Benzinkönig

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 15. Juni 2011 | 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06229-3 (ISBN)
 
Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten: Das wahre Gesicht des Tschetschenien-Kriegs

Der russische Major Schilin hat sich in den Tschetschenienkriegen eingerichtet: Er ist der »Benzinkönig «, der Profiteur, der einen einträglichen Handel mit dem Benzin, das er eigentlich bewachen soll, installiert. Gegen Geld beliefert er jeden - auch den Feind. Aber er ist auch ein Garant von Zivilisation, von Verlässlichkeit, von Ordnung inmitten kriegerischer Anarchie. Am Leben und Sterben von Schilin entwirft der Altmeister der russischen Literatur ein gewaltiges Epos über die Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten.

Irgendwann während des zweiten Tschetschenienkrieges: Der »faule« Krieg hat die Moral der russischen Offiziere und Soldaten so zerstört, dass sie sich alle abgesetzt haben. Zurück bleibt Major Schilin, der allein die Benzinlager beaufsichtigen muss. Er überlebt durch einen heroischen Trick und beginnt, sein »business« zu entwickeln: Jedes zehnte Fass Benzin verkauft er von nun an die tschetschenischen Rebellen und steckt das Geld in die eigene Tasche. Er wird zum geachteten »Benzinkönig «, denn durch den Handel errichtet er eine ordnende Instanz mitten im Chaos des Krieges. Schilin weiß: »Es gibt keine Regeln in diesem Krieg, außer einem Gesetz der Gesetze: Schuldest du Geld? Dann gib es her.« Und doch wird am Ende auch Schilin zum Opfer sinnloser Gewalt. Nur die Schönheit der Berge übersteht den kriegerischen Konflikt, den am Ende längst keiner mehr genau versteht.



Wladimir Makanin wurde 1937 in Orsk geboren. Er war Mathematiker und Filmemacher, bevor er 1965 literarisch debütierte. Makanin gilt heute als 'Klassiker' unter den russischen Schriftstellern. 1993 erhielt er den Booker-Preis, 1998 den Puschkin-Preis für das Gesamtwerk, 1999 den russischen Staatspreis und 2001 den italienischen Penne-Preis. Bei Luchterhand erschien 2003 sein monumentaler Roman 'Underground', 2005 die Erzählungen 'Der kaukasische Gefangene' und 2008 der Roman 'Der Schreck des Satyr beim Anblick der Nymphe'. 2012 wurde Wladimir Makanin mit dem Europäischen Preis für Literatur ausgezeichnet.
Annelore Nitschke
Deutsch
0,88 MB
978-3-641-06229-3 (9783641062293)
3641062292 (3641062292)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"FÜNFZEHNTES KAPITEL (S. 285-286)

Natürlich wurden die alten Männer zu mir geschickt, wegen des getöteten Berg-Achmet. Und sie jammerten. Sa-aschik! Sa-aschik! Er ist doch einer von uns! Wir wollen ihn der Erde übergeben. Wozu Eis aus ihm machen, Sa-aschik? Sie waren bereit, den gefrorenen Leichnam freizukaufen. Doch Berg-Achmet war nicht leicht zu finden. Im TV hatten ihn unsere Leute nicht zur Schau gestellt. Das bedeutete wahrscheinlich, dass die Kugeln des verrückten Alik Jewski Achmets Gesicht unkenntlich gemacht und einfach weggeblasen hatten.

Kugeln können das. Aber Geschäft ist Geschäft. Ich rief das Kühlhaus an. Berg-Achmet, alias Achmet Udygow, wurde in der offiziellen Liste der berühmten Feldkommandeure zu meinem Glück nicht geführt. Trotzdem versicherte mir der Beamte des Kühlhauses, dass er ein großes Risiko einginge, wenn er die Leiche herausgäbe. Vielleicht entstünde ein Kult und es käme zu Schießereien und Opferdarbietungen am Grab dieses Achmet. Mit Wehgeschrei und Flüchen. Unmut des Volkes.

Ein kleiner Aufstand nur, aber immerhin! Der Beamte starrte mich frech an. Ich versicherte natürlich, Achmet sei nicht gar so schlecht gewesen, manchmal habe er sogar Mitleid gehabt. Großmut gezeigt. (Nach einem Gefecht.) Und überhaupt sei Achmet keine große Figur gewesen, obwohl ihn die örtlichen Tschetschenen manchmal Oberst genannt hätten. Ja, ja, sie haben ihn für einen Oberst gehalten! Um kleine Kolonnen abzufackeln, war er vielleicht auch Oberst. Für diese drei oder vier Berge und zwei Täler war er zweifellos Oberst. (Interner Dienstgrad.) Schon am nächsten Tag, nachdem er sich über mich erkundigt hatte, ergab sich dieser Beamte und rief mich an – sie, die Kühlhausbeamten dringend Heizöl, jeden Brennstoff zur Beheizung. Sie seien unangenehm berührt, ja, beleidigt, dass Major Schilin nicht selbst auf die Idee gekommen sei. »Ich hab verstanden.

Und was macht unser Freund Achmet?« »Geben wir heraus«, wurde mir knapp mitgeteilt. »Aber finden musst du ihn selbst.« Ich werde ihn finden. Manche Merkmale kenne ich schon. Mit einer Schnittwunde an der linken Schulter liegt Berg-Achmet irgendwo im ewigen Eis. Langweilt sich. Verständlich, dass die Kühlhausleute seine Schnittwunde einfach nicht erkennen, nicht sehen können. (Sie sehen ganz allgemein nichts. Nur den Zahltag.) Also los, such ihn selbst. Dreh diese Erstarrten selbst von einer Seite auf die andere, Major. Diese Eiskalten. Die alten Tschetschenen hatten zigmal gewarnt.

»Redlich, Alexander Sergejitsch. Nur ja redlich.« »Wann habe ich jemals unredlich gehandelt?« »Es geht nur ganz, ganz redlich. Der Sohn wird Achmet in Empfang nehmen. Der merkt sofort, wenn er’s nicht ist.« Ich stellte mir vor, wie ich dort vor Kälte erstarren würde, während ich in die richtigen toten Augen schaute. Selbstverständlich nichts Ungefähres! Der Sohn würde den Leichnam übernehmen. Der Sohn würde auch ohne die Schnittwunde erkennen, ob es sein Vater wäre oder nicht.

Er würde neben mir stehen und ihn aufmerksam betrachten. Der Sohn müsse vorher jedoch gründlich abgesucht werden. Dürfe keine Pistole bei sich haben. Für alle Fälle. Selbst in die Stiefel müsse man hineinschauen. Er war einfach Achmet, als er beschloss, einen Russen zu töten, und wenn er Glück hätte, zwei Russen. Danach würde er sofort in die Berge verschwinden. Er kannte ein fernes Dorf. Und niemand würde sagen, er sei ein Feigling. Er würde sich in den Bergen verstecken und selbst das Gerücht verbreiten, dass er getötet worden sei. Er wäre einfach nirgendwo. Den Pass würde er wegwerfen. Was, zum Teufel, brauchte er in den Bergen einen Pass."
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