Virus-Cop: Der Tote an der Nidda

Krimi
 
 
mainbook Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Januar 2019
  • |
  • 198 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-947612-26-0 (ISBN)
 
Olafs Sohn arbeitet bei der Frankfurter Kripo und wird gemobbt. Olaf möchte ihn mit einer brillanten Idee unterstützen. Als ITler in Rente hat er die Zeit und das Know-how, einen Virus auf dessen Diensthandy zu installieren, der ihm geheime Polizeiinformationen zuspielt. Der Virus-Cop ist geboren. In seinem ersten Fall geht es um einen Mord an der Nidda. Olaf erkennt die Chance, seinem Sohn den Täter liefern zu können. Er beginnt, gemeinsam mit seinem alten Kumpel Gottfried, im Dunstkreis der Frankfurter Universität zu ermitteln. Als es Olaf gelingt, den Laptop des Toten zu hacken, bricht das Chaos los. Er kommt auf die Spur des Verbrechens, doch dann gerät der Virus außer Kontrolle ...

Robert Maier, 1961 in Frankfurt am Main geboren, schreibt seit 2010 Belletristik und Kurzgeschichten. Dabei fühlt er sich im Krimi-Genre genauso wohl wie etwa in Science-Fiction und sozialkritischen Glossen. Sein Hintergrund als Diplom-Physiker macht sich in seinen Texten ebenso bemerkbar wie seine Leidenschaft für Krimis, Astronomie und Reisen. 2016 wurde sein erster Roman 'Pankfurt' veröffentlicht. Robert Maier ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er arbeitet bei einer großen deutschen Fluggesellschaft im IT-Bereich.
  • Deutsch
  • 4,57 MB
978-3-947612-26-0 (9783947612260)
weitere Ausgaben werden ermittelt

7


Die Schlange an der Sicherheitskontrolle war nicht lang. Gottfried würde danach Zeit für ein Gläschen in der Lounge haben. Er grinste, als er an Olaf dachte. So ein verrückter Hund. Olaf war der einzige Vater auf Erden, der seinem Sohn einen Virus aufs Handy spielte - und das als ehemaliger IT-Security-Experte eines internationalen Konzerns! Er sollte in der Lage sein, sämtliche Gesetze zu zitieren, gegen die er damit verstieß, auch wenn es das Handy seines Sohnes war. Oder gerade deshalb. Gottfried würde niemals einen solchen Vertrauensbruch begehen.

Er fädelte den Gürtel aus den Schlaufen. Gleich war er bei der Sicherheitskontrolle an der Reihe.

Was Olaf tat, war schlimm genug. Die Tatsache, dass es das Handy eines Polizisten war, das er ausspionierte, machte die Angelegenheit besonders delikat. Welche Konsequenzen hätte er zu erwarten, wenn er damit aufflog?

Die Ankunft am Band der Sicherheitskontrolle beendete Gottfrieds Betrachtungen. Was nun folgte, war das strenge Ritual, mit dem die Luftfahrt sicherer gemacht werden sollte: der Security-Check. Gottfried legte alles, was nach Metall aussah, in eine Plastikwanne auf das Band. Dann ging es weiter mit der Zeremonie: das Handgepäck aufs Band heben und den Reißverschluss öffnen, um den Laptop herauszuholen. Meist war er damit fertig, bevor der Security-Mitarbeiter »Haben Sie einen Laptop dabei?« sagen konnte. Er hatte den Reißverschluss noch nicht offen, als ein »Do you have a laptop?« zu vernehmen war. Der sächsische Tonfall war unüberhörbar. Angelsächsisch sozusagen.

Kürzlich war es Journalisten gelungen, Waffen durch die Checks zu schleusen, was für einige Aufregung in der Presse gesorgt hatte. Damit war nachgewiesen, dass Schlaue so etwas vollbringen konnten. Die Sicherheitskontrolle erwischte also nur dumme Terroristen.

