Die Janus-Vergeltung

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Oktober 2013
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12051-1 (ISBN)
 
Ein neuer Einsatz für Covert One!

Bei einer Medizinerkonferenz in Den Haag verüben Terroristen ein Blutbad. Covert-One-Lieutenant Jon Smith kann mit knapper Not entkommen. Doch der Anschlag war nur ein Ablenkungsmanöver, um den hochgefährlichen pakistanischen Warlord Oman Dattar aus seiner Haft zu befreien. Das Team von Covert One muss alles daran setzen, ihn aufzuhalten. Denn Dattar schmiedet einen Racheplan, der nicht weniger zum Ziel hat als den Untergang der Vereinigten Staaten von Amerika.

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 0,72 MB
978-3-641-12051-1 (9783641120511)
weitere Ausgaben werden ermittelt

 

Kapitel sechs

Smith öffnete die Zimmertür und lugte hinaus. Von weiter oben hörte man gedämpfte Schüsse, doch in diesem Stockwerk schien es ruhig zu sein. Er eilte zu seinem eigenen Zimmer zurück. Er brauchte eine Waffe, zusätzlich zu der Be­retta in seiner Hand, und die toten Terroristen würden für ihre vermutlich keine Verwendung mehr haben. Die Tür hing schief in den Angeln, und er trat mit der Pistole im Anschlag ein. Der Killer lag immer noch am Fußende des Betts, einer der Terroristen hing im offenen Fenster, der andere lag darunter.

Smith trat zu ihnen, blieb aber abrupt stehen, als er einen vierten Terroristen reglos am Boden liegen sah, seine AK-47 noch in den Händen. Smith näherte sich ihm vorsichtig und versuchte zu erkennen, ob der Mann sich vielleicht nur tot stellte. Er bückte sich, schob die Finger unter die Skimaske und zog sie herunter. Der Mann war Anfang dreißig, hatte eine dunkel getönte Haut und schwarzes Haar; er stammte vermutlich aus dem Nahen Osten. Smith tastete nach einem Puls. Nichts. Er suchte den ganzen Körper ab, fand aber keine Wunde. Der Mann trug eine kugelsichere Jagdweste mit mehreren Taschen. Smith durchwühlte sie alle und fand Reservemunition für das Gewehr und einen Hotelzimmerschlüssel. Er drehte den Mann um und suchte nach einer Eintrittswunde am Rücken. Schließlich öffnete er den Mund des Toten, fand aber auch bei ihm keine Selbstmordkapsel. Weder dieser Mann noch der andere am Fußende des Bettes zeigten irgendwelche äußeren Ursachen ihres Todes. Smith hatte jedoch keine Zeit, sich weiter mit der Frage zu beschäftigen.

Er zog dem Terroristen die AK-47 aus den Händen und nahm auch die Reservemunition an sich. Als er das Magazin einstecken wollte, stellte er fest, dass die Taschen seines Pyjamas bereits mit dem Geld, den Fotos und seinem Handy gefüllt waren. Er legte Waffe und Munition auf den Teppich und eilte zu seinem Koffer. Das Sprinklersystem hatte aufgehört zu sprühen, doch die Army-Uniform, die ganz oben lag, war völlig durchnässt. Smith grub etwas tiefer und zog Unterwäsche, Socken und das Schulterholster für seine Beretta hervor. Aus dem Schrank nahm er eine schwarze Cordhose, ein langärmeliges graues T-Shirt und eine kurze schwarze Jacke. Diese Sachen waren wenigstens trocken. Er zog sich rasch an, legte das Holster an und griff nach seinen Laufschuhen. Smith zögerte. Die Schuhe waren ebenfalls schwarz, eine gute Farbe, um im Dunkeln nicht aufzufallen, doch sie waren an den Fersen mit reflektierenden Streifen versehen. Er warf einen Blick auf den einen Anzugschuh unter dem Koffer - er schien trocken zu sein, doch der andere, den er nach dem Eindringling geworfen hatte, war völlig durch­nässt. Schließlich zog er die Laufschuhe an. Die Leuchtstreifen würde er irgendwie abdecken, wenn er mehr Zeit hatte. Er steckte seine Brieftasche und den Pass in eine Tasche, das Handy, die Fotos und das Geld in eine andere, und schnappte sich die AK-47 und die Munition.

