Mord auf dem Schützenfest

1. Hannover-Krimi mit Marike Kalenberger
 
 
CW Niemeyer (Verlag)
  • 3. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. November 2011
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8271-9611-8 (ISBN)
 
Hannover feiert das größte Schützenfest der Welt. Das hat Tradition, Power, Stimmung und Prost! Alles jubelt, alles lacht, nur einer kann nicht mehr mitfeiern, denn er liegt nach dem Schützenumzug etwas abseits am Ihme-Ufer und rührt sich nicht mehr. Arne Sonneveld, einer der diesjährigen Bruchmeister, die dem Schützenumzug ihre traditionelle Ausrichtung geben. Jung, ledig, unbescholten. Als Anlagebrater hat er sich beruflich mit dem Verkauf von AWD-Fondsanteilen allerdings nicht nur Freunde gemacht.
Kommissarin Marike Kalenberger, die mit einer kleinen Auszeit am Steinhuder Meer dem Schützenfestrummel entkommen wollte, muss an denTatort. Und plötzlich steckt sie mittendrin im Geflecht von Schützenehre,geschäftlichen Mauscheleien, Neid, Eifersucht und alkoholisch bedingten Bewusstseinsstörungen.
Kurz darauf wird auch noch Peter Brodinsky ermordet. Er war Mitarbeiter der Bank, die Kaufinteressenten ohne ausreichende finanzielle Mittel mit großzügigen Krediten zu ihren Fondsschnäppchen verhalfen.
Und damit gerät Hinnerk Benthe ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Er hat am Mordabend in einem der Festzelte auffällig lange mit Arne Sonneveld zusammengesessen und war in der Bank Vorgesetzter und erklärter Feind von Peter Brodinsky. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gerät Hinnerk Benthe auch noch in private Bedrängnis. Ehefrau Melli entdeckt nach Jahren langweiligen Ehelebens ihre extreme erotische Veranlagung und verfällt einem rücksichtslosen Ausbeuter. Die alles verschlingende Katastrophe greift nach Hinnerk Benthe, doch wenn die Not am größten scheint, sind da immer noch die Kollegen und Freunde aus dem Schützenverein .
  • Deutsch
  • Überarbeitete Ausgabe
  • 9,58 MB
978-3-8271-9611-8 (9783827196118)
3827196116 (3827196116)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Eins


Milchig weiß steht der Morgen über dem roten Backsteinbau der Marktkirche. Es wird ein heißer Tag werden: Staubig, drückend, bedrängend. Wie soll er Melli erklären, was in den letzten Stunden passiert ist?

Der alljährliche Schützenausmarsch stand an. Vor Sonnenaufgang waren sie in der Nacht zum Sonntag losmarschiert, um die vereinsbesten Schützen des vergangenen Jahres mit Marschmusik abzuholen. Bereits beim Ständchen vor den Häusern der Schützenbrüder gab es viel Hallo, Gelächter und das eine oder andere Schnäpschen.

Gegen neun trafen sich dann alle Schützenvereine auf dem Trammplatz vor dem Neuen Rathaus. Und wieder Hallo und ein, zwei Schnäpschen. Da war Melli auch dazugekommen.

Der Oberbürgermeister hielt seine Ansprache. Wie in jedem Jahr. Das Heeresmusikkorps spielte Alte Kameraden. Schlag zehn setzten sich die Schützenzüge unter dem Befehl „Im Doubliertritt, Marsch!“ zum mehrstündigen Ausmarsch in Bewegung. Zum größten Schützenfest der Welt auf dem Festplatz an der Ihme. Wer so ein Fest hat, braucht keine Wiesn, keinen Wasen und keinen Dom.

Bei den Schützen hatte und hat alles seine festen Regeln und Gebräuche. Nach der historischen Quartiereinteilung der Stadt wird der Zug der Schützen ebenfalls in vier Züge eingeteilt. Was nicht ausschließt, dass sich ein Schütze auch mal ins falsche Quartier verläuft.

Jedem Zug schreitet der aktuelle Bruchmeister mit einer städtischen Standarte voran. Ein junger Mann voller Stolz und Würde. Auf dem Kopf ein schwarzer Zylinder mit grünem Kleeblatt als heraldisches Symbol der Stadt Hannover. Dazu schwarzer Cut mit schwarzer Hose, blütenweißes Hemd mit weißer Fliege und an den Händen weiße Handschuhe. Ein Jahr wird er im Mittelpunkt des Vereinslebens stehen, danach kann er Mitglied im Collegium ehemaliger Bruchmeister werden. Für das geschäftliche und gesellschaftliche Vorankommen wertvoller als ein Hochschulabschluss oder Doktortitel. Beides zusammen kann natürlich nicht schaden.

Hinnerk Benthe gehört seit Jahren dem Collegium an und hat es beruflich bis zum Leiter einer Bankfiliale geschafft.