Gottfried legte den verschließbaren Plastikbeutel mit seiner Zahncreme und dem Rasierwasser aufs Band. Als Nächstes musste er sich dem Körperscanner zur Inspektion präsentieren, die Arme demütig gen Himmel recken, bis die Plexiglastür sich öffnen würde, um ihn in die diesseitige Welt zu entlassen. Heute strengte es ihn besonders an, die Arme oben zu halten. Einer der Sicherheitsleute gab ihm Anweisungen, sich nicht ständig zu bewegen, zuerst auf Deutsch, dann auf holprigem Englisch. Die Arme zitterten und fühlten sich tonnenschwer an. Schließlich öffnete sich die Tür, und Gottfried wurde zu einem der Sicherheitsmitarbeiter zitiert, der ihn mit ungnädiger Miene einer weiteren Kontrolle unterzog. Abtasten von vorne, Abtasten von hinten, Schuhe ausziehen, warten, bis die Schuhe durch den Scanner gelaufen waren.

Es war nicht schönzureden: Der Krebs hatte es geschafft, sich in Gottfrieds Alltag einzuschleichen. Immer öfter fühlte er sich schlapp und geschwächt. Viele Tätigkeiten, denen er bislang kaum Aufmerksamkeit geschenkt hatte, musste er langsamer angehen als noch wenige Wochen zuvor. Die Chemotherapie sollte es nun richten. Nächste Woche würde er damit beginnen. Wenn es mit der Therapie nicht gelänge, den Krebs aus seinem Körper zu vertreiben, müsste er es akzeptieren. Martina und den beiden Jungs würde es an nichts fehlen: Er hatte mit Aktienpaketen und einer Lebensversicherung vorgesorgt.

Schließlich bekam er seine Schuhe zurück. Offenbar hatte man in ihnen keine auffälligen Substanzen gefunden. Zeit für die nächste und hoffentlich letzte Phase der Sicherheitskontrolle. Er stellte sich ans Ende des Bandes, um auf seine Sachen zu warten, die im Scanner auf Sprengstoff, Drogen und unerlaubt große Flaschen Mundwasser untersucht wurden.

Er erschrak, als die Security-Leute alarmiert herumfuhren. Mehrere uniformierte Männer fixierten gebannt die Plastikwanne, die aus dem Scanner herausrollte.

»He's crazy like a fool.« Sein Handy.

»My my Daddy Cool!« Die Anspannung löste sich in Gelächter auf, als allen klar wurde, woher die unerwarteten Laute kamen. Der Refrain des Hits aus den 70ern wurde einige Male wiederholt, bis ein grinsender Security-Mitarbeiter Gottfried die Wanne aushändigte. Als er das Telefon in der Hand hielt, war es allerdings bereits verstummt.

Der Anrufer war Phil Bromley. In Texas, wo Gottfrieds Freund wohnte, war es aber Nacht und durchaus keine Uhrzeit, zu der er einen Anruf von ihm erwartet hätte. Als er in der Lounge ankam, wählte Gottfried Phils Nummer.

»I thought you were in Austin.« Er erfuhr, dass Phil sich gerade in Paris befand. Sein amerikanischer Freund wollte ihn an das heutige Abendessen mit der Geschäftsführung erinnern. Sie würden in ein Restaurant in Little Italy gehen. Ferner hätten die Juristen Bedenken wegen gewisser Formulierungen. Sie müssten also einige Runden mehr drehen als vorgesehen, um den Vertrag in einen unterschriftsreifen Zustand zu bekommen. Die Tour ins Napa Valley würden sie deshalb aber nicht verschieben.

Als er das Telefonat beendete, blickte Gottfried auf einen der Monitore mit den Fluginformationen: Das Boarding für seinen Flieger begann. Er beschloss, sich noch zehn weitere Minuten in der Lounge zu gönnen. Zeit genug, um ein klein wenig Detektiv zu spielen. Zwar begeisterte es ihn keineswegs, wie Olaf an die Informationen zu dem Fall kam, andererseits war es reizvoll, an der Überführung eines Mörders mitzuwirken.

