Dunkles Blut

Thriller
 
 
Manhattan (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Juli 2013
  • |
  • 576 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12241-6 (ISBN)
 
Jeder verdient eine zweite Chance. Auch Richard Knox. Sechs Jahre saß er wegen Vergewaltigung im Gefängnis. In dieser Zeit hat er zu Gott gefunden, seine Fehler bereut und sich für den Pfad der Tugend entschieden. Leider ist die Polizei davon so wenig überzeugt wie die Einwohner von Aberdeen. DS Logan McRae gehört zu einem Team von Beamten, die Knox vor dem Zorn seiner Nachbarschaft beschützen und gleichzeitig ein Auge auf ihn haben sollen. Und doch ahnt an jenem kalten Januartag, an dem Knox in Aberdeen eintrifft, noch niemand, welch blutiger Alptraum sich anbahnt ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,95 MB
978-3-641-12241-6 (9783641122416)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Bereits »Die dunklen Wasser von Aberdeen«, Stuart MacBrides erster Roman um den Ermittler Logan McRae, wurde als bestes Krimidebüt des Jahres ausgezeichnet. Seither sind die brillanten Spannungsromane des Schotten aus den internationalen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Stuart MacBride lebt mit seiner Frau im Nordosten Schottlands.

2

»Inspector?« Ein schlotternder Constable packte das blau-weiße Polizeiband und hob es an, um ihn durchzulassen. »Sie sind da drüben, Sir.«

Logan McRae schloss seinen schlammbespritzten Audi mit der Fernbedienung ab, schlüpfte unter dem Absperrband hindurch und stapfte über den rutschigen hellen Sand auf das kleine Grüppchen zu, das sich vor dem Zelt der Spurensicherung versammelt hatte. Es stand zwischen zwei gewaltigen Sanddünen, gebeutelt vom eisigen Wind, der von der Nordsee her wehte und an den weißen Plastikplanen zerrte. Der Himmel war wolkenlos, doch die tief stehende Sonne hatte sich noch nicht über den mit zerrupftem Pampasgras bewachsenen Dünenkamm erhoben, und der ganze Tatort war in tiefblaue Schatten gehüllt.

Der Strand von Balmedie reichte auch zu den besten Zeiten nicht ganz an die Costa del Sol heran, aber um halb elf an einem kalten Januarmorgen hätte sich hier sogar ein Eisbär den Arsch abgefroren. Aberdeen - zwei Grad nördlich von Moskau.

Hätte die Stadt einen Zoo gehabt, man hätte den Pinguinen im Winter Pudelmützen aufsetzen müssen.

»Inspector! Inspector McRae!« Ein Mitarbeiter der Spurensicherung in der obligatorischen Kluft aus weißem Overall und blauen Plastiküberschuhen winkte ihn herbei. »Genau wie all die anderen, Sir. Sie hatten recht.«

Na toll - und das, wo er ausnahmsweise mal froh gewesen wäre, wenn er sich geirrt hätte.

Logan trug sich in die Liste der Tatortaufsicht ein und nahm dann den Kampf mit seinem Spusi-Overall auf. Das Ding leistete bis zum Schluss Widerstand, unterstützt vom Wind, der an Beinen und Ärmeln zerrte, um ihm bei der Flucht zu helfen. »Rechtsmedizin?«

»Schon drin, Sir. Fotos und Proben sind gemacht, also sagen Sie uns einfach Bescheid, wenn Sie wollen, dass wir sie .« Er deutete auf das Zelt, von dem Logan bereits wusste, was ihn darin erwartete. »Dass wir das abtransportieren.«

Die ganze Konstruktion knarrte und wackelte, und der Wind blies heulend durch die Fugen, als Logan eintrat. Sie hatten ein paar Bogenlampen aufgebaut, deren grellweißer Schein vom Sand zurückgeworfen wurde und Logans Atem zu einer schillernden Wolke werden ließ, als er sich zu der Rechtsmedizinerin kniete.

Sie sah zu ihm auf, und ihre Augen funkelten über der Maske, die Nase und Mund bedeckte. Dann senkte sie den Blick wieder auf den Kopf, der auf der Seite im hellen Sand lag.

Der Kopf gehörte einer Frau - Anfang zwanzig, die Augen glasig und eingesunken; rötliches Haar, das im Licht der Bogenlampen fast blond wirkte. Sommersprossen stachen dunkel von der porzellanfarbenen Haut ab; der Mund war offen. Hinter ihren Zähnen hatte sich ein wenig Sand angesammelt, und in der dunklen Höhle dahinter glitzerte etwas golden. Genau wie bei den anderen sechs.

»Woher hast du es gewusst?« Die Rechtsmedizinerin grub den abgetrennten Kopf aus dem Sand aus. »Sie war genau da, wo du es vorhergesagt hattest.«

Logan sah zu, wie sie Lucys Kopf in einen Beweismittelbeutel aus transparentem Plastik betteten, den sie versiegelten und beschrifteten. Ein weiteres Exemplar für die Sammlung im Leichenschauhaus.

»Todeszeitpunkt?«

Dr. Isobel McAllister streifte sich die blauen Nitrilhandschuhe von den Händen, nahm die Maske ab und schob sich die Kapuze ihres Tatort-Overalls in den Nacken. Das lange dunkle Haar wallte ihr über die Schultern. »Du weißt, dass ich dir das nicht sagen kann.«

Logan machte den Mund auf, um etwas zu sagen, und schloss ihn gleich wieder, als Isobel ihm eine Hand auf die Brust legte. In dem kalten Zelt fühlte sie sich glühend heiß an.

Sie sah ihm tief in die Augen. »Du hast mir gefehlt -«

»Isobel, ich -«

»O nein, kommt gar nicht in Frage!« Eine Kriminaltechnikerin kam herbeigestapft - es war Samantha, deren Haare im gleißenden Lampenschein grellrot leuchteten. Sie zog den Reißverschluss ihres Overalls herunter und ließ ihr blasses, von Tattoos umgebenes Dekolletee sehen. »Er gehört mir. Nicht wahr, Logan?«

Isobel biss sich auf die Unterlippe. Sie sah weg. »Oh. Tut mir leid, das habe ich nicht gewusst.«

»Aber vielleicht .« Samantha trat näher und strich mit den Fingerspitzen über Isobels Wange. »Vielleicht teil ich ihn ja mit dir.«

Ein jäher Schmerz zuckte durch Logans Rippen. »Au, was war denn -«

»Vielleicht können wir alle zusammen . was ganz Besonderes machen.«

»Das würde mir gefallen.« Isobel fuhr sich mit der Zungenspitze über die blutroten Lippen und legte die Hand um Samanthas rechte Brust. »Das würde mir sehr - Hör gefälligst auf zu schnarchen!«

»Mmmmpff .?« Detective Sergeant Logan McRae richtete sich mühsam in seinem Sitz auf. »Ich bin wach, ich bin wach.« Kalt. Dunkel. Ein rasselnder Husten schüttelte seinen ganzen Körper durch und endete in einem Schauder. »Mein Gott.« Er zog die Nase hoch, rieb sich das Gesicht und spürte die Stoppeln unter seinen Händen. »Wie spät ist es?«

DI Steel war in der Dunkelheit kaum auszumachen, doch er konnte hören, wie sie auf dem Beifahrersitz seines schrottigen braunen Fiat herumrutschte. »Du hast geschnarcht.«

Steel drückte auf den Knopf des Zigarettenanzünders, wartete, bis er heraussprang, zog ihn aus der Öffnung im Armaturenbrett und steckte sich eine Silk Cut an. Im orangefarbenen Schein verwandelte sich ihr Gesicht in eine Landkarte aus Falten und Schatten. Ihre Katastrophenfrisur war unter einer Pelzmütze versteckt.

