Nacht über Carnuntum

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 25. Januar 2018
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  • 328 Seiten
 
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978-3-7460-4200-8 (ISBN)
 
Carnuntum 173 n. Chr.
Zwei Jahre sind seit dem verheerenden Germanensturm vergangen. Nun ist Rom bereit, zurückzuschlagen. Kaiser Marc Aurel hat in den Donauprovinzen Legionen zusammengezogen und bereitet eine Invasion des Barbaricums jenseits des Flusses vor. Aber ein unerwarteter Schlechtwettereinbruch verzögert den Beginn des Feldzuges, und ungünstige Vorzeichen mehren sich. Eine Serie rätselhafter Morde beunruhigt die Bevölkerung. Es kommt das Gerücht auf, die Getöteten seien den Lamien zum Opfer gefallen, blutsaufenden Dämonen, die von den Göttern gesandt wurden, um ihren Unmut über das Vorhaben des Kaisers zu bekunden. Abergläubische Furcht beginnt sich auszubreiten und droht auf die Truppen überzugreifen. In dieser Situation bekommt Spurius Pomponius, unfreiwilliger Mitarbeiter des militärischen Geheimdienstes, den Auftrag, die Morde aufzuklären und den Mörder ehestens zur Strecke zu bringen. Schon bald nachdem er seine Ermittlungen aufgenommen hat, wird er selbst von nächtlichen Spukgestalten gejagt und beginnt daran zu zweifeln, dass er es bloß mit einem menschlichen Serientäter zu tun hat.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 3,02 MB
978-3-7460-4200-8 (9783746042008)
3746042003 (3746042003)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Peter Lukasch wurde 1942 in Wien geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft trat er in den Staatsdienst ein, wo er bis zu seiner Pensionierung im Bereich der Strafjustiz tätig war.
Seinem Interesse für Geschichte und Kriminalistik folgt der Autor in einem Zyklus historischer Kriminalromane. Bisher sind erschienen: 'Zu Hainburg verblieb man über Nacht' (auf der Suche nach dem Schatz der Nibelungen), 'Teufels-Liebchen' (aus der Zeit der Hexenverfolgungen), 'Aschenspuren' (ein Kriminalfall um den Brand des Ringtheaters in Wien), 'Der Spion von Hainburg' (aus der Zeit der Türkenkriege), 'Solo Valat' (ein Kriminalroman aus dem Wien des Jahres 1905) und 'Die Carnuntumverschwörung' (ein Kriminalroman aus dem römischen Carnuntum).

II


Auf dem Heimweg machte sich Pomponius Gedanken über seinen neuen Auftrag. Weit kam er damit nicht, denn er fror erbärmlich. Obwohl es erst um die sechste Stunde nach Sonnenaufgang war, herrschte trübe Dunkelheit wie am Abend. Eine graue Wolkendecke hing tief herab und vermischte sich mit dem Qualm, der aus den Rauchabzügen der Häuser stieg. Die Straße war mit Morast bedeckt, der an manchen Stellen zu tückischen Eisplatten gefror. Vom Fluss her trieben kalte Nebelschwaden in die Stadt. Ein fauliger Mief hing in der Luft, wie von gefrorenem und wieder aufgetautem Unrat. Von weit weg, kaum noch zu vernehmen, waren die dunklen Signale einer Tuba zu hören. Im Heerlager, das vor der Stadt errichtet worden war, übten offenbar Legionäre Marschformationen. Denn Müßiggang wurde bei den Legionen nicht geduldet und konnte auch durch schlechtes Wetter nicht entschuldigt werden.

Pomponius schauderte zusammen. Er trug warme Hosen, ähnlich denjenigen, die auch von den Germanen verwendet wurden, eine feste Tunika und darüber einen Kapuzenumhang. Die Kälte, die ihm so zu schaffen machte, stieg von seinen Füßen auf. Wie die meisten seiner Zeitgenossen war er es gewohnt, zu jeder Jahreszeit in Sandalen oder aus Riemen geflochtenen Schuhen herumzulaufen. Er hatte es aber nie geschafft, jenen Grad an Abhärtung zu erreichen, der den Bewohnern dieser Provinz eigen war. Die Füße mit Stoffstreifen zu umwickeln, galt als verweichlicht und war nur bei extremer Kälte akzeptabel. Bei eisigem Matschwetter, wie es derzeit herrschte, waren solche Socken ohnehin nicht zu brauchen, weil sie die Feuchtigkeit aufsaugten und dann an Füßen und Schuhwerk festfroren. Sehnsuchtsvoll dachte er an Rom und gab sich Tagträumen über einen sonnigen Tag am Strand von Ostia hin, während eiskalter Matsch durch die Riemen seiner Schuhe sickerte und zwischen seinen Zehen quatschte.

