Gesammelte Werke

Romane und Geschichten
 
 
Null Papier Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Juni 2018
  • |
  • 6331 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96281-347-5 (ISBN)
 
*** Mit Index *** Die wichtigsten Werke von Jack London: Der Seewolf Wolfsblut Nordlandgeschichten Martin Eden König Alkohol An der weißen Grenze Das Mondtal Der Ruhm des Kämpfers Der Mexikaner Felipe Rivera Der Schrei des Pferdes Wer schlug zuerst? Das Ende vom Lied Das Wort der Männer Die Liebe zum Leben Der Sohn des Wolfs Das weiße Schweigen Die Männer von Forty-Mile In fernem Lande Auf der Rast Das Vorrecht des Priesters Die Weisheit der Reise Das Weib eines Königs Eine Odyssee des Nordens Der Seebauer Die glücklichen Inseln Auf der Makaloa-Matte Die Gebeine Kahekilis Koolau, der Aussätzige Leb wohl Jack! Aloha ?Oe Der Sheriff von Kona Das Haus des Stolzes Die Tränen Ah Kims Chun Ah Chun Die Herrin des Großen Hauses Drei Sonnen am Himmel Die Heirat der Lit-Lit Jees Uck Braunwolf Bastard Negore, der Feigling Quartier für einen Tag Der König und sein Schamane Ein Sohn der Sonne Aloysius Pankburns wunder Punkt Die Teufel von Fuatino Die Witzbolde von Neu-Gibbon Eine kleine Abrechnung mit Swithin Hall Ein Abend in Goboto Federn der Sonne Parlays Perlen In den Wäldern des Nordens Das Gesetz des Lebens Nam-Bok, der Lügner Der Herr des Geheimnisses Die Männer des Sonnenlandes Die Krankheit des Einsamen Häuptlings Keesh, der Sohn des Keesh Ligouns Tod Li Wan, die Schöne Der Bund der Alten Jerry der Insulaner Kid & Co. Null Papier Verlag

Ein beliebtes Thema Londons war der Konflikt zwischen Natur und Kultur. Als Kind schon auf Bücher versessen, nahm das Leben ihn früh in die Pflicht und ließ ihn als Jugendlichen in einer Fabrik mehr als 16 Stunden täglich arbeiten - Erfahrungen, die in ihm einen fortschrittlichen und liberalen Geist wachsen ließen. Seine Berichte über die schlechten Arbeitsbedingungen der 'einfachen Leute' werden heute verglichen mit den Romanen von Charles Dickens. Zwischen 1899 und 1916 verfasste er über 50 Bücher, einschließlich Roman- und Sachbuch, hunderte von Kurzgeschichten und zahllose Artikel in einer großen thematischen Bandbreite. London starb jung im Alter von vierzig Jahren an Nierenversagen, bis zuletzt war er schriftstellerisch sehr aktiv.

1


Alle Lu­ken des Damp­fers wa­ren of­fen. Quiet­schen­de, krei­schen­de und pol­tern­de Krä­ne tauch­ten mit spit­zen Ha­ken in sei­nen Bauch ein. Unabläs­sig hol­ten sie Kis­ten und Las­ten der Gold­grä­ber her­vor und schwan­gen sie hin­über in of­fe­ne Leich­ter, die zu bei­den Sei­ten längs des Schif­fes la­gen. Tau­send Men­schen has­te­ten auf Deck um­her und tra­ten ein­an­der auf die Füße. Die Schau­er­leu­te wa­ren im Streik, und die Pas­sa­gie­re muss­ten selbst ihre La­dung lö­schen. Es war kei­ne Ord­nung. Grup­pen­wei­se strit­ten sie sich um das Ei­gen­tums­recht an be­stimm­ten Las­ten, die mit »Punkt 2« oder »Punkt 2 Strich« ge­zeich­net wa­ren. Dann und wann kam es zu Schlä­ge­rei­en.

Der Ers­te Of­fi­zier ging durch das To­hu­wa­bo­hu und mach­te ein hei­te­res Ge­sicht, als gin­ge ihn die gan­ze Sa­che nichts an.

