Tödlicher Wind

 
 
Niemeyer C.W. Buchverlage
1. Auflage | erschienen am 4. April 2011 | 296 Seiten
 
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978-3-8271-9602-6 (ISBN)
 
Im Emmertal, einem wunderschönen Tal des Weserberglands, soll unterhalb der Hämelschenburg eine Windkraftanlage errichtet werden. Schon die Planung weckt kriminelle Energie von Hameln bis Bad Pyrmont. Da wird der Initiator des Projekts tot in Bad Pyrmonts Dunsthöhle gefunden - der Höhle hat bereits Goethe misstraut. Die Polizei geht von einem Selbstmord oder Unglücksfall aus. Das sieht Hubert Wesemann, der akribische Journalist mit seiner Einmann-Redaktion fürs Regional-Radio, ganzanders. Er wittert einen neuen Fall. Dann wird auch noch der Eigentümer von Grund und Boden, auf dem die Anlageerrichtet werden soll, tot aus dem Graben an der Hämelschenburg gezogen. Hubert Wesemanns zweiter Fall: spannend, unterhaltend, mit einem Schuss Humor und Ironie.
Deutsch
6,34 MB
978-3-8271-9602-6 (9783827196026)
3827196027 (3827196027)
weitere Ausgaben werden ermittelt

EINS


Wenn man eine Beziehung aufbaut, braucht man gemeinsame Interessen, meint Karola. Zum Beispiel Theaterbesuche, Shopping-Touren und romantische Dinnerabende. Dem kann Wesemann nur seine Badeorgien am Sonntagmorgen entgegensetzen. Um ihn nicht zu enttäuschen, hat sich Karola schon zum zweiten Mal auf das feuchte Vergnügen eingelassen.

Sie sitzen sich in der Wanne gegenüber. Im Hintergrund läuft eine CD mit Lydie Auvrays Akkordeonmusik, auf Wunsch von Karola sehr leise. Man prostet sich mit einem Glas Campari-Soda zu. Wesemann streichelt sich mit den Zehen an der Innenseite von Karolas Beinen hinauf. Da klingelt das Telefon. Egal, der Anrufbeantworter soll den lästigen Anrufer abwimmeln. Es ist eine Anruferin:

„Hallo, Wesemännchen, wie geht’s denn so?“

Wesemann fällt das Campari-Glas fast aus der Hand.

„Nun geh schon ran. Hier spricht Lina aus Bad Pyrmont. Dein Mon Chéri mit der Pyrmont-Kirsche, wie du immer gesagt hast. Kennst du mich nicht mehr, oder willst du mich nicht mehr kennen? Ich habe dich jedenfalls nicht vergessen. Melde dich, aber schnell. Ich habe Cord zu Ottendorff gefunden. In der Dunsthöhle. Tot.“

Karolas Augen signalisieren Blitz und Donner zugleich.

„Meldest du dich?“, fragt Karola.

„Natürlich nicht!“ Wesemann, sie glaubt dir nur das erste Wort. Natürlich würdest du jetzt am liebsten aus der Wanne springen und ans Telefon hechten. „Das war lange vor deiner Zeit.“

„Das will ich hoffen.“

„Aber Cord zu Ottendorff? Tot? Der Mann mit den tausend Fingern, die er in zehntausend Sachen hat? – Kann bis morgen warten!“ Wesemann hebt sein Glas und schaut Karola in die Augen.

„Kann es wohl nicht!“, sagt Karola ernüchtert. „Lass das Wasser ab.“

Abrupt richtet sie sich auf, steht nun vor ihm und augenblicklich vergisst Wesemann Pyrmont, Ottendorff und das Mon Chéri.

„Finger weg“, sagt Karola, „und an die Arbeit, bevor es ein anderer tut.“

„Du liebst mich doch nur, weil ich schön, reich und berühmt bin.“

„Raus aus der Wanne, du Spinner, ich koche uns einen Kaffee.“

Wesemann ruft im Polizeikommissariat Bad Pyrmont an. Cord zu Ottendorff? Der liegt in Hameln. Nein, nicht die Leiche! Der Fall! Die Polizeiinspektion hat die Ermittlungen übernommen. Wer zuständig ist? Hauptkommissar Bertram. Aber heute sei Sonntag und da hätte HK Bertram auch ein Privatleben.