Sie hatten geschwitzt, Bier getrunken und viele Klare. Wer es konnte, zelebrierte eine Lütje Lage mit einem Glas Schankbier und einem Glas Kornbrand aus einer Hand. Wer es nicht konnte, goss sich Bier und Schnaps über Kinn und Jacke.

Im stundenlangen Marsch unter der Sonne wurde der Hals wund gescheuert, Blasen an den Füßen machten das Laufen beschwerlich, und die Ordensketten auf der Brust wurden immer schwerer.

Endlich war man auf dem Schützenplatz angekommen. Der Hemdkragen konnte gelockert werden, und der Knopf am Hosenbund wurde gelöst. Hosenträger übernahmen nun die alleinige Verantwortung. Man setzte sich zum Essen in der Festhalle Marris. Spanferkel, Schnitzel, Ochsenbraten. Eine aufnahmefähige Grundlage wurde geschaffen. Dann ging es weiter von Festzelt zu Festzelt. Alt Hanovera, Gilde Festzelt, Zum Herrenhäuser. Und überall wieder Hallo und Prost. Allmählich verloren die Schützenbrüder die Kontrolle über sich und den eigenen Bier- und Schnapskonsum. Wenn nicht jetzt, wann dann? Du traust dich nicht? Raus aus dem Festzelt, rauf auf den Rummel. Magic, Heiße Räder, Breakdance. Fahrgeschäfte für die Generation ohne Schwindelgefühl. Laut, hoch, schnell. Hubert und Gerold ließen sich provozieren, den Intoxx zu besteigen. Sie haben wohl nicht mehr realisieren können, was auf sie zukam. Ein Pfeiler, ein Schwenkarm, daran zwei frei bewegliche Gondeln, die sich um den Pfeiler, den Schwenkarm, sich selbst, ineinander und auseinander und um den eigenen Magen drehten. Hubert musste danach vom Roten Kreuz betreut werden und Gerold suchte sich einen Platz in der hintersten Ecke im Festzelt, trank nichts mehr, aß nichts mehr und brachte keinen Ton mehr heraus.

Die andern hatten sich schadenfroh amüsiert. Hinnerk war mit seiner Melli ein paar Runden Musik-Express gefahren, dann hatten sie noch mit Erich und Sabine Vonderheiden zusammengesessen, aber danach … Filmriss. Nichts mehr. Er kann sich nicht mal mehr erinnern, wo Melli geblieben ist. Und plötzlich war da Arne Sonneveld in seinen Armen. Ende dreißig, feingliedrig und irgendwie geschmeidig, sanft und anschmiegsam. Unverheiratet musste er als Bruchmeister sein, ob er andersherum war, wurde nicht gefragt. Wie er ihn angesehen hat. Ein feines Prickeln überzieht noch immer Hinnerks Unterarme, wenn er daran denkt. Diese erhitzte Haut auf seinen Wangen, die fordernden Hände. Hatten sie sich geküsst?

Mit dem Rücken lehnt Hinnerk an dem Kübel aus grauem Waschbeton. Die ganze Nacht muss er hier gesessen haben. Knochenhauerstraße. Wie ist er überhaupt hierhergekommen?

Er spürt nichts, kann seine Füße kaum bewegen, die Finger krallen sich um einen Absperrpfosten. In einer der Seitenstraßen werden Mülltonnen geleert. Kalter Schweiß steht ihm auf der Stirn. Sein schwarzer Cut ist verdreckt. Über ihm hängt der Zylinder schräg in den Zweigen irgendeiner Stadtbegrünung. Er würgt an dem ekligen Geruch nach schalem Bier und Hundedreck. Eine Frau fährt mit einem Fahrrad vorbei. Angewidert schaut sie auf den zusammengesunkenen Mann. Erst im letzten Augenblick weicht sie einem Müllcontainer aus. Hinnerk will grüßen, er öffnet den Mund, doch er kann die Zunge kaum bewegen.

Die Frau fährt weiter, hält aber nach ein paar Metern wieder an, dreht sich zu Hinnerk um. „Ist Ihnen nicht gut?“

Mühsam hebt Hinnerk eine Hand als Lebenszeichen. Die Frau schüttelt den Kopf, setzt ihr Fahrrad wieder in Bewegung. Hoffentlich wird er in seinem Zustand nicht von irgendwelchen Bekannten gesehen. Kunden wären noch schlimmer. Sein Arbeitsplatz liegt nur wenige hundert Meter entfernt, direkt hinter der Oper. Die HPP-Bank. Was sollten sie von ihm als Leiter der Kundenberatung denken.

Er versucht, Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Gestern war Sonntag, heute ist Montag. Um neun muss er an seinem Arbeitsplatz sein! Keine Panik, den Montag und Dienstag hat er sich vorausschauend freigenommen. Er stützt sich am Betonkübel ab, erhebt sich mühevoll, schwankt. Egal, was Melli sagt, er muss nach Hause, unter die Dusche. Alles abwaschen, den gestrigen Abend, die Nacht, das Erbrochene … da war auch Blut.