Doppelt bewaffnet kehrte Smith auf den Flur zurück und rannte zur Nordtreppe. Er drückte die Tür auf und trat auf den Treppenabsatz. Rauchwolken hingen in der Luft, und der Ruß kratzte bei jedem Atemzug im Hals. Rasch lief er die Metalltreppe hinunter, stoppte auf dem nächsten Absatz und legte eine Hand an die Brandschutztür. Das heiße Metall verbrannte ihm die Handfläche, und er riss sie rasch zurück. Der dichte Rauch trieb ihm Tränen in die Augen, und er eilte so geräuschlos wie möglich weiter. Das Gebäude erbebte, als er die letzten Stufen vor dem Erdgeschoss nahm, und der Putz bröckelte von den Wänden. Der Qualm war nun so dicht, dass Smith das Gefühl hatte, pure Asche einzuatmen. Er erreichte eine Ecke und schob sich vorsichtig weiter, mit dem Rücken zur Wand, die AK-47 im Anschlag. Im nächsten Augenblick sah er in die Mündung eines Gewehrs.

Für einen Moment stand die Welt still. Smiths Finger krümmte sich reflexartig um den Abzug. Sein Blick traf den des Mannes. Grüne Augen blickten unter einer dunklen Wollmütze hervor. Smith sah etwas darin aufleuchten, als würde der Mann ihn erkennen.

»Mr. Smith?«, flüsterte der Unbekannte.

Smith nickte kurz.

»Danke, dass Sie nicht abgedrückt haben. Ich bin Andreas Beckmann. Ich habe die zwei Männer am Fenster erschossen.« Erneut ließ eine Explosion das Haus erzittern.

»Geben Sie mir Deckung!« Smith ging an Beckmann vorbei und stieg weiter nach unten, das Gewehr von links nach rechts schwenkend. Auf dem nächsten Treppenabsatz drückte er sich gegen die Wand, und Beckmann ging wieder in Stellung. Sie erreichten das Erdgeschoss und übernahmen abwechselnd die Führung, bis sie zur letzten Tür gelangten.

Smith drückte die Tür einen Zentimeter auf. Kühle Luft strömte herein und vermischte sich mit dem schweren Rauch im Treppenhaus. Es war angenehm, wieder frischen Sauerstoff einatmen zu können. Er spähte hinaus. Vor ihm erstreckte sich die Hotellobby. Hier war das Zerstörungswerk der Terroristen deutlich zu erkennen.

Der Parkettboden, die Marmorsäulen und die samtbezogenen Sitzmöbel zeigten die Spuren einer Handgranate, die mitten in der Lobby detoniert sein musste. Überall lagen umgekippte Stühle, und ein Sofa, das Smith beim Hereinkommen aufgefallen war, war völlig zertrümmert. Die Explosion hatte ein riesiges Stück aus der Säule in der Mitte der Lobby herausgerissen und einen tiefen Krater in den Parkettboden geschlagen.

»Ist die Luft rein?«, fragte Beckmann.

»So weit ja. Gehen wir.«

Mit dem Rücken zur Wand bewegte sich Smith durch die Halle, nach der geringsten Bewegung Ausschau haltend. Das Gewehr im Anschlag, näherte er sich der Tür zur Freiheit. Beckmann folgte ihm mit dem gleichen lautlosen Tritt. Smith hörte ein Geräusch von vorne und signalisierte Beckmann, stehen zu bleiben. Fünf Meter vor ihm mündete die Lobby in den breiteren Abschnitt mit dem Empfangstisch. Von hier aus war nicht zu erkennen, ob dort jemand lauerte. Eine dicke Marmorsäule etwa zwei Meter von der Wand entfernt würde ihm Deckung bieten, doch um dahinter zu gelangen, musste er vollkommen schutzlos durch die Halle laufen. Er überlegte, ob es dunkel genug war, um mit seinen dunklen Klamotten ungesehen zu bleiben.

