Young Elites 3 - Die Herrschaft der Weißen Wölfin

 
 
Loewe Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7320-1158-2 (ISBN)
 
Adelina ist endlich an ihrem Ziel angelangt: Sie sitzt auf dem Thron von Kenettra. Ihre Herrschaft als Weiße Wölfin ist grausam. Erbarmungslos rächt sie sich an ihren Widersachern. Als jedoch eine Gefahr auftaucht, die das Leben aller Begabten bedroht, ist Adelina gezwungen, mit ihren Feinden zusammenzuarbeiten. Mit der verhassten Gemeinschaft der Dolche macht sie sich auf eine riskante Reise, um sich selbst, ihre Schwester und ihr Königreich zu retten. Doch die widerwillig geschlossene Allianz und Adelinas stetig zunehmende innere Dunkelheit scheinen die Mission zum Scheitern zu bringen ... Im letzten Band ihrer historischen Fantasy-Trilogie führt Spiegel-BestsellerautorinMarie Lu gekonnt alle Fäden zusammen und spinnt ein Finale, das durch Action und Spannung, aber auch romantische und feinfühlige Momente überzeugt. Eine Geschichte, die berührt und zeigt, dass es nie zu spät ist, sich für das Richtige zu entscheiden.

Marie Lu, Autorin der Bestseller-Trilogie Legend, wurde 1984 in Shanghai geboren und lebte für einige Zeit in Texas, bevor sie an der University of Southern California studierte. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie bei den Disney Interactive Studios, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die Bestsellerautorin lebt mit ihrem Mann und drei Hunden in Santa Monica, nahe dem Meer. Ihre wenige Freizeit verbringt sie mit Lesen, Zeichnen, dem Spielen von Assassin´s Creed und Im-Stau-Stehen.
weitere Ausgaben werden ermittelt

Moritas war von den anderen Göttern in die Unterwelt verbannt worden. Doch Amare, der Gott der Liebe, hatte Erbarmen mit der jungen, kaltherzigen Göttin.

Er brachte ihr Geschenke aus der Welt der Lebenden, Körbe voll gebündelter Sonnenstrahlen, Krüge voll frischen Regens.

Amare verliebte sich in Moritas und die Frucht dieser Verbindung waren die Zwillingsengel Formidite und Caldora.

Studien altertümlicher und moderner Mythen von Mordove Senia

ADELINA AMOUTERU

Seit einem Monat plagt mich immer wieder derselbe Albtraum.

Nacht für Nacht liege ich im Bett in meinen königlichen Gemächern im Palast von Estenzia, als mich plötzlich ein Knarren weckt. Ich setze mich auf und schaue mich um. Regen peitscht von draußen an die Fenster. Neben mir schläft Violetta, die sich beim ersten Donnergrollen in mein Zimmer geschlichen hat. Unter der Decke schmiegt sie sich dicht an mich. Wieder höre ich das Knarren. Die Tür zu meiner Kammer steht einen Spaltbreit offen und schwingt langsam weiter auf. Dahinter erscheint etwas Grauenhaftes, etwas mit Fangzähnen und Klauen, etwas, was ich niemals sehe, aber von dem ich stets weiß, dass es da ist. Die Seide meines Nachthemds wird unerträglich kalt, als stünde ich bis zum Hals in einem winterkalten Meer. Ich kann das Zittern nicht unterdrücken. Ich rüttele Violetta, doch sie wacht nicht auf.

Dann springe ich aus dem Bett und stürze zur Tür, um sie zu schließen, aber ich kann es nicht - was auch immer auf der anderen Seite lauert, ist zu stark. Ich drehe mich zu meiner Schwester um.

»Hilf mir!«, rufe ich verzweifelt. Sie rührt sich noch immer nicht und erst jetzt wird mir klar, dass sie gar nicht schläft - sie ist tot.

Ich schrecke hoch, im selben Bett, in derselben Kammer, neben mir die schlafende Violetta. Nur ein Albtraum, denke ich. Einen Moment lang bleibe ich zitternd liegen. Dann höre ich wieder das Knarren, sehe, wie die Tür sich öffnet. Wieder springe ich aus dem Bett und eile zur Tür, um sie zu schließen, rufe nach Violetta. Wieder wird mir klar, dass meine Schwester tot ist. Und wieder erwache ich im selben Bett, um zu sehen, wie die Tür sich öffnet.