»Gold­grä­ber sind eine leicht ver­derb­li­che Fracht«, sag­te er zu Fro­na Wel­se. »Sie zit­tern um jede Mi­nu­te .«

»Und ich erst!« rief Fro­na. »Ich zit­te­re auch um jede Mi­nu­te. Da, schaun Sie da hin­über! Dort, wo der Fluss mün­det, zwi­schen den Kie­fern, se­hen Sie das große Block­haus? In dem bin ich ge­bo­ren!«

»Dann al­ler­dings, dann hät­te ich auch Eile«, lach­te er. »Also dann wol­len wir Ih­nen mal ein biss­chen un­ter die Arme grei­fen.«

Sie war das ein­zi­ge jun­ge Mäd­chen an Bord, un­ter mehr als tau­send Män­nern. Er lots­te sie ga­lant an die Re­ling, wo ver­zwei­fel­te Pas­sa­gie­re stan­den und mit Schrift­stücken wink­ten. Sie brüll­ten ihre Fracht­zei­chen und fluch­ten wie die Hei­den.

»Der Pro­vi­ant­meis­ter sagt, ent­we­der ist er schon ver­rückt ge­wor­den, oder er wird es au­gen­blick­lich«, er­zähl­te der Ers­te Of­fi­zier, wäh­rend er Fräu­lein Wel­se über die Lauf­plan­ke half.

»Da­bei geht es bei uns noch ganz fried­lich her. Se­hen Sie da drü­ben den >Stern von Beth­le­hem<?«

Er zeig­te auf einen Damp­fer, der eine Mei­le ent­fernt vor An­ker lag.

»Die Hälf­te von den Pas­sa­gie­ren da drü­ben hat Pack­pfer­de be­stellt. Die wol­len nach Ska­guay und dem Wei­ßen Pass. Dort soll es neue Gold­fun­de ge­ben. In ei­nem Jahr will je­der von ih­nen Mil­lio­när sein. Ihre Pfer­de ste­hen am Strand und gra­sen fried­lich, und die Leu­te kom­men nicht vom Schiff weg. Da ist eine Art von Meu­te­rei aus­ge­bro­chen.«

»He, Sie!« rief er ei­nem Ru­der­boot zu, das sich vor­sich­tig am äu­ßers­ten Ran­de des schwim­men­den Wirr­warrs hielt.

Eine win­zi­ge Bar­kas­se, die mit he­ro­i­schem Mut an ei­ner mäch­ti­gen Schu­te zerr­te, ver­such­te, dem Ru­de­rer den Weg ab­zu­schnei­den, aber der Mann leg­te sich ein­fach vor ih­ren Bug. Er be­kam einen Stoß und fiel der Län­ge nach in sein Boot. Das Boot dreh­te sich und stopp­te jetzt den gan­zen Ver­kehr.

Eine paar lan­ge Ka­nus, voll­ge­la­den mit Wa­ren, Gold­grä­bern und In­dia­nern, dräng­ten an ihm vor­bei zum Strand und ver­hed­der­ten sich in­ein­an­der. Als der Ru­de­rer wie­der auf die Füße kam, ließ er einen Ha­gel von Flü­chen auf alle Ka­nu­leu­te und Leicht­er­schif­fer nie­der­fah­ren. Ein Mann auf dem Leich­ter beug­te sich zu ihm hin­über und schwur, dass er nie einen arm­se­li­ge­ren Sohn ei­ner Hün­din ge­se­hen hät­te, wäh­rend die Wei­ßen und In­dia­ner in den Ka­nus in ein brül­len­des Hohn­ge­läch­ter aus­bra­chen.

»Scher dich zum Sa­tan!« rief ei­ner aus dem Kanu, »hät­test du lie­ber ru­dern ge­lernt!«

Die Faust des Ru­de­rers krach­te ge­gen das Kinn des an­de­ren, der be­täubt auf einen Wa­ren­sta­pel fiel. Er war da­mit aber noch nicht zu­frie­den. Weiß vor Wut, woll­te er sich in das Kanu hin­über­schwin­gen und wei­ter auf den Mann ein­dre­schen, der be­haup­tet hat­te, er könn­te nicht ru­dern. Ein Gold­grä­ber im sel­ben Kanu, der in all dem nur Zeit­ver­geu­dung sah, nes­tel­te an sei­ner Re­vol­ver­ta­sche, und man konn­te große Din­ge er­war­ten. Aber dann wur­de dem Ru­de­rer aus dem Kanu her­aus ein Rie­men über den Schä­del ge­schla­gen, so­dass er für den Au­gen­blick kampf­un­fä­hig war, das Kanu be­kam sei­nen Weg wie­der frei, und ge­ra­de als Mord und Tot­schlag un­ver­meid­lich schie­nen, war die klei­ne Mei­nungs­ver­schie­den­heit plötz­lich zu Ende.

