Wer bist du, Marla?

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Januar 2018
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-5521-8 (ISBN)
 
Marla, die nach einem Unfall einen Gedächtnisverlust erlitten hat, glaubt, dass Johnny, der Polizeichef von Mar del Oro, ihr Ehemann sei. Mit jedem Tag liebt Johnny diese schöne Fremde mehr, doch was wird sein, wenn ihre Erinnerung zurückkehrt ...?
  • Deutsch
  • 1,69 MB
978-3-7337-5521-8 (9783733755218)
3733755219 (3733755219)

1. KAPITEL

"Hallo, Tina." Johnny Fuentes zwinkerte der Kellnerin freundlich zu und schlenderte durch das Café hinüber zu seiner angestammten Nische, von der aus er die Hauptstraße im Blick behalten konnte. Eine alte Angewohnheit von ihm, dabei war er als Polizeichef von Mar del Oro längst nicht mehr für Verkehrsüberwachung zuständig. Er rückte seinen Pistolengurt zurecht und nahm Platz.

Mit einem strahlenden Lächeln und einem heißen Kaffee trat Tina an seinen Tisch. "Hallo, Süßer." Ihre dunklen Augen funkelten verführerisch. "Ich habe noch etwas Bananentorte für dich aufbewahrt. Oder möchtest du lieber etwas anderes?"

"Torte ist prima. Das wird bestimmt meine Laune heben."

"Machen dir die bösen Buben so sehr zu schaffen?"

"Nicht die bösen Buben. Aber der Papierkram im Büro geht mir ziemlich auf die Nerven, das kannst du mir glauben. Ich habe heute den ganzen Tag am Computer gesessen." Er rieb sich die Augen. "Und wie läuft es bei dir?"

"Müde Füße, wie immer." Tina blickte sich kurz um, und als sie sah, dass im Moment keiner der Gäste einen Wunsch hatte, setzte sie sich zu Johnny. "In einer halben Stunde habe ich frei. Wie wär's, kommst du mit auf ein Glas ins 'Hanratty's'?"

"Gute Idee. Aber vorher muss ich noch nach Hause und mich umziehen. Ich will doch nicht den Ruf des besten Clubs der Stadt ruinieren."

Die Kellnerin lächelte verheißungsvoll. "Wir können unseren Schlummertrunk auch gern bei dir nehmen."

"Vorsicht, Schätzchen", meinte er lachend, "du ruinierst noch meinen guten Ruf."

"Ich bin jederzeit zu allen Schandtaten bereit." Vergnügt warf sie ihm eine Kusshand zu und stand auf. "Die Torte kommt sofort."

Während Tina davonging, beobachtete Johnny anerkennend den aufreizenden Schwung ihrer Hüften. Seit er nach Mar del Oro zurückgekehrt war, um den Job als Chef der hiesigen Polizeiwache anzutreten, lag ihm seine Mutter in den Ohren, dass er sich endlich eine Frau suchen sollte. Ein paar Mal war er mit Tina ausgegangen. Er mochte sie gern. Mit ihrem kurz geschnittenen, roten Haar und den vollen, sinnlichen Lippen war sie zweifellos ein hübsches Mädchen. Und sie schien ganz versessen darauf, ihn einzufangen und vor den Altar zu zerren. Aber sie war nicht die Richtige, das spürte er. Außerdem hatte er es mit dem Heiraten längst nicht so eilig wie seine Mutter.

Sein Funkempfänger piepste. Johnny sah auf die Anzeige. Seine Sekretärin suchte ihn. Er stand auf und ging hinüber zur Theke. "Kann ich mal telefonieren, Tina?" Nachdem sie genickt hatte, wählte er die Nummer der Wache. "Hallo, Patty? Hier ist Fuentes."

"Tut mir leid, wenn ich störe, Boss, aber uns ist eine Frau gemeldet worden, die am Strand herumläuft und sich irgendwie merkwürdig benimmt."

"Wo denn?"

