Rache

Die Eingeschworenen 4
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. April 2013
  • |
  • 496 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10395-8 (ISBN)
 
Vergeltung bis zum letzten Mann!

In der archaischen Welt der Wikinger sind die Eingeschworenen respektiert und gefürchtet. Aber Gold und Ruhm haben ihren Preis. Nach einer schweren Niederlage kennen die Kampfgefährten nur noch ein Ziel: blutige Rache. Doch dann erhalten sie ihren schwersten Auftrag. Sie sollen die schwedische Königin schützen, der mächtige Gegner nach dem Leben trachten. Die Zukunft des schwedischen Königreichs liegt in der Hand der Wikinger, für die es ums nackte Überleben geht ...

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 1,05 MB
978-3-641-10395-8 (9783641103958)
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Ostgotland, A. D. 975

Die Sonne hielt sich hinter den bleifarbenen Wolken, aber immerhin hatten sie einen Silberrand. Der Regen prasselte, das Meer wogte schwarz und träge wie ein Walross auf dem Felsen und der Wind trieb mir Sprühnebel in die Augen.

»Leider stürmt es nicht genug«, erklärte Hauk Schnellsegler. Natürlich hatte er recht. Es stürmte nicht stark genug, um unsere Feinde aufzuhalten, deren großes, grün umrandetes Segel der Wind blähte, der sie den Fjord herauftrieb. Auf dem Schiff, an dessen Bug eine Schlange bösartig das Maul aufriss, sah dieses Segel aus wie eine Drachenschwinge, und das gab dem Schiff auch seinen Namen.

Auf der Fjord Elk lagen die Riemen knapp über dem Wasser und wurden nur benutzt, um das Tier am Bug im Wind zu halten, der uns die Feinde entgegentrieb; es wäre sinnlos gewesen, uns abzumühen - wir waren ohnehin unterbesetzt -, während unsere Feinde ihre Rüstung anlegten. Erst wenn sie das Segel einholten, würde es für uns ernst werden, dann waren sie zum Kampf bereit.

Stattdessen waren die Männer damit beschäftigt, Gurte festzuzurren, ihre Klingen zu prüfen und ihr Haar zusammenzubinden, das der Wind ihnen ins Gesicht wehte. Alle gedungenen Männer von Jarl Brands Schwarzadler waren bei uns, bis auf sechs, die mit Ref und Bjaelfi die Frauen und Kinder von der Halle in Hestreng hinunter ins Tal führten, zusammen mit so viel Verpflegung und Zeltbahnen, wie sie tragen konnten. So weit weg wie möglich vom Zorn Randr Sterkis und der rachedurstigen Besatzung der Drachenschwinge.

Ich hoffte, Randr Sterki würde sich damit zufriedengeben, Hestreng zu plündern und niederzubrennen und nicht allzu weit ins Landesinnere vordringen. Ich hatte ihm mehrere Hammel und einen Stall voll Hühner und Schweine dagelassen, die er mitnehmen konnte, dazu die Halle und die Nebengebäude zum Abbrennen - und wenn er hinter den Eingeschworenen her war . Nun ja, wir waren hier und erwarteten ihn auf See.

Trotzdem, ich wusste schon, was Randr zu diesem Überfall bewogen hatte, und ich konnte es ihm nicht einmal verdenken. Wieder spürte ich einen Speer in der Kehle und hatte beinahe die Hosen voll vor Angst, so wie es mir immer ging, wenn wir Männer zu erwarten hatten, die mir mit scharfem Metall zu Leibe rücken wollten. Aber ausnahmsweise hatte ich diesmal nicht den Wunsch, irgendwo anders zu sein. Ich gehörte hierher, um die Meinen zusammen mit unseren Grünschnäbeln, die am Nestrand hockten, vor der Rache der Plünderer zu bewahren.

Vor Männern, wie wir es waren.

Gisur, der sich zwischen den Männern hindurch von Stag zu Stag schwang, sah aus wie dieser wild gewordene kleine Affe, den ich einst in Serkland gesehen hatte. Sein wettergegerbtes Gesicht sah ihm so ähnlich, dass ich grinsen musste. Mein Grinsen überraschte ihn im Angesicht dessen, was uns bevorstand, doch dann grinste er zurück.

»Wir sollten die Riemen einziehen, Jarl Orm, ehe sie zersplittern.«

Ich nickte; wenn die Schiffe aneinanderstießen, würde von den Riemen auf der entsprechenden Seite nicht mehr viel übrig bleiben, falls wir sie draußen ließen. Mit lautem Gepolter wurden sie an Bord geholt und längsseits geborgen, ab und zu fluchte jemand, wenn ihn ein Holm traf. Jetzt konnte ich den weit aufgerissenen Rachen der Drachenschwinge ganz klar erkennen, ich hörte bereits schwach das erste Gebrüll in der Ferne und sah, wie mit Waffen hantiert wurde.

Ich beobachtete, wie sie das Segel um die Rah wickelten, als zwei von Jarl Brands Männern sich nach vorn drängten, fast bis an den Bug der Fjord Elk. Sie kletterten über Riemen, schubsten Männer zur Seite und legten noch im Gehen die Pfeile an die Sehne. Sie schossen, und die Schreie, die aus der Ferne ertönten, ließen unsere Männer aufjubeln - und dann fluchen, als umgehend die Antwort kam und ins Holz eindrang. Einer der Bogenschützen, Kalf Sygni, vollführte eine halbe Drehung und umklammerte seinen Unterarm, den ein Pfeil vollkommen durchbohrt hatte.

»Den hab ich nicht kommen sehen«, schrie Finn und hob seinen Schild, während er sich zum Bug vorarbeitete und mit seinem Kettenhemd klirrend gegen die Schulter von Nes-Björn stieß, der in dieselbe Richtung wollte und ihn wütend ansah.

»Auf Jarl Brands Schwarzadler bin ich der Mann am Bug«, knurrte Nes-Björn.

»Du bist hier nicht auf der Schwarzadler, belehrte Finn ihn, und der Hüne ließ ihn widerwillig vorbei und seinen Platz einnehmen. Auf der Drachenschwinge nahm sein Gegenüber, der beste Kämpfer seines Schiffes, ebenfalls seine Position ein, im Kettenhemd und mit Helm, den Schild in der Hand, allerdings mit einer Waffe, die nicht viel mehr war als eine Zimmermannsaxt.

Sie hatten das Segel eingeholt und die Ruder an Bord gebracht, doch die Drachenschwinge hatte noch ausreichend Fahrt, um uns zu rammen, was die Elk so ins Schwanken brachte, dass der Bordrand fast die Wasserlinie berührte und die Männer, die darauf nicht vorbereitet waren, taumelten und stürzten. Randrs Männer grölten, Äxte kamen über den Bordrand geflogen, und die Männer duckten sich hinter ihre Schilde. Die Axtkämpfer zogen fest an den Tauen, die mit Ringen an ihren Axtgriffen befestigt waren, und indem sie die Blätter der Äxte fest gegen den Innenrand der Elk zogen, brachten sie unsere beiden Schiffe so eng aneinander wie ein brünstiges Liebespaar.

Ein Mann schrie auf, als ihm dabei das Bein eingeklemmt wurde, brüllend und um sich schlagend hing er wie ein gefangener Fuchs zwischen den Bordrändern. Holger, erinnerte ich mich dunkel, als er sich die Seele aus dem Leib schrie. Er hieß Holger.

Ein Pfeil flog vom Mast und zischte an meinem Kopf vorbei; ich trug kein Kettenhemd, denn ich war mir nicht sicher, ob ich es schnell genug ausziehen könnte, falls ich über Bord ginge. Botolf, der an meiner rechten Seite stand, quittierte meinen Fluch mit einem Grinsen.

»Jetzt weißt du, wie es sich anfühlt«, rief er, und ich lachte, weil er so zufrieden klang. Denn es war ein beliebter Scherz unter uns, dass Botolf noch kein Kettenhemd gefunden hatte, das groß genug für ihn war. Dann warf er den Kopf zurück und brüllte seinen Namen heraus; Randr Sterkis Männer schrien und heulten; die Seiten der Schiffe krachten, und die Männer warfen sich vorwärts, während die miteinander verbundenen Schiffe ächzten und schwankten.

Das Schlimmste an einem Kampf, wenn die ersten Verwundungen erst einmal die Angst vertrieben haben, ist, dass es wirklich Schwerarbeit ist. Der Gestank und das Entsetzen, der Schrecken, der einem die Gedärme verknotet, der brutale Hass - alles das waren Dinge, an die ich mich gewöhnt hatte -, aber es war die schiere mörderische Knochenarbeit, an der ich immer wieder fast verzweifelte. Es ist, als pflüge man ein steiniges Feld, in dem die Steine hochkommen und einen treffen wollen, bis einem vor Erschöpfung die Knie zittern und man nicht mehr kann. Das einzig Gute für einen Jarl ist dabei, dass man nicht zu tief ins Getümmel gerät, zumindest nicht am Anfang, aber man muss standhaft bleiben wie ein Fels in der Brandung und so tun, als sei man Herr der Lage.

Ich stand fest auf meinem Platz, geschützt von Botolfs Schild, und beobachtete, wie die Mannschaft der Drachenschwinge uns zu entern versuchte, wobei die Ränder beider Schiffe von der plötzlichen Gewichtsverlagerung fast ins Wasser eintauchten. Sie kämpften und hieben aufeinander ein und starben auf den Ruderbänken. Meine geliehenen Männer versuchten fieberhaft, die Taue durchzuhauen, die uns aneinanderbanden, andere versuchten, die Männer auf der Drachenschwinge auszuschalten, die beide Schiffe wieder näher zusammenbringen wollten.

Es waren großmäulige Schreihälse, die Männer von Randr Sterki. Sie fuchtelten mit Speeren und Äxten herum und waren in Leder gekleidet, doch manche von ihnen verfügten nur über ziemlich primitive Brustpanzer aus geknotetem Tau. Sie trugen ein Sammelsurium von Helmen, keiner davon ein besonderes Zierstück, und ihre Klingen waren schartig wie ein Hundekiefer - selbst Randr Sterkis Mann im Bug, der ein Kettenhemd trug, mit seiner Zimmermannsaxt. Doch sie waren angetrieben vom Durst nach Vergeltung, und das machte ihre Arme stark und ihre Klingen so gefährlich.

Randr stand in der Mitte seines Schiffs und brüllte Flüche; er war von einer Gruppe Männer umgeben, die sich von den anderen Männern so stark abhoben wie Schafköttel auf Schnee. Bei ihrem Anblick bekam ich weiche Knie, es waren Männer, die vor sich hin starrten, aber nichts sahen, die nichts als dicke Felle über ihren Hosen trugen und weißen Schaum vor dem Mund hatten, der auf die Bärte tropfte. In ihre Arme waren blutige Kraftrunen geritzt, und sie hantierten wie spielerisch mit ihren schweren Waffen. Ich bemerkte, dass einige von ihnen Schwerter hatten, die häufig benutzt und wahrscheinlich wohlverdient waren.

»Bärenhäuter!«, schrie Botolf mir ins Ohr. »Er hat Bärenhäuter, Orm .«

Noch ehe er fertig war, sah ich sie, alle zwölf, nervös wie ein Rudel Wölfe, das ein Opfer wittert. Bärenhäuter - Berserker - hatten noch nie zu Randr Sterkis Mannschaft gehört. Woher hatte er sie? Mein Mund wurde trocken; ich sah sie knurren und heulen und selbst ihre eigenen Männer umrennen, wenn diese nicht rechtzeitig aus dem Weg gingen.

Der Erste von ihnen, flachsblond und mit wirrem Bart, kam an die Bordwand...

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