»Ich geh zur Säule«, entschied Smith. Beckmann nickte.

Smith duckte sich, holte tief Luft und war mit zwei langen Sätzen bei der Säule. Er drückte sich an den kühlen Stein. Beckmann folgte zwei Sekunden später und hockte sich neben ihm mit dem Rücken zur Säule. Smiths Herz hämmerte, doch er erkannte sofort, dass er das Risiko zu Recht eingegangen war.

Drei Männer standen Schulter an Schulter am anderen Ende der Lobby und blickten sich um. Alle drei trugen Strumpfmasken und hielten Maschinenpistolen im Anschlag. Der Empfangstisch hinter ihnen war völlig zertrümmert ebenso wie die mahagonigetäfelte Wand dahinter. Durch ein riesiges Loch sah Smith in das Büro dahinter.

»Wir haben Gesellschaft«, flüsterte er Beckmann zu.

»Wie viele?«

»Sechs. Drei Wachen und drei weitere.«

Beckmann drehte sich um und blickte über Smith hinweg.

Die drei anderen waren ebenfalls maskiert und standen vor dem Hotelsafe. Der Stahlkasten war mit schwarzem Staub bedeckt, schien die Explosion jedoch unbeschadet überstanden zu haben. Die Safetür war geschlossen. Ein Mann hielt ein Stück Papier vor sich und tippte mit der anderen Hand eine Zahlenkombination ein. Die Tür öffnete sich mit einem hörbaren Klicken. Der Terrorist griff hinein und nahm eine Kühlbox heraus. Auf einem Aufkleber an der Seite stand: Achtung, Bakterienproben.

»Warum wollen sie diese Behälter unbedingt haben?«, flüsterte Beckmann.

Smith schüttelte den Kopf. »Ich weiß es nicht, aber sie sind zu sechst, wir nur zwei. Es gefällt mir zwar nicht, dass sie das Zeug mitnehmen, aber ich kämpfe auch nicht gern in Unterzahl.«

»Denk nicht mal dran«, warnte Beckmann.

Smith wusste, dass er recht hatte. Er zählte fünf Uzi-Maschinenpistolen und eine AK-47 gegen seine Beretta und seine AK sowie Beckmanns Gewehr. Ein Blutbad war garantiert, und der Ausgang klar. Am Ende wäre nichts erreicht, außer dass er und Beckmann tot wären.

»Wir lassen sie gehen und folgen ihnen«, meinte Smith.

Die Männer nahmen zwei weitere Behälter heraus, ehe sie sich mit ihren Waffen im Anschlag vom Safe abwandten und die Tür offen stehen ließen. Sie verschwanden im hinteren Bereich des Hotels. »Wie wollen sie von hier wegkommen? Das Hotel ist umstellt«, wunderte sich Smith.

»Nicht die Rückseite«, erwiderte Beckmann. »Dort geht es zum Strand, und ihre Scharfschützen überwachen beide Seiten. Die holländische Polizei bleibt auf Abstand. Sie warten auf die Spezialeinheit.«

»Dann müssen die Terroristen per Boot gekommen sein«, meinte Smith.

Beckmann nickte. »Ich bin auch von der Strandseite gekommen. Wir sollten auf diesem Weg verschwinden. So­lange die Polizei nicht weiß, dass wir keine Terroristen sind, würde ich lieber nicht durch die Tür rausgehen.«

»Okay, gehen wir.« Smith schritt quer durch die Lobby zum Safe, stieg über die Zweige eines umgestürzten Baums in einem großen Terrakottatopf. Er blickte in den Tresor: Die einzelnen Fächer waren mit Nummern von 1 bis 50 markiert. Fast alle Fächer enthielten etwas zur Aufbewahrung. Smith griff hinein und nahm eine flache Schmuckschatulle aus Fach 36. Er öffnete die Schatulle und sah eine atem­beraubende Saphirhalskette mit einem großen Stein in der Mitte, eingefasst von Diamanten. Daneben eine...

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