Spatzen suchen zwischen den zusammengeketteten Stühlen nach vergessenen Krümeln. Eine Ratte wittert aus einem Spalt zwischen zwei Stufen einer alten Steintreppe heraus, huscht dann ins nächste Kellerloch.

Hinnerk verschwimmen die Konturen vor den Augen, er muss sich wieder setzen, diesmal auf den Rand des Blumenkübels. Ihm ist schlecht, elendig schlecht. Wie hat er noch gestern auf den Putz gehauen und gelacht. Vielleicht war das alles ein bisschen viel. Wie jedes Jahr.

Er steht auf, besieht sich den verdreckten Cut, die fleckige schwarze Hose. Tastet nach seinem Hemdkragen. Die weiße Fliege ist ihm abhandengekommen. Und die weißen Handschuhe auch. Das Hemd voller gelber Senfflecken. Trotzdem atmet er auf, er spürt seine Beine wieder, nimmt den Zylinder von einem vertrockneten Zweig und klappt ihn flach zusammen. In dem Outfit muss er durch die halbe Stadt und sich zum Gespött der Leute machen.

Er sucht nach seinem Taschentuch, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Die Taschen sind leer. Bis auf die abgebrochene Ecke eines Bierdeckels mit irgendeiner Telefonnummer. Sein Taschentuch ist weg, verloren.

Er wischt sich den Schweiß mit dem Handrücken von der Stirn. Dann ein Gedankenblitz, ein Zusammenhang. Das Taschentuch war voller Blut. Vielleicht ist es ganz gut, dass er es irgendwo weggeworfen hat, bevor es Melli in die Hände fallen könnte und sie unangenehme Fragen stellt. Er muss seine Kleidung so schnell wie möglich in die Reinigung bringen.

Aus einer Seitenstraße taucht ein Mann auf, er pfeift, pfeift noch einmal, ein großer brauner Hund kommt gelangweilt um die Ecke, trabt auf Hinnerk zu, schnüffelt an der herausgezogenen Hosentasche. Hinnerk hat Angst vor dem Hund, außerdem stört ihn seine Aufdringlichkeit. Er steckt die Hosentasche zurück in die Hose, dreht sich weg. Der Mann ruft: „Zeno“.

Ein kleines, orangefarbenes Fahrzeug der Straßenreinigung taucht auf, kehrt mit kreisenden Besen den Müll vom breiten Gehweg und hinterlässt eine glänzend feuchte Spur auf dem Kopfsteinpflaster. Eine Frau mit Kopftuch kommt aus der Kneipe und leert ihren Putzeimer im Gully am Straßenrand. Zeno lässt Hinnerks Hose nicht aus den Augen, knurrt, der Mann mit der Hundeleine beschleunigt seine Schritte. „Keine Angst“, sagt er, „Zeno jagt nur Verbrecher!“ Er lacht, muss der Straßenreinigung ausweichen, tritt ganz dicht an Hinnerk heran. „Ach, Sie sind es, Herr Benthe, ist Ihnen nicht gut?“

Auch das noch, ein Kunde! „Doch, doch, es geht schon“, murmelt er, „nur ein leichtes Unwohlsein.“

„Wohl ein bisschen viel gefeiert gestern?“

„Zu viel.“

„Komisch“, sagt der Mann mit der Hundeleine, „Zeno müsste Sie doch eigentlich kennen. Sie sind doch ein Ehrenmann. Na ja, vielleicht hat er gedacht, Sie wären ein …“

Penner, denkt Hinnerk, er meint Penner.

Der Mann gibt seinem Hund einen Klaps, Zeno läuft bellend dem orangefarbenen Straßenreinigungsfahrzeug hinterher. Im Strauch hinter Hinnerk singt jetzt eine Amsel.

Hinnerk wartet noch einen Augenblick, versucht sich zu sortieren, dann geht er los, nein, er schleicht, schlurft, kann die Füße kaum heben, will zur U-Bahn-Station Markthalle/Landtag, hält sich für einen Augenblick an dem Gitter der Straßenbegrenzung fest. Die Ampel springt auf Rot. Ein...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Dateiformat: PDF
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie zum Lesen die kostenlose Software Adobe Reader, Adobe Digital Editions oder einen anderen PDF-Viewer Ihrer Wahl (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie die kostenlose App Adobe Digital Editions oder eine andere Lese-App für E-Books (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nur bedingt: Kindle)

Das Dateiformat PDF zeigt auf jeder Hardware eine Buchseite stets identisch an. Daher ist eine PDF auch für ein komplexes Layout geeignet, wie es bei Lehr- und Fachbüchern verwendet wird (Bilder, Tabellen, Spalten, Fußnoten). Bei kleinen Displays von E-Readern oder Smartphones sind PDF leider eher nervig, weil zu viel Scrollen notwendig ist. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.

Inhalt (1) (PDF)
Inhalt (2) (PDF)

Download (sofort verfügbar)

6,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
PDF mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
Hinweis: Die Auswahl des von Ihnen gewünschten Dateiformats und des Kopierschutzes erfolgt erst im System des E-Book Anbieters
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok