Die Perlenschnur oder: Sweeney Todd, der teuflische Barbier aus der Fleet Street

Mit zahlreichen zeitgenössischen Illustrationen
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. April 2020
  • |
  • 344 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-5020-2 (ISBN)
 
Ein viktorianischer Klassiker - erfolgreich verfilmt mit Johnny Depp in der Hauptrolle.
In seinem Londoner Geschäft in der Fleet Street empfängt der Barbier Sweeney Todd bevorzugt reiche Kunden. Als einer seiner Besucher, der eine wertvolle Perlenschnur mit sich führt, spurlos verschwindet, beginnen einige Leute zu argwöhnen, ob nicht vielleicht Todd damit zu tun haben könnte. Unabhängig voneinander beginnen Freunde des zuletzt Verschwundenen, die junge Johanna, für welche die Perlen bestimmt waren, und Tobias, der Lehrling Sweeney Todds, Nachforschungen anzustellen. Dennoch ist dem Barbier lange nichts nachzuweisen - er scheint entweder unschuldig, oder aber teuflisch raffiniert zu sein. Und kann es möglich sein, daß auch Mrs. Lovett, die Inhaberin des beliebten Pastetenladens in der Nähe, in die Sache verstrickt ist? Allmählich beginnt sich die Schlinge um den Hals des Barbiers enger zu ziehen, und die Suchenden kommen der Lösung des Geheimnisses näher ...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 6,73 MB
978-3-7504-5020-2 (9783750450202)
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1. Kapitel.


Sweeney Todds seltsamer Kunde.


EHE die Fleet Street ihre heutige Bedeutung erlangt hatte, und als George III. noch jung, und die beiden Gestalten, die früher in der alten St. Dunstan-Kirche die Glockenspiele schlugen, prächtig anzusehen waren - was ein großes Hindernis für die Laufburschen auf ihren Besorgungen, und eine Sache der Schaulust für die Leute vom Land war - stand in der Nähe des Sakralbaus ein kleiner Barbierladen, der von einem Mann namens Sweeney Todd geführt wurde.

Wie es dazu kam, daß er den Namen Sweeney trug, können wir uns nicht erklären, aber dies war sein Name, wie es in äußerst dicken gelben Buchstaben über seinem Schaufenster von jedem, der sich entschied, dort danach zu suchen, zu sehen war.

Die Barbiere in der Fleet Street waren zu dieser Zeit noch nicht in Mode gekommen und träumten ebensowenig davon, sich Künstler zu nennen, als den Tower im Sturm zu erobern; außerdem schlachteten sie nicht wie jetzt ständig fette Bären1, und doch hatten die Leute irgendwie Haare auf den Köpfen, genauso wie jetzt, ganz ohne die Hilfe dieses üblen Hilfsmittels. Darüber hinaus hielt Sweeney Todd, ebenso wie seine Kollegen in jenen wirklich primitiven Zeiten, es überhaupt nicht für notwendig, irgendwelche dem Menschen nachempfundenen Wachsfiguren in seinem Fenster auszu stellen. Es gab keine schmachtende junge Dame, die ihr Haar über die linke Schulter warf, damit sich eine Fülle von kastanienbraunen Locken auf ihrem lilienweißen Hals ausbreitete, und große Eroberer und große Staatsmänner wurden damals, anders als heute, nicht mit rot geschminkten Wangen, einem Quentchen Schießpulver, um einen Bart vorzutäuschen, und ein paar aufgeklebten Borsten anstelle von Augenbrauen öffentlich der Lächerlichkeit preisgegeben.

Nein. Sweeney Todd war ein Barbier der alten Schule, und er dachte nie daran, sich wegen irgendwelcher unerheblicher Umstände zu verherrlichen. Wenn er im Palast Heinrichs VIII. gelebt hätte, wäre ihm dies ebenso recht gewesen, als hätte er im Hundezwinger Heinrichs des Achten gelebt, und er hätte kaum glauben mögen, daß die menschliche Natur so unerfahren sein sollte, daß irgend jemand dafür, an einem bestimmten Ort rasiert und geschoren zu werden, einen Extra-Pence bezahlen würde.