Wenn Pomponius darauf gehofft hatte, ein warmes, gemütliches Heim vorzufinden, wurde er enttäuscht. Sein Geschäftslokal war geschlossen, der Vorraum seines Hauses dunkel und kalt. "Krixus!", rief er. Nichts rührte sich. "Krixus!", brüllte er so laut er konnte.

Krixus war sein Sklave. Zwischen Pomponius und Krixus bestand eine eigenartige, schwer zu beschreibende Symbiose. Denn Krixus war vorlaut, um nicht zu sagen frech, und ausgesprochen faul. Daran vermochten auch die Prügel, die Pomponius seinem Sklaven regelmäßig androhte, nichts zu ändern. Auf der anderen Seite war Krixus trotz aller Unarten seinem Herrn treu ergeben und ausgesprochen loyal. Er war in vielerlei Hinsicht ein Vertrauter seines Herrn geworden, dem er ständig gefragt und ungefragt Ratschläge erteilte. Pomponius hätte nie zugegeben, dass Krixus mit seinen Ratschlägen sehr oft recht hatte.

Nur mit Pomponius und Krixus allein wäre der Haushalt bald im Chaos versunken. Zum Glück war da noch Mara. Mara, eine ältliche Sklavin, hielt das Haus in Ordnung. In Gegenwart Dritter behandelte sie Pomponius mit größtem Respekt, im vertrauten Kreis wie einen Sohn, den sie nie gehabt hatte. Außerdem konnte sie Krixus zur Räson bringen. Sie verweigerte ihm einfach die vielen Köstlichkeiten, die sie in ihrer Küche zubereitete. Weil Krixus gutes Essen noch mehr liebte als sein Herr, war das ein probates Mittel, um ihn gefügig zu machen.

"Krixus!", schrie Pomponius zum dritten Mal, wobei sich seine Stimme vor Wut überschlug.

In der Tiefe des Hauses war ein Geräusch zu hören. Dann tauchte ein Lichtschimmer auf. Krixus hatte sich eine Decke um die Schultern gelegt und trug ein trübe brennendes Öllämpchen in der Hand. "Du hast gerufen, Herr?"

Pomponius atmete mehrmals tief durch, um seinen Zorn zu besänftigen. "Warum ist das Haus kalt?", fragte er streng. "Ich friere!"

"Wir frieren alle", entgegnete Krixus. "Ich friere, Mara friert, das ganze Haus friert. Du hast im Herbst in vorausschauender Sparsamkeit, um nicht zu sagen in deinem Geiz, entschieden, dass uns ein milder Winter bevorsteht. Jetzt ist uns das Heizmaterial ausgegangen. Nur in der Küche sind noch ein paar Holzstücke, damit ich wenigstens eine warme Mahlzeit bekomme."

"Und warum hast du kein Holz bestellt?", schrie Pomponius. "Wofür bist du eigentlich da, du fauler Sack? Muss ich alles selber machen?"

"Das Holz wird morgen geliefert", erwiderte Krixus. "Natürlich habe ich frisches Heizmaterial bestellt. Ich will doch nicht frieren. Ich bin nur neugierig, wie du bezahlen willst. Die Holzpreise sind gestiegen und du bist pleite. Wir haben zwar jede Menge Schmuckstücke im Laden, aber kein Bargeld im Haus. Niemand will Schmuck kaufen. Die meisten Leute, die es sich leisten können, wollen verkaufen und fortziehen, bevor die Germanen wiederkommen."

"Vertraue auf deinen Herrn", sagte Pomponius würdevoll. "Es ist genug Geld im Haus." Er zog den Beutel hervor, den ihm Masculinius gegeben hatte.

"Ist dieser Geldsack so schwer, wie er ausschaut", erkundigte sich Krixus.

"Schwer genug." Pomponius warf Krixus den Beutel zu. "Damit kannst du die Holzrechnung bezahlen. Den Rest gibst du mir zurück."

Krixus schaute in den Geldbeutel und pfiff durch die Zähne. "Du hast es wieder getan", sagte er ahnungsvoll. "Du hast wieder einen Auftrag von den Frumentarii angenommen. Lernst du denn überhaupt nichts dazu? Bei deinem letzten Auftrag wären wir beinahe umgebracht worden: Zweimal, nein eher dreimal!" Natürlich war nur Pomponius in Gefahr gewesen. Niemand hatte Krixus umbringen wollen. Trotzdem sagte Krixus 'wir', weil er sein eigenes Wohlergehen eng mit dem seines Herrn verknüpft sah.

"Du weißt genau, dass mir gar nichts anderes übriggeblieben ist", antwortete Pomponius verdrossen.

"Aber du bist doch begnadigt worden!"

"Ja, vom Kaiser, nicht von Faustina. Sie lässt mich nur vorübergehend in Ruhe, um Masculinius einen Gefallen zu tun."

Krixus schüttelte den Kopf. "Wenn du damals auf mich gehört hättest ...", begann er.

Pomponius brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. "Sei still! Das habe ich mir schon oft genug anhören müssen." Er marschierte in die Küche, wo es angenehm warm war. Mara durchschaute die Situation sofort und gab die nötigen Anweisungen: "Krixus, zieh deinem Herrn die Schuhe aus und wasche seine Füße. Dann bereitest du ihm ein heißes Fußbad, damit er aufhört mit den Zähnen zu klappern. Vergiss nicht, seine Schuhe zu säubern." Sie wandte sich an Pomponius. "Gleich bekommst du eine heiße Brühe, mein Junge. Du bist ja halb erfroren."

Krixus betrachtete die Pasteten, die Mara eben bereitete und machte sich tief seufzend daran, ihren Anweisungen Folge zu leisten.

Einige Zeit später begann sich Pomponius wohler zu fühlen. Er saß neben dem gemauerten Ofen, schlürfte eine heiße Fischsuppe und plätscherte mit den Zehen im warmen Wasser. Krixus hatte sich auf den Boden gekauert und verzehrte genüsslich schmatzend die zweite Pastete. Dann rülpste er zufrieden und forderte: "Jetzt erzähl schon. Was hast du uns diesmal eingebrockt?"

Pomponius, milde gestimmt, lächelte und gab einen genauen Bericht über sein Gespräch mit Masculinius. Mara kümmerte sich nicht um die beiden Männer. Sie hat kein Interesse an der eigenartigen Beschäftigung, der ihr Herr bisweilen nachging.

"Kuriose Sache", befand Krixus. "Und absolut aussichtslos. Wie sollen wir denn diesen Mörder finden? Ich sehe keine Spur, die zu ihm führt. Weißt du, was ich glaube? Wir haben es mit einem Serientäter zu tun, der seine Opfer willkürlich auswählt. Es wird nicht lange dauern, bis ein dritter Mord geschieht."

"Ich fürchte, du könntest recht haben", murmelte Pomponius.

"Das habe ich meistens", erklärte Krixus und sicherte sich eine dritte Pastete.

Man merkte kaum, dass es langsam Abend wurde, weil es den ganzen Tag über schon so trüb und finster gewesen war. Etwa um die neunte Stunde traf Aliqua ein. Sie wurde von Mara und Krixus geradezu überschwänglich begrüßt. In der kurzen Zeit, während sie im Haus des Pomponius gelebt hatte, war es ihr gelungen, die Zuneigung der beiden Sklaven zu gewinnen. Das war besonders bei Krixus bemerkenswert, der sich ihr gegenüber ausgesprochen artig verhielt und sie mehr wie die Herrin des Hauses als wie einen Gast behandelte.

"Sei gegrüßt", sagte Pomponius befangen. "Ich freue mich, dass du mich nach langer Zeit wieder in meinem Haus besuchst."

Aliqua drehte den Kopf leicht zur Seite, sodass der Kuss, den er ihr geben wollte, nur die Wange traf. "Es wurde mir befohlen." Sie schüttelte sich. "Wieso ist es so kalt bei dir? Heizt du nicht mehr?"

Nur ein drohender Blick hinderte Krixus daran, ihr ausführlich zu erklären, wer daran Schuld hatte....

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