„Danke“, sagt Wesemann, „ich habe die Handynummer.“

„Wessen Handynummer?“, fragt Karola. Sie stellt zwei Kaffeetassen auf den Tisch.

„Hauptkommissar Bertram ist zuständig.“

Karola schlägt die Wochenendausgabe der Dewezet auf und sucht die Wohnungsangebote. Für einen Moment blitzt der kleine Stein im Ring an ihrer linken Hand auf. Wesemann betrachtet ihn als Verlobungsring, Karola mehr als Frage. Wesemann lächelt siegessicher. Er greift zum Handy.

„Es war ein Fehler, Ihnen meine Handynummer zu geben“, sagt HK Bertram.

„Ich bin nur neugierig im Dienst unserer Hörer.“

„Zwei Minuten“, sagt HK Bertram.

„Cord zu Ottendorff ist tot?“

„Wer hat Ihnen das denn geflüstert?“

„Michael.“

„Welcher Michael?“

„Erzengel Michael, der Schutzpatron kriminalistischer Ermittlungen.“

„Sind Sie sicher?“

Karola lacht, sieht Wesemann an, schüttelt den Kopf.

„Wieder eine Ihrer tollen Informationen“, sagt HK Bertram, „haben Sie das große Latinum?“

„Wie ist er gestorben?“

„Er saß in der ausgemauerten Grube der Dunsthöhle und hat nicht mehr geatmet.“

„So ein Feigling“, sagt Wesemann.

Er kennt HK Bertrams anspruchslosen Humor, will ihn bei Laune halten und nimmt sein Handy vorsichtshalber schnell vom Ohr. An HK Bertrams meckerndes Lachen wird er sich wohl nie gewöhnen. „Steht die Todesursache schon fest?“

„Wie es aussieht, wird er wohl erstickt sein.“

„Am eingeatmeten Kohlendioxid der Dunsthöhle?“

„Wesemann, Wesemann, Sie sind mir aber ein ganz schneller!“

Wieder dieses nervige Lachen.

„In welche Richtungen ermittelt die Polizei?“

„In alle, Wesemann, in alle.“ Hoffentlich drückt er das Gespräch jetzt nicht weg.

„Ein Verbrechen ist auszuschließen?“

„Wenn Sie mich privat fragen – da ist nichts zu holen. Für Sie. Der Mann hat einfach zu viel getrunken und ist durch Zufall in die Dunsthöhle geraten.“

„Wenn es so einfach ist.“

„Ist es. Was ich Ihnen jetzt sage, ist noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Wir haben in seinem Jackett die Eintrittskarte für die Spielbank vom gleichen Tag gefunden. Dort konnte man sich sehr gut an Cord zu Ottendorff erinnern. Schließlich ist er Stammkunde. Am Abend vor seinem Tod hat er eine Menge Geld an den Automaten gewonnen und sich in bester Stimmung auf den Weg gemacht.“

„In bester Stimmung ist er dann wenig später in die Dunsthöhle gestiegen und hat sich erstickt?“

„Er hat jedenfalls da gesessen. Noch etwas: Er hatte ein lustiges Windrädchen in der Hand. So ein Spielzeug für kleine Kinder, die Spaß daran haben, es durch Pusten in Fahrt zu bringen.“

Wesemann erträgt HK Bertrams Lachen. Er muss mehr wissen.

„Eigenartig. So ein Kinderkram in der Hand eines Erwachsenen?“

„Wesemann, das waren mehr als zwei Minuten. Morgen können Sie einen vorläufigen Bericht als Fax abrufen. Schönen Sonntag noch!“

Wesemann legt das Handy auf den Tisch.

„Eine Vierzimmerwohnung im Klütviertel für …“, Karola sucht, „… Miete steht nicht in der Anzeige, hört sich aber sonst ganz gut an. Mit Balkon, Bad mit Fenster, Gäste-WC, neuer Einbauküche – hörst du mir überhaupt zu?“

„Natürlich.“

„Es ist ganz schön anstrengend, dich zu lieben.“

Wesemann schenkt ihr ein abwesendes Lächeln. „Ich hab doch vor einiger Zeit einen Bericht über die Dunsthöhle gemacht. Im Archiv …“

„Ich hol uns ein Stück Kuchen vom Bäcker. Für dich Bienenstich wie immer?“

„Du bist lieb!“

Karola macht sich auf den Weg, und Wesemann verschwindet in seinem Studio, wechselt die kaputte Glühbirne in der Deckenlampe aus und schneidet sich an der Lampenfassung. Blut, Blut, überall Blut? Nein, ein kleines Pflaster wird den Schaden schnell beheben. Karola muss gleich zurück sein, sie weiß, wo das Pflaster liegt. Seit sie seine Wohnung aufgeräumt hat, findet er nichts mehr wieder.