»Arschkalt hier .« Logan blinzelte zu der beschlagenen Frontscheibe auf, wischte mit dem Ärmel ein Guckloch frei und spähte in die mondbeschienene Landschaft hinaus. Sie hatten an einem kleinen Feldweg geparkt, der von der A90 zwischen Aberdeen und Ellon abzweigte. Von dort hatten sie das weitläufige Neubaugebiet gut im Blick. Logan gähnte. »Muss mal pinkeln.«

»Hättest du mal nicht so viel Kaffee gesoffen, hm?«

»Wusst ich's doch, dass er nicht aufkreuzen würde.«

»Ich meine, wie kann man so blöd sein, zu einer Observierung koffeinfreien Kaffee mitzunehmen?«

»Also, wo steckt er denn nun?«

»Wenn ich das wüsste, würde ich jetzt nicht in dieser Schrottkarre hocken und mir dein elendes Geschnarche anhören, oder?«

»Okay, dann eben nicht.« Logan nahm sich eine von Steels Zigaretten und zündete sie mit einem Sturmfeuerzeug an, während er in die eisige Nacht hinauskletterte.

»Mach die verdammte Tür zu!«

RUMMS.

Er blieb einen Moment fröstelnd stehen, sog sich den Rauch tief in die Lunge und ging dann den Weg entlang auf ein kleines Waldstück zu. Es knirschte und knackte unter seinen Sohlen, Gras mit einer dicken Reifschicht darüber, alle Farben im Licht des nahezu vollen Mondes ausgebleicht. Es war beinahe taghell.

Logan bog vom Weg ab und schlug sich in die Büsche.

Mann, war das kalt. Diese blöde Steel und ihr verdammter V-Mann. Was hatte so eine verdeckte Operation für einen Sinn, wenn der V-Mann so verdeckt operierte, dass er gar nicht mehr aufzufinden war?

Ritsch. Ein Griff, ein Stöhnen, und . aaaaahhhh. O ja, das war schon viel besser.

Er stand da, umwabert von einer bittersüßen Dampfwolke, die Zigarette im Mundwinkel. Zwölf Tage am Stück ohne einen einzigen freien Tag. Kein Wunder, dass er fix und fertig war.

Von hier aus konnte man das gesamte Neubaugebiet überblicken - eine weite Fläche aus gefrorenem Matsch, umschlossen von Maschendrahtzaun; von Bulldozern aufgeschichtete Erdhaufen, zwischen denen sich die helleren Betonfundamente abhoben. Zwanzig bis dreißig Häuser schienen fast fertig zu sein, ein weiteres halbes Dutzend waren eingerüstete Rohbauten. Insgesamt sollten es vierhundert von den verdammten Dingern werden, allesamt Marke McLennan Homes. Scheußliche kastenförmige Kaninchenställe für Leute mit mehr Geld als Verstand.

Wie der Mistkerl zu der Baugenehmigung gekommen war, mochte der Himmel wissen.

Das Baubüro war in einem kleinen Container untergebracht. Während Logan hinsah, ging die Tür auf, und blassgelbes Licht fiel aus dem Inneren auf die aufgewühlte Erde. Ein Hund bellte. Ein Radio dudelte. Dann fiel die Tür wieder zu, und das Licht ging aus, ersetzt durch den schwachen Schein einer Taschenlampe, der langsam am Zaun entlangwanderte. Man musste schon ganz schön verzweifelt sein, um im Winter einen Job als Nachtwächter auf einer Baustelle anzunehmen. Und dabei zu wissen, dass Malcolm McLennan einem die Eier abreißen würde, falls irgendetwas verschwinden sollte.

Und das war keine Metapher.

Logan machte den Reißverschluss zu und eilte zum warmen Wagen zurück. Als er die Tür hinter sich zuzog, murmelte er: »Echt sibirische Verhältnisse da draußen .« Er schaltete die Zündung ein, drehte die Heizung voll auf und hielt die Hände über...

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