So fahre ich Hunderte Male aus dem Schlaf hoch, gefangen in den Wirren meines Albtraums, bis schließlich Sonnenlicht zu den Fenstern hereinfällt und die Finsternis vertreibt. Doch selbst jetzt, Stunden später, kann ich nicht sicher sein, ob ich nicht noch immer träume.

Ich habe Angst, dass einmal die Nacht kommen wird, in der ich nicht aufwache. Dass ich dazu verdammt sein werde, immer und immer wieder zur Tür zu stürzen, bis in alle Ewigkeit auf der Flucht vor einem Albtraum, der niemals endet.

Noch vor einem Jahr hätte meine Schwester Violetta mich auf diesem Ritt begleitet. Heute sind es Sergio und meine Inquisition. Jene weiß gekleidete, gnadenlose Armee, die seit jeher Kenettra dient - nur dient sie jetzt natürlich mir. Als ich mich zu ihnen umdrehe, erkenne ich den breiten weißen Strom ihrer makellosen Umhänge, strahlend hell vor dem düsteren Himmel. Dann wende ich mich wieder nach vorn, zurück zu den ausgebrannten Häusern am Wegrand.

Ich sehe nicht mehr aus wie damals, als ich den Thron bestiegen habe. Mein silbern schimmerndes Haar ist wieder nachgewachsen und heute zu einem juwelenverzierten Knoten hochgesteckt. Mein wehender dunkler Umhang reicht bis über das Hinterteil meines Pferdes. Ich trage keine Maske mehr oder verhülle die vernarbte Seite meines Gesichts mithilfe einer Illusion. Nichts verdeckt den Blick auf mein Gesicht.

Das Volk von Dumor soll seine neue Königin sehen, wie sie ist.

Endlich, als wir über den verlassenen Vorplatz eines Tempels reiten, erspähe ich den Mann, nach dem ich die ganze Zeit Ausschau gehalten habe. Magiano hat sich, kurz nach unserer Ankunft in der Stadt Tarannen, von mir und der kenettranischen Armee getrennt, zweifellos, um sich den einen oder anderen Schatz zu sichern, den die fliehenden Bürger in den Häusern zurückgelassen haben. Das hat er sich zur Gewohnheit gemacht, seit ich Königin geworden bin und begonnen habe, meine Fühler nach den Staaten und Gebieten rings um Kenettra auszustrecken.

Nun galoppiert er uns über den leeren Platz entgegen und wendet sein Pferd, sodass es neben meinem trabt. Sergio wirft ihm einen verärgerten Blick zu, sagt jedoch nichts. Magiano zwinkert ihm zu. Seine vielen geflochtenen Zöpfe sind hoch auf dem Kopf zu einem Knoten gebunden und statt der gewohnten, bunt zusammengewürfelten Roben trägt er einen goldenen Brustpanzer unter einem schweren Mantel. Natürlich ist das Metall mit Edelsteinen besetzt und aufwendig verziert. Wer es nicht besser weiß, würde wahrscheinlich vermuten, er wäre der Herrscher. Seine Pupillen sind schmale Schlitze und seine Lider wirken schwer in der Mittagssonne. Kreuz und quer über die Schultern hat er eine Auswahl verschiedener Musikinstrumente geschlungen. Prall gefüllte Satteltaschen klimpern an den Flanken seines Pferdes.

»Ihr seht allesamt fantastisch aus heute Morgen!«, ruft er fröhlich meinen Inquisitoren zu. Diese neigen bloß die Köpfe zum Gruß. Jeder hier weiß, dass die kleinste offen bekundete Respektlosigkeit gegenüber Magiano den sofortigen Tod durch meine Hand bedeutet.

Ich mustere ihn. »Wieder auf Schatzsuche gewesen?«

Er nickt selbstzufrieden. »Ich habe den ganzen Morgen für ein einziges Stadtviertel gebraucht«, erwidert er nonchalant, während seine Finger geistesabwesend über die Saiten der Laute vor seiner Brust streichen. Selbst diese unbewusste Geste entlockt dem Instrument einen perfekten Akkord. »Wenn ich all die zurückgelassenen Kostbarkeiten sammeln wollte, müssten wir Wochen hierbleiben. Sieh dir mal das hier an. Etwas derart fein Gearbeitetes habe ich in Merroutas noch nie gesehen. Du etwa?«

Er lenkt sein Pferd dichter neben meines. Aus einem Stoffbündel vor seinem Sattel lugt eine Sammlung von Pflanzen hervor. Klebdisteln. Bergnelken. Die knorrigen Wurzeln des gelben Enzians. Ich erkenne die Pflanzen sofort und verkneife mir ein kleines Lächeln. Wortlos löse ich meine Feldflasche und reiche sie ihm, ohne dass die anderen es mitbekommen. Nur Sergio blickt zu uns herüber, wendet sich jedoch gleich wieder ab und greift nach seiner eigenen Flasche. Sergio klagt schon seit Wochen über unstillbaren Durst.

»Du hast letzte Nacht nicht gut geschlafen«, murmelt Magiano mir zu, während er sich daranmacht, die Pflanzen zu zerdrücken und in mein Wasser zu mischen.

Ich habe mir an diesem Morgen mit der Illusion, die die dunklen Ringe unter meinen Augen verbergen soll, viel Mühe gegeben. Aber Magiano weiß immer genau, wann ich von meinen Albträumen geplagt wurde. »Damit werde ich besser schlafen«, entgegne ich mit einer Geste auf den Trank, den er mir zubereitet.

»Gelber Enzian«, sagt er, als er mir den Schlauch zurückreicht. »Der wächst hier in Dumor wie Unkraut. Du solltest heute Abend noch eine Ration einnehmen, um . na ja, sie in Schach zu halten.«

Die Stimmen. Ich höre sie nun ununterbrochen. Ihr boshaftes Zischeln, wie eine lärmende Wolke um meine Ohren, immerzu da, niemals still. Ihr Flüstern weckt mich morgens auf und begleitet mich abends, wenn ich zu Bett gehe. Manchmal reden sie völligen Unsinn. Dann wieder erzählen sie mir die grausigsten Geschichten. Jetzt gerade machen sie sich über mich lustig.

Wie rührend, spotten sie, als Magiano sein Pferd ein Stück von mir weglenkt und weiter auf seiner Laute zupft. Er mag uns nicht besonders, was? Stets bemüht, dich vor uns abzuschirmen. Dabei willst du gar nicht, dass wir dich in Ruhe lassen, nicht wahr, Adelina? Wir sind ein Teil von dir, eine Ausgeburt deines eigenen Geistes. Und ohnehin, warum sollte ein so hübscher Junge dich lieben? Verstehst du denn nicht? Er versucht nur, dich zu ändern. Er ist genau wie deine Schwester.

Kannst du dich überhaupt noch an sie erinnern?

Ich beiße die Zähne zusammen und nehme einen Schluck von Magianos Trank. Die Kräuter schmecken bitter, aber das ist mir nur recht. Heute muss ich wie eine siegreiche Königin wirken. Ich kann nicht riskieren, dass meine Illusionen außer Kontrolle geraten, wenn ich zum ersten Mal meinen neuen Untertanen gegenübertrete. Sofort spüre ich die Wirkung der Kräuter - die Stimmen klingen plötzlich gedämpft, wie in den Hintergrund gedrängt - und der Rest der Welt nimmt schärfere Formen an.

Magiano spielt einen weiteren Akkord. »Ich habe nachgedacht, mi Adelinetta«, fährt er in gewohnt unbeschwertem Ton fort, »und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich inzwischen viel zu viele dieser Lauten und Kostbarkeiten und hübschen kleinen Saphirmünzen gesammelt habe.« Er dreht sich halb im Sattel und klaubt eine Handvoll Gold aus einer der schweren neuen Satteltaschen. Dann wählt er ein paar einzelne Münzen aus, in deren Mitte winzige blaue Juwelen eingelassen sind. Jede davon ist zehn kenettranische Goldtalente wert.

Ich lache auf und hinter uns heben ein paar meiner Inquisitoren überrascht die Köpfe. So leicht vermag mich nur Magiano zu erheitern. »Nanu? Fühlt der Prinz der Diebe sich etwa all dem Reichtum nicht mehr gewachsen?«

Magiano zuckt mit den Schultern. »Was soll ich denn mit fünfzig Lauten und zehntausend Saphirmünzen anfangen? Und wenn ich noch mehr Goldschmuck trage, falle ich wahrscheinlich vom Pferd.«

Dann senkt er ein wenig die Stimme. »Ich dachte, du könntest vielleicht einen Teil davon an deine neuen Untertanen verschenken. Es muss ja nicht viel sein. Ein paar Saphirmünzen für jeden, ein paar Handvoll Gold aus deinen Truhen. Die quellen doch ohnehin über,...

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