Mit der unverletzten Hand wühlt sich Wesemann durch die Schubladen mit den abgelegten Radiobeiträgen. Bad Pyrmont. Nichts. Aha, einfach nur Pyrmont. Geranien, Goethe, Heilquellen, Unterabteilung Dunsthöhle.

Karola kommt zurück, erst das Pflaster, dann Kaffee und Kuchen, schließlich startet Wesemann den MP3-Player mit seinem vor Jahren gesendeten Rundfunkbeitrag.

… einzigartiges Naturphänomen am Helvetiushügel in Bad Pyrmont. Die Dunsthöhle. Sie liegt auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs, in dem Buntsandstein gebrochen wurde. Immer wieder fanden die Steinbrucharbeiter auf dem Grund der Höhle tote Tiere, die offensichtlich unverletzt waren. Der Pyrmonter Brunnenarzt Dr. Johann Philipp Seip, der 1712 nach Pyrmont kam, ging diesen Erscheinungen nach. Er kam zu dem Ergebnis, dass Schwefeldunst die Tiere ins Jenseits beförderte. Mit Genehmigung des Fürsten Friedrich Anton Ulrich zu Waldeck und Pyrmont ließ er 1720 die Grube ausmauern und darüber ein kleines Gewölbe errichten, um für die Kurgäste ein trockenes Schweißbad einzurichten, das Leuten aller Schichten gute Besserung und Hülfe gegen Geschwulst der Füße, Gichtschmerzen, Steifigkeit der Glieder und Linderung anderer Leiden bringen sollte.

Später erkannte man, dass es kein Schwefel, sondern Kohlendioxid ist, das in der Dunsthöhle trocken austritt. Das Gas dringt durch die Risse und Gesteinsklüfte der Quellspalte an die Oberfläche, ist eineinhalb Mal schwerer als Luft und bleibt daher in der Grube liegen. Selbst Johann Wolfgang von Goethe war von den vorgeführten Experimenten in der Grube schwer beeindruckt. Doch Vorsicht mit eigenen Versuchen, das Kohlendioxid auf dem Grund der Grube wirkt narkotisierend und erstickt auch die hartnäckigsten Lebensgeister nach sieben bis zehn Minuten.

„Ein langer Bericht“, sagt Karola, „und Baxmann hat ihn so über den Sender gehen lassen?“

„Für Johann Wolfgang ist ihm nichts zu viel, da steht er im Geiste stramm.“

„Komm“, sagt Karola und räumt die Kaffeetassen ab, „lass uns nach Pyrmont fahren, sonst bist du den ganzen Tag wieder geistig abwesend.“

„Wenn du meinst?“

Wesemann nimmt seine Tasche und Karola den Autoschlüssel für den Corsa.

„Willst du fahren?“, fragt Wesemann überrascht.

„Du hast heute schon zu viel geschluckt“, sagt Karola.

„Was soll ich denn geschluckt haben?“

„Wasser!“ Karola lacht. Wesemann, die steckt dich in die Tasche, wenn du nicht aufpasst.

Der Sender ruft an. Baxmann. Wesemann mit seiner Einmannredaktion für Funk und Presse ist angewiesen auf eine wohlwollende Auftragsvergabe. Baxmann hat was von einem interessanten Todesfall in Bad Pyrmont gehört. Da Wesemann nun mal sein bester Mann sei, habe er gleich an ihn gedacht.

„Bin schon unterwegs“, sagt Wesemann.

„Wollen Sie denn keine Einzelheiten?“

„Haben Sie welche?“

„Eigentlich nicht, bloß den Namen: Cord …“

„… zu Ottendorff.“

„Woher wissen Sie?“

„Ich bin doch Ihr bester Mann!“ Wesemann legt...

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