"Die Bombe is' eh im Koffer"

Geschichten aus dem Handgepäck
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Oktober 2011
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06374-0 (ISBN)
 
Witzig, skurril, einfach unglaublich - aus dem Alltag in der Sicherheitsschleuse

Sprengstoff im Kulturbeutel, hoch dotierte Brieftauben oder gar die Urne mit Omas Asche: Was Achim Lucchesi und seine Kollegen von der Handgepäck- und Passagierkontrolle in den Taschen der Reisenden entdecken, ist zwar nicht immer ein Sicherheitsrisiko, aber oft mehr als kurios. Er nimmt seine Leser mit auf eine Reise in den Ganzkörperscanner, den VIP-Bereich und hinab ins Kellergeschoss eines Großflughafens und erzählt, was mit der teuren Flasche Whisky und dem Fläschchen Designer-Parfüm, die den 100-Milliliter-Test nicht bestanden haben, wirklich passiert. Unglaubliche, aber wahre Geschichten zum Staunen und Abheben.



Achim Lucchesi, geboren 1960, ist gelernter Bäcker und Konditor und arbeitete einige Jahre als Luftsicherheitsassistent am Flughafen Frankfurt. Er lebt mit Frau, Tochter und Hund in der Nähe von Frankfurt am Main.
  • Deutsch
  • 0,64 MB
978-3-641-06374-0 (9783641063740)
3641063744 (3641063744)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Probepackung (S. 196-197)

Er war ein kleiner Inder. Das muss man schon dazusagen, manche denken ja, Inder seien alle klein. Aber das wissen zumindest wir, die wir »Indiana Jones und der Tempel des Todes« gesehen haben: Der Inder kann ein ziemlicher Schrank sein. Der hier aber war eher so ein Nachtkästchen. Und er hatte enorme Schlagseite, wegen der Tasche, die er schleppte. Es war eine ganz normale dunkle Reisetasche, aber irgendwas war da drin, was so viel wog wie ein Panzerschrank oder ein sehr großer Inder. Und dann wird man neugierig.

Die Neugier eines Luftsicherheitsassistenten ist schwer zu beschreiben. Andere Leute sind beim Betrachten von einem kleinen Inder mit einer irrsinnig schweren Tasche ja vielleicht auch neugierig. Aber der Unterschied ist: Wir wissen, dass wir gleich reinschauen dürfen. Das ist keine Ich-will-das-jetzt-wissen-ich-muss-das-JETZT-wissen-Neugier, das ist eher wie wenn man Hunger hat, das Essen ist schon bestellt und jetzt muss es nur noch kommen: Man spürt beinahe so was wie eine richtige kleine Vorfreude, man hat Appetit auf die Tasche von dem Inder, und man wartet geduldig, bis er kommt. Manchmal gibt’s sogar einen Aperitif. Wie dieses Mal. Eine Tasche schleppen ist ja eine Sache, das allein sagt noch nicht allzu viel aus.

Fünf Kilo, zehn Kilo sind nach einer halben Stunde auch ziemlich schwer, das kann einen ganz schön runterziehen. Aber wenn so ein kleiner Inder dann am Einweiser vorbeigeht, die Tasche erst mal abstellt und sich danach fast einen Leistenbruch hebt, wenn er die Tasche auf das Rollband vor dem Röntgengerät wuchtet, dann ist man natürlich gleich doppelt neugierig. Und man weiß ja: Jetzt dauert’s nur noch ’ne Minute oder so, und dann kennt man das Geheimnis. Am Monitor konnte man es schon ziemlich genau eingrenzen: ein gewaltiger Quader, knallorange, das konnten eigentlich nur Getränkekartons sein. Die Frage war allenfalls noch, was für Kartons man in großen Mengen nach Indien fliegen musste.

Durfte man womöglich die heiligen Kühe nicht melken, und das war alles Milch, fettarm, 1,5 Prozent? Ich wartete, bis die Tasche aus dem Röntgengerät rollte, und zog sie zu mir. Sie war so schwer, da schnaufte auch ich. »Kann ich mal reingucken?« Er nickte freundlich. Ich öffnete den Reißverschluss. Und blickte auf zwanzig Kartons Apfelsaft. Nicht die Literkartons, sondern die 1,5-Liter-Version. Dreißig Liter Apfelsaft. Ich sah ihn an. Er sah mich an. Mit leuchtenden Augen. »Das ist – Apfelsaft«, sagte ich geistreich. »Apple juice«, nickte er und strahlte über das ganze Gesicht. Offenbar wirkte Apfelsaft ab dreißig Litern auf Inder euphorisierend. »Den können Sie nicht mitnehmen«, sagte ich. »You can’t take it with you.«

Das Leuchten verschwand, als hätte er es ausgeknipst. Er sah mich verwirrt an. »Zu viel«, sagte ich »too much! Thirty litres! Only one litre is allowed. Nur ein Liter.« Mit den 100-Milliliter-Sperenzchen fing ich gar nicht erst an. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Er war jetzt nicht mehr verwirrt, er war erschüttert. Dann entsetzt. Dann am Boden zerstört. »Das ist doch nicht so schlimm«, versuchte ich ihn zu trösten, »das ist doch nur Apfelsaft.« »Yes, apple juice«, sagte er und bekam dabei ganz feuchte Augen, »apple juice is sooo good.« »Gibt’s denn in Indien keine Äpfel?«, fragte ich ihn.

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