Die Nano-Invasion

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Januar 2017
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-19120-7 (ISBN)
 
Kampf gegen den Terror

Jon Smith von der geheimen US-Sondereinheit Covert One ist mit einer scheinbar einfachen Aufgabe konfrontiert: In einem japanischen Fischerdorf soll ihm ein Informant einen Koffer mit unbekanntem Inhalt übergeben. Zurück in den Staaten, erfährt Smith, dass es sich um radioaktive Stoffe aus dem Atomkraftwerk Fukushima handelt, die ein Techniker nach der Katastrophe beiseitegeschafft hat. Smith lässt das Material von einem befreundeten Kerntechniker untersuchen, der eine entsetzliche Entdeckung macht. Die porösen Brocken aus Stahl, Beton und Kunststoff sind offenbar in der Lage, sich endlos zu vervielfältigen. Was verbirgt sich hinter dieser bizarren Technologie? Die Spur führt zu einem Kommandanten der japanischen Streitkräfte, der offenkundig Fürchterliches im Schilde führt.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,50 MB
978-3-641-19120-7 (9783641191207)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Robert Ludlum erreichte mit seinen Romanen, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden, weltweit eine Auflage von über 300 Millionen Exemplaren. Robert Ludlum verstarb im März 2001. Die Romane aus seinem Nachlass erscheinen bei Heyne.

Prolog

Kernkraftwerk Fukushima Daiichi

NORDOST-JAPAN, 11. MÄRZ 2011

Dr. Hideki Ito spürte, wie der Boden unter ihm zu zittern begann, und stützte sich an der Kontrollkonsole ab. Er wartete darauf, dass das Beben abebbte, und erinnerte sich an die starken Erschütterungen zwei Tage zuvor, die die Anlage ohne Zwischenfälle überstanden hatte. Dennoch konnte er die innere Anspannung nicht ignorieren, die ihn jedes Mal erfasste, wenn die Erde in Bewegung geriet. Aber es gab keinen Grund zur Sorge, sagte er sich erneut. Der General hatte den Reaktorblock vier abschalten lassen, um ihn als Forschungsanlage zu nutzen, angeblich weil dieser Block besonders gut geeignet war, im Falle eines Erdbebens den Austritt von radioaktiver Strahlung zu verhindern. In Wahrheit ging es hier jedoch nicht um Strahlung, die es im Zaum zu halten galt. Die Arbeit, der Ito sein Leben gewidmet hatte, war noch viel gefähr­licher und schwerer zu kontrollieren.

Die Erschütterungen schienen diesmal nicht aufhören zu wollen, und er blickte sich nervös um. Die Betonwände des neun mal neun Meter großen Raumes waren von isolierten Rohren in allen Größen überzogen. Der Zugang erfolgte durch eine kleine Tür aus Titan zwischen den Computer­tischen. Seine beiden Forschungsassistenten hielten sich an den Kanten ihrer Stühle fest, die Beine gespreizt, um nicht auf den mit Gummi überzogenen Boden zu stürzen.

Der junge Mann zeigte den stoischen Gesichtsausdruck, den Ito seit dem Tag vor zwei Jahren, an dem er ihn eingestellt hatte, von ihm gewohnt war. Die Frau, eine brillante Absolventin der Universität Tokio, blickte sich mit kurzen, vogelartigen Kopfbewegungen in dem Bunker um. Sie sucht nach Rissen, dachte Ito verständnisvoll. Er verspürte jeden Tag tausendmal den Drang, das Gleiche zu tun.

Der alte Wissenschaftler wandte sich wieder nach vorne und blickte durch die zehn Zentimeter dicke Glaswand in den angrenzenden kleinen Raum. In der Mitte stand ein würfelförmiger Glaskasten mit Proben aus Beton, Kunststoff und Stahl. Dazwischen befand sich organisches Material: Erdproben und verschiedene sorgfältig ausgesuchte Pflanzen. Über allem lag eine weiße Ratte faul auf einem der Roboterarme, mit dem einzelne Teile von außen bewegt werden konnten.