"Etwa zehn Meilen nördlich der Stadt, gleich beim Creek Canyon. Ich wollte eine Streife hinschicken, aber der nächste Wagen ist gerade mit einem Autounfall oben in Big Sur beschäftigt. Sie sagen, es dauert noch mindestens eine Stunde, bis sie sich darum kümmern können."

"Ist schon gut. Ich übernehme das." Wahrscheinlich eine verirrte Touristin, die zu viel getrunken hatte. Es würde bestimmt nicht lange dauern, das zu überprüfen. Er legte den Hörer auf. "Vergiss die Bananentorte, Tina. Ich muss noch mal los."

"Und was ist mit 'Hanratty's'?"

"Kann ich noch nicht sagen. Willst du es einfach riskieren, dort auf mich zu warten? Oder soll ich dich besser erst anrufen?"

"Auf dich warte ich jederzeit, Süßer. Wann du willst, und wo du willst."

Johnny schmunzelte belustigt. Ihr Übereifer erinnerte ihn aber auch daran, dass er ihr keine falschen Hoffnungen machen durfte. Er wollte keine Beziehung mit Tina, doch ebenso wenig wollte er ihr wehtun. Er war jetzt einunddreißig. Vielleicht hatte seine Mutter recht. Er sollte endlich klare Verhältnisse schaffen und sich nach einer Frau fürs Leben umsehen.

Im Gegensatz zu dem, was die meisten Leute glaubten, war es im Sommer am Meer oft sehr nebelig. Auch heute Nacht hingen die dichten Schwaden wie ein undurchsichtiger weißer Vorhang über der Küstenstraße.

Nur gut, dass kaum Verkehr herrschte. Während er langsam durch den Nebel fuhr, ließ Johnny seinen Blick über den felsigen Strand schweifen. Bisher hatte er niemanden entdecken können. Die Frau war bestimmt längst zu ihrem Auto zurückgekehrt und nach Hause gefahren. Johnny wollte die Suche schon abbrechen, doch zuerst würde er noch ein letztes Mal anhalten und sich genauer umsehen.

Er fuhr an den Straßenrand und stieg aus. Der Suchscheinwerfer auf dem Dach des Polizeiwagens konnte die Nebelwand kaum durchdringen. Johnny kniff die Augen zusammen und blinzelte in Richtung der unsichtbar heranrollenden Wellen, als sich der Dunst ein wenig lichtete.

Da war sie. Und sie benahm sich wirklich merkwürdig.

Die Frau lief ziellos am Strand entlang. Wie in Trance setzte sie langsam einen Fuß vor den anderen. Trotz der kühlen Nacht trug sie nur ein leichtes Sommerkleid, dessen nasser Saum ihr an den Beinen klebte. Es war offensichtlich, dass mit ihr etwas nicht stimmte.

Mit einem Satz sprang Johnny über die Leitplanke und kletterte über die Felsen zum Strand hinunter.

"Hallo! Warten Sie! Brauchen Sie Hilfe?"

Sie ging weiter.

Endlich hatte er sie eingeholt. "Bleiben Sie doch stehen! Ich bin Johnny Fuentes, Polizeichef von Mar del Oro. Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"

Sie reagierte nicht.

"Hören Sie doch! Wie heißen Sie? Was ist passiert?"

Da blieb sie stehen und drehte sich langsam zu ihm um. Der Blick aus ihren seegrünen Augen wirkte seltsam leer. An ihrer Stirn entdeckte Johnny eine große Schwellung, und Blut rann an ihrer Schläfe herab. Er fluchte leise, als er sah, dass die Frau hochschwanger war. Was mochte ihr bloß zugestoßen sein? Vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken, fasste er sie am Arm.

Ihre Lippen bewegten sich. "Wo ."

"Sie sind in Mar del Oro. Und jetzt in Sicherheit." Behutsam führte er sie über einen Pfad zur Straße hinauf. Die Frau war recht jung, bestimmt noch keine dreißig. Etwa ein Meter siebenundsechzig groß, schätzte er. Und abgesehen von ihrer Schwangerschaft wirkte sie sehr zierlich. Schmales Gesicht, ebenmäßige Züge. Ihr langes, blondes Haar war nass, als wäre sie schwimmen gewesen. "Können Sie mir sagen, wie Sie heißen oder was passiert ist?"

Sie schüttelte den Kopf. "Mar.la."

"Sie heißen Marla?" Sie stieß einen leisen Schrei aus, als ihre Beine unter ihr nachgaben. Johnny fing sie auf, bevor sie fallen konnte. "Kommen Sie, Marla. Sie werden mir doch jetzt nicht schlappmachen." Er hob sie hoch, trug sie zum Auto und legte sie vorsichtig auf den Rücksitz.

Sobald Johnny losgefahren war, funkte er die Wache an, damit Patty im Krankenhaus Bescheid geben konnte, dass er mit einer Patientin dorthin unterwegs war. Er fragte sich, wer die Unbekannte sein könnte - und wo ihr Mann wohl war. Nach dem hochkarätigen Diamantring an ihrem Finger zu urteilen, musste er steinreich sein. Offensichtlich gehörte sie ganz anderen Kreisen an als Johnny.

Nachdem er Tina angerufen hatte, um ihr zu sagen, dass er es heute nicht mehr schaffen würde, wartete Johnny im Krankenhaus darauf, dass die Frau wieder zu Bewusstsein kam. Wenn sie einen Unfall gehabt hatte, gab es vielleicht noch weitere Verletzte. Vielleicht hatte ihr auch jemand übel mitgespielt. Er musste sie dringend befragen.

Dr. Bernie, ein großer, schlaksiger Arzt mit Brillengläsern so dick wie Glasbausteine, erschien in der Halle.

Johnny ging gleich zu ihm. "Wie geht es ihr, Doc?"

"Sie hat eine schwere Gehirnerschütterung. Außerdem viele Prellungen und Blutergüsse. Im Moment erscheint ihr Zustand recht stabil, aber wir müssen die nächsten vierundzwanzig Stunden abwarten."

"Und was ist mit dem Baby?"

"Die Herztöne sind gut. Sehr lebhaft. Es ist übrigens ein Mädchen. Der Geburtstermin müsste in etwa einem Monat sein."

Johnnys Anspannung ließ ein wenig nach. "Kann ich mit ihr sprechen?"

"Sie können es versuchen. Aber sie verliert immer wieder das Bewusstsein und ist ein wenig desorientiert. Kein Wunder, bei der Kopfverletzung. Wir haben ihr ein Beruhigungsmittel gegeben." Er führte Johnny durch einen langen Gang. "Hat sie Ihnen ihren Namen genannt?"

"Sie hat es versucht. Ich glaube, sie heißt Marla."

"Was ist mit ihrer Familie?"

"Sie hatte keine Papiere bei sich. Ich hoffe, dass sie mir sagen kann, was passiert ist." Johnny blieb vor der Tür des Krankenzimmers stehen. "Haben Sie eine Ahnung, was ihre Verletzungen verursacht haben könnte?"

"Vermutlich ein Autounfall, nach den Prellungen an ihrem Oberkörper zu urteilen."

Doch wo war das Auto? Und hatte es noch andere Insassen gegeben?

Sie betraten das Zimmer. Das Leid anderer Menschen hatte Johnny noch nie kalt gelassen. Das war einer der Gründe, warum er zur Polizei gegangen war. Aber Marla so blass und zerbrechlich zu sehen, schnürte ihm regelrecht das Herz ab.

Er beugte sich über ihr Bett. "Marla, können Sie mich hören? Soll ich jemanden für Sie anrufen? Ihren Mann vielleicht? Hören Sie mich?"

Ihre Lider flatterten, dann schlug sie die Augen auf. Ganz langsam breitete sich ein schwaches Lächeln auf ihren Lippen aus. "Ich wusste, dass du kommen...

Dateiformat: EPUB
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