Olaf meldete sich nach dem ersten Tuten.

»Der Virus hat neue Informationen geschickt: Die Polizei verhört noch immer Leute aus dem Inkassomilieu.«

»Ich kann nur staunen, wie einfältig die Polizei ist.« Gottfried trank von seiner Cola.

»Vielleicht ist an der Inkassotheorie doch etwas dran.«

»Du hast selbst gesagt, der Student wurde aus dem Hinterhalt niedergeschlagen. Ein Inkassomensch ginge niemals auf diese Weise vor.«

»Es wäre möglich, dass der Polizei Informationen vorliegen, die uns fehlen und in Richtung Kredithai weisen.«

»Was sollte das sein? Vielleicht lag neben der Leiche die Visitenkarte des Mörders? Eine solche Karte kann schnell verloren gehen, wenn man jemandem auf den Kopf schlägt.«

Gottfried hörte Olaf durch das Telefon leise lachen. »Wir haben keinen Polizeibericht über den Tatort. Vielleicht gibt es eine maßgebliche Information, die uns fehlt.«

»Wieso hat dir dein brillanter Virus dieses Dokument nicht geschickt?«

»Er kann nichts anderes übertragen, als das, was auf Tobias' Handy ist. Vermutlich hat Tobias sich den Bericht nicht vom Server geladen.«

Gottfried dachte einen Moment über das Gesagte nach. »Es ist seltsam, dass er die Tatortfotos auf sein Handy kopiert hat. Was soll er mit solchen Bildern auf einem Telefon anfangen?«

»Keine Ahnung. Du nimmst dir doch auch manchmal Arbeit mit nach Hause.«

»Du bist der Meinung, er wollte sich die Tatortfotos in aller Ruhe zu Gemüte führen? Vielleicht, um auf ihnen etwas Bahnbrechendes zu finden?«

»So könnte ich mir das erklären.« Olaf klang nicht wirklich überzeugt. »Tobias hat einige Probleme in der Arbeit. Er wird von den Kollegen nicht akzeptiert. Vielleicht will er vor ihnen mit einer überraschenden Entdeckung brillieren.«

Gottfried wusste nichts darauf zu entgegnen. Er blickte auf seine Armbanduhr. Ein paar Minuten blieben ihm noch. »Wir sollten mit den Leuten sprechen, die das Opfer kannten: Verwandte, Nachbarn, Mitstudenten, den Professor, bei dem er promovierte.«

»Die Polizei hat bereits mit einigen gesprochen.« Gottfried hörte das Klicken einer Computermaus. »Und zwar mit den Eltern, der Freundin und den Mitbewohnern. Das Opfer wohnte in einer WG.«

»Hast du die Gesprächsprotokolle?«

»Ja. Mit den Eltern hat die Polizei nur telefonieren können. Sie leben in Südamerika, sind verständlicherweise über den Tod ihres Sohnes schockiert, können aber zur Aufklärung nichts beitragen.«

»Was ist mit der Freundin?«

»Die berichtete von einem Mann, der Benjamin bedrohte - unserem ominösen Inkassomann. Alle anderen Aussagen geben in keiner Weise Aufschluss über die Hintergründe des Mordes.«

»Erfahren wir durch die Protokolle wenigstens etwas über den Toten? Wie war er bei anderen angesehen? Womit hat er seine Zeit verbracht?«

»Dazu konnte ich nichts herauslesen. Ich werde mir die Dokumente aber nochmal vornehmen.« Olaf machte eine kurze Pause. »Wir müssen selbst mit den Leuten reden.«

»Wie ich sage: Wir lassen die Polizei weiter in ihrem Inkassomilieu herumfuhrwerken und legen die Angelegenheit in kompetentere Hände, nämlich in...

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