Der Schiff­s­of­fi­zier warf einen ver­stoh­le­nen Blick auf das Mäd­chen . viel­leicht wur­de sie ohn­mäch­tig, und er muss­te sie auf­fan­gen? Aber ihr Ge­sicht war voll ver­gnüg­ter Span­nung. Sie war noch hüb­scher ge­wor­den.

»Es ist mir ja lieb, dass der Re­vol­ver nicht ge­knallt hat«, sag­te sie, »aber so was macht doch Spaß, fin­den Sie nicht?«

In­zwi­schen war der Ru­de­rer wie­der auf die Bei­ne ge­kom­men und leg­te sein Boot an die Schiffs­wand.

»Eine Dame an Land!« schrie der Of­fi­zier. »Wie viel?«

»Zwan­zig Dol­lar.«

»Der Kerl ist ein Räu­ber«, sag­te der Of­fi­zier zu Fro­na. »Zwan­zig Dol­lar für die paar hun­dert Me­ter! Für einen Mann wür­de er wahr­schein­lich fünf­und­zwan­zig for­dern. Rich­ti­ge See­räu­be­rei! Ei­nes schö­nen Ta­ges wird er da drü­ben hän­gen an ei­ner von den Kie­fern.«

»Hal­ten Sie's .«, rief der von un­ten.

»Sie ha­ben ver­dammt gute Ohren!«

»Mit den Flos­sen bin ich auch nicht lang­sam, wenn Sie's dar­auf an­kom­men las­sen.«

»Und ganz be­son­ders schnell mit dem Maul!«

»Muss ich auch, bei mei­nem Ge­schäft, sonst käm' ich nicht weit un­ter all den Hai­fi­schen. Ich soll ein Räu­ber sein? Was seid ihr denn dann? Tau­send Pas­sa­gie­re auf­ein­an­der ge­packt wie die Öl­sar­di­nen . und für nichts ge­sorgt! Be­zah­len lasst ihr euch zwei­mal so­viel wie in der ers­ten Klas­se, und füt­tern tut ihr sie mit Zwi­schen­deck­fraß! Möch­te wis­sen, wer von uns ei­gent­lich See­räu­ber ist!«

»Also, mein ver­ehr­tes Fräu­lein .«, sag­te der Of­fi­zier zu Fro­na. »Al­les Gute! Ich hät­te Sie gern an Land be­glei­tet. Aber Sie se­hen ja selbst: ein biss­chen muss ich doch hier noch zu­se­hen. Die Leu­te ha­ben das gern. Je­den­falls kön­nen Sie sich dar­auf ver­las­sen, dass ich für Ihr Ge­päck sor­ge.«

Sie drück­te ihm die Hand und klet­ter­te in das Boot. Es schwank­te stark, im Au­gen­blick wa­ren die Bo­den­bret­ter über­spült, und ihre Füße stan­den im Was­ser. Sie blieb ganz ru­hig, setz­te sich auf die Steu­er­ducht und zog die Bei­ne hoch.

»Das geht ja nicht!« rief der Of­fi­zier von oben. »Kom­men Sie zu­rück, Fräu­lein Wel­se! So­bald es mög­lich ist, las­se ich Sie mit ei­nem von un­se­ren Boo­ten an Land brin­gen.«

Er klet­ter­te die Strick­lei­ter hin­un­ter und woll­te das viel zu leich­te Boot mit Ge­walt zu­rück­hal­ten, aber der Ru­de­rer hat­te für so­viel Rit­ter­lich­keit kein Ver­ständ­nis und schlug ihm über die Knö­chel.

»Willst mir mei­nen Pas­sa­gier aus­span­nen? Hast wohl Sehn­sucht nach dem Him­mel?«

»Ein fei­er­li­cher Ab­schied!« rief Fro­na Wel­se ihm mit strah­len­dem Ge­sicht zu. »Ha­ben Sie tau­send Dank, Sie sind ein Rit­ter!«

»Das ist ein Weib!« sag­te der Rit­ter vor sich hin und rieb sei­ne ge­trof­fe­nen Fin­ger­knö­chel. Er hat­te plötz­lich Sehn­sucht, im­mer in die­se grau­en Mäd­chen­au­gen zu se­hen, hat­te Lust, sei­nen Be­ruf über Bord zu wer­fen und mit ihr nach Klon­di­ke zu...

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