Das Elektronenmikroskop reagierte auf den Steuerknüppel in Itos Hand, mit dem er es trotz der Vibrationen auf eine Moosprobe richtete. Die tiefgrüne Farbe deutete darauf hin, dass das Moos ebenso wie die Ratte keinen Schaden durch seine Experimente davongetragen hatte. Natürlich musste diese Annahme erst durch eine Untersuchung auf atomarer Ebene bestätigt werden. Auch an den vom Menschen herge­stellten Materialien war mit bloßem Auge keinerlei Beschädigung zu erkennen. Wenn man tiefer blickte, ergab sich ­jedoch ein ganz anderes Bild.

Während Ito die Probe unter dem Mikroskop hatte, konnte er deren Struktur auf einem in die Wand eingelassenen Monitor untersuchen. Sie sah aus wie immer. Eine gesunde biologische Probe, allem Anschein nach unberührt von dem unsichtbaren Krieg, der in den anderen Materialien tobte.

Nach so vielen Jahren des Scheiterns konnte Ito immer noch nicht recht glauben, welche Erfolge ihm seit Kurzem beschieden waren. Waren sie tatsächlich Realität, oder war irgendwo dahinter ein fataler Fehler verborgen, der ihm in den Tausenden Berechnungen unterlaufen war? Und waren seine sorgfältig ausgearbeiteten Sicherheitsvorkehrungen wirklich so zuverlässig, wie es den Anschein hatte? Oder war sein Eindruck, das Geschehen völlig unter Kontrolle zu haben, nur eine Illusion?

Die Euphorie angesichts der Tatsache, dass es ihm gelungen war, die grundlegenden Kräfte der Natur zu beeinflussen, war allmählich einem Schaudern gewichen. Hatte Einstein genauso empfunden, als seine Gleichungen zum Bau der Atombomben benutzt wurden, die vor vielen Jahren auf Itos Land abgeworfen worden waren? Hatte Einstein verstanden, dass sich die Natur niemals von etwas so vergleichsweise Einfachem wie dem mensch­lichen Verstand würde beherrschen lassen?

Wie als Antwort auf seine Fragen nahm die Intensität des Erdbebens zu. Diesmal fühlte es sich anders an als sonst. Ito hatte plötzlich Mühe, sich auf den Beinen zu halten, obwohl er sich mit beiden Händen an der Konsole festhielt. Die Erschütterungen dröhnten so laut in seinen Ohren, dass er die Schreie seiner jungen Assistentin kaum hören konnte.

Ein Rohr an der Decke platzte und übergoss ihn mit einem Schwall eiskalten Meerwassers, das ihn schließlich von den Beinen riss. Jähe Panik stieg in ihm auf, während er mit vom Salzwasser brennenden Augen über den schwankenden Boden zu einem Absperrventil kroch. Als er die Wand erreichte, konnte er seine Augen nicht mehr offen halten. Er tastete sich am feuchten Beton entlang, bis er das Metallrad fand.

Es ließ sich zunächst nicht bewegen, doch seine vom Adrenalin befeuerten Muskeln vermochten es schließlich zu lösen. Ito riss das Rad herum, und im nächsten Moment war alles weg: das Beben, der Wasserschwall und das Licht im Raum. Das Chaos hatte sich von einem Moment auf den anderen in Stille verwandelt.

Ito drückte sich mit dem Rücken an die Wand und kämpfte gegen das beängstigende Gefühl der Orientierungslosigkeit an, das ihn in der plötz­lichen Dunkelheit überkam. Er konzentrierte sich auf das Tröpfeln des Wassers und öffnete die Augen, obwohl um ihn herum alles schwarz war.

Der Strom war ausgefallen. Deshalb waren die Lichter ausgegangen. Ganz einfach.

Auf dieser simplen Tatsache baute er seine Analyse der Situation auf. Außer dem Tropfgeräusch hörte er das unregelmäßige Atmen seiner beiden Assistenten. Der Raum war stabil - das Erdbeben war also vorbei. Natürlich konnte es Nachbeben geben, deren Stärke sich nicht vorhersagen ließ.

