Ungeborene Hoffnung

Wie Unfruchtbarkeit das Leben verändert
 
 
Bookspot Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Juni 2021
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95669-153-9 (ISBN)
 
Wie Unfruchtbarkeit das Leben nachhaltig verändert - die wahre Geschichte einer jungen Bloggerin

Das Leben besteht nicht nur aus Glitzer und Zuckerwatte, das müssen Elodie und Egar lernen, als sie sich ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen wollen - ein eigenes Kind

Als "unbezwingbare Julieta" berichtet Elodie auf ihrem Blog mit emotionaler Offenheit davon, wie durch Unfruchtbarkeit ihre Welt aus den Fugen gerät. Sie verschweigt dabei nichts: den Neid auf das Familienglück anderer, die Wut auf den gesellschaftlichen Druck, ihre Sorgen hinsichtlich künstlicher Befruchtung und die Belastung der Beziehung. Und doch schafft es Elodie dabei immer wieder, ihren Followern Hoffnung zu schenken und mit der Erkenntnis umzugehen, dass manchmal der größte Traum im Leben genau das bleibt: ein Traum.
  • Deutsch
  • Planegg
  • |
  • Deutschland
  • 0,68 MB
978-3-95669-153-9 (9783956691539)
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Elodie López wurde in Frankreich geboren, ihre Mutter ist Französin, ihr Vater Spanier. Bald nach der Geburt übersiedelte die Familie nach Blanes in der Provinz Girona. Nach Berufserfahrungen verschiedener Art entdeckte die Autorin ihre Begabung für die Fotografie, womit sie sich eine Zeit lang beruflich beschäftigte. Sie veröffentlichte ihre Bilder, aber auch Texte in sozialen Netzwerken und gewann damit eine große Anhängerschaft. Ihre vielen Follower auf der Seite "La sonrisa de Julieta" (Julietas Lächeln) und der Seite @indomablejulieta (unbezwingbare Julieta) schätzten und schätzen nach wie vor ihre Fähigkeit, Gefühle direkt und frei zu schildern.

 

1. Nie hätte ich diese Worte sagen sollen


 

Ich dachte immer, dass alles in meinem Leben damit zusammenhängt, welche Möglichkeiten sich mir auftun, welche Türen ich dabei öffne und welche ich verschlossen lasse. Im entscheidendsten Moment meines Lebens beschloss ich etwas, das sich für mich gut anfühlte. Es war vielleicht nicht der einfachste Weg, den ich damit beschritt, wohl aber der realistischste.

Viele kennen mich als Julieta, aber bevor ich mehr von mir erzähle, möchte ich preisgeben, dass dies nicht mein wahrer Name ist.

 

Beim Frühstück las ich einmal in einer Illustrierten ohne Angabe des Autors, dass es einen sogenannten unsichtbaren roten Faden zwischen zwei bestimmten Menschen geben soll, der sie verbindet, bis sie einander begegnen. Diese Idee fand ich töricht und überlegte: Man sagt ja, dass jeder Mensch eine verwandte Seele habe, eine sogenannte Zwillingsseele, als wäre man die Hälfte einer Orange oder einer Zitrone, je nach Geschmack. Eine Hälfte könnte in Los Angeles leben, die andere in Chipiona, Südspanien. Wie könnten sie einander begegnen? Also eine unglaubwürdige Theorie, wie mir schien. Aber stellt euch vor, ich hatte mich geirrt. Manchmal sind die Dinge einfacher als gedacht und Kausalitäten existieren wirklich.

Ich dachte immer, dass Leute, die solche Bücher anonym veröffentlichen, es nur machen, um sich dabei gut zu fühlen und um von Tausenden gelesen zu werden. Für mich waren es Feiglinge. Damals glaubte ich, die Liebe sei nur eine Form, sich gehen zu lassen. Über viele Jahre mit demselben Partner zu schlafen war üblich, also konnte es wohl nicht so schwer sein, schließlich lebten meine Eltern nach diesem Prinzip. Zu beobachten, wie mein Vater noch immer zärtlich den Hintern meiner Mutter berührte, so oft sich ihm die Gelegenheit dazu bot, bedeutete damals für mich, dass dies die Norm sei. Liebevoller Umgang, über Jahrzehnte hinweg, musste wohl so leicht zu leben sein, wie gehen und essen. Alles in allem bestand meine Reaktion auf das Thema Liebe darin, meinen Impulsen zu folgen und täglich die Bettwäsche zu wechseln.

 

Heute staune ich, wenn ich an das Kind denke, welches ich damals mit zweiundzwanzig Jahren noch war. Nicht nur mein Denken war das eines Kindes, auch mein Körper. Bei einer Körpergröße von 1,57 Meter wog ich vierzig Kilogramm und meine Brüste waren winzig, kaum größer als die Nippel selbst. Manchmal überlegte ich mir, eine Brustvergrößerung machen zu lassen, doch als ich auf YouTube mit eigenen Augen sah, was dabei geschieht, verging mir diese Dummheit schnell wieder. Aber das sind Geschichten, die ich hier nicht weiter ausführen werde. Ich dachte nur, dass euch vielleicht interessiert, welche Art von Mädchen ich war, bevor ich beginne, über meinen Weg zu erzählen, um den es in diesem Buch geht. Damals trug ich lange Haare mit vielen knallroten Strähnchen. Zwar zählte ich nicht zu jenen, die ständig mit ihrer Frisur herumexperimentierten, aber wie es oft vorkommt, kompensierte auch ich so manchen Frust mit dem Gang zum Friseur, um mir Dinge machen zu lassen, die ich bei guter Stimmung so bestimmt niemals gewollt oder gewagt hätte. Jedenfalls ruinierte ich meine schönen, glatten brünetten Haare mit diesen Strähnchen.

Ich hatte immer das Gefühl, mein Erscheinungsbild ließe mich noch dünner wirken, als ich ohnehin war: lange Haare, große braune Augen mit langen Wimpern und buschigen Brauen. Mein Freund betonte immer, dass er mich wunderschön fände, egal wie ich mein Äußeres präsentierte. Über ihn muss ich euch noch viel erzählen, aber später. Zunächst zu mir: Ich arbeitete damals in einem Schuhgeschäft meines Dorfes Blanes an der Küste von Girona. Die Arbeit bereitete mir viel Freude, sie war genau das, was ich gern machte. Ich begann dort mit siebzehn Jahren zu arbeiten. Ihr könnt euch vorstellen, wer mich praktisch großgezogen hat: meine Chefs. Okay, das stimmt nicht ganz, meine Eltern haben mich großgezogen, aber auch meine Vorgesetzten hatten einen enormen Einfluss auf mich. Ich habe mehr Stunden bei der Arbeit verbracht als zu Hause. Ach ja, natürlich hatte ich eine Wohnung, lebte aber nicht allein, sondern mit meinem Freund. Diesen besonderen Menschen möchte ich euch, wie gesagt, später vorstellen. >Das Beste zum Schluss<, seid also nicht ungeduldig.

Mein Leben verlief vollkommen normal, ganz gewöhnlich, wie bei allen Menschen. Ich arbeitete von Montag bis Samstag, Vollzeit, und genoss die Wochenenden, um mit Freunden tanzen zu gehen oder mich ganz einfach mit ihnen zu treffen. Da ich nicht mehr bei meinen Eltern wohnte, lebte ich in mancher Hinsicht verantwortungsbewusster als meine Freundinnen, zahlte pünktlich meine Rechnungen, lernte kochen, machte den Führerschein, sparte, so gut ich konnte, damit das Geld bis zum Ende des Monats reichte. Und wenn, dann gönnte ich mir mitunter eine Kleinigkeit, ein neues Kleid etwa oder ein hübsches Top. Was für eine Leistung! Ich dachte, eine Wohnung zu haben, mit dem Freund zusammenzuleben, regelmäßig in die Arbeit zu gehen und gleichzeitig freundschaftliche Kontakte zu pflegen, wäre alles, was ich wissen musste, um das Leben zu verstehen und zu meistern.

Meine Einstellung half mir dabei sehr. Ich war immer ein verträumtes Mädchen gewesen und glaubte fest daran, den Weg zu gehen, der mich direkt zur Erfüllung meiner Träume führte. Vom Leben hatte ich eine unwirkliche Vorstellung, betrachtete die Dinge verklärt. Oft musste ich mir Vorträge meines Vaters anhören, der mir versuchte zu erklären, wie schwer es mitunter sein konnte, alles zu meistern und dass ich endlich aus den Wolken auf den Boden der Tatsachen kommen solle. Die Welt bestehe nicht nur aus Glitzer und Konfetti.

