.

Doch plötzlich spürte er, wie ihre Haut unter seinen Händen gefror und ihre Glieder steif wurden. Ein bedrohlicher Hauch wehte ihn an und weckte seinen schlafenden Kriegerinstinkt. Blitzartig drehte er sich um und schnellte hoch - gerade rechtzeitig, um den Körper abzufangen, der mit einem wilden, schrillen Schrei auf ihn zugeflogen kam.

Alexander sah eine Hand, in der ein Messer blitzte, und hörte Barsines...

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