Ito ging davon aus, dass in der gesamten Anlage bereits das Notfallprogramm aktiv war. Die Reaktoren wurden automatisch abgeschaltet, und die Kühlsysteme liefen mithilfe von Generatoren weiter. Das alles war jedoch nebensächlich. Was wirklich zählte, waren die Sicherheitsvorkehrungen seines eigenen Labors.

»Isami!«, rief Ito in die Dunkelheit. »Die Notbeleuchtung! Können Sie sie einschalten?«

Ito hörte ein zustimmendes Grunzen und das platschende Geräusch von Schritten auf dem überfluteten Boden. Sie waren auf solche Situationen vorbereitet, und nach wenigen Sekunden war der Raum in gedämpftes rotes Licht getaucht. Isami stand wie erwartet beim Lichtschalter, doch Mikiko kauerte unter einem Tisch, den Blick starr auf die dicke Glaswand gerichtet, die sich über die gesamte Nordseite des Raumes erstreckte.

Staub und Wasserdampf hingen in der Luft und erzeugten einen Kaleidoskop-Effekt, der jedoch nicht zu verbergen vermochte, was ihre Augen fixierten: einen gezackten Riss vom Boden bis zur Decke.

Im nächsten Augenblick sprang Mikiko auf, rannte zur Tür und griff nach der Klinke. Ito reagierte schneller, als er es selbst für möglich gehalten hätte. Er sprang auf, stieß die junge Frau zur Seite und zog die Abdeckung des Tastenfelds zurück, um seinen persön­lichen Verriegelungscode einzugeben. Er hatte erst zwei Ziffern eingetippt, da packte Mikiko ihn von hinten, schlang ihm den Arm um den Hals und schnürte ihm die Kehle zu. Ito hielt sich mit einer Hand am Türgriff fest und ließ sich nicht losreißen. Mikikos panische Schreie hallten durch den Raum, während er den Rest des Codes eingab.

Isami eilte von hinten herbei und zog die Frau zurück, während das metallische Knirschen der Schließriegel ertönte. Das Geräusch verstärkte den Widerstand der jungen Frau, und Isami warf sie zu Boden, griff sich einen heruntergefallenen Schreibtischtacker und knallte ihn ihr zweimal gegen den Kopf.

Ito sah entsetzt das Blut aus ihrer Schläfe strömen, wandte sich dann aber ab. Dem jungen Mann war nichts anderes übrig geblieben. Ihr Leben war nichts im Vergleich zu dem enormen Schaden, der eintreten würde, wenn sein Werk diese Räume verließ.

Es war wieder still im Raum. Nur das stete Tröpfeln des Wassers und ihr schweres Atmen waren noch zu hören.

Zögernd trat Ito zu der Tür in der gesprungenen Glaswand und öffnete sie, während sein Herz hart gegen den Brustkorb hämmerte. Als er durch die Tür schritt, hatte er die bewusstlose Frau und den emotionslosen Mann, der bei ihr stand, bereits vergessen.

Der gläserne Würfel, der sein Experiment beherbergte, war auf hydraulischen Stoßdämpfern und dicken Gummimatten gelagert, die als zusätz­liche Sicherheitsmaßnahmen für Ereignisse wie dieses installiert waren. Sie schienen ihren Zweck erfüllt zu haben - das Glas sah völlig unbeschädigt aus. Ito ging langsam um den Würfel herum und strich mit der Hand vorsichtig über die glatten Flächen. Sein Herzschlag begann sich zu beruhigen, bis seine Finger auf etwas stießen. Es war kaum zu spüren - nur eine winzige raue Stelle in der makellos geschliffenen Oberfläche. Ito hielt den Atem an und betete im Stillen zum Gott des Christentums, zu dem er sich vor Jahren bekannt hatte, dass es sich um eine Täuschung handelte.

...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen