Wächter des Zwielichts

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2011
  • |
  • 496 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06579-9 (ISBN)
 
Die Fantasy-Kultserie aus Russland

"Wächter des Zwielichts" ist nach "Wächter der Nacht" und "Wächter des Tages" der dritte große Roman in Sergej Lukianenkos Bestsellersaga um die so genannten »Anderen« - Vampire, Gestaltwandler, Hexen und Magier -, die seit ewigen Zeiten unerkannt in unserer Mitte leben. Zwei Organisationen obliegt es, den Frieden zwischen den Mächten des Lichts und den Mächten der Dunkelheit zu erhalten. Doch dieser Friede hat nun keinen Bestand mehr - und auf Moskaus Straßen tobt die entscheidende Schlacht ...

Rechtzeitig zum deutschen Kinostart von "Wächter des Tages" im Herbst 2006 erreicht die russische Kult-Fantasy-Serie, die inzwischen auch hierzulande zahllose Fans hat, ihren einzigartigen Höhepunkt.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,74 MB
978-3-641-06579-9 (9783641065799)
3641065798 (3641065798)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"Eins (S. 242-243)

Kurz nach sieben Uhr morgens fuhr ich am Gebäude der Nachtwache vor. Da ist am wenigsten los – es ist die Zeit zwischen den Schichten. Die Fahnder, die nachts durch die Straßen patrouilliert sind, haben bereits ihren Bericht abgeliefert und sind nach Hause gegangen. Die Mitarbeiter aus dem Innendienst tauchen den Moskauer Gewohnheiten gemäß nicht vor neun auf der Bildfläche auf. Schichtwechsel gab es auch im Raum der Wachleute. Die Kollegen, die Feierabend machten, unterschrieben irgendwelche Papiere, diejenigen, die den Dienst antraten, warfen einen Blick ins Dienstbuch. Ich begrüßte alle mit Handschlag und betrat ohne die vorgeschriebene Kontrolle das Haus.

Eigentlich eine Nachlässigkeit der Wachhabenden – auch wenn sie in erster Linie für Menschen zuständig sind. Im zweiten Stock hatte der Wachtposten bereits gewechselt. Jetzt schob Garik Dienst, der mir nichts durchgehen ließ: Er betrachtete mich durchs Zwielicht und forderte mich mit einem Nicken auf, das Amulett zu berühren, eine verspielte Hahnendarstellung aus Golddraht. Bei uns hieß das Ding nach dem Zaren in Puschkins Märchen »Gruß dem Dadon«: Theoretisch sollte der Hahn anfangen zu krähen, sobald ein Dunkler ihn berührte. Einige Witzbolde behaupteten sogar, der Hahn würde mit menschlicher Stimme »Widerling!« quäken, wenn er einen Dunklen spürte. Erst danach lächelte Garik mich zur Begrüßung an und gab mir dir Hand.

»Ist Geser in seinem Büro?«, fragte ich. »Wer weiß das schon?«, antwortete Garik mit einer Gegenfrage. In der Tat, die Frage hätte ich mir schenken können! Den Hohen Magiern stehen viele Wege offen. »Hast du nicht noch Urlaub …?« Meine seltsame Frage schien Garik aufmerken zu lassen. »Ich hab genug vom Urlaub. Wie heißt es doch so schön: Der Montag beginnt …« »Aber du bist völlig fertig …«, fuhr der Magier immer misstrauischer fort.

»Fass den Hahn noch mal an!« Abermals begrüßte ich Dadon, stand dann unbeweglich da, bis Garik meine Aura mit Hilfe eines ausgebufften Amuletts aus Buntglas kontrolliert hatte. »Entschuldige«, sagte Garik, als er das Amulett wegsteckte. Verunsichert fügte er hinzu: »Du bist nicht wie sonst.« »Ich habe mit Swetka in einem Dorf Urlaub gemacht, wo eine alte Hexe aufgetaucht ist«, erklärte ich. »Außerdem eine Horde Werwölfe, die die Gegend unsicher gemacht haben. Ich musste die Wölfe jagen, die Hexe …« Ich winkte ab. »Nach einem solchen Urlaub musst du dich eigentlich krankschreiben lassen.«

»Wenn das so ist«, meinte Garik gleich ruhiger, »reich einen Antrag ein, wir haben anscheinend noch Reserven zur Wiederherstellung der Kraft.« Erschauernd schüttelte ich den Kopf. »Ich schaff das schon selbst, vielen Dank.« Ich verabschiedete mich von Garik und ging in den dritten Stock hoch. Blieb vor Gesers Vorzimmer stehen. Klopfte. Als mir niemand antwortete, trat ich ein. Die Sekretärin war natürlich nicht da, die Tür zu Gesers Arbeitszimmer fest verschlossen. Allerdings blinkte am Kaffeeautomaten fröhlich das Stand-by-Lämpchen, lief der Computer, und sogar der Fernseher brachte ganz leise die Nachrichten."

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