Ein langer, weiß gestrichener Pfahl, um den sich spiralförmig ein roter Streifen wand, ragte von seiner Ladenschwelle auf die Straße, und auf einer der Glasscheiben in seinem Fenster befand sich folgender Reim:

Immer nur hereinspaziert,
Für einen Penny werden Sie hier rasiert.

Wir stellen diese Zeilen nicht als ein Beispiel für die Poesie der Zeit auf; sie könnten der Hand eines jeden jungen Templers2 entstammen; aber wenn es ihnen auch etwas an poetischem Feuer mangelte, so machte doch die klare und genaue Art und Weise, in der sie darlegten, was sie aussagen wollten, es reichlich wett.

Der Barbier selbst war ein hochgewachsener, langgliedriger, schlecht zusammengesetzter Kerl mit einem riesigen Mund und so großen Händen und Füßen, daß er auf seine Weise eine ziemliche Kuriosität war; und, was noch wunderbarer war, wenn man sein Handwerk berücksichtigt: der prächtige Haarschopf Sweeney Todds suchte Seinesgleichen. Wir wissen nicht, womit wir ihn vergleichen sollen: Wahrscheinlich kam er dem Aussehen einer dichten Hecke am nächsten, in welcher sich eine gewisse Menge Draht verfangen hatte. Tatsächlich war es ein grandioser Haarschopf; und da Sweeney Todd alle seine Kämme darin aufbewahrte - einige sagten dies auch über seine Scheren -, hätte er, wenn er seinen Kopf aus der Ladentür steckte, um zu sehen, wie das Wetter war, mit seinem bemerkenswerten Haarschmuck für einen indianischen Krieger gehalten werden können.

Er hatte ein kurzes, freudloses, unangenehmes Lachen, das er stets zu Unzeiten ausstieß, wenn sonst niemand etwas zum Lachen sah, und das die Leute zuweilen zusammenfahren ließ, insbesondere wenn sie gerade rasiert wurden und Sweeney Todd kurz in dieser Handlung innehielt, um einem dieser Anflüge unpassenden lauten Lachens zu frönen. Es war offensichtlich, daß ihn gelegentlich die Erinnerung an einen sehr merkwürdigen und abwegigen Witz durchfahren mußte, worauf er sein hyänenähnliches Lachen von sich gab, aber es war so kurz, so plötzlich, daß es nur für einen Moment auf das Ohr traf und im nächsten verhallt war, so daß es sich begab, daß Leute zur Decke und auf den Boden und um sich herum blickten, um herauszufinden, woher es gekommen war, und es kaum für möglich hielten, daß es von den Lippen eines Menschen kam.

Außerdem schielte Mr. Todd ein wenig; und so denken wir, daß der Leser zu diesem Zeitpunkt vor seinem geistigen Auge das Individuum sehen kann, das wir ihm präsentieren möchten. Einige hielten ihn für einen ganz und gar harmlosen Kerl, der etwas unterbemittelt war, und manchmal hielten sie ihn fast für ein wenig verrückt; aber es gab wieder andere, die ihre Köpfe schüttelten, wenn sie von ihm sprachen; und obwohl sie nichts zu seinem Nachteil sagen konnten, außer daß sie ihn gewiß für merkwürdig hielten, worauf sie begannen, darüber zu sinnieren, was für ein großes Verbrechen und Vergehen es wirklich in dieser Welt ist, merkwürdig zu sein, werden wir uns über den schlechten Ruf, in dem Sweeney Todd stand, nicht wundern.

Trotz alledem war er ein äußerst erfolgreicher Geschäftsmann und wurde von seinen Nachbarn als ein sehr wohlhabender und, in der Phraseologie der Stadt, durchaus "herzhafter" Mann angesehen.

Es war ungemein praktisch für die jungen Studenten in Temple, bei Sweeney Todd vorbeizuschauen, um sich die Kinne rasieren zu lassen: So machte er von morgens bis abends ein gutes Geschäft und war offensichtlich ein erfolgreicher Mann.

Es gab nur eine Sache, die in irgendeiner Weise gegen die große Klugheit von Sweeney Todds Charakter zu sprechen schien, und diese war, daß er der Mieter eines großen Hauses war, von dem er nichts als das Geschäft und das Hinterzimmer besetzte und dessen oberen Teil er völlig ungenutzt ließ, und sich zudem hartnäckig weigerte, es zu irgendwelchen Bedingungen zu vermieten.

Dies war der Stand der Dinge im Jahre 1785 n. Chr., was Sweeney Todd anbelangte.

Der Tag neigt sich dem Ende zu, und es fällt ein leichter Nieselregen, so daß nicht viele Passanten auf den Straßen sind, und Sweeney Todd sitzt in seinem Laden und schaut einem Jungen scharf ins Gesicht, der in einer Haltung zitternder Unterwerfung vor ihm steht.

"Du erinnerst dich sicher", sagte Sweeney Todd, und er verzog sein Gesicht zu einer schrecklichen Grimasse, als er sprach. "Du erinnerst dich sicher, Tobias Ragg, daß du jetzt mein Lehrling bist, daß du von mir Unterkunft, Verpflegung und die Besorgung der Wäsche erhältst mit der Ausnahme, daß du hier nicht schläfst, daß du deine Mahlzeiten zu Hause einnimmst und daß deine Mutter, Mrs. Ragg, deine Wäsche wäscht, was sie sehr gut tun kann, da sie eine Wäscherin in Temple ist und Geld zuhauf damit verdient: Was die Unterkunft anbelangt, so logierst du hier den ganzen Tag sehr bequem im Geschäft. Hast du Hund nicht ein wahnsinniges Glück?"

"Ja, Sir", sagte der Junge schüchtern.

"Du wirst einen erstklassigen Beruf erlernen, der ebensogut ist wie die Jurisprudenz, zu der deine Mutter, wie sie mir erzählte, dich gezwungen hätte, wenn nicht eine kleine Schwäche in deinem Oberstübchen dich disqualifiziert hätte. Und jetzt, Tobias, hör mir zu und merke dir jedes Wort, das ich sage."

"Ja, Sir."

"Ich schlitze dir die Kehle von Ohr zu Ohr auf, wenn du ein Wort von dem sagst, was in diesem Laden passiert, oder es wagst, eine Vermutung anzustellen oder aus irgend etwas Schlüsse zu ziehen, was du sehen oder hören wirst oder zu sehen oder zu hören glaubst. Jetzt verstehst du mich - ich schlitze dir die Kehle von Ohr zu Ohr auf - ist das klar?"

"Ja, Sir, ich werde nichts sagen. Ich denke, Sir, ich sollte bei Lovett im Bell Yard zu Kalbspastete verarbeitet werden, wenn ich nur ein Wort sagen würde."

Sweeney Todd erhob sich von seinem Platz und sah den Jungen, indem er seinen riesigen Mund öffnete, für ein oder zwei Minuten schweigend an, als erwöge er, ihn vollständig verschlucken, hätte sich aber noch nicht ganz entschieden, wo er anfangen sollte.

"Sehr schön", sagte er schließlich, "ich bin zufrieden, ich bin recht zufrieden; und vergiß nicht - du hast dich außer im Laden nirgends aufzuhalten."

"Ja, Sir."

"Und wenn dir ein Kunde einen Penny gibt, kannst du ihn behalten, damit du ein reicher Mann wirst, wenn du genug davon bekommst; allerdings werde ich sie für dich verwahren, und wenn ich denke, daß du sie willst, werde ich sie dir geben. Lauf hinaus und sieh bei der St.-Dunstan-Kirche nach,...

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