- »Elodie, in deinem Leben wirst du noch viel durchzustehen haben, glaube es mir.«

Jetzt kennt ihr meinen richtigen Namen und wisst auch, dass mein Vater mich immer zurückholte, wenn ich aus der Reihe tanzte. Wenn ich ehrlich bin, gibt es Tage, an denen ich mich nach diesem Mädchen sehne, das ich damals war; rebellisch, eigenwillig. Doch ich sehne mich nicht wegen des Mädchens zurück. An damals zu denken verdeutlicht mir einmal mehr, wie verliebt ich in ihn war.

 

Ich lernte ihn mit fünfzehn Jahren kennen, und zwar auf eine absolut absurde Weise. Wenn es wirklich ein rotes Band zwischen zwei Seelen gibt, das sie verbindet, bis sie einander treffen, dann verband uns beide ein recht stümperhaftes, nämlich ein Stück Plastikschnur, mit dem ich am rechten Handgelenk so stark gefesselt war, dass mir die Finger taub wurden. Ich beschreibe euch keine Szene aus »Saw«, sondern die Geschichte meiner Liebe.

Es war so: Ein Freund nahm mich zur Garage seines Cousins mit . Wartet, wenn ich es so erzähle, klingt es wie eine Krimiszene, doch es ist der schönste Krimi der Welt. Alles verlief normal, der Kumpel brauchte ein Ersatzteil für sein Motorrad. Wir lachten und scherzten dann so lange herum, bis ich schließlich an eine Stange gefesselt war. Wie peinlich! Mir schwitzen heute noch die Hände, wenn ich mich daran erinnere. Es gelang uns nicht, mich von dieser verfluchten Plastikschnur zu befreien. Je mehr ich daran zog, um sie zu zerreißen oder zu lockern, desto fester zog sie sich zusammen und schnitt mir ins Fleisch. In dieser ausweglosen Situation erschien der Held, attraktiv, mit grünen Augen und einem Lächeln, das mir den Atem raubte. Ohne den Kumpel und mich wie Trottel dastehen zu lassen, bemühte er sich zu helfen und vor allem, mir nicht wehzutun. Er wirkte wie so ein blöder Erwachsener, gleichzeitig aber wie einer, der mit magischen Kräften alle Not lindert. Als er mich befreit hatte, schien sein Blick zu schreien:

- Erschrick mich nie wieder so sehr!

In diesem Augenblick wusste ich, dass mir meine Zwillingsseele begegnet war. Ich spürte, wie er sich ab dieser Minute für mich verantwortlich fühlte, als sei es sein Recht und seine Pflicht, mein Leben zu begleiten, mich zu beschützen. So lernte ich Egar kennen.

Unsere Beziehung war immer und in jeder Hinsicht sehr leidenschaftlich. Also seit wir ein Paar waren, oder genauer gesagt, seit er mich an einem Weihnachtsabend bat, mit ihm zu gehen. Wir waren beide gerade sehr betrunken, muss ich sagen. Für mich war es, als wäre ich in einem jener Romane, die immer ein Happy End haben und die Wahrheit ist, dass wir glücklich waren. Mitten in der Nacht, nach langen Gesprächen und sinnlosem Gekichere wegen Übermüdung - ich nannte diese Stimmung »das Müdigkeitslachen« - wollte ich oft nur schlafen, konnte aber nicht, weil die Momente mit ihm nie enden sollten. Oft fuhren wir hunderte Kilometer, um miteinander ein bestimmtes Eis zu essen, das es nur in einem verlorenen Dorf in den Bergen gab. Aufgrund solcher Verrücktheiten entdeckten wir manchmal schöne Plätze, die anderen verborgen blieben. Nur verrückt Verliebte konnten sie erkunden .

Er war diese Art Mensch, die dir den Atem raubt, um ihn dir durch Küsse wiederzugeben. Wenn sich meine Lippen mit seinen verbanden, verschwand mein Sein, ich wurde in eine irrationale Welt entrückt, in der wahnsinnige Liebe meinen kompletten Verstand auslöschte.

Häufig sprachen wir darüber, wie viele Paare mit der Liebe allein nicht auskämen und sich wieder trennten. Doch wir wussten, dass unsere Geschichte nicht nur eine fürs Bett war. Unsere Liebe wurde täglich neu erschaffen, sei es durch ein Lächeln, durch liebevolle Worte und nicht zuletzt durch unerschütterliches Vertrauen. Von ihm kamen keine Schwüre, mir den Mond vom Himmel zu holen. Vielmehr begleitete er mich, damit ich ihn mir selbst schnappen konnte, wenn mir danach war, während er mir flüsternd Mut zusprach,...

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