Entführt in den Orient

Verschleppt und Ausgeliefert 2
 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. März 2019
  • |
  • 215 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7438-8620-9 (ISBN)
 
Ex-Special-Forces-Soldat Mike hat Luisa aus den Fängen des brutalen Sadisten Royce befreit. Doch die traumatischen Erlebnisse haben ihre Spuren hinterlassen und es fällt ihr schwer, in ihr früheres Leben zurückzukehren. Auch auf ihren langjährigen Freund kann sie sich nicht mehr richtig einlassen, zumal sie sich in Mike verliebt hat. Der kämpft allerdings mit seinen eigenen Dämonen und sehnt sich danach, alles hinter sich zu lassen und mit seiner Vergangenheit gänzlich abzuschließen. Doch dann wird Luisa entführt und Mike muss alles versuchen, um sie vor einem grausamen Schicksal zu bewahren ... Der packende Nachfolgeband von 'Entführt in die Highlands' kann auch unabhängig vom ersten Teil gelesen werden.
  • Deutsch
  • 0,86 MB
978-3-7438-8620-9 (9783743886209)

Teil 1


Mike stieg vor Luisa aus der Maschine und eskortierte sie quer über den Militärflugplatz nahe München, zusammen mit zwei streng dreinblickenden Polizisten. Ein abgetrennter Bereich ganz in der Nähe war voller Menschen. Es dauerte einen Moment, bis Luisa in der Menge ihre Eltern erkannte, und fühlte eine riesige Erleichterung. Sofort stürmte sie los und fiel ihrer Mutter in die Arme. Sie lachte und weinte gleichzeitig, als sie ihren Vater umarmte. Doch dann stand plötzlich Jonas vor ihr, mit einem Blumenstrauß in der Hand.

Er drückte sie fest an sich. "Ich habe dich so vermisst . All die Zeit kein Lebenszeichen . Aber ich wusste, dass du keine Terroristin bist", flüsterte er und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar.

Sie stand da wie erstarrt und ließ seine Umarmung reglos über sich ergehen. Sie hatte nicht im Traum damit gerechnet, ihn hier zu sehen. Schließlich hatte sie ihm vor einigen Monaten einen Abschiedsbrief geschrieben und seitdem kaum noch an ihn gedacht . Sie blickte über seine Schulter hin zu Mike, der seelenruhig am Rand des Trubels stand und völlig unbeteiligt wirkte, als ginge ihn das alles nichts an, und dachte bei sich: O du verdammter Mist!

Endlich ließ Jonas sie wieder los. Nun stand ihr Bruder Martin neben ihr und schlug ihr auf die Schulter. Freundinnen drängten sich vor, um mit ihr zu sprechen, und stellten ihr tausend Fragen. Warum war sie einfach so verschwunden? Was hatte es damit auf sich, dass sie als Terroristin gesucht worden war? Sie hatten sich ja alle so viele Sorgen gemacht!

Alle redeten gleichzeitig auf sie ein, Menschen, mit denen sie nie viel zu tun gehabt hatte, benahmen sich so, als wären sie ihre besten Freunde. Das Ganze wurde ihr langsam zu viel.

Plötzlich war Mike neben ihr. "Please. She needs rest", forderte er.

Als die Meute Luisa daraufhin etwas mehr Luft ließ, atmete sie erleichtert auf.

Jonas fasste Luisa besitzergreifend am Arm und bugsierte sie nach draußen. Dabei warf er Mike, der hinter ihnen herstapfte, immer wieder misstrauische Blicke zu.

"Folgt der uns etwa?", fragte er.

"Mike passt auf mich auf", erklärte Luisa schwach und überließ Jonas wie betäubt die Führung. Sie hatte ihn völlig abgeschrieben, sich auf ihre Eltern gefreut und war davon ausgegangen, ihn nicht anzutreffen. Doch er schien nichts von ihren Briefen zu wissen . Was sollte sie denn jetzt nur tun?

Auf dem Parkplatz hielt Luisa unwillkürlich nach ihrem schon etwas älteren schwarzen Golf Ausschau. Doch Jonas zückte seinen Autoschlüssel bei einem roten BMW X5, trat an die Beifahrerseite und öffnete für sie die Tür.

Sie setzte sich nach vorne, Mike nahm auf dem Rücksitz Platz.

"Schickes Auto", murmelte sie.

"Ja, nicht wahr?", antwortete Jonas und wenig später lauschte Luisa einem Monolog über die Vorzüge und Extras ihres neuen Wagens. Luisa nahm zerstreut Begriffe wie Sitzheizung, Komfortschlüssel und Spurassistent wahr, ohne wirklich zu verstehen. Sonst ist es gar nicht seine Art, pausenlos zu plappern, überlegte sie. Doch es sollte ihr nur recht sein - so musste sie keine unangenehmen Fragen beantworten.

Zum Beispiel die, was Mike hier machte. Wobei sie das selbst kaum beantworten konnte. Im Flugzeug hatte sie sich noch gefreut, dass er mitgekommen war. Ihr Herz hatte einen Sprung gemacht und ihr deutlich zu verstehen gegeben, was sie für ihn empfand. Doch er blieb so kalt und so unnahbar wie eh und je .

Es entging ihr nicht, wie Jonas immer wieder nervös in den Rückspiegel blickte, als ob er Mike im Auge haben wollte, doch er redete dabei weiter wie ein Wasserfall. Luisa hörte kaum zu und starrte stattdessen lieber aus dem Fenster auf den grauen Himmel über München. Regen prasselte an die Scheiben, die Bäume hatten mittlerweile fast alle Blätter verloren. Im November zeigte sich die Stadt gerne von ihrer ungemütlichsten Seite.

"Wo fahren wir hin?", fragte sie.

"Zu deinen Eltern. Sie wollen dir zu Ehren ein kleines Kaffeekränzchen veranstalten. Es ist dir doch recht?"

"Ja", murmelte Luisa. Alles war besser, als mit Jonas allein zu sein.

"Ich habe mir solche Sorgen gemacht. Immer wieder kam die Polizei und alle möglichen komischen Typen, Journalisten, Geheimdienstleute, was weiß ich. Sie haben Fragen zu deinem Islamwissenschaftsstudium und zu deiner Zeit in Syrien gestellt. Aber das war natürlich alles lächerlich. Nicht wahr? Und dann die Medien - deine Mutter hat alle Zeitungsausschnitte gesammelt und sämtliche Online-News ausgedruckt, in denen du erwähnt worden bist. Ständig kam etwas im Fernsehen über dich. Als sie die Nachricht gebracht haben, dass du gefunden wurdest . Du kannst dir nicht vorstellen, wie erleichtert wir alle waren. Doch niemand konnte oder wollte uns sagen, wo sie dich hingebracht haben! Ich weiß nicht, wie oft wir mit der Botschaft telefoniert haben. Dein Vater wollte sofort nach England fahren, doch die Botschaft hat dringend davon abgeraten. Und als sie dann gestern anriefen, dass du heute nach Hause kommst, ist uns so ein großer Stein vom Herzen gefallen!"

"Hm", murmelte Luisa.

Jonas sah immer wieder zu ihr hin, während er mit Tempo hundertfünfzig auf der Überholspur fuhr. Luisa hasste es in Filmen, wenn sich die Protagonisten beim Fahren tief in die Augen sahen, statt auf den Verkehr zu achten. Sie wartete dann stets darauf, dass der Held einen Unfall baute. An diesem Tag stellte sie fest, dass ein solches Verhalten in der Realität Herzrasen und Angstschweißausbrüche hervorrufen konnte.

"Wo hast du nur gesteckt?", fragte Jonas, während er sie intensiv anstarrte.

"Darf ich nicht sagen", murmelte Luisa und starrte wie hypnotisiert auf die Rücklichter des Wagens vor ihnen. Der Abstand zu ihnen verringerte sich beständig.

"Warum nicht?", brauste Jonas auf. "Ich habe doch wohl ein Recht darauf ."

"Vorsicht!", rief Luisa erschrocken aus, als Jonas das Auto vor ihnen weiterhin konsequent ignorierte und drohte, aufzufahren. Im letzten Moment legte er eine Vollbremsung hin.

"Hast du denn nicht meine Briefe bekommen?", fragte Luisa, nachdem sie sich von dieser Nahtoderfahrung wieder etwas erholt hatte.

"Welche Briefe?", fragte Jonas. "Wir haben überhaupt kein Lebenszeichen bekommen."

"Aber sie wollten euch doch informieren. Harvey hat doch ."

"Niemand hat uns irgendetwas gesagt. Wer ist Harvey?"

"Nichts. Natürlich", murmelte Luisa. Sie drehte sich zu Mike um, der mit ausdruckslosem Blick aus dem Fenster starrte.

"Als ob du eine Terroristin sein könntest. Dazu bist du doch viel zu verwöhnt", fügte Jonas hinzu. "Wenn ich an unsere Ausflüge in die Alpen denke . Dabei bist du doch regelmäßig beinahe gestorben."

"Hm", murmelte sie. Was würde er wohl denken, wenn er von den Trainingseinheiten erfuhr, die sie mit Mike absolviert hatte? Die ersten Tage in den schottischen Highlands hatten sie physisch wie psychisch an ihre Grenzen gebracht. Zu gut erinnerte sie sich daran, wie Mike sie mit kaltem Wasser geweckt und bei Wind und Wetter hinaus in die Kälte gejagt hatte, zu Geländemärschen, zu Joggingtouren und zu den vielen anderen Quälereien . Mit der Zeit war es besser geworden, sie hatte mehr Ausdauer und Kondition gewonnen - und Mike war nett gewesen, ganz im Gegensatz zu später . Als eines Morgens Harvey an Mikes Stelle in der Küche gesessen hatte, begann eine neue Art Training, die dem mit Mike in nichts nachstand. Doch selbst daran hatte sie sich gewöhnen können .

Sie war unendlich erleichtert, als sie endlich im Haus ihrer Eltern ankamen. Wobei das Kaffeekränzchen durchaus genug Potenzial hatte, um in ihren Albträumen wieder aufzutauchen. Alle möglichen Leute redeten auf sie ein, stellten Fragen, wollten Antworten.

Ihre Mutter weinte immer wieder und wich ihr kaum von der Seite. "O Gott, o Gott, was ist nur geschehen", murmelte sie ständig vor sich hin.

Auf der anderen Seite saß Jonas, der pausenlos auf sie einredete. Luisa hörte nicht zu. Der Nachmittag lief komplett an ihr vorbei. "Dazu darf ich leider nichts sagen", entwickelte sich zu einem Mantra, das sie ständig wiederholte - auch auf die Frage, ob sie noch Kaffee wollte oder ein Stück Kuchen.

Während ihre Mutter schluchzte und Jonas redete, folgte Luisas Blick Mike, der sich im Hintergrund hielt und von allen Anwesenden völlig ignoriert wurde. Bis er schließlich Martin am Arm packte und eindringlich auf ihn einredete. Wenig später bahnte sich Martin einen Weg durch Verwandte und Freunde.

"Der Typ hat gesagt, dass du verletzt bist", sagte er und blickte Luisa forschend an. "Stimmt das?"

"Ein bisschen", murmelte Luisa.

"Was? Verletzt? Wo denn?", rief Luisas Vater erschrocken.

Luisas Mutter schluchzte laut auf. "Aber Kind, hättest du doch was gesagt. Du musst dich hinlegen. Ruh dich aus. Ich kann dir gleich